Gastkommentar: Leistungsfähige Reserve unverzichtbar / Im P.S.: Radio Bremen vorn
Liebe Leserschaft, ich weiß ja, dass Sie beim Thema Rüstung, Militär, Russland & Co sehr unterschiedliche Meinungen vertreten. Heute können die einen jubeln, andere sich in Grund und Boden ärgern. Thomas Röwekamp (CDU), Sprecher des Verteidigungsausschusses, legt heute im Gastkommentar seine Sicht zum Zustand unserer Verteidigungsfähigkeit dar. Röwekamp (59) ist den Bremern als ehemaliger CDU-Fraktionschef in der Bürgerschaft sowie als ehemaliger Innensenator bekannt. Seit 2021 gehört der Rechtsanwalt und Notar dem Deutschen Bundestag an; er ist verheiratet und hat drei Kinder. ACHTUNG: Heute bitte unbedingt das P.S. beachten!
Thomas Röwekamp schreibt:

„Die sicherheitspolitische Lage in Europa hat sich grundlegend verändert. Spätestens seit dem russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine ist klar: Frieden und Stabilität sind keine Selbstverständlichkeiten mehr. Wir erleben eine Zeitenwende, die uns zwingt, Sicherheit neu zu denken – umfassender, entschlossener und strategischer.
Russland bereitet sich erkennbar auf langfristige Konflikte vor – politisch, militärisch und wirtschaftlich. Diese Entwicklung verlangt von uns eine klare Antwort. Abschreckung und Verteidigungsfähigkeit sind keine Relikte des Kalten Krieges, sondern Voraussetzung für Frieden in Freiheit. Gleichzeitig gilt: Es gibt keinen Grund zur Resignation. Denn wir haben viel in der Hand.
Deutschland und Europa verfügen über enorme Stärken: wirtschaftliche Leistungsfähigkeit, technologische Innovationskraft und eine starke industrielle Basis. Die Sicherheits- und Verteidigungswirtschaft ist dabei von zentraler Bedeutung. Sie ist nicht nur Ausrüster der Streitkräfte, sondern Innovationstreiber weit über den militärischen Bereich hinaus. Viele Technologien, die heute unseren Alltag prägen, haben hier ihren Ursprung.
Bremen nimmt in diesem Gefüge eine herausragende Rolle ein. Der Standort steht wie kaum ein anderer für die Verbindung von Tradition und Zukunft: maritime Industrie, leistungsfähige Werften, eine international anerkannte Luft- und Raumfahrt sowie hochspezialisierte Zulieferer und Forschungseinrichtungen. Vom „deep sea“ bis zum „deep space“ reicht die Bandbreite der Kompetenzen. Diese Dichte an Know-how ist ein echter Standortvorteil – für Deutschland und für Europa.
Gerade im Bereich der Dual-Use-Technologien zeigt sich die besondere Stärke Bremens. Innovationen, die sowohl zivil als auch militärisch genutzt werden können, entstehen hier in enger Zusammenarbeit zwischen Wirtschaft und Wissenschaft. Das schafft nicht nur Sicherheit, sondern auch Wertschöpfung, Arbeitsplätze und internationale Wettbewerbsfähigkeit.
Die geplanten Investitionen des Bundes in Bremerhaven unterstreichen diese Bedeutung. Sie sind ein klares Bekenntnis zum Standort und zu seiner strategischen Rolle. Zugleich sind sie ein Auftrag: Wir müssen diese Chancen nutzen, weiterdenken und konsequent ausbauen.
