Was soll Lufthansa-Chef von gespaltener LINKEN halten? / Aktualisierung: Senat sprach mit LH

12.05.2026 24 Von Axel Schuller

Eines muss man Lufthansa-Chef Carsten Spohr lassen – ohne das gut zu finden: Mit seiner Ankündigung, die LH-Verbindung Frankfurt-Bremen zu kappen, hat er sich mit Regierungschef Dr. Andreas Bovenschulte exakt den Richtigen herausgegriffen. Dr. Bo. ist aktuell Bundesratspräsident. Und wem könnte die Lufthansa am eindringlichsten die Forderungen an den Bund – via Bundesrat – diktieren, dass man endlich ein größeres Entgegenkommen des Staates verlangt – zugunsten der eigenen Konkurrenzfähigkeit. Nebenbei: Die Linken führen bei dem Thema ein Doppelspiel übelster Art auf!

Die Lufthansa klagt seit langem, dass die deutsche Luftverkehrsteuer zu hoch sei, um notleidende Kurzstreckenflüge (wie FRA-BRE) wirtschaftlich akzeptabel aufrechtzuerhalten. Die CDU-SPD-Koalition im Bund hatte vor einem Jahr versprochen, die Abgabe zu senken

Das Fachblatt „Aviation Direct“ schrieb am 12.9.2025:

„In einer aktuellen Stellungnahme betont Spohr die dringende Notwendigkeit, die Luftverkehrsteuer sowie die Gebühren für Passagierkontrollen und Flugsicherung zu senken. (…) Spohr warnt davor, dass sich der Luftfahrtstandort Deutschland international zunehmend abgehängt sehe. Der innerdeutsche Flugverkehr sei außerhalb der großen Drehkreuze massiv geschrumpft, was sich negativ auf die Anbindung der wirtschaftsstarken Regionen auswirke.“

Der Ryanair-Regionalchef Marcel Pouchain Meyer wird im heutigen Weser-Kurier noch deutlicher: „Die geplante Senkung der Luftverkehrssteuer ist nur ein Tropfen auf den heißen Stein.“ Er hoffe weiterhin, dass Politiker endlich einmal verstehen würden, wie der internationale Luftverkehr funktioniere.

Wenige Tage vor Spohrs Anti-Bremen-Entscheidung hatte der Bundestag am 7.5. in erster Lesung über die Reduzierung der Luftverkehrsteuer um 20 Prozent debattiert.

Was die Bremer Bundestagsabgeordnete der LINKE, Doris Achelwilm, in Berlin dazu ausführte, weicht extrem von dem händeringenden Betteln der Bremer LINKEN Wirtschaftssenatorin Kristina Vogt ab.

Urteilen Sie, liebe Leserschaft, selbst.

Doris Achelwilm im Bundestag: 

„Flugreisen werden in Deutschland jedes Jahr mit 12 Milliarden Euro subventioniert. Dabei sind Flugzeuge mit Abstand das klimaschädlichste Verkehrsmittel. (…) Und jetzt wollen Sie die Luftverkehrsteuer wieder senken, also eine Art Kerosinrabatt.  (…) Pro Flug in Europa wird die Luftverkehrsteuer jetzt um 2,50 Eurogesenkt, pro Langstreckenflug um 11,40 Euro. Die Entlastungswirkung dieser Maßnahme? Wenig vorhanden, aber das Ganze kostet; nämlich rund 350 Millionen Euro pro Jahr, die beim einfachen Fluggast verpuffen und im Verkehrsetat spürbar fehlen werden. Wer hat am meisten von der Nummer? Die Airlines, die Aktionäre, die Vielflieger, die Luftfahrtlobby, die teilweise mit extrem fragwürdigen Geschäftsmodellen unterwegs ist. (…)“

ENDE Zitat Achelwilm aus dem Bundestagsprotokoll.

Übrigens: Der Bundestag wird die Senkung der Luftverkehrsteuer aller Voraussicht nach am 21.5. in zweiter und dritter Lesung beschließen, die auch dann immer noch höher sein wird als vor Corona.

