Diäten: Bremer Abgeordnete erhalten – relativ – mehr als Bundestagsabgeordnete

01.06.2026 23 Von Axel Schuller

Noch einen Monat, liebe Leserschaft, dann müssen unsere Bürgerschaftsabgeordneten tapfer sein. Der Grund: Die Diäten werden automatisch – laut § 6 Bremisches Abgeordnetengesetz – von 6.370 auf 6.590,27 Euro erhöht. Dagegen kann man sich halt nicht wehren… Obwohl: Im Bundestag hat einige Abgeordnete inzwischen das schlechte Gewissen gepackt. Dort werden die Diäten offenbar für ein Jahr eingefroren. Ja, ich weiß: Diäten – das ist (angeblich) ein mieses, populistisches Thema. Und dennoch lohnt ein Blick auf den Bundestag, die 16 Landtage und speziell auf Bremen.

Der Bundestag ist mehrheitlich zur Erkenntnis gelangt, es könnte möglicherweise etwas unglücklich wirken, selbst rund 500 Euro mehr zu erhalten, während der Sozialstaat wackelt, Gerangel um die Renten herrscht, die Pflegeversicherung vor dem Chaos steht usw.

Die 630 Bundestagsabgeordneten erhalten aktuell 11.833 Euro pro Monat. Die muss man versteuern, aber weder Arbeitslosen- noch Rentenversicherung davon bezahlen. Dazu gesellt sich eine steuerfreie Aufwandspauschale von 5.500 Euro – für Zweitwohnsitz in Berlin, Fahrtkosten und Wahlkreisbüro zu Hause. Die Mitarbeiter in Berlin begleicht der Bund separat.

Der „Tagesspiegel“ hat sich jüngst die Mühe gemacht und den Aufwand für die Bundestagsabgeordneten in Relation zur Kopfzahl der Bevölkerung gesetzt. Erstaunliches Ergebnis: Jeder Deutsche zahlt pro Monat nur 9 Cent für die Diäten der 630 Abgeordneten.

Nur mal als Appetizer für zwischendurch: 

Für die Diäten der 87 Bremischen Bürgerschaftsabgeordneten zahlt jeder Bremer/Bremerin monatlich 79 Cent. 

Wer sich einmal mit Bundestagsabgeordneten über den Zeit- und Kraftaufwand fürs Mandat unterhält, wird überrascht sein. Wir TV-Konsumenten nehmen den Bundestag meist nur zu einem Fünftel gefüllt wahr. Aber: Es gibt unzählige Sitzungen innerhalb der Fraktionen, Ausschüsse, Unterausschüsse, Experten-Anhörungen, Vortragsrunden, Einladungen zur Redebeiträgen bei Verbänden, Vereinen etc. Dazu gesellen sich die Erwartungen, dass die Abgeordneten im heimischen Wahlkreis im Büro und ebenfalls bei Veranstaltungen der eigenen Partei, bei Verbänden, Vereinen und bei Repräsentationsveranstaltungen vor Ort anwesend sein müssen/mögen. In Flächenländern übersteigt dieser Aufwand den von Stadtstaaten-Abgeordneten bei weitem.

Auch wenn’s unpopulär ist:

Unter dem Strich denke ich, dass Bundestagsabgeordnete, die ihren Job in Berlin und zu Hause ernst nehmen, nicht überbezahlt sind. Bundeskanzler (460.000 Euro) und Bundesminister ebenfalls nicht. 

Zum Vergleich: Chef der Deutschen Bank (10 Millionen Euro). Chef einer großen Sparkasse: 1 Million Euro. Intendanten der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten: zwischen 245.000 und 430.000 Euro. Bremens Bürgermeister Dr. Andreas Bovenschulte: 185.000 Euro.

Schauen wir auf die Landtage.

Das Bremer Parlament ist bezogen auf 705.000 Einwohner das teuerste: Aktuell noch 6.370 Euro an Diäten macht pro Bürger monatlich 79 Cent für die 87 Abgeordneten. Ab 1.7. werden es 80 Cent pro Nase sein. Nota: Bremer Parlamentarier sind laut Gesetz Halbtagsabgeordnete, sollen ihren alten Job nebenher weiter ausüben. Übertragen auf den Bundestag als Vollzeit-Parlament: Bremer Abgeordneten erhalten auf Vollzeit umgerechnet 13.000 Euro.

Interesse an weiteren Zahlen, die der „Tagesspiegel“ verdienstvoll zusammengetragen hat?

Die Teilzeitabgeordneten von Hamburg bekommen eine Diät von 4.807 Euro, macht 31 Cent pro Bürger. In Berlin gibt’s 8.161 Euro (Vollzeit), bedeutet 35 Cent.

Nordrhein-Westfalen, mit rund 18 Millionen Einwohnern das größte Bundesland, leistet sich 195 Abgeordnete, zahlt Diäten von 11.464 Euro, macht 12 Cent pro Bürger-Nase. 

Es folgen bei den Diäten – in Klammern der pro-Kopf-Betrag:

Schleswig-Holstein 10.625 (25 Cent), Bayern 10.178 (16 Cent), Brandenburg 10.129 (35 Cent), Hessen 9.935 (21 Cent), Baden-Württemberg 9.322 (13 Cent), Sachsen-Anhalt 8.737 (40 Cent), Rheinland-Pfalz 8.571 (21 Cent), Niedersachsen 8.546 (16 Ct.), Berlin 8.161 (35 Ct.), Mecklenburg-Vorpommern 7.441 (37), Thüringen 7.385 (37), Sachsen 7.316 (22), Bremen 6.370 (79), Saarland 6.238 (31), Hamburg 4.807 Euro (31 Cent).

Puh, einige Zahlen, die der „Tagesspiegel“ zusammengetragen hat, können einen glatt aus den Puschen hauen. Brandenburg mit seinen 2,6 Millionen Einwohnern ist offenbar so schwer zu regieren, dass die Abgeordneten 10.129 Euro im Monat benötigen.

Und: Ob’s uns Bremern gefällt oder nicht: Wir haben mit 87 Landtagsabgeordneten deutlich zu viele (Saarland: 55), und die Halbtagsdiät von bald 6.500 Euro erscheint  im Vergleich zu NRW und zum Bundestag deutlich überhöht.

Funktionsträger wie Landtagspräsidentin Antje Grotheer (2,5 Diäten), ihre Stellvertreter (1,75), Fraktionschefs (2,5) und deren Stellvertreter (1,75 Diät) können sich heutzutage wohl nicht mehr über ihr jeweiliges Salär beklagen. 

Liebe Leserschaft, ich hoffe, dass ich Ihnen mit dieser Zusammenstellung Ihren Blick etwas weiten konnte.

Munter bleiben!

Herzlichst

Ihr Axel Schuller

P.S.: Ich bedanke mich erneut für das überwiegend hohe Niveau der Leserzuschriften zum vorigen Gastkommentar von Dieter Winge.