Dabei kommt der Wirtschaft eine besondere Verantwortung zu. Sicherheits- und Verteidigungsfähigkeit ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Sie endet nicht an den Werkstoren und beginnt nicht erst bei staatlichen Entscheidungen. Unternehmen leisten bereits heute einen wichtigen Beitrag – durch Innovation, durch Produktion, durch Engagement. Doch die Anforderungen werden wachsen. Das gilt auch für die personelle Einsatzbereitschaft.Eine leistungsfähige Reserve ist unverzichtbar für unsere Verteidigungsfähigkeit. Und ja, mit dieser Klarheit mache ich mich in Teilen der Wirtschaft nicht immer beliebt: Aber wir müssen weg von der doppelten Freiwilligkeit bei Reserveübungen. Landes- und Bündnisverteidigung ist ein so hohes Gut, dass wir hier mehr Verlässlichkeit brauchen. Sie schützt nicht nur unseren Staat, sondern auch unsere Gesellschaft – und damit die Grundlage wirtschaftlichen Erfolgs. Deshalb erwarte ich, dass wir zu verbindlicheren Regelungen kommen, die Engagement ermöglichen und zugleich Planungssicherheit für Unternehmen schaffen.
Für Bremen ergibt sich daraus eine große Chance. Die Zeitenwende kann zum Motor für Innovation, industrielle Stärke und gute Arbeitsplätze werden. Voraussetzung ist, dass wir sie aktiv gestalten: mit klugen politischen Entscheidungen, mit Investitionen in Schlüsseltechnologien und mit einer engen Partnerschaft zwischen Wirtschaft, Wissenschaft und Politik.
Dabei geht es nicht um Militarisierung, sondern um Resilienz. Es geht darum, unsere Gesellschaft widerstandsfähiger zu machen – gegenüber äußeren Bedrohungen ebenso wie gegenüber wirtschaftlichen und technologischen Abhängigkeiten.
Die Herausforderungen sind groß. Aber unsere Möglichkeiten sind es auch. Bremen zeigt, wie beides zusammengehen kann: sicherheitspolitische Verantwortung und wirtschaftliche Dynamik. Wenn wir diesen Weg entschlossen weitergehen, kann die Zeitenwende nicht nur bewältigt, sondern gestaltet werden.“
Soweit Thomas Röwekamp.
Zum besseren Verständnis des Textes noch ein Hinweis von mir. Ich verstehe Röwekamps Satz „Aber wir müssen weg von der doppelten Freiwilligkeit bei Reserveübungen“ so: Bislang müssen sowohl der einberufene Reservist als auch die Firma, bei der dieser beschäftigt ist, der Teilnahme an einer Reserve-Übung zustimmen. Diese zwei Zustimmungen sollen – so der Gedanke des Sprechers des Verteidigungsausschusses – künftig entfallen.
So, liebe Leserschaft, nun sind Sie an der Reihe. Bei allen pro und kontra-Meinungen vertraue ich – wie immer – auf Ihre Fähigkeiten, sachlich und nicht verletzend miteinander zu streiten. Ich freue mich auf eine rege Debatte.
Munter bleiben
Herzlichst
Ihr Axel Schuller
P.S. Noch ein paar Sätze zu einem völlig anderen, aber aktuellen Thema:
Radio Bremen wird ab 2027 mit Intendantin Dr. Yvette Gerner (nach meiner Erinnerung) erstmals die Vorsitzende der ARD stellen. Bereits heute ist sie Stellvertreterin des ARD-Bosses Florian Hager (Hessischer Rundfunk). Die beiden tauschen 2027 die Rollen. Laut neuem Medienstaatsvertrtag der Länder sollen nunmehr auch kleine Anstalten den ARD-Vorsitz übernehmen. Bedeutet: Der/die Vorsitzende tritt für die gesamte ARD als Repräsentant und als „Sprachrohr“ der Politik gegenüber auf. Ihr/ihm fällt außerdem die Aufgabe zu, die Intendanten der ARD-Anstalten zu Beratungen und Entscheidungen zusammenzutrommeln. Aber auch: Impulse für Neuerungen/Änderungen in der ARD zu zu geben.
