Dokumentation: Palästinenser-Sprecher wirbt für ein „Miteinander“
Liebe Leserinnen und Leser, die heutige Dokumentation einer Rede bei der Kundgebung des Ostermarsches auf dem Bremer Marktplatz wird – im schlimmsten Fall – auf die einen als Zumutung wirken. Auf andere möglicherweise jedoch als überraschend horizont-erweiternd. Ebubekir Kilinc (33), Bremer einer türkischen Familie, studierter Logistiker und Mitglied der Palästinensischen Gemeinde Bremen, hat eine Rede gehalten, mit der er zwar die neue israelische Gesetzgebung gegen Palästinenser angeprangert, aber – im zweiten Teil – zugleich stark für die Versöhnung geworben hat. Und, in der er dafür eintrat, die Toten in Teheran, Tel Aviv und Gaza nicht unterschiedlich zu „wiegen“. Kilinc rief ferner dazu auf, auch in Bremen offen und ehrlich miteinander zu sein sowie Gespräche nicht zu verweigern, nur weil der/die Gegenüber die „falsche Meinung“ haben könnte.
Meine BITTE an Sie: Klicken Sie den Beitrag als Israel-Freund nicht einfach weg, lesen Sie ihn. Ich denke: Es lohnt sich.
Das sage ich aus der tiefen (liberalen) Überzeugung heraus, dass wir unbedingt mehr miteinander als übereinander sprechen müssen.
Vorab: Kilincs Text weist aus meiner Sicht zwei Schwächen auf: Er erwähnt den Beginn des Gaza-Krieges nicht, sondern bewegt sich ausschließlich in der Gegenwart. Zur Erinnerung: Am 7. Oktober 2023 hatte die Hamas ein israelisches Musikfest überfallen, dabei 1.182 Menschen teilweise niedergemetzelt und 251 Geiseln genommen. Außerdem stellt er die Thematik der jüngst in Israel beschlossenen Todesstrafe für palästinensische Attentäter verkürzt dar. Trotz alledem: Ich halte die Rede von Ebubekir Kilinc für beachtenswert. Bitte, vertrauen Sie mir einfach…
Nachfolgend die Rede vom vorigen Sonnabend:
„Liebe Bremerinnen, liebe Bremer, liebe Freundinnen und Freunde des Friedens, ich stehe heute hier als Mitglied der palästinensischen Gemeinde dieser Stadt. Aber ich möchte heute nicht nur als Palästinenser zu euch sprechen. Ich möchte als Bremer zu euch sprechen.
Wir haben in dieser Stadt seit dem 7. Oktober 2023 über 110-mal demonstriert. Wir haben gerufen, wir haben geweint, wir haben Zahlen genannt, die so groß sind, dass der menschliche Verstand sie kaum noch fassen kann. Aber heute ist Ostermarsch. Heute geht es um das Fundament, auf dem wir alle stehen wollen: den Frieden und das Recht auf Frieden.
Beginnen wir mit dem Unfassbaren. Am 30. März hat die israelische Knesset ein Gesetz verabschiedet, das die Todesstrafe für Palästinenser einführt. In einer Zeit, in der die Welt vorgibt, sich weiterzuentwickeln, führt ein Staat, der von unserer Bundesregierung als „Wertepartner“ hofiert wird, die staatliche Tötungsmaschinerie ein – selektiv, rassistisch, brutal.
Ein Staat führt im 21. Jahrhundert eine Hinrichtungsmaschinerie ein, die sich gezielt gegen eine Ethnie richtet. Das ist keine Justiz. Das ist staatlich organisierter Mord. Das ist die endgültige Maskerade eines Apartheidregimes, das keine Zeugen mehr will. Wenn Widerstand gegen eine völkerrechtswidrige Besatzung mit dem Strang oder der Giftspritze beantwortet wird, dann ist das der totale moralische Bankrott. Und ich frage euch, ich frage die deutsche Bundesregierung: Wo bleibt der Aufschrei? Wo sind die Sanktionen? Wenn dieses Gesetz in Teheran oder Moskau verabschiedet würde, stünden unsere Talkshows in Flammen. Doch wenn es in Tel Aviv geschieht, nennt man es „Sicherheitsbedürfnis“.
