Wohnungsbau – Bremst die Bürokratie die Idee vom „Bremer Weg“ aus?

24.05.2026 17 Von Axel Schuller

Ein Thema, zwei Veröffentlichungen – dazwischen eine gedankliche Strecke länger als die berühmte Golden Gate Bridge. Da erzählt Bremens neuer Senatsbaudirektor Arend Bewernitz dem WK, weshalb in der Hansestadt ein Drittel weniger Wohnungen als 2024 gebaut worden seien: Zinsen, Baukosten, „Krisenlagen in der Welt“ – was man sich halt so an Dauer-Ausflüchten ausdenken kann. Und dann stößt man auf einen Beitrag im Magazin der Bremer Wohnungswirtschaft und denkt: Ey, einer von beiden sollte sich wohl besser auf die Suche nach den wahren Gründen begeben…

Liebe Leserschaft, bremensogesehen macht heute mal „auf faul“. Muss aber nicht schlecht sein. Denn ich biete Ihnen exklusiv eine – den meisten von Ihnen – unbekannte Erkenntnisquelle an. „BAUEN in und um Bremen“ heißt das Magazin der „ARGE Freier Wohnbau“. Die renommierten Mitgliedsfirmen nenne ich am Schluss des heutigen Blogs.

Kommen wir zum lahmenden Wohnungsbau

Monatelang haben ungezählte Menschen in Aus- und Unterausschüssen und schließlich sogar in einer Senatskommission des Bürgermeisters nach dem neuen „Bremer Weg“ gesucht. 

Zentrale Aufgabenstellung: Wie kann man schneller und billiger bauen?

Ziel: Endlich mehr Wohnungen herstellen. Und jetzt, 12 (!)  Monate danach, fasst ein Kommentator in jener ARGE-Zeitschrift den Stand der Dinge regelrecht vernichtend zusammen:

„Der Grundgedanke des „Bremer Wegs, zwischen der Bauwirtschaft und den Vertretern/Ansprechpartnern der Stadt gemeinsame Lösungen zur Reduzierung der Baukosten zu finden und Einsparungs- und Optimierungsvorschläge zu berücksichtigen, ist bei den meisten Mitarbeitern der Stadt noch gar nicht präsent. Teilweise fehlt es hier auch an der rechtlichen Umsetzung innerhalb der Fachbehörden oder an der erforderlichen Dienstanweisung der Abteilungsleiter an die „Arbeitsebene.“

Anders ausgedrückt: Bausenatorin Özlem Ünsal, ihr Staatsrat Dr. Ralph Baumheier und auch Bürgermeister Dr. Andreas Bovenschulte (allesamt SPD) suchen die Nähe zur Bauwirtschaft, wollen Bewegung in den Laden bringen – aber der Apparat bockt. Nach dem Motto: Ist uns doch egal, wer unter uns Senatorin ist.

Der Kommentar von Marco Meyer, Geschäftsführer des Arge Mitglied-Unternehmens „buhlmann Immobilien“ in der ARGE-Mitglieder-Zeitschrift endet – aus meiner Sicht – geradezu niederschmetternd:

„Aus aktuell laufenden Gesprächen mit der Stadt berichten ARGE-Vertreter, dass Ansprechpartner der Fachbehörden weiterhin überwiegend an den bisherigen Anforderungen und „Vorgehensweisen“ festhalten. Unter anderem werden Anfragen zur Erleichterung bestehender Regelungen in Bebauungs-Plänen oder in städtebaulichen Verträgen mit „teuren“ Gestaltungsvorgaben zur Gebäudearchitektur nur sehr zögerlich behandelt. Zudem sind weiterhin extrem lange Abstimmungszeiträume die Regel. Diese Vorgehensweise verhindert damit ebenfalls, die Baukosten zu reduzieren und ein Wohnungsbauprojekt in der jetzigen schwierigen Baukonjunktur kurzfristig zur Umsetzung zu bringen. Im Ergebnis muss festgestellt werden, dass eine spürbare Reduzierung der Baukosten bisher nicht eingetreten ist (…)“

Sehr geehrte Frau Bausenatorin Ünsal, vielbeschäftigter und aktuell Japan-Reisender Bürgermeister Dr. Bo. hören Sie die Signale

Merken Sie, wer Sie da gerade der Lächerlichkeit preisgibt?

Wollen Sie sich das wirklich gefallen lassen?

Genauso schlimm, wenn jetzt auch nicht Bestandteil des ARGE-Kommentars: Ähnlich gestrickte „Verhinderer“ sitzen nach meinen Informationen im Umweltressort von Senatorin Dr. Henrike Müller (Grüne). Dort will man am liebsten an fast allen Bremer Regelungen – und liegen sie noch so weit oberhalb des Bundes-Standards – festhalten.

In diesem Zusammenhang: Ein dreifachend donnerndes HOCH auf Ex-Multi-Senatorin Dr. Maike Schaefer, die in der Vergangenheit den Bremer Baustandard (mit Zustimmung der rot-grün-roten Senats!) in bislang unerreichte Höhen getrieben hatte. 🙁

Solange Behördenmitarbeiter selbst mit passiven Widerstand derart erfolgreich sind, wird sich in den Behörden an den Abläufen, Genehmigungen und letztlich an den Kosten wohl nix ändern.

Und wer mir jetzt bspw. nackte Übertreibung unterstellen will, dem empfehle ich (u.a.) zwei Grundstücke zur eigenen „Begutachtung“: Viohl-Baumarkt in Borgfeld und Ex-Alecco-Laden in der Bismarckstraße. An beiden Stellen wollen Bauherren seit mehreren Jahren Wohnungen erstellen – und es passiert nichts. Erkundigen Sie sich mal nach der Rolle der Baubehörde.

Munter bleiben!

Herzlichst

Ihr Axel Schuller

Anhang: Wie eingangs versprochen hier die Liste der ARGE-Mitgliedsunternehmen: Detlef Hegemann, nordbau, ASSET, HO Immobilien, PARC Bau, bauatelier nord, IMOGRUND und Domino, PROCON Gruppe, BAUGRUND, Gebr. Rausch Wohnbau, BREBAU, kathmann, Von Rahden Wohnbau, Bremische Volksbank Immobilien, KOENEN Bau, Sparkasse Immobilien Bremen, buhlmann Immobilien, M Projekte, SPECHT Gruppe, JUSTUS GROSSE, Müller & Bremermann, WESER WOHNBAU, GWB, Niendorf Immobilien und Zech Immobilien.

Richtig bemerkt: Der „Gebiets-Dominator“ Gewoba fehlt. Mögliche Erklärung: Das größte Bremer Unternehmen gehört Bremen zu 75,1 Prozent. Die BREBAU indes, mittlerweile sogar zu 100 Prozent im Staatsbesitz, ist wohl einfach Mitglied geblieben.

P.S.: Liebe Leserschaft noch ein Verständnis-Hinweis: Politiker (und zuweilen auch Journalisten) haben 2024 über die gestiegene Zahl von „Baugenehmigungen“ gejubelt. Genehmigungen sind das eine, gebaute Wohnungen etwas völlig anderes. Deren Errichtung bzw. Nicht-Errichtung hängt letztlich auch von den kostenintensiven Rahmenbedingungen ab. Und um die scheint es in Bremen weiter schlecht bestellt zu sein. Noch führt der „Bremer Weg“ nicht auf die Lichtung der Zuversicht. Leider!

P.P.S.: Der sonntägliche Gastkommentar von Arno Gottschalk hat ein wahres Kommentar-Feuerwerk ausgelöst. Nachlesen lohnt sich hundertpro.