Bremen stellt 2027 neben der ARD-Vorsitzenden weiterhin den Vorsitzenden der „Gremienvertreterkonferenz“ der ARD (die für alle Rundfunk- und Verwaltungsräte spricht). Nämlich: Dr. Klaus Sondergeld. Er war früher Sprecher des Senats, (erst für Klaus Wedemeier, danach für Dr. Henning Scherf), dann Geschäftsführer in derWirtschaftsförderungsgesellschaft (WFB). Sondergeld ist seit 10 Jahren Vorsitzender des RB-Rundfunkrates.
So, wie der Text des Herrn Röwekamp formuliert ist, könnte er im Grunde auch
einem Werbepamphlet des „Verbandes der Rüstungsindustrie“ entstammen.
@Thomas Röwekamp
Das ist ja unerträglich. Wir haben ein mieses Gesundheitssystem – Kassenpatienten müssen monatelang auf Facharzttermine warten. Rentner sammeln Flaschen. Das Bildungssystem liegt am Boden. Vor allem Arme und der Mittelstand werden durch Konsumsteuern wie eine Zitrone ausgepresst. Die Kürzungen am Sozialstaat sollen zugunsten der Kriegswaffenindustrie munter weitergehen. Damit Sie später einen geilen Frühstücksdirektoren-Posten bekommen? Das alles ist in seiner bürgerfeindlichen Bösartigkeit nicht zu übertreffen.
Über was reden Sie überhaupt? Russland wird durch die NATO-Osterweiterung ohne Ende provoziert. Ihre Freunde in der US-Regierung haben 2014 einen prowestlichen Putsch in der Ukraine mit 5 Milliarden US-Dollar finanziert – das hat Victoria Nuland zugegeben! Der Putsch führte zu einem Bürgerkrieg in der Ukraine mit 12.000 bis 14.000 toten Zivilisten in der Ostukraine. Es werden Landkarten mit einem in diverse Länder zerlegten Russland veröffentlicht. Die Russen haben Angst vor dem Regime im Westen und zwar mit Recht.
Hier ein kleiner historischer Abriss der illegalen westlichen Angriffskriege:
Afghanistan (2001–2021): Die Invasion begann 2001 nach 9/11 (US-geführte Koalition, ab 2003 NATO-ISAF). Bis 2021 anhaltende Präsenz mit Kämpfen gegen Taliban und Al-Qaida. 2021 Abzug. Dies fällt größtenteils in die letzten 20 Jahre.
Irak (2003–2011 Invasion/Besatzung, dann 2014–heute): Die Hauptinvasion war 2003, aber es gab anhaltende Operationen, Besatzung und ab 2014 Luftangriffe sowie Spezialeinsätze gegen ISIS (Operation Inherent Resolve). USA führend.
Libyen (2011): NATO-geführte Operation „Unified Protector“ (Luftkampagne mit US-Beteiligung). Unterstützung des Aufstands gegen Gaddafi, die zum Sturz des Regimes führte. UN-mandatiert, aber hochgradig kontrovers.
Syrien (ab 2014): US-geführte Luftangriffe, Spezialeinsätze und Unterstützung kurdischer Kräfte gegen ISIS. Keine großangelegte Invasion, aber anhaltende Präsenz und Angriffe.
Pakistan (vor allem 2004–2018): Intensive US-Drohnenangriffe in den Stammesgebieten gegen Al-Qaida und Taliban.
Jemen (ab ca. 2002, intensiv in den 2010er-Jahren): US-Drohnenangriffe.
Somalia (ab ca. 2007): US-Luftangriffe, Drohnen und Spezialeinsätze gegen Al-Shabaab.
Und unsere „Freunde“ die Zionisten in Israel bomben auch munter um sich herum.
Die Flüchtlingswellen die das alles aus gelöst hat belasten jetzt unsere Sozialkassen, die Justiz und führen zu Islamisierung unserer Gesellschaft. Danke Herr Röwekamp für ihren Beitrag dazu.
Ich glaube nicht, dass die russische Regierung Lust verspürt, uns ein weiteres Mal von unserer Regierung zu „befreien“ und den Sanierungsfall BRD zu übernehmen.