Diese Doppelmoral ist das Gift, das unser internationales Recht zersetzt!
Ein junger Palästinenser braucht heute kein faires Verfahren mehr zu erwarten. Er braucht nur den Mut zum Widerstand zu haben, und er landet am Galgen der Besatzung. Wenn wir zulassen, dass ein Staat Menschen nach ihrer ethnischen Herkunft hinrichtet, dann haben wir jedes Recht verloren, uns jemals wieder auf die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte zu berufen!
Denkt kurz darüber nach. Wir reden hier nicht von einem Relikt aus dem Mittelalter. Wir reden von einem Staat, der sich selbst als „einzige Demokratie im Nahen Osten“ bezeichnet und nun im Jahr 2026 ein Gesetz implementiert, das faktisch nur für eine einzige Ethnie gilt. Es ist das juristische Todesurteil für den Gedanken der Gleichheit. Es ist Apartheid.
Wenn wir hier in Deutschland von „Werten“ sprechen, wie können wir dann schweigen, wenn ein Rechtssystem zur Waffe umfunktioniert wird? Wenn ein junger Mann aus Nablus oder Gaza vor ein Militärgericht gestellt wird, wo Richter im Grunde Henker in Uniform sind? Dieses Gesetz ist kein Sicherheitsinstrument. Es ist eine Kapitulationserklärung vor der Menschlichkeit.
Aber die Mauern fallen nicht nur im Gerichtssaal. Sie fallen gerade in der gesamten Region. Während wir hier stehen, fliegen bunkerbrechende Bomben auf den Iran und den Libanon. Man nennt es „Präventivschlag“. Man nennt es „Neuordnung“. Man nennt es „Regime Change“
Aber nennen wir es doch beim Namen: Es ist ein völkerrechtswidriger Angriffskrieg, geführt mit der technologischen Überlegenheit der USA und der rücksichtslosen Entschlossenheit der israelischen Regierung.
Über 12.000 Ziele im Iran wurden in den letzten Wochen angegriffen. Atomanlagen, Häfen, Infrastruktur. Und wer bezahlt den Preis? Es sind die Zivilisten in Teheran, in Beirut, in Haifa und im Gazastreifen.
Dieser Krieg wird uns als „alternativlos“ verkauft. Doch wir wissen: Jede Bombe, die heute in Teheran oder im Südlibanon einschlägt, ist der Zündstoff für den Terror von morgen. Wer den Nahen Osten „in die Steinzeit zurückbomben“ will, wie es aus Washington und Tel Aviv tönt, der bombt auch unsere Hoffnung auf eine regelbasierte Weltordnung in die Steinzeit.
Und mitten in diesem Chaos geschieht etwas, das das Herz von Milliarden Menschen verwundet: Die Al-Aqsa-Moschee ist seit nunmehr über 30 Tagen geschlossen. Mitten im Fastenmonat, mitten in einer Zeit, in der Menschen Trost im Gebet suchten.
Israel nutzt den „Ausnahmezustand“ des Krieges gegen den Iran als Vorwand, um eines der wichtigsten Heiligtümer der Welt abzuriegeln.
Es geht hier nicht um Sicherheit. Es geht um die totale Kontrolle über die Identität eines Volkes. Wenn Menschen der Zugang zu ihrem Gott verwehrt wird, während gleichzeitig Siedlergruppen unter Polizeischutz von der Zerstörung des Tempelbergs träumen, dann wird Religion zur Geisel der Geopolitik.
Das beschränkt sich aber nicht nur auf muslimische Stätten. Auch Christen wird systematisch der Zugang zu heiligen Stätten verwehrt.
