ZDF zeigt Sozialbetrug anhand von Bremer Fakten / Für hiesige Medien nicht interessant genug?

17.05.2026 24 Von Axel Schuller

„Im Jobcenter ist es ein offenes Geheimnis, dass 30 bis 40 Prozent der Kunden keine wahren Angaben machen. Und weiter: „Aus einem schönen System wird ein total ungerechtes System.“ Wer das sagt? Fred Göken, beschäftigt im Bremer Jobcenter und einer der Kronzeugen einer ZDF-Reportage. Die Geldzahlungen für Kunden, die nicht kooperativ sind, oder mehrfach nicht erscheinen, darf Göken aber nicht einstellen. Der Bremer Experte: „Wir bringen uns um, mit unserem Recht.“ Der Mann arbeitet seit 2005 im Jobcenter der Hansestadt. Seine gnadenlose Offenbarung konnte man vergangenen Donnerstag im ZDF sehen – von bremischen Medien offenbar unbemerkt. Schade.

Die Hauptkritikpunkte des Experten: Die Jobcenter haben aus seiner Sicht zu große Budgets. Statt die Menschen einfach in Arbeit zu vermitteln, würden diese über Jahre betreut: Hier ein Schweißer-Schein, dort ein Führerschein. Doch zu viele Dauerarbeitslose blieben viel zu lange im Hilfesystem.

SPD-Politiker behaupten steif und fest, lediglich ein Prozent der Bürgergeld-Empfänger (jetzt: Grundversorgung) seien Totalverweiger.

Die Praktiker, die in der ZDF-Reportage „Am Puls – mit Sarah Tacke – System Bürgergeld: Leben ohne Leistung“ zu Wort kommen, schätzen den Anteil der Verweigerer – also Leistungsbezieher ohne jede Mitarbeit – auf 30 Prozent, wenn nicht sogar 40 Prozent.

In dem ZDF-Film kommt ein Arbeitsloser aus Bremen vor, der seit 40 Jahren von allen denkbaren Sozialleistungen lebt und vor der Kamera sein Ziel formuliert: Demnächst werde er in Altersrente gehen – und Geld erhalten, ohne dafür in die Rentenkasse eingezahlt zu haben. Der Mann berichtet – anonymisiert, „will ja keinen Ärger kriegen“ – sein Vater sei mit ihm sehr unzufrieden: „Das hast eine kaufmännische Ausbildung, sprichst mehrere Sprachen, warum arbeitest du nicht?“ „Papa“ habe zwar recht, aber er wolle an seinem Weg festhalten – für den der Sozialstaat Monat für Monat bezahlt.

Liebe Leserinnen und Leser, ich will mit diesem Stück und dem Hinweis auf den ZDF-Film keine radikalen Kräfte stärken. Das tut die reale Situation selbst, die im Film beschrieben wird! Wohlgemerkt: Das ZDF bringt viele O-Töne aus der Betreuer-Szene. Keine Gerüchte. Die Reporterin Sarah Tacke lässt übrigens auch einen Landrat (mit SPD-Parteibuch) zu Wort kommen, der nicht mehr beim Ausnutzen des Sozialstaates zuschauen will. Er beordert Bürgergeld-Empfänger morgens um 7 zur gemeinnützigen Arbeit. Wer nicht erscheint (über die Hälfte!) denen kürzt er den Unterhalt. Und: Er lässt die zu Hause Gebliebenen von einem Ordnungsdienst besuchen. Solange, bis der eine oder andere doch mal zur Arbeit erscheint.

Es kommen auch Jobcenter-Mitarbeiter (m/w) aus Berlin und aus dem Ruhrgebiet zu Wort, die an der Arbeits-Widerwilligkeit ihrer Kundschaft schier verzweifeln. Übrigens, was offiziell auch meist geleugnet wird: Fast die Hälfte der Bezieher von Sozialleistungen sind eingewandert.

Nach dieser Reportage fragt man sich, wie Bundesarbeitsministerin Bärbel Bas jemals auf den völlig weltfremden Ausspruch kommen konnte: „Es gibt keine Zuwanderung in den Sozialstaat.“ 

Ein Ergebnis dieser Realitätsverweigerung: Insa hat am Wochenende für BILD die „Sonntags-Frage“ gestellt. Die Zahlen passen zur Politik der Berliner Koalition, welche die Wirklichkeit nicht erkennen wollen: AfD: 29 Prozent; CDU: 22%; Grüne: 14%; SPD: 12%; Linke: 10%; FDP: 3%; BSW: 3%.

Trotz alledem: Insbesondere Sozialdemokraten ziehen – so höre ich – aus Sarah Tackes Bericht einen verwirrenden Schluss: „Wir müssen den Sozialstaat verteidigen, nicht abbauen. Das sind wir unseren Wählern schuldig.“ OMG, lass‘ Erkenntnis auf diese Sozis niedergehen. Ansonsten wird die gute alte Tante SPD bald auf dem Friedhof der Geschichte landen.

Nachfolgend der Link zur ZDF-Sendung – wenn’s nicht klappt: ZDF-Mediathek, „Am Puls“.

https://www.zdf.de/video/reportagen/am-puls-100/am-puls-mit-sarah-tacke—system-buergergeld-leben-ohne-leistung-100

Trotzdem: Munter bleiben!

Herzlichst

Ihr Axel Schuller

P.S.: Schnell noch ein Hinweis: Der Petitionsausschuss der Bremischen Bürgerschaft macht sich am Dienstag, 19.5., um 12 Uhr, ein eigenes Bild vom Platanenwald (136 Bäume) am Weserdeich bei Beck’s. Die Umweltbehörde will alle Bäume weghauen, um eine Deichverstärkung zu bauen. Eine Bürgerinitiative (für Erhalt der Bäume, mit Alternativkonzept) hält dagegen. Treffpunkt am Dienstag: Brautbrücke am Weserwehr.