Sehr geehrter Herr Büchse,
was Sie hier vorlegen, ist weniger Analyse als eine wilde Mischung aus Schlagworten, Unterstellungen und historischen Halbwahrheiten.
Fangen wir vorne an: Ja, wir haben Probleme im Gesundheits-, Bildungs- und Sozialsystem. Aber Ihre Schlussfolgerung ist schlicht falsch. In all diesen Bereichen fließt so viel Geld wie nie zuvor. Wenn bei Rekordausgaben die Leistung nicht stimmt, dann liegt das Problem offensichtlich nicht am Geld, sondern an ineffizienten und veralteten Strukturen. Das ignorieren Sie komplett, weil es nicht in Ihr Weltbild passt.
Stattdessen konstruieren Sie einen Zusammenhang zur „Kriegswaffenindustrie“, der faktisch nicht existiert. Das ist nicht nur schief, das ist intellektuell unredlich. Nach Ihrer Logik hätten Zeiten mit deutlich höheren Verteidigungsausgaben – etwa im Kalten Krieg – zum völligen Kollaps unseres Sozialstaats führen müssen. Das Gegenteil war der Fall.
Richtig unerquicklich wird es bei Ihren persönlichen Unterstellungen. Die Nummer mit dem „Frühstücksdirektoren-Posten“ sagt mehr über Ihr Diskussionsniveau aus als über die Person, die Sie angreifen. Wer so argumentiert, hat offensichtlich in der Sache wenig Substanz.
Auch Ihr außenpolitischer Rundumschlag wirkt wie aus einem Baukasten altbekannter Narrative zusammenkopiert. NATO-Osterweiterung, „Putsch“ in der Ukraine, angeblich allgegenwärtige Bedrohung Russlands – das sind stark verkürzte und einseitige Darstellungen komplexer Zusammenhänge. Dass Sie dabei konsequent ausblenden, dass souveräne Staaten selbst über ihre Bündnisse entscheiden und Russland seit Jahren aktiv militärisch Fakten schafft, passt ins Bild.
Ihre Aufzählung westlicher Militäreinsätze ersetzt ebenfalls keine Argumentation. Man kann und muss einzelne Einsätze sehr kritisch bewerten, aber daraus eine pauschale Täter-Opfer-Umkehr zu konstruieren und russische Politik als reine Reaktion darzustellen, ist schlicht verzerrend.
Und spätestens bei Begriffen wie „Islamisierung unserer Gesellschaft“ verlassen Sie endgültig den Bereich einer sachlichen Debatte. Das ist Stimmungsmache, mehr nicht.
Die realen Herausforderungen liegen auf der Hand: ein ineffizientes Gesundheitssystem, ein Sozialstaat mit falschen Anreizen, ein Bildungssystem mit strukturellen Defiziten. Diese Probleme lassen sich lösen, aber sicher nicht mit Verschwörungserzählungen und pauschalen Schuldzuweisungen.
Wenn Sie an einer ernsthaften Diskussion interessiert sind, sollten Sie vielleicht erst einmal Ihre eigenen Argumente auf Konsistenz prüfen.
Sehr geehrter Herr Strohmann, es gibt im Wesentlichen nur zwei Arten von Aussagen: Faktische und normative. Der Text von Herrn Röwekamp besteht ausschließlich aus normativen Aussagen. Gemessen daran ist der Text von Herrn Büchs übervoll von faktischen Aussagen. Ihr Hinweis fällt auf Herrn Röwekamp zurück.
An anderer Stelle in diesem Blog (i2b) habe ich mich zur Bedrohungssituation durch Putin schon einmal geäußert
Bei i2b forderte Herr Röwekamp, dass der Bau einer Kaserne schneller gehen müsse als der einer Kita.
Was ich aber jetzt in diesem Gastkommentar lesen muss, zieht mir im wahrsten Sinne des Wortes den Boden unter den Füßen weg.
Es mag ja sein, dass Frieden und Stabilität heute keine Selbstverständlichkeit mehr sind.