Dem obersten katholischen Kardinal wurde am Palmsonntag der Zugang zur Grabeskirche verwehrt. Das ist bisher in 1691 Jahren nicht passiert. Und auch die Al-Aqsa Moschee wurde seit 1967 nicht geschlossen.
Und während der Blick der Welt auf die Raketen über dem Persischen Golf starrt, stirbt Gaza leise weiter. Über 80.000 Tote – das ist die Bevölkerung einer ganzen Stadt wie Delmenhorst, einfach ausgelöscht.
Gaza ist heute ein Ort, an dem Hilfsgüter nicht mehr ankommen. Sie verrotten in Lagerhäusern in Jordanien, weil die Bürokratie der Besatzung tödlicher ist als jeder Scharfschütze. Wir dürfen nicht zulassen, dass Gaza zur „Fußnote der Geschichte“ wird, nur weil es einen neuen, noch größeren Krieg gibt.
Gaza ist nicht nur ein Ort auf der Landkarte. Gaza ist zu einem Riss geworden, der mitten durch unsere Wohnzimmer geht. Wie viele von euch haben Freunde verloren, weil man über dieses Thema nicht mehr reden kann? Wie oft habe ich am Mittagstisch geschwiegen, weil ich Angst hatte, als „antisemitisch“ oder sonstiges abgestempelt zu werden?
Wir erleben eine Zeit, in der Empathie selektiv geworden ist. Wenn wir über das Leid in Gaza sprechen – über 80.000 Tote, über verhungerte Säuglinge –, dann wird uns oft mit einer Kälte begegnet, die wehtut. Es ist die Kälte einer Gesellschaft die gelernt hat, Menschenleben zu wiegen.
Dieser Genozid hat unser soziales Miteinander vergiftet. Er hat dazu geführt, dass sich viele Menschen mit Migrationsgeschichte und nicht nur Palästinenser, in diesem Land nicht mehr sicher fühlen. Nicht nur wegen physischer Gewalt, sondern weil sie merken: Mein Schmerz zählt hier weniger. Meine Tränen werden als politisch verdächtig eingestuft. Das macht etwas mit einer Gesellschaft. Es lässt uns verhärten. Es macht uns einsam.
Ich weiß, viele von euch hier haben Angst. Angst vor einer Eskalation, die auch Europa erreicht. Angst davor, das „Falsche“ zu sagen.
Man hat uns erzählt, Solidarität mit Palästina sei kompliziert. Man hat uns erzählt, Kritik an Israel sei gefährlich für den sozialen Frieden in Deutschland. Aber ich sage euch: Es ist ganz einfach.
Frieden ist nicht die Abwesenheit von Krieg für uns hier in Bremen. Frieden ist die Anwesenheit von Gerechtigkeit für alle. Wenn wir zulassen, dass das Völkerrecht in Gaza stirbt, dann stirbt es überall.
Wenn wir zulassen, dass Deutschland Waffen liefert, während in Israel die Todesstrafe für Widerstand eingeführt wird, dann machen wir uns zum Komplizen einer Welt, in der nur noch das Recht des Stärkeren zählt.
Ihr seid heute hier, weil ihr die Hoffnung für den Frieden noch nicht verloren habt. Aber diesen Frieden könne wir nur gemeinsam erreichen. Wir müssen aufhören, Menschenleben zu wiegen. Ist ein Kind in Teheran weniger wert als eines in Kiew? Ist eine Mutter in Gaza weniger schützenswert als eine in Tel Aviv?
Wie finden wir also wieder zueinander?
Indem wir aufhören, Leid gegeneinander aufzurechnen. Das Leid der jüdischen Gemeinde ist real. Das Leid der palästinensischen Gemeinde ist real. Menschlichkeit ist kein Kuchen, von dem man weniger hat, wenn man ihn teilt.
