Vorlauter Finanzsenator Fecker? / Aus Berlin droht Ungemach / Neues von der „Klimastraße“

09.04.2026 11 Von Axel Schuller

Finanzsenator und Bürgermeister Björn Fecker ist ein eher zurückhaltender Typ. Bei der Vorstellung des „Berichtes über das Finanzcontrolling 2025“ hat sich der Grüne jedoch erstaunlich weit aus dem Fenster gelehnt. Er teilte nämlich mit, dass sich Bremen mit diesem Zahlenkatalog „auch 2025 die 400 Millionen Euro Sanierungshilfen vom Bund sichert“. Die Nachfrage von bremensogesehenim Bundesfinanzministerium ergab jedoch: Bremen hat den – angeblich so gewinn-bringenden – Bericht dort noch gar nicht vorgelegt. Als Frist nannte eine Sprecherin den 30. 4. 2026. Aktuell droht Bremen übrigens – auf einem ganz anderen Finanz-Feld – Ungemach aus Berlin. 

Bundesfinanzminister Lars Klingbeil (SPD) möchte gebeutelten Ländern und Kommunen Gutes tun. Sagt er jedenfalls. Von 2026 bis 2029 will er jährlich eine Milliarde Euro zur Entlastung bereitstellen. Insgesamt also vier Mrd.

Das Ergebnis für Bremen – aktueller Schuldenberg: 23,29 Milliarden Euro – in Zahlen: 0 Euro. Nix. Null. Nada.

Sollte Klingbeils Gesetzentwurf Wirklichkeit werden, dürfen sich die „Geberländer“ Bayern, Baden-Württemberg und Hessen über 400 Millionen Euro an „Geberland-Hilfen“ freuen. 300 Millionen sollen in die fünf „neuen“ Ostländer fließen, um dort alte, weiterhin bestehende Rentenanwartschaften aus der ehemaligen DDR abzudecken. Aha.

Nur 250 Millionen von der einen Milliarde bleiben übrig, um speziell Kommunen zu helfen, die in der Vergangenheit ihre Kreditlinien bei den Banken überzogen hatten; um finanziell irgendwie über die Runden zu kommen.

Bitter für Bremen: Als Berechnungsgrundlage gelten die Jahre 2020 bis 2024. Das Land Bremen hatte aber just im Jahr 2020 seine Städte Bremen und Bremerhaven entschuldet, also die roten Zahlen aufs tiefrote Landeskonto umgebucht. Damit fällt Bremen aus dem geplanten Hilfe-Programm komplett raus!

Dabei hat die Stadtgemeinde Bremen mittlerweile schon wieder eine Milliarde an Verbindlichkeiten bei den Banken aufgehäuft. Bremerhaven liegt aktuell bei 213 Millionen Euro.

Berlin und Hamburg werden voraussichtlich ebenfalls leer ausgehen – allein aufgrund ihrer staatlichen Konstruktion: Diese beide Stadtstaaten verfügen – anders als Bremen – über keine Kommunen unter dem „Landesdach“.

Schauen wir noch kurz auf das bremischen „Finanzcontrolling 2025“. Bremen rühmt sich, es habe alle finanziellen Vorgaben und Kennziffern des Bundes eingehalten. Ja, aber… 

Kurzer Exkurs für Zahlen-Erotiker. Umsatzsteuer: plus 121 Millionen Euro; Gewerbesteuer: minus 109 Mio; Körperschaftssteuer: minus 96 Mio; Personalkosten plus 122 Mio. auf 2,5 Milliarden Euro – was mittlerweile 30 Prozent des gesamten Bremer Etats ausmacht; Sozialausgaben plus 176 Mio. (entspricht sagenhaften elf Prozent) auf 1,76 Milliarden Euro.

Fecker ist sich zwar sicher, den Bund mit diesen (und weiteren) Zahlenkolonnen dazu bewegen zu können, rückwirkend für 2025 erneut 400 Millionen Euro an Sanierungshilfen zu überweisen.

