i2b – „Der Neubau einer Kaserne muss schneller gehen als der einer Kita“
„Logistik gewinnt keine Kriege, aber ohne Logistik gehen Kriege verloren.“ Mit diesem Satz des ehemaligen Chefs des Bundeswehr-Nachschubes, Generalmajor Gerald Funke, hat BLG-Vorstandschef Matthias Magnor jüngst die Bedeutung von Bremerhaven, respektive des raschen Ausbaus der Hafenanlagen zugunsten des Militärumschlages, hervorgehoben. Magnor trat neben Thomas Röwekamp (CDU, Sprecher des Verteidigungsausschusses), Dr. Markus Moeller (OHB-Vorstand), Bürgermeister Dr. Andreas Bovenschulte (SPD) und Hochkarätern aus Raumfahrt und Verteidigung bei i2b im Haus Schütting auf. Liebe Leserschaft, bremensogesehen informiert Sie exklusiv über die bemerkenswerte Veranstaltung.
Zum Hintergrund: i2b ist das größte nordwestdeutsche Innovations-, Wirtschafts- und Wissenschaftsnetzwerk. Vor 25 Jahren gegründet, gehören ihm 26.000 Mitglieder an. i2b bringt immer wieder Menschen mit neuen Ideen und mit Erfahrung zum Austausch zusammen. i2b bedeutet: „Ideen zum Geschäft“.
Die Initiatoren Andreas Kottisch und Dirk Schwampe hatten für Montagabend eine Expertenrunde der besonderen Art zusammengestellt. Neben Röwekamp (der direkt am Informationsfluss der deutschen Verteidigungspolitik sitzt), Moeller und Magnor, standen Dr. Alexander Kopp (POLARIS Raumfahrtzeuge, Bremen), Reiner Oldewurtel (Akkodies) und Thomas Tschirner (Leiter Defence Germany, ArianeGroup) auf dem Podium.
Der Titel der mit rund 300 Teilnehmerinnen und Teilnehmern ausgebuchten Veranstaltung lautete: „Sicherheits- und Verteidigungswirtschaft – Zeitenwende als Chance für Bremen“. Im Mittelpunkt stand die Entscheidung des Bundes, 1,35 Milliarden Euro für Ertüchtigung und Ausbau des Hafens von Bremerhaven bereitzustellen. Diese enorm hohe Summe wird in Bremerhaven investiert, weil dieser Hafen über eine kürzere Revierfahrt als Hamburg, über eine umfassende Hinterlandanbindung (besser als Wilhelmshaven) und über ausgeprägte Erfahrung im Umschlag militärischer Güter verfügt.
Zur besseren Einordnung der Riesensumme von 1,35 Milliarden: Der Bund stellt jährlich nur 35 Millionen Euro für ALLE deutschen Seehäfen bereit.
Alle Sprecher vertraten am Montag die Auffassung, Deutschland müsse verteidigungsfähig werden. Andreas Bovenschulte ist heilfroh, dass sich Bremen zum Zentrum für Verteidigung, Luft- und Raumfahrt mit rund 12.000 Arbeitsplätzen entwickelt hat. Er pries die hiesige Hochtechnologie – und erinnerte fast etwas zaghaft: „Militär ist nicht die einzige Antwort auf die aktuelle Situation in der Welt, sondern Kooperationen und Diplomatie bleiben wichtig.“
Sein Ziel: „Bremen soll die deutsche Tech-City Nummer 1 werden.“
Der Bürgermeister ist sich – anders als sein Koalitionspartner Die Linke – durchaus bewusst, dass viele Bremer Entwicklungen sowohl zivil als auch militärisch genutzt werden können (dual use).
Angesichts der hochkarätigen Besetzung des Podiums war sein Stolz auf die Bremer Erfolge in Forschung und Entwicklung durchaus nachvollziehbar.