Wir müssen in Bremen Räume schaffen, in denen wir wieder streiten dürfen, ohne uns zu hassen. Wir müssen die Angst vor der Komplexität verlieren. Frieden beginnt nicht am Verhandlungstisch in Genf, sondern am Gartenzaun in Horn-Lehe oder im Café im Viertel.
• Stoppt die Waffenexporte! Keine deutsche Hardware für ein System, das die Todesstrafe nach ethnischen Kriterien verhängt.
• Beendet die doppelte Moral! Völkerrecht gilt für den Iran, es gilt für Russland – und es muss verdammt noch mal auch für Israel gelten!
• Öffnet die Tore! Für die Hilfe nach Gaza und für die Gläubigen aller Religionen in Jerusalem. Sei es zur Grabeskirche oder zur Al-Aqsa.
• Öffnet Gaza! Beendet die Belagerung, beendet das Aushungern, beendet den Genozid! Wir lassen uns nicht spalten. Nicht in „wir“ und „die“. Wir sind die Menschen, die Nein sagen zum Krieg – egal in welcher Sprache die Befehle gebrüllt werden.“
Doku ENDE
Liebe Leserschaft, ja, ich denke, der Text war zwar anstrengend und herausfordernd. Aber: lesenswert. Bitte, schreiben Sie Ihre Meinung gerne als Kommentar.
Munter bleiben!
Herzlichst
Ihr Axel Schuller
Lieber Herr Schuller, der Beginn des Krieges gegen die Palästinenser war am 29. November 1947 mit dem Teilungsplan für Palästina und dem zionistischen Siedlungskolonialismus, der bereits Ende des 19. Jahrhunderts begann.
Oh?! Sorry! „Zionistisch“ darf man im Land des Hochamtes der Doppelmoral nicht sagen, oder? Und die pikanten geschichtlichen Details sind in Deutschland quasi unaussprechlich, wenn man sich nicht selbst zum Paria machen will.
Aber Siedlungskolonialismus gab es schon sehr oft in der Geschichte, und fast immer wurden die Ureinwohner während dessen ausgerottet oder zu marginalisierten Aussätzigen gemacht. Da brauchen wir nur zu unseren Menschenfreunden in die USA zu blicken oder über die Nordsee zu jener großen Pirateninsel, die bis 1945 die Weltmeere beherrschte und die Küstenregionen ausplünderte. Nachdem die Ureinwohner dort jeweils abgeräumt waren, hat es sie aus „Langeweile“ in die weite Welt getrieben.
Die Ausnahmetalente der deutschen Obrigkeit hatten schon immer ein Händchen dafür, sich auf die falsche Seite der Geschichte zu stellen und den Karren dann mittels Fleiß und Ausdauer, durch die Hand des Michels, aus dem Dreck ziehen zu lassen.
Aber auch Deutschland ist seit einigen Jahren von Siedlungskolonialismus betroffen, und ich bezweifle, dass es mit dem neuen Volk noch einmal so leicht laufen wird. – Die sind nicht so leichtgläubig, um hier noch mal die Kurve zu bekommen.
Bei allem Verständnis für die Aussagen von Herrn Ebubekir Kilinc fehlt mir in der gesamten Debatte ein entscheidender Punkt: die Selbstverantwortung der Palästinenser. Diese wird konsequent ausgeblendet oder relativiert und genau das ist Teil des Problems.
Der Konflikt ist nicht erst 20 oder 30 Jahre alt. Er reicht zurück bis in die Zeit nach dem Ersten Weltkrieg und zur Mandatspolitik der Briten. Damals wurden Versprechen gemacht – an Juden wie an Araber – und am Ende stand kein palästinensischer Staat. Aber daraus folgt eben nicht automatisch, dass jede spätere Entwicklung ausschließlich anderen anzulasten ist.
