Mutiger Mattfeldt meidet Mondpreise / Ach, der Weltschmerz…

14.05.2026 15 Von Axel Schuller

Liebe Leserschaft, heute müssen Sie mal wieder ein „büschen“ tapfer sein und mir bitte etwas Langmut entgegenbringen. Die Stichwörter lauten: Russland, Ukraine, Aufrüstung, Ausspähen. Vorab eine Nachricht, die Sie bislang vermutlich in keinem Bremer Medium gefunden haben: Der CDU-Bundestagsabgeordnete Andreas Mattfeldt aus Verden/Aller hat Mumm bewiesen: Im Haushaltsausschuss hat er (mit anderen) eine Beschaffungsmaßnahme der Bundeswehr angehalten. Begründung: Wir sollten keine „Mondpreise“ bezahlen.

Interessant, oder? Wenn ich solche Nachrichten auf LinkedIn oder im Handelsblatt wahrnehme, frage ich mich zunächst: Ey, was ist da denn los? Anschließend aber auch: Warum lese, höre, sehe ich dazu nichts im Heimatblatt („Zeitung für Bremen und Niedersachsen“) oder bei Radio Bremen? Verden liegt ja nicht außerhalb der Welt, sondern lediglich 33 Kilometer Luftlinie von Bremen entfernt.

Mattfeldt (56) ist seit 17 Jahren direkt gewählter Abgeordneter des Wahlkreises Osterholz-Verden, sitzt im Haushaltsausschuss des Bundestages, ist dort zuständig für den Verteidigungshaushalt – und winkt offensichtlich nicht jede Vorlage des Verteidigungsministeriums durch.

Mattfeldt ist alles andere als ein Gegner der Bundeswehr oder deren Aufrüstung. Nein, der Mann benutzt einfach nur den eigenen Kopf.

Als Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) Ende April die Freigabe von nahezu 1,3 Milliarden Euro für 4.200 Tankcontainer beantragte, hielten Mattfeldt und andere Haushälter die rote Stopp-Kelle in die Höhe. Bedeutet: Die Anschaffung der jeweils 9.000 Liter Treibstoff fassenden Tanks in Container-Gestellen inkl. Pumpe und Schlauch wurde gestoppt und das Bundesverteidigungsministerium aufgefordert, erneut über den Preis zu verhandeln.

Mattfeldt schrieb dazu auf seinem LinkedIn-Profil: 

„2021 hat ein solcher Container rund 145.000 Euro gekostet. Inzwischen hat sich dieser Preis verdoppelt. Fachleute aus der Tankstellenbranche, die ähnlich beschaffen, teilen mir extrem niedrigere Preise mit. Genau hier definiere ich meine Aufgabe als Haushälter, denn wir sind die einzige Kontrollinstanz. Für mich heißt das genau hinsehen, nachfragen und notfalls auch stoppen.

„Whatever it takes“ darf nicht bedeuten, dass wir Geld ausgeben, als gäbe es kein Morgen mehr. Ich trage Verantwortung und stehe dafür, dass wir auch nach 2030 noch ausreichend Mittel für unsere Verteidigung haben – und nicht rückblickend feststellen müssen, dass wir 2026 zu Mondpreisen eingekauft haben und dieses Geld uns später fehlt. 

Dabei ist mir wichtig: Unsere Soldatinnen und Soldaten sollen und werden die bestmögliche Ausrüstung bekommen. Aber genauso hat der Steuerzahler ein Recht darauf, dass verantwortungsvoll und zu angemessenen Preisen beschafft wird.“

Wow, liebe Kollegen in den Bremer Redaktionen: Ist das nicht wenigstens eine klitzekleine Meldung wert?

Liebe Leserschaft, Sie erinnern meinen Einstieg in den heutigen Blog? Russland, Ukraine, Aufrüstung, Ausspähen – hieß es da.

Russland und Ukraine: Putin bringt Gerhard Schröder als möglichen Vermittler im Krieg mit der Ukraine ins Spiel. Und wie reagieren wir – Politik und Medien? Lehnen das ab, weil’s von Putin kommt. Kanzler Merz gestern bei der Karls-Preis-Vergabe: „Wir entscheiden selbst, wer für uns spricht.“ Na toll. Wer soll das sein?

Ich finde diese Gesprächs-Verweigerung unverantwortlich. Willy Brandt und Egon Bahr müssen sich im Grab umdrehen…

Lasst es den alten Schröder doch wenigstens versuchen. Was könnte er denn anrichten, wenn’s schief geht? Manchmal glaube ich, dass ein Großteil der Politiker und meiner Kollegen allmählich „kriegsbesoffen“ sind. Dummerweise kostet dieser Krieg jeden Tag Tote – und unser Land trägt inzwischen die höchste Milliarden-Last dafür. 

Wäre es da nicht schlauer, wirklich jede Verhandlungs-Chance zu nutzen?

Ja ich weiß, jetzt gelte ich einigen wieder als Putin-Follower oder so. Quatsch: Ich will bloß, wie die meisten in unserem Land, dass der Wahnsinn endlich aufhört.

Ausspähen: Der SPIEGEL prangert in der vorletzten Ausgabe Russland an, deutsche Politiker und Journalisten bzw. deren Accounts bei „Signal“ auszuspähen. Außerdem sähe Russland Deutschland inzwischen als Feind Nummer 1 an.

Erstens: Deutsche Spione, sorry Mitarbeiter des Bundesnachrichtendienstes (BND), werden in Russland nicht bloß Zeitungen auf verwertbare Nachrichten auswerten. Das hoffe ich jedenfalls. Zweitens: Es würde mich wundern, wenn unsere Agenten nicht ebenfalls subversiv tätig wären. Und drittens: Russland muss Deutschland natürlich inzwischen als neuen Feind Nummer 1 ansehen. Wir finanzieren mit bislang hohen zweistelligen Milliarden-Beträgen den größten Teil des Ukraine-Widerstandes. Und Herr Pistorius wünscht sich sogar, gemeinsam mit der Ukraine weitreichende Waffen (von uns bis Russland) herzustellen. Ganz ehrlich: Ich wundere mich, weshalb Pistorius Deutschlands beliebtester Politiker sein soll.  

Erinnert sich in Politik und Medien eigentlich noch irgend jemand, wer im Zweiten Weltkrieg wen angegriffen hat? Wer die meisten Toten durch Nazi-Deutschland zu beklagen hatte?

Und dann sind SPIEGEL und viele andere überrascht, dass Putin uns mittlerweile als Top-Feind einstuft. Meinen die das wirklich ernst?

Und wenn der Chef im Kreml – ja, vermutlich in einem kalkulierten Moment – Gerhard Schröder als Vermittler vorschlägt, fällt uns nur ein dumpfes „Njet“ ein. Obwohl die „Bringschuld“ bei Entsendung Schröders doch zunächst bei Putin gelegen hätte.

So, liebe mir häufig geneigte Leserschaft, ich beende jetzt meinen (verzweifelten) Kurzausflug in die Weltpolitik. Der Weltschmerz musste mal wieder raus.

Manchmal bin ich halt fassungslos, was so um uns herum geschieht. Und insbesondere, was wir als Bevölkerung geschehen lassen.

Ich versuche munter zu bleiben, auch wenn ich heute von einigen vermutlich wieder mal Haue kriegen werde.

Herzlichst

Ihr Axel Schuller

P.S.: Sonntag gibt’s wieder einen Gastkommentar.

UND: Schauen Sie im vorigen Stück zur Lufthansa die Aktualisierung an. Bremen und LH bewegen sich offenbar aufeinander zu. Es geht um Millionen Euro.