Thomas Tschirner hob die erstklassige Technik der Ariane-6-Rakete hervor – die Oberstufe, das „Hirn“, wird in Bremen hergestellt. Dr. Alexander Kopp vom start up Polaris gab unumwunden zu: „Die Weltlage bringt uns jetzt sehr schnell auf die Füße.“ Sein Unternehmen hat (in Bremen!) ein Fluggerät entwickelt, das von jedem normalen Flughafen starten und dort auch wieder landen kann. Das Ziel: Nicht nur Fracht, sondern später auch Passagiere zu transportieren. Das Besondere: Das Fluggerät zündet nach dem Start von einem Airport – beispielsweise – über dem Meer den Raketenantrieb und kann somit Lasten in den Orbit tragen.
Polaris wächst monatlich um 10 Mitarbeiter.
In weitaus größerem Umfang legt OHB zu. „Wir haben in den vergangenen drei Jahren rund 3.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter eingestellt. Die meisten davon in Bremen“, gab Dr. Markus Moeller zu Protokoll. OHB rechnet mit einer Verdreifachung des Raumfahrtmarktes. Deutsche Firmen, berichtete er, würden aktuell in der EU für ihre Flexibilität und Schnelligkeit bewundert.
Nebenbei bemerkt: So etwas Positives hört man nicht alle Tage!
Einig waren sich die CEOs übrigens später beim „Netzwerken“ in einem Punkt: „Spitzenkräfte kriegt man nur zu Weltmarktpreisen“.
Ein Aspekt, von dem Bremen mit seinem vergleichsweise niedrigen Preisniveau profitiert; ebenso übrigens von der Existenz der Universität, der Hochschule und der privaten Constructor-University in Bremen-Nord.
Trotz der im Land Bremen weiterhin für alle Forscher geltenden „Zivil-Klausel“.
Reiner Oldewurtel von Akkodis AS&D mahnte mehrfach, Deutschlands Chancen auf dem Feld der „Sicherheits- und Verteidigungswirtschaft“ sowie der ausgeprägten Firmen- und Wissenschaftslandschaft in der Hansestadt besser zu nutzen: „Wir müssen alle viel mehr zusammenarbeiten.“
Thomas Röwekamp, Sprecher des entscheidenden Bundestags-Verteidigungsausschusses, nutze seine Teilnahme am i2b-Treffen, um die Zuhörerschaft aufzurütteln. Deutschlands Militär sei aktuell personell und materiell nicht gut aufgestellt. Doch jetzt stehe ein wirklich großes Budget zur Verfügung, mit dem die Verteidigungsfähigkeit deutlich erhöht werden könne. Wichtig sei, auch den rechtlichen Rahmen für Maßnahmen zur Verbesserung der Verteidigungsfähigkeit zu ändern: „Der Bau einer Kaserne muss schneller gehen als der Bau einer Kita.“
Munter bleiben!
Herzlichst
Ihr Axel Schuller
Der Neubau einer Kaserne muss schneller gehen als der einer Kita?
So etwas an den Anfang des Blogs zu stellen und dann am Ende den „Universaldiletanten“ Röwekamp den Blog mit dem gleichen Spruch (gleich oder zitiert) beenden zu lassen, ist absolut daneben! Kinder sind unsere und aber auch ihrer eigenen Zukunft. Nicht militärische Visionen von „durchgeknallten“ Militaristen und Kriegstreibern.
Ich schäme mich mittlerweile für CDU-Leute wie Merz, von der Leyen und auch Röwekamp. Es mag ja sein, dass die Rüstungsindustrie Bremens wirtschaftliche Zukunft bestimmt, aber ich bin für mich persönlich immer noch davon überzeugt: „Frieden schaffen ohne Waffen“ ist die bessere Lösung.
Und wo werden die vielen Menschen, die jetzt in Bremen neue Stellen besetzen, wohnen?
Diese Frage ist existenziell für das Wachstum!
Die Spitzenkräfte der Unternehmen, die das Wachstum generieren, werden auf diese Frage sehr schnell antworten müssen.