Die jüdische Bevölkerung kam nicht als klassische Eroberungsmacht, sondern hat Land gekauft, Infrastruktur aufgebaut, Städte und Häfen entwickelt. Gleichzeitig wurden politische Lösungen mehrfach angeboten und von arabischer Seite abgelehnt. Großmufti Hadschi Amin AL-Husseini spielte eine wichtige Rolle. Schon in den 1930er Jahren, später erneut beim UN-Teilungsplan. Statt Kompromissbereitschaft folgte Konfrontation.
1948 griffen arabische Staaten den neu gegründeten Staat Israel an. In den folgenden Jahrzehnten wiederholte sich dieses Muster. Die Leidtragenden waren immer auch die Palästinenser selbst ,vertrieben, entrechtet, instrumentalisiert. Weitere Kriege (1967/1973)
Aber auch hier stellt sich die Frage: Welche Rolle spielten die eigenen politischen Führungen dabei?
Die PLO unter Arafat, oft verklärt, war alles andere als eine makellose Befreiungsbewegung. Machtkämpfe, Gewalt, gescheiterte Strategien – vom „Schwarzen September“ in Jordanien bis zur Destabilisierung des Libanon. Später flossen Milliarden in die Autonomiegebiete – und versickerten in Korruption. Dass die Hamas in Gaza stark werden konnte, ist nicht vom Himmel gefallen, sondern auch Ergebnis dieses Versagens.
Wer all das ausblendet und ausschließlich eine Opfererzählung pflegt, macht es sich zu einfach. Ohne eine ehrliche Auseinandersetzung mit den eigenen Fehlern wird es keinen Fortschritt geben. Und ja, man muss auch verstehen, warum Israel so reagiert, wie es reagiert: Ein Staat, der mit der historischen Erfahrung existenzieller Bedrohung lebt, handelt anders. Härter. Präventiver. Oft auch überzogen, aber nicht grundlos.
Solange jedoch auf palästinensischer Seite mehr Energie in Feindbilder als in Zukunftsperspektiven gesteckt wird, bleibt jede Friedensrhetorik leer. Die Opferrolle kann man noch Jahrzehnte kultivieren , sie wird aber weder Freiheit noch Stabilität bringen. Ich kann nur jedem das Buch von Oren Kessler „Palästina 1936“ empfehlen.
Sehr nüchtern und sachlich.
Lieber Herr Schuller,
dass Sie Ihren zahlreichen Leserinnen und Lesern ermöglichen, die Rede von Ebu Kilinc auf dem Ostermarsch zur Kenntnis zu nehmen, ist sehr verdienstvoll. Herr Kilinc ist darüber hinaus auch ein brillanter Rhetoriker, der die Menge auf dem Marktplatz fesselte und zu stürmischem Applaus hinriss – aber auch betroffene Stille provozierte. Zu sehen auf dem Videobericht auf der Homepage der DPG Bremen: https://dpg-netz-bremen.de. Lohnt sich!
@Heiko Strohmann Es ist nicht „nüchtern und sachlich“. Meiner Meinung nach stehen Sie auf der Seite der zionistischen Siedler. Ist Ihnen klar, dass es vor Gaza ein sehr großes Erdgasfeld gibt, das Gaza zu einem sehr reichen Land machen könnte? Leider wollen die Zionisten dieses für sich haben und keinesfalls den Palästinensern überlassen oder – Gott bewahre – teilen.
Ist Ihnen bewusst, dass die Palästinenser wahrscheinlich die genetischen Nachkommen der biblischen Juden sind und nicht die europäischen und russischen Siedler? Das können Sie bei Shlomo Sand nachlesen. Er ist ein israelischer Historiker und war von 2002 bis zu seiner Emeritierung 2014 Professor an der Universität Tel Aviv. – Sein Buch: „Die Erfindung des jüdischen Volkes“.
