Interner Kampf im WK / Messe braucht Geld / Alleingang der Bürgerschaftspräsidentin? / Doku

07.04.2026 8 Von Axel Schuller

Was aktuell beim Weser-Kurier intern abläuft, hat es nach meiner Einschätzung bundesweit so noch nie gegeben. Nachdem sich die Eigentümer-Vertreter Güssow und Hackmack (alphabetisch geordnet) nicht auf einen neuen Vorstand einigen konnten, und das Gericht einen Notvorstand einsetzen musste, fliegen nun im Aufsichtsrat die Fetzen. Dazu gleich mehr. / Weitere Themen:  Drohende Ebbe in der Messe-Kasse. / Seltsamer Alleingang (?) von Bürgerschaftspräsidentin Antje Grotheer. / Und: Hinweis auf die Doku einer Palästinenser-Rede beim Ostermarsch.

Als erstes kurz zu den Hahnenkämpfen an der Martinistraße. Die von Christian Güssow vertretene 50-Prozent-Eigentümerseite muss laut OLG noch bis März 2027 mit dem Alt- und nunmehr weiterhin Not-Vorstand David Koopmann klarkommen. 

Brandaktuell: Die Güssow-Seite hat – erneut bei Gericht – die Ablösung des Aufsichtsratsvorsitzenden Bernhard Gätjen beantragt.

Der Jurist sitzt für die Eigentümerseite von Dr. Ulrich Hackmack (ebenfalls 50-Prozent-Eigentümer) in dem Aufsichtsgremium der Bremer Tageszeitungen AG und hat dort den Vorsitz inne.

Dass sich der sechs-köpfige AR überhaupt auf einen mehrheitlichen Beschluss „einigen“ konnte, ist darauf zurückzuführen, dass Gätjen nicht über den gegen ihn gerichteten Antrag abstimmen durfte.

Und warum soll er weg? Aus dem Fachdienst „MedienInsider“ geht hervor, dass die Güssow-Seite Gätjen vorwirft, er habe angeblich die Pflicht zur „Verschwiegenheit“ als AR-Mitglied Außenstehenden gegenüber verletzt. Dies bezieht sich offenbar auf die Phase, als Güssow und Hackmack sich (wie hier im Blog berichtet) gemeinsam(!) am Bietverfahren um die Nordwest-Zeitung in Oldenburg beteiligt hatten, jedoch gegen den hannoverschen Madsack-Verlag unterlegen waren. Das Gericht befasst sich mit dem Abberufungsantrag gegen den AR-Vorsitzenden Gätjen am 9.6.

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Messegesellschaft M3B braucht 1,8 Millionen Euro

Bremens Messe- und Veranstaltungsgesellschaft M3B (Messe, Stadthalle, Großmarkt, Ratskeller und Wochenmärkte) braucht dringend Geld, um über genügend Mittel auf den Konten zu verfügen – Liquidität genannt. Es geht um 1,8 Millionen Euro. Hintergrund sind offenbar gestiegene „Produktionskosten“ (Messe- und Ausstellungs-Aufbau, Technik, Personal bis hin zu gestiegenen Preisen für Blumengestecke). Dumm nur, dass Veranstalter, also die Kunden der M3B, nicht immer bereit sind, die höheren Kosten zu bezahlen.

Die städtische Gesellschaft (Umsatz rund 34 Millionen Euro) hat bereits Messen wie „Leben+Tod“ verkauft und wie die„ITHEC“ (mit dem Faserinstitut) eingestellt.

Und trotzdem fehlt es an Liquidität. 

Die vom Aufsichtsrat bereits abgesegnete Lösung: M3B wird ein Teil der Miete (3 Millionen Euro) für die Flächen gestundet, auf denen die Hallen auf der Bürgerweide stehen. Irgendwann soll das Geld ins Stadtsäckel zurückfließen. Irgendwann.