Der aktuelle Satz für die Kurzstrecke beträgt in Deutschland 15,53 Euro. Für die Mittelstrecke fallen 39,34 Euro an. Auf der Langstrecke verlangt der deutsche Staat 70,83 Euro pro Passagier und Flug. 

Und was sagt nun Kristina Vogt, Bremer Wirtschaftssenatorin aus dem selben Linken-Parteistall wie Frau Achelwilm, die es in Berlin immerhin zur steuerpolitischen Sprecherin ihrer Fraktion gebracht hat.

Vogt bettelt die Lufthansa zusammen mit Bürgermeister Dr. Andreas Bovenschulte regelrecht an:

„Bremen ist ein Industrie- und Logistik-Standort mit internationaler Ausrichtung.“ Die Anbindung an Frankfurt sei Grundlage für täglich zahlreiche Geschäftsreisen, die für mannigfache Kundenkontakte in aller Welt essenziell seien. Der Bürgermeister und seine Wirtschaftssenatorin bitten den LH-Vorstand, die Entscheidung zu prüfen und Bremen über den 1. Juli hinaus mit Frankfurt zu verbinden.

Liebe Leserschaft, was würden Sie als LH-Vorstand angesichts einer solch gespaltenen Zunge der Linken in Bremen und Berlin halten?

Noch ein Vergleich der Fluggebühren mit Ländern, in denen die Lufthansa Group Airlines inzwischen gekauft oder sich beteiligt (Ex-Alitalia) hat:

Österreich

Flugabgabe kürzer als 350 Kilometer: 30 Euro. Länger als 350 Km = 12 Euro

Schweiz:

Flugsteuer: NULL Euro. Die Schweizer haben die Forderung von Umweltschutzverbänden (30 Franken für Kurzstreckenflüge, 120 Franken auf der Langstrecke) per Volksabstimmung abgelehnt. 

Italien:

Für Kurzstrecke: 6,57 Euro, für Langstrecke 12,69 Euro.

Noch zu einer anderen Zahl: Der Sprecher Wirtschaftsbehörde, Christoph Sonnenberg, erläuterte bsg gegenüber eine Zahl, die seit dem Wochenende in vielen Debatten genannt wird: „Der Flughafen sagt uns, dass wöchentlich bei 35 Abflügen 5.100 Passagiere auf der Strecke Bremen-Frankfurt unterwegs sind.“

Um die Aussage sachlich einzuordnen: Die 5.100 Menschen beziehen sich auf 35 Hin- und 35 Rückflüge. Man muss man also 5.100 durch 70 dividieren, um die tatsächliche durchschnittliche Fluggastzahl pro Flugzeug zu errechnen: 73 Menschen.

Zum Schluss noch etwas Anderes: Ist auch Ihnen aufgefallen, dass die Bremer Politik der LH gegenüber wie ein Ertrinkender um Hilfe ruft, ein anderer Spitzenpolitiker sich jedoch in Schweigen hüllt: Olaf Lies, SPD-Regierungschef von Niedersachsen. Der Ministerpräsident wohnt in Sande/Friesland, ist den Städten Wilhelmshaven, Emden und Oldenburg verbunden. Ist ihm etwa noch gar nicht aufgefallen, dass viele Geschäftsreisende aus (seinem) Nordwesten von Bremen aus (und nicht Hannover) zu Kunden in die Welt fliegen?

ACHTUNG: In den Kommentaren finden Sie unter Axel Schuller eine Aktualisierung des Textes. Dr. Andreas Bovenschulte hatte am Mittwoch ein Video-Telefonat mit Airline-Boss Carsten Spohr.

Heute mal innerhalb des Textes: Lesen Sie bitte die Kommentare zum vorigen Stück „Gastbeitrag“. Sie finden dort viele erhellende Infos zum Thema Lufthansa!

Munter bleiben!

Herzlichst

Ihr Axel Schuller

P.S.: Vorsorglich schon mal der Hinweis, dass am Sonntag der bereits avisierte Gastkommentar garantiert erscheinen wird.