Wann hört das Polit-Theater der Koalition im Untersuchungsausschuss auf?

24.04.2026 10 Von Axel Schuller

Früher hat die Sozialdemokratie respektable Politikerinnen und Politiker hervorgebracht. Auch heute gibt es diese noch. Auch in Bremen. SPD-Fraktionschef Mustafa Güngör gehört für mich nicht dazu. Dieser Sozialdemokrat redet unentwegt davon, man müsse die Demokratie vor deren Feinden retten, während er gleichzeitig wie ein Sprengmeister im Steinbruch der Demokratie erscheint. Dieser Chef-Demokrat und seine Partei halten seit drei Jahren „Bündnis Deutschland“ (BD) wegen dessen angeblich rechter Gesinnung aus dem Parlamentsvorstand fern. Dieser Ober-Demokrat trägt dazu bei, dass der aktuelle Untersuchungsausschuss „Staatsräte“ keinen Meter weiterkommt. Wie lange wollen ihm die Grünen auf diesem Kurs noch folgen? 

Liebe Leserschaft, ich wollte am Wochenende wirklich mal eine Pause einlegen. Aber nach den jüngsten Ereignissen um den Staatsräte-Untersuchungsausschuss und dem mittlerweile 11. gescheiterten Versuch von Bündnis Deutschland, im Vorstand der Bürgerschaft einen Sitz als Schriftführer zu erhalten, mag ich sie nicht uninformiert lassen.

Wenden wir uns zunächst dem Untersuchungsausschuss zu. Den haben CDU, FDP und BD eingesetzt um aufzuklären, ob Senatsmitglieder in der Vergangenheit Staatsräte außerhalb geltenden Rechts in den einstweiligen, teuer bezahlten Ruhestand versetzt hatten.

SPD, Grüne und Linke haben vorige Woche begierig eine Information der Staatsanwaltschaft aufgegriffen, wonach aus dem Haus der CDU im Zusammenhang mit der Staatsräte-Pensionierung ein anonymer Hinweis bei den Strafverfolgern eingegangen war; und zwar auf angebliche Aktenvernichtung im Wirtschafts- und im Umweltressort.

Die Koalition beantragte darauf (wenn Sie mich fragen: reine Show) eine Sondersitzung, damit die CDU die anonymen Infos auf den Tisch packe.

Das Zwischenspiel mit dem Staatsgerichtshof kennen Sie zur Genüge.

Am Freitag mussten nun Dr. Wiebke Winter, Heiko Strohmann und Fraktions-GF Tobias Henze vor dem Parlamentarischen Untersuchungsausschuss (PUA) aussagen – und beriefen sich erwartungsgemäß auf ihr Zeugnisverweigerungsrecht.

Das ärgerte SPD-Fraktionschef Mustafa Güngör offenbar so sehr, dass er eine bemerkenswerte Presseerklärung abgab – die schon arg an parteipolitischen Klamauk erinnerte.

Der Mann schrieb allen Ernstes, oder ließ schreiben:

„Der SPD-Fraktionsvorsitzende Mustafa Güngör erklärt zur heutigen Sitzung des Parlamentarischen Untersuchungsausschusses zur Untersuchung der Versetzung von Staatsrätinnen und Staatsräten in den einstweiligen Ruhestand:

Frau Winterspricht wortreich von Vertrauen, Integrität und Aufklärung. Tatsächlich macht sie nichts anderes als zu verschweigen und zu verheimlichen – und trägt selbst null zur Aufklärung bei. Sie lässt den von ihr selbst eingesetzten Untersuchungsausschuss zur Farce verkommen. 

(…)

Frau Winter flüchtet sich voll und ganz in ihr Zeugnisverweigerungsrecht, anstatt einen wichtigen Beitrag zur Aufklärung zu leisten, die der Staatsgerichtshof ausdrücklich als Verpflichtung des Ausschusses benannt hat. Das gilt insbesondere für die Frage, ob in Behörden Emails gelöscht worden sind oder nicht. Wohlgemerkt: Es geht dem Ausschuss nicht um die Frage, von wem diese angesprochenen Hinweise an den Fraktionsgeschäftsführer der CDU gegeben worden sind, sondern ob sie Erkenntnisse über die Richtigkeit dieses schwerwiegenden, strafrechtlich relevanten Vorwurfs hat. 

(…)

Frau Winter und die CDU verweigern sich diesem dringenden Aufklärungsbedarf auf Teufel komm raus. Es stellt sich also nach dem heutigen Tag mehr denn je die Frage, was die CDU zu verbergen hat – und warum.(…)

Güngörs Presseerklärung vermittelt dem flüchtigen Leser den Eindruck, als könnte die oppositionelle CDU tatsächlich „Erkenntnisse“ darüber haben, ob Emails in Verwaltungen gelöscht worden seien. Bekanntlich unterstehen die genannten Behörden Senatorinnen der Regierungsparteien – und nicht der Opposition.

Glaubt Herr Güngör, dass CDU-Leute Regierungs-Behörden undercover ausgespäht haben? Oder was will er der geneigten Leserschaft sagen?

FDP-PUA-Mitglied Ole Humpich schrieb denn auch: 

„Der Parlamentarische Untersuchungsausschuss verkommt immer mehr zu einer parteipolitischen Show, die so eher an den Broadway gehört als in ein Parlament. Das Theater fand heute seinen vorläufigen Höhepunkt mit der Befragung der CDU im Zusammenhang mit möglichen Aktenlöschungen in der Wirtschaftsbehörde. Wie erwartet: Ohne Ergebnis, ohne Erkenntnis.“

Meine Güte, wann merken die PUA-Behinderer von SPD, Grünen und Linke endlich, dass sie mit ihrer Taktiererei Wählern eher den Glauben an die Wahrhaftigkeit der Politik rauben statt zu stärken?

Dazu passt (indirekt):

Eine Mehrheit der Bremischen Bürgerschaft (aller Voraussicht nach: SPD, Grüne, Linke) hat diese Woche einem Kandidaten von Bündnis Deutschland (diesmal Piet Leidreiter) zum elften Mal die Wahl in den Bürgerschaftsvorstand verweigert. Einfach so. Ohne Begründung. In geheimer Abstimmung. 

Mustafa Güngör hatte 2023 zu Beginn der Legislaturperiode bekundet, was er von der Fraktion hielt, die immerhin 9,4 % der Stimmen errungen hatte. Güngör: „Wir werden uns nicht an der Normalisierung von Rechtspopulisten beteiligen.“ Und: „Wir können bei so wichtigen Ämtern nicht ins Risiko gehen.“

Man kann von BD halten, was man will. Aber: Aktuell wird kein Mitglied vom („rechts-konservativen“) Bündnis Deutschland vom Verfassungsschutz beobachtet oder gar von Strafermittlern verfolgt.

Güngör, der im Fall BD weiter auch für die Linie der Grünen und Linken Koalitionspartner steht, tritt stets wortreich für die Verteidigung der Demokratie auf. Mit diesem Argument will er auch – so schnell es geht – die AfD verbieten lassen. Wirklich als Chef-Demokrat, oder weil er Angst vor dem Erstarken dieser Partei hat?

Munter bleiben!

Herzlichst

Ihr Axel Schuller 

P.S.: Wie bereits angekündigt: Morgen wieder ein Gastkommentar.