Diese „Lösung“ können Messe-Aufsichtsrat und Wirtschaftsressort von Kristina Vogt (Linke) nicht alleine beschließen. Heute (Mittwoch) beschäftigt sich die Wirtschaftsdeputation mit dem Thema und demnächst muss der Haushalt- und Finanzausschuss noch sein Placet geben.

Wirtschafts-Staatsrat Kai Stührenberg, zugleich Chef des M3B-Aufsichtsrates, warb gestern auf Anfrage von bremensogesehen, realistisch zu sein: „Keine deutsche Messegesellschaft schafft es, auch nur eine schwarze Null zu schreiben. Die Ausrichtung von Messen muss man als Standortpolitik verstehen. Sie generieren für viele Hotels einen deutlichen Anstieg der Übernachtungszahlen, sorgen also für Umsatz in der Stadt.“ Der bereits begonnene Sanierungsprozess bei der M3B verlaufe planmäßig. Stührenberg: „Es ist ein normaler Prozess, die Liquidität mit Cashmanagement zu sichern.“

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Grotheers Alleingang

Dr. Claudia Major (50) wird am 15. April im Haus der Bürgerschaft sprechen. Beschlossen hat das nicht das Parlament. Auch nicht der Bürgerschaftsvorstand (wie mir Mitglieder bestätigten). Nein, das macht die Präsidentin Grotheer offenbar in ihrer eigenen Herrlichkeit. Die Politikwissenschaftlerin Major ist –  in bestimmten Kreisen – eine hoch angesehene Referentin vom German Marshall Fund (GMF) of the United States. 

Allerdings kann man bei ihr schon vorab grob erahnen, was die Referentin vortragen wird. Sie bezieht eine eindeutige Position im Ukraine-Krieg – was Grotheer offenbar gut gefällt. Auf dem Podium wird keine andere Stimme vertreten sein. 

Man fragt sich, weshalb Frau Grotheer dafür rund 1.800 Euro an Steuergeld ausgibt – ohne mit dem Auftritt von Frau Dr. Major auf dem Podium eine Debatte mit unterschiedlichen Ansichten auszulösen.

Ein Blick in die SPD-Bürgerschaftsfraktion (der Grotheer als Präsidentin ja angehört) zeigt, dass die Parlamentsriege beim Thema Krieg und Frieden uneinig ist. Ukraine und Gaza/Naher Osten werden als Themen – wenn’s irgend geht – vermieden. Aus Sorge vor tiefen Gräben, die sich auftun könnten. Als Kontrahenten stehen sich Arno Gottschalk (der für den Eppler-Kreis schreibt und 2025 beim Ostermarsch aufgetreten war) und Grotheer plus dem innenpolitischen Sprecher Kevin Lenkeit gegenüber – beide gelten als „Pistorianer“.

Infos zum GMF: Ausweislich mehrerer Quellen wird dieser in stattlichem Umfang auch von der Rüstungsindustrie gesponsert. Wer am 15.4. auf flammende Friedensappelle hofft, dürfte enttäuscht werden.

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Dokumentation einer Ostermarsch-Rede

Liebe Leserschaft, scrollen Sie in der Blog-Übersicht bitte eine Position nach unten, dann finden sie die Doku einer Rede des Sprechers der palästinensischen Gemeinde Bremen bei der Abschlusskundgebung des Ostermarsches. Diese habe ich bereits zuvor veröffentlicht. Ich dokumentiere den Beitrag, weil er aus meiner Sicht endlich etwas Grund zur Hoffnung bietet. Ebubekir Kilinc hat nämlich – besonders im zweiten Teil – für die Versöhnung zwischen unterschiedlich Denkenden geworben.

Munter bleiben!

Herzlichst

Ihr Axel Schuller

P.S.: Der Gastkommentar von Philipp Möller von den Konfessionsfreien hat eine wahre Flut an Leser-Kommentaren nach sich gezogen.