Wenn die Rahmenbedingungen stimmen, stehen die Unternehmer der privaten, mittelständischen, inhabergeführten Unternehmen bereit! Um zu verhindern, dass es einen verdrängungswettbewerb zu Lasten der sozial schwächeren Bürger gibt!
Konversion! Das große Schlagwort nach dem Fall der Mauer. Die sogenannte Friedensdividende wurde schon verscherbelt, bevor der Frieden auch nur am Horizont sichtbar war. Das kleine Bundesland Bremen hatte seit Anfang der 1990er Jahre ein eigenes Konversions-Progamm aufgelegt. Und bei Atlas Elektronik warb die IG Metall bei der Betriebsratswahl mit den Möglichkeiten der Konversion. Die Deutsche Angestellten Gewerkschaft, (DAG) ebenfalls in der Firma aktiv und immer der kleine Partner im Betriebsrat, machte eine Werbung mit den militärischen Produkten. Darunter stand der Satz: „Wir stehen zu unseren Produkten“. Die DAG gewann klar und eindeutig. Nie wieder hörte man die IG-Metall KONVERSION rufen.
Sorry aber die Behauptung, dass der LINKE Koalitionspartner sich des Themas Dual Use nicht bewusst sein soll, ist natürlich ausgemachter Blödsinn. Nicht nur dass wir aktuell in engen Gesprächen mit der Bundeswehr und dem Verteidígungsministerium den Ausbau des Hafens zur zivilmilitärischen Nutzung bearbeiten, sondern wir begleiten auch die genannten Startups und seit Jahren Kooperationsprojekte von Unternehmen und wissenschaftlichen Einrichtungen. Dazu sind wir in engen Kontakten mit allen Rüstungsrelevanten Unternehmen, was deren Bedarfe angeht. Zu glauben, dass uns als Wirtschaftsministerium die Bedeutung Bremens als Standort der Rüstungs- und Verteidigungsindustrie nicht bewusst wäre, ist schon mehr als abenteuerlich.
@Kai Stührenberg, Staatsrat der Linken Wirtschaftssenatorin: Ja, Sie haben recht! Das Ressort der Linken Senatorin verfolgt den von Ihnen beschriebenen Kurs. Aber, so mein Eindruck: Die Partei und große Teile der Linke-Bürgerschaftsfraktion sind auf deutlich anderem Tripp – lässt Kristina Vogt und Sie gewähren, um die Koalition nicht umgehend aus den Angeln zu heben.
„In der Rüstung sind sie fix, für die Bildung tun sie nix.“ In Bremen fehlen mindestens vier Schulneubauten, nur zwei werden bestenfalls finanziert.
Wer immer noch glaubt, man könne den geopolitisch-neoimperialen Machausdehnungen, die mit brutaler Gewalt weltweit ausgetragen werden, mit der diplomatischen Einäugig- und Gutgläubigkeit der letzten 30 Jahre bundesrepublikanischer Außen- und Sicherheitspolitik erfolgreich begegnen, der sollte endlich aus seinem Wunschdenken erwachen. 30 Jahre Appeasement haben Europa und uns in eine sehr fragile Grauzone von Wehrfähigkeit und Verteidigungsbereitschaft hinein manövriert. Es ist dringend an der Zeit, diese selbst-verschuldeten Defizite zu beseitigen. Nebenbemerkung: Kinderbetreuungseinrichtungen sollten in Bremen genauso schnell – und ohne schleppend-quälende bürokratische Hemmnisse- errichtet werden!
Sehr geehrter Herr Dr. Wewerka, die seit 1997 eingeleitete NATO-Erweiterung als Appeasement zu bezeichnen, würde ich mal als Orwellschen Neusprech bewerten. Das war bestimmt Alles, nur kein Appeasement. Dann kann man die Krim-Besetzung und den Überfall auf die Ukraine getrost aus Moskauer Sicht analog auch als putative Notwehr bezeichnen.