Es gibt in Politikkreisen jedoch auch Stimmen, die mit Sorge darauf hinweisen, dass dem Bund die heftige Aufblähung des öffentlichen Dienstes mitsamt der städtischen Gesellschaften nicht entgangen sein dürfte. Die „öffentliche Hand“ legte zwischen 2018 und 2024 von 23.164 Mitarbeitern (in Vollzeit umgerechnet) auf 26.429 zu – mithin plus 3.265 Stellen

Polizei, Feuerwehr, Schulen, Kitas und Steuerverwaltung benötigten zweifelsohne dringend zusätzliche Kräfte. Dies macht angeblich aber nicht einmal die Hälfte der Neu-Arbeitsplätze aus. Der größere Teil der zusätzlich Angeheuerten sind häufig in den „senatorischen Behörden“ zu finden – also in Stäben, Referaten und Abteilungen, die den Senatsmitgliedern direkt zuarbeiten; wie in Pressestellen oder Mitarbeiter, die sich im Rathaus beispielsweise um die FreiKarte für alle Kinder und Jugendliche kümmern. Oder in neuen Behörden wie der Polizei- und Feuerwehrbeauftragten und: siehe unten im P.S…

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Nach so vielen Zahlen noch etwas zum Entspannen. Ein (im Schreiben geübter) Leser, der aber im Blog nicht namentlich in Erscheinung treten will (mir aber gut bekannt ist), hat ein paar Gedanken zur „Klimastadt Bremen“ aufgeschrieben, die ich Ihnen nicht vorenthalten möchte.

Zitat:

Bremen pflastert ab – vollmundig verkündet das Umweltressort diesen neuen Wettbewerb, die Sieger erhalten die Goldene Spitzhacke oder Gießkanne. Toll. 

Und dann der Gang in den Schnoor, wo gegenwärtig Bauzäune den Weg durch die Dechanatstraße versperren, weil dort bekanntlich das Modellvorhaben Klimastraße realisiert wird. Man sieht: Drei durch Kantsteine abgegrenzte „Inseln“, vier bereits gepflanzte Bäumchen und – jede Menge fein säuberlich zugesägte, piekfeine Granitsteine im Format von geschätzt 20 x 20 cm (ich hatte leider keinen Zollstock dabei), mit denen bereits ein großer Teil der Straße belegt worden ist. 

So sieht also „Entsiegelung“ in der Stadt aus mit dem Ziel – Zitat WK vom 23/8/25 – „die Straße so umbauen, dass sie mit Bäumen, Sickerbeeten und Vegetationszonen mehr Luft zum Atmen lässt.“ Also so, wie Bremen Verkehrswege mit Grünstreifen und Bäumen immer schon gebaut hat. Kostenpunkt hier laut WK: schlappe 1,38 Mio. Euro

Wie lang ist die Dechanatstraße eigentlich? Und wie teuer demnach jeder neu versiegelte Meter?  Egal, Mathe war noch nie mein Ding. (…) 

Die kostspieligen „Nachwehen“ der Dr. Maike Schaefer-Ära manifestieren sich nicht allein im Schnoor. Sondern aktuell auch an dem mit einem XXXL-Radweg gesegneten Osterdeich (Verkehrschaos absehbar). Oder an der Bennigsen-/Steubenstraße, wo die nahezu vergoldeten Gleise für eine Straßenbahnlinie verlegt werden, die niemand so recht haben wollte – mit Ausnahme der 1700 eingeschriebenen Grünen-Mitglieder, versteht sich.“

Ende des Leser-Textes

Was soll man da noch sagen? Vielleicht eines: Die Radfahrer-Ampeln (m/w/d) am neuen Osterdeich-Radweg sind vermutlich die teuersten der Republik – jedenfalls gemessen daran, wie häufig sie NICHT beachtet werden…

Zum Schluss: Freuen Sie sich auf den Gastkommentar am Sonntag: Das Thema ist hoch aktuell. Und: Der Gast-Kommentator reibt sich heftig – ist aber echt Zufall – am eingangs erwähnten Bundesfinanzminister Lars Klingbeil. Also, am Sonntag gerne reinschauen. Es lohnt sich.

Munter bleiben!

Herzlichst

Ihr Axel Schuller

P.S.: Noch ein sprachliches Schmankerl: Die Behörde der „Gender-Queen“ der Bremischen Bürgerschaft (Präsidentin Antje Grotheer) hat eine neue Stelle ausgeschrieben. „Leiter:in der Landesantidiskriminierungsstelle (w/m/d)“. Arme Interessierte: :in und w/m/d – klingt nach ner schwierigen Aufgabe.