Ich als Atheist frage mich, was euer Gott wohl davon hält, dass sein auserwähltes Volk massakriert wird? Ob ihr wohl in den Himmel kommt? Oder gibt es für das Wegschauen zwei Drittel Ewigkeit Höllenfeuer? – LOL
Aber zurück zum Weltlichen: Es gibt etwa 150 UN-Resolutionen gegen Israel, die alle ignoriert wurden. Für mich ist die Sache klar: Die Siedler sind die Aggressoren. Es wird dort erst Frieden geben, wenn entweder die Palästinenser ausgerottet oder die Zionisten vertrieben wurden. Mein Mitgefühl liegt bei den Opfern.
Sehr geehrter Herr Mayer,
nur noch einmal zur Klarstellung: Einen Krieg gegen die Palästinenser im Jahr 1947 hat es so nicht gegeben. Außerdem habe ich nie behauptet, dass ich sachlich und nüchtern argumentiere, das war lediglich ein Hinweis im Zusammenhang mit dem am Ende genannten Buch.
Und ja, Sie können mich gerne als Zionisten einordnen. Ich stehe klar für die Existenz des Staates Israel und für das Recht des jüdischen Volkes auf einen eigenen Staat. Da bin ich klar. Wer diesen Staat bedroht – unabhängig von Dauer oder Begründung –, dem trete ich entschieden entgegen. So einfach ist das. Das mit dem Gas ist ein Ablenkungsargument.
Das bedeutet allerdings nicht, dass ich alles gutheiße, was Israel tut. Ich habe an anderer Stelle bereits gesagt, dass ich die Siedlungspolitik beziehungsweise das Verhalten einiger Siedler ebenfalls kritisch sehe und für problematisch halte.
Ich sehe und höre von den Bremer Hamas-Fanboys und -Girls ausschließlich antisemitischen Hass und ekelerregende Schreierei auf ihren Demonstrationen: „Israel Frauenmörder, Israel Kindermörder, Israel Massenmörder.“ Tränen habe ich da nie gesehen.
Wir sollten miteinander reden. Worüber? Dass die Hamas palästinensische Frauen und Kinder als Schutzschilde gegen israelische Raketenangriffe missbraucht?
Da ist leider wieder ein Journalist auf Hamas-Propaganda reingefallen. Für mich ist die radikalislamistische Hamas gleichzusetzen mit dem Nazi-Regime in Deutschland.
Dass die israelische Regierung jetzt ein Militärgesetz mit einer Stimme Mehrheit in der Knesset durchgesetzt hat, das ermöglicht, ausländische Terroristen hinzurichten, ist kein gutes Signal in die Welt. Wobei der oberste israelische Gerichtshof das Gesetz vermutlich kassieren wird.
Zurück nach Bremen: Diese Pali-Demonstranten haben die Friedensdemo frech gekapert. Sie sind nervig, übergriffig und anmaßend. Wir sollten diese Pali-Ekel-Aufritte per Gesetz konsequent verbieten.
Und wir sollten darüber reden, wie wir den islamistischen Hamas-Terror und seine Anhänger auch im Westen in den Griff bekommen.
Übrigens: Der einzige Hingerichtete in Israel war Holocaust-Massenmörder Adolf Eichmann am 1. Juni 1962.
Sehr geehrter Herr Strohmann, Sie heißen nicht alles gut, was Israel tut. Das tue ich auch nicht. Ich finde es völlig unverhältnismäßig auf die Ermordung und Entführung von über 1.200 Menschen seinerseits mit der Tötung von über 60.000 Menschen und der völligen Zerstörung der Lebensgrundlagen von über 2 Millionen Menschen zu reagieren. Das werden Sie wahrscheinlich mit der perfiden Partisanentaktik der Hamas rechtfertigen, die sich unter der Zivilbevölkerung versteckt. Deshalb meine Frage: Bei wie vielen Getöteten und Vertriebenen wäre denn Ihre Schmerzgrenze erreicht? Oder geht Ihr Empfinden von Staatsräson so weit, dass der Grundsatz der Verhältnismäßigkeit an dieser Stelle nicht mehr anwendbar ist?