Aber dann auf Abschreckung und Verteidigungsfähigkeit zu setzen und damit das „Nach/Aufrüsten“ zu begründen, halte ich fast schon für abenteuerlich.
Ich und andere haben das Glück genießen dürfen, über Jahrzehnte (bei mir 7) in Frieden leben zu dürfen!
Und dieser Zustand (noch) wurde durch Gespräche, Gedankenaustausch und vieles mehr herbeigeführt und gesichert.
Deswegen bin ich nach wie vor der Meinung:
„Frieden schaffen ohne Waffen ist die bessere Lösung“!
Ich vermute: Herr Röwekamp will mit seinem Text aufmerksam machen und wachrütteln. Gut so! Die sogenannte „Friedensbewegung“, die alles aufsaugt einschließlich der Menschen die völlig faktenfrei sind, hat den Frieden schon bald nach dem Mauerfall ausgerufen und die Politiker der 90 Jahre und nachfolgend, haben die sogenannte „Friedensdividende“ verfrühstückt.
Nun hat Herr Röwekamp weder zum Überfall auf irgend jemanden aufgerufen, noch will er Sozialsysteme kürzen: es geht lediglich um die Änderung der doppelten Zustimmung für Reservisten. Einige Verirrten greifen mal wieder in die Missfallenmaschine und rufen „hängt ihn“. Warum? Um der AfD zu mehr Stimmen zu verhelfen! Denn dies grummelde Missfallen an Politiker zahlt nur bei den Antidemokraten ein. Könnt ihr evtl. mal kurz den Kopf einschalten, bevor ihr in die Tasten haut?
Der Beitrag von Thomas Röwekamp zeichnet das Bild einer sicherheitspolitischen Zwangslage. Dieses Bild hält einer genaueren Prüfung nicht stand.
Erstens: Die militärische Ausgangslage spricht gegen die Dramatisierung.
Die europäischen NATO-Staaten inkl. der Türkei verfügen bereits heute über weitaus mehr Soldaten als Russland – und diese stehen überwiegend in Europa, während Russland seine Kräfte auf mehrere strategische Räume verteilen muss.
Noch deutlicher wird das Bild bei den schweren Waffensystemen: In zentralen Bereichen liegt die Überlegenheit klar bei der NATO.
Wer unter diesen Bedingungen eine strukturelle Bedrohungslage behauptet, muss erklären, worin diese konkret bestehen soll.
Zweitens: Für Abschreckung reicht das bestehende Niveau – die Zielsetzung verschiebt sich aber.
Richtig ist: Ein ausreichendes Maß an Verteidigungsfähigkeit ist notwendig. Aber genau dieses Maß ist längst erreicht. Für die klassische Abschreckung ist die NATO heute bereits stark genug.
Was sich verändert, ist nicht die Lage – sondern das Ziel. Die Debatte verschiebt sich hin zur „Kriegstüchtigkeit“, also zur Fähigkeit, einen Krieg nicht nur abzuschrecken, sondern ihn tatsächlich zu führen.
Und die offenherzige Zuspitzung dieser Logik lautet: ihn auch zu gewinnen. Genau diese Zuspitzung – „Siegfähigkeit“ – hat Claudia Major – als eine der medial prägenden Stimmen der aktuellen Aufrüstungsdebatte – in einem Vortrag im Haus der Bremischen Bürgerschaft formuliert.
Damit wird deutlich: Es geht nicht mehr nur um Verteidigung, sondern um militärische Durchsetzungsfähigkeit. Das ist eine gefährliche strategische Neubestimmung – und genau diese wird im Ausgangstext ausgeblendet. Dazu passt, dass die Bundeswehr ihre neue Militärstrategie anders als früher geheim halten will.
Drittens: Europa rüstet nicht nur gegen außen – sondern auch nach innen auf.
Parallel dazu entsteht ein Wettbewerb innerhalb der europäischen NATO. Deutschland formuliert zunehmend den Anspruch, zur stärksten konventionellen Militärmacht Europas zu werden.
