Viel Lob für Ordensträger Ralf Fücks / Ich sehe das anders: Fücks hat Bremen nicht gutgetan

09.06.2026 11 Von Axel Schuller

Na endlich: Jetzt gibt es in Deutschland ein Ehepaar, das zum Ausgehen notfalls immer ein Bundesverdienstkreuz zur Hand hat: Nach seiner Frau Marieluise Beck (73) – die schon zwei besitzt – hat nun auch Ralf Fücks (74) den begehrten Bundes-Orden erhalten. Das Schönste: Die Bremer Grünen sind so stolz darauf, dass sie mal eben ganz lässig über einen inneren Widerspruch hinwegsehen: Einerseits Grüner Jubel für den kompromisslosen Bewaffnungsbefürworter der Ukraine Fücks, andererseits die Grünen als Kämpfer für Erhalt der „Zivilklausel“ an der Bremer Uni: keine Forschung mit militärischem Hintergrund. Bigotterie in Reinkultur.

Warum hat der Bundespräsident den Bremer Ex-Senator Fücks eine der höchsten Auszeichnungen unseres Staates verliehen?

Lassen wir Bremens (2.) Bürgermeister und Finanzsenator Björn Fecker (Grüne) , bzw. dessen Pressestelle zu Wort kommen:

„Für sein herausragendes Wirken für Freiheit und Demokratie ist der ehemalige Bremer Umweltsenator und Bürgermeister Ralf Fücks von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier mit dem Bundesverdienstkreuz erster Klasse ausgezeichnet worden. Bürgermeister Björn Fecker gratuliert Ralf Fücks zu dieser Auszeichnung: „Ralf Fücks hat sich in besonderer Weise der Verteidigung der liberalen Demokratie in Europa gegen autoritäre Einflussnahme verschrieben und macht sich für den Aufbruch in die ökologische Moderne stark. Er tritt für eine Gesellschaft ein, die von Toleranz und Vielfalt geprägt ist. Dieses langjährige persönliche Engagement verdient hohe Wertschätzung. Für sein weiteres Wirken wünsche ich Ralf Fücks viel Energie und Erfolg.“

Feckers Pressestelle ergänzte für Später-Geborene:

„Ralf Fücks war von 1991 bis 1995 Bremer Senator für Stadtentwicklung und Umweltschutz, von 1993 bis 1995 auch Bürgermeister. Von 1997 bis 2017 prägte er als langjähriger Vorstand der Heinrich-Böll-Stiftung die politische Bildungsarbeit. Nach dem Rückzug von der Spitze der Stiftung gründete er mit seiner Frau Marieluise Beck das „Zentrum Liberale Moderne“, das sich der Verteidigung der offenen Gesellschaft gegen autoritäre Entwicklungen und antiliberale Kräfte widmet.“

„Für Freiheit und Demokratie…“ – war das immer so? „Langjähriges persönliches Engagement“ für die „Verteidigung der offnen Gesellschaft“ – war das immer so?

Zu Fücks‘ Lebensgeschichte gehört nämlich auch, dass er in den 70er Jahren Mitglied des maoistischen Kommunistischen Bund Westdeutschland (KBW) war. Der KBW vertrat seinerzeit den orthodoxen Marxismus-Leninismus und orientierte sich stark an den Theorien des Chinesen Mao Zedong. Der KBW warf ihn, der zeitweise sogar dem Führungszirkel angehört hatte, aus der Partei raus, weil Fücks Kritik am Stalinismus geäußert hatte.

Seine neue Heimat fand er wie andere KBWler bei den Grünen. Erinnert sei an den Bremer Hermann Kuhn, Staatsrat Dieter Mützelburg, Klaus Möhle oder Baden-Württembergs Ex-Regierungschef Wilfried Kretschmann. Letztgenannter hat Fücks übrigens dem Bundespräsidenten für den Orden vorgeschlagen. Zur Abrundung: Kretschmann war in den 70ern ebenfalls in einer Hochschulgruppe des KBW aktiv.

Um das klar zu sagen: Jeder darf seinen politischen Weg – auch mehrfach – ändern (wie auch ich, jedoch stets ohne Partei-Bindung). Aber: Fücks sei immer für die „Verteidigung der offenen Gesellschaft“ eingetreten – das passt auf viele Parteien, nicht aber zu den einst verbissenen Klassenkämpfern des KBW, die in den 70ern als militanteste linke Partei galt (aber, ohne die RAF zu unterstützen).