Und wenn Sie Israels Vorgehen in Gaza in Ordnung finden, wie steht es dann um das Westjordanland? Da geht es nicht um das Verhalten einiger Siedler, sondern um die weitere Vertreibung von Palästinensern im großen Stil und unter dem Schutz der israelischen Armee. Dort werden Tausende von palästinensischen Wohnungen wegen fehlender, allerdings auch nicht zu bekommender Baugenehmigungen abgerissen und zugleich zigtausende neue israelische Wohneinheiten geplant. Zu den schon jetzt dort lebenden 730.000 israelischen Siedlern, die da eindeutig nichts, aber auch gar nichts verloren haben, sollen noch Hunderttausende dazu kommen. Israel verdankt seine Existenz den UN, schert sich aber einen Dreck um deren Resolutionen.
Seien Sie mir nicht böse, aber diese fortgesetzten Rechtsbrüche und Grausamkeiten, die nun wirklich nicht mit dem Massaker der Hamas zu begründen sind, als „problematisch“ und „kritisch“ einzustufen, empfinde ich als eine grobe Verharmlosung, mit der Sie sich an einer klaren Verurteilung der israelischen Politik vorbei mogeln.
Warum eigentlich? Weil es undenkbar und unsagbar ist, dass auch vormalige Opfern zu Tätern werden können?
Herr Fricke, Ihren Vergleich der Hamas mit den Nazis finde ich interessant. Mir war gar nicht bewusst, dass sich die NSDAP aus einem Münchner Ghetto heraus entwickelt und radikalisiert hat. Oder welche anderen zutreffenden historischen Analogien wollten Sie uns nahelegen wahrzunehmen? Ich bin gespannt auf Ihre Antwort.
Die Kommentare haben mich vollkommen verwirrt. Wie kann ich zwischen sich widersprechenden historischen und aktuellen Fakten eine eigene Wahrheit finden?
Sehr geehrter Herr Schuller, es freut mich, dass Sie die Rede von Ebu Kilinc gutheißen. Die von Ihnen ausgemachte Schwäche: Herr Kilinc bewege sich nur in der Gegewart kann ich nur an Sie zurückgeben, da Sie sich nur in der Vergangenheit bis 2023 bewegen. Der Überfall der Hamas war für mich ganz klar ein Terrorakt. Der aus der Vertreibung, Ermordung, Verfolgung, und bis heute fortgesetzten Erniedrigung und Entrechtung der Palästinenser entstanden ist.
Ich rate zu einer Reise ins besetzte Westjordanland. Ich habe Amerikanerinnen weinen sehen, als sie die Realität vor Ort mit eigenen Augen gesehen und erlebt haben.
Solange es keine Gerechtigkeit gibt, werden Israelis und Palästinenser keinen Frieden finden.
Es schockiert mich, dass Ebubekir Kilinc auf dieser Plattform über einen „Genozid“ und „verhungerte Säuglinge“ im Gaza-Streifen schwadronieren darf. Ich sehe keine Gemeinsamkeiten mit echten Genoziden wie etwa dem Holocaust und den systemeatischen türkischen Massakern an den Armenierm.
Zionismus und sein Produkt „Israel“ waren von Anfang an und sind es bis heute: eine fortwährende Kriegserklärung an Palästina und die gesamte Arabische Welt: Ein kolonial-rassistisches Siedlerprojekt, das auf dem Wege der Judaisierung des arabischen Palästinas auf die Ausgrenzung, Unterdrückung und Vertreibung der einheimischen Bevölkerung setzt. Sowohl bei israelischen, palästinensischen als auch deutschen Historikern kann man diese Geschichte im Detail nachlesen:Ilan Pappé, Rashid Khalidi, Helga Baumgarten. Leider-aber logischerweise – haben sich Versuche eines „historischen Kompromisses“ mit Israel als Illusion erwiesen.