Das ist nicht mehr nur Bündnispolitik, sondern auch Machtpolitik innerhalb Europas: wirtschaftliche Führungsrolle ergänzt um militärische Führungsfähigkeit. Auch das ist eine politische Entscheidung – keine sicherheitspolitische Notwendigkeit.
Viertens: Die ökonomische Argumentation ist irreführend.
Ja, Bremen sollte darauf achten, dass Mittel aus dem Verteidigungshaushalt nicht ausschließlich in andere Regionen und vornehmlich nach Bayern fließen. Industriepolitik gehört dazu.
Aber daraus folgt nicht, dass der Rüstungssektor ein Zukunftsmarkt für die deutsche Volkswirtschaft ist.
Im Gegenteil:
* Militärausgaben sind ökonomisch überwiegend konsumtiv – sie schaffen keine produktive Basis für künftiges Wachstum.
* Die entscheidenden Wettbewerbe der Zukunft – etwa mit China – werden in Industrie, Technologie, Energie und Infrastruktur entschieden, nicht auf dem Rüstungsmarkt.
* Eine übermäßige Verschiebung von Ressourcen in militärische Zwecke schwächt langfristig die zivile Innovations- und Investitionsfähigkeit.
Historisch ist genau das der Kern dessen, was man als „Totrüsten“ bezeichnet: Eine Volkswirtschaft überdehnt ihre Ressourcen im militärischen Bereich – und untergräbt damit ihre eigene wirtschaftliche und gesellschaftliche Stärke.
Fünftens: Der Eingriff in die Gesellschaft wird verharmlost.
Der Vorschlag, die doppelte Freiwilligkeit bei Reserveübungen abzuschaffen, ist kein technisches Detail. Er bedeutet mehr staatlichen Zugriff auf Arbeitsverhältnisse und betriebliche Abläufe – also eine konkrete Einschränkung unternehmerischer Dispositionsfreiheit und individueller Entscheidungsrechte.
Das ist ein qualitativer Eingriff in das Verhältnis von Staat, Wirtschaft und Beschäftigten – und damit eine politische Weichenstellung, die offen begründet und demokratisch legitimiert werden muss.
Fazit:
Nicht eine militärische Unterlegenheit treibt diese Entwicklung.
Sondern eine politische Verschiebung: weg von Abschreckung – hin zur Fähigkeit, Krieg zu führen und zu gewinnen.
Die eigentliche Frage lautet daher: Warum diese Verschiebung erfolgt – und wohin sie führt.
@Heiko Strohmann An diesem Punkt gebe ich Ihnen völlig recht: „Wenn bei Rekordausgaben die Leistung nicht stimmt, dann liegt das Problem offensichtlich nicht am Geld, sondern an ineffizienten und veralteten Strukturen.“
Ich arbeite seit 20 Jahren als Berater in der Medizintechnik-Branche und weiß genau, wo dort viel Geld fragwürdig den Besitzer wechselt. Es würde zu weit führen, das hier im Detail auszurollen, aber es ist auch nicht das Kernproblem.
Das Kernproblem ist makroökonomischer Natur: Das Einkommen der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten – und damit die Einnahmen der Sozialversicherungen – ist über viele Jahre weit hinter BIP-Wachstum und Teuerungsrate zurückgeblieben, die Rechnungen der Medizinkonzerne nicht. Zusätzlich wird für die rund 5,5 Millionen Sozialhilfeempfänger jeweils etwa 100 € im Monat zu wenig an die Krankenversicherungen gezahlt.
Da fehlt einfach Geld im System! Das lässt sich nicht einfach durch Produktivitätssteigerungen wettmachen – und schon gar nicht dort, wo man einfach Ärzte und Pflegekräfte braucht.
Ach ja, bevor ich es vergesse: Der Krankenstand hat sich seit 2022 sprunghaft fast verdoppelt. Und es ist ja nicht so, dass Fachleute wie Sucharit Bhakdi das nicht vorhergesagt hätten. Wo bleibt eigentlich der Untersuchungsausschuss zu diesem Themenkomplex?
Die BRD hat vor dem NATO-Ukraine-Russland-Krieg ca. 60 Milliarden Euro fürs Militär ausgegeben – und hat keine funktionierende Armee. Russland hat in etwa das Gleiche ausgegeben und verfügt offensichtlich über eine funktionierende Armee. Für eine Invasion eines NATO-Staates reicht das russische Budget dennoch nicht, wie man an deren Schwierigkeiten in der Ukraine sieht.
Wie habe ich es hier kürzlich gelesen? „Die Bundeswehr ist ein dysfunktionales, korruptes schwarzes Loch“ oder so ähnlich. Es spricht doch einiges dafür, dass da etwas dran ist. Und nun sollen in dieses Loch über 200 Milliarden fließen? Fast die Hälfte des Bundeshaushalts? Wie suizidal ist das angesichts der Gesamtlage?
Ach ja, und zur nachgelagerten Belohnung für treue Dienste gibt es ja kaum Verdachtsfälle. Hier nur vier:
Peer Steinbrück (SPD) Finanzminister (Bankenrettung) dann sehr hohe Vortragshonorare (über 1 Mio. € in wenigen Jahren) Öffentliche Debatte um „Gier“ und Abhängigkeit von Wirtschaft
Roland Koch (CDU)Ministerpräsident Hessen dann Vorstandsvorsitz bei Bilfinger (Baukonzern)Kritik an möglichen Interessenkonflikten und hohen Bezügen.
Friedrich Merz (CDU) Fraktionsvorsitzender dann Partner bei Mayer Brown (Anwaltskanzlei) + Aufsichtsratsmandate Hohe Einkünfte aus Wirtschaftstätigkeit während/ nach Politik.
Joschka Fischer (Grüne) Außenminister (NATO-Angriff auf Jugoslawien) dann Berater- und Vortragstätigkeit, Aufsichtsräte Hohe Honorare und Beratertätigkeit für Wirtschaft.
Thomas Röwekamp ist verteidigungspolitischer Sprecher der CDU- Bundestagsfraktion. Vor dem Hintergrund einer gefährlichen militärischen und politischen Zuspitzung in Europa, in Deutschland hat er großen Einfluss in Berlin. Aber natürlich auch in Bremen. Röwekamp ist einer der wichtigsten Ansprechpartner für den Bremer Senat. Auch seine Präsenz in den lokalen Medien ist beachtlich.
Ich hatte jüngst Gelegenheit, ihn als einzigen Redner auf einer sozialdemokratisch dominierten Veranstaltung in Berlin – der Bremer Landesvertretung – zu erleben. Es ging um die gegenwärtige Sicherheitslage. Sein Auftritt, seine Aussagen waren klar und eindeutig.
Die Bundeswehr muss die stärkste konventionelle Armee in Europa werden.
Die Ukraine muss den Krieg gewinnen.
Die Angriffe der ukrainischen Armee auf militärische Objekte tief im Inneren Russland sind gerechtfertigt.
Alle diese Aussagen wurden in der Veranstaltung fast einmütig begrüßt.
Nicht anders und doch weitergehend sein heutiger Beitrag. Thomas Röwekamp zeichnet das Bild eines wirtschaftlich blühenden Stadtstaates als Rüstungszentrum. Es geht ihm nicht um „dual use“. Er will eine Umorientierung. Er setzt noch einen obendrauf: „Eine leistungsfähige Reserve ist unverzichtbar für unsere Verteidigungsfähigkeit“.
Auch in Bremen, gerade in Bremen müssen wir nach seiner Meinung kriegstüchtig werden, „wir“ müssen auf eine wehrhafte Heimatfront zurückgreifen können. Das alles, um es mit der Atommacht Russland aufzunehmen.
Mich ängstigen solche Aussagen. Das liberale Bremen droht seine Wurzeln zu verlieren. Dagegen müssen wir uns wehren!