Zurück in die Gegenwart:

Bremens Grüner Fraktionschef der Grünen, Emanuel Herold, schrieb jetzt zur Auszeichnung des Bremer Ex-Senators:

„Ralf Fücks‘ politisches Leben gilt der Stärkung unserer freiheitlichen Gesellschaft und seiner demokratischen Institutionen sowie dem Übergang zu einem nachhaltigen Wirtschaftsmodell, dass die ökologischen Bedingungen unserer Welt respektiert.  Er hat die bremische Stadtentwicklung von der Erhaltung der Bremer Naturschutzgebiete bis zur Entwicklung der Überseestadt als Bürgerschaftsabgeordneter und Senator maßgeblich und gegen teils erhebliche Widerstände geprägt. Sein und unser politisches Zielbild hat Fücks stets in einem europäischen Rahmen gezeichnet. In den letzten Jahren ist er insbesondere als hörbarer und überzeugender Unterstützer der angegriffenen Ukraine hervorgetreten und hat in der deutschen Öffentlichkeit die gesamteuropäische Bedeutung des ukrainischen Kampfs für Freiheit und Selbstbestimmung immer wieder unterstrichen.“

 Soweit Herold.

Die Älteren unter uns erinnern sich bestimmt, dass Fücks die erste Bremer Ampel-Regierung 1995 zum Bersten brachte, indem er die für Gewerbeansiedlung vorgesehene Hemelinger Marsch bei der EU als Naturschutzgebiet anmeldet hatte („Piepmatz-Affäre“) – ohne Rücksprache in Senat oder Bürgerschaft.

Aber so genau will man das aktuell bei den Grünen wohl nicht wissen. Dafür ist die Feierlaune zu groß.

Während Fecker und Herold des Lobes für Fücks voll sind, bin ich anderer Meinung: Fücks hat Bremen nicht gut getan.

Heute führt der Lobgepriesene eine als gemeinnützig anerkannte GmbH namens „Zentrum Liberale Moderne“. Diese bezeichnet sich selbst als politischen „Think tank“. Fücks ist „geschäftsführender Gesellschafter“, seine Gattin Marieluise Beck nennt sich Direktorin.

Das Zentrum kürzt sich LIBMOD ab. Fücks und seine Frau haben sich sehr früh für eine umfassende Bewaffnung der Ukraine eingesetzt, um Putin zu stoppen.

Das LIBMOD finanziert sich – laut eigenen Aussagen – „vorrangig aus Projektmitteln eines breiten Spektrums staatlicher Institutionen, privater Stiftungen, der Wirtschaft sowie aus Spenden. Darüber hinaus erhalten wir – wie andere Think Tanks und Einrichtungen der politischen Bildung – eine institutionelle Förderung aus dem Bundeshaushalt. (…)

Unsere Kooperationspartner und Zuwendungsgeber (2017 – 2025):

Alliance for Open Society International, Auswärtiges Amt, Baden-Württemberg-Stiftung, Bertelsmann-Stiftung, Bundesamt für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben, Bundesamt für Migration und Flüchtlinge, Bundesverband der Deutschen Luftverkehrswirtschaft, Bundesverband der Deutschen Luft- und Raumfahrtindustrie, Bundeszentrale für politische Bildung, Chemie Wirtschaftsförderungs-GmbH, Contestations of the Liberal Script – SCRIPTS, Deutsche Bahn Stiftung, Deutsche Bundesstiftung Umwelt, Engagement Global (BMZ), European Climate Foundation, Forum 2000, Friede Springer Stiftung, Gemeinnützige Hertie Stiftung, Konrad Adenauer Stiftung, Kultura Liberalna, National Philantrophic Trust, Prague Civil Society Centre, Presse- und Informationsamt der Bundesregierung, Robert Bosch Stiftung, Staatskanzlei des Landes Nordrhein-Westfalen, Stiftung für deutsch-polnische Zusammenarbeit, Stiftung Mercator, The Khodorkovsky Foundation, Verband der Chemischen Industrie, Zeit Stiftung Bucerius, Zukunft Gas.“

Liebe Leserschaft,

Ralf Fücks und seine Frau, die das Bundesverdienstkreuz 1996 und 2022 gleich zweimal verliehen bekam, mögen mit ihren Auszeichnungen glücklich werden; vllt. werden sie an langen Abend ja auch mal „Trio“ damit spielen.

Munter bleiben!

Herzlichst

Ihr Axel Schuller

P.S.: Das bereits angekündigte Interview bringe ich voraussichtlich 🙂 am Freitag. Und für Sonntag ist ein weiterer Gastkommentar „in der Pipeline“.

P.P.S.: Der Weser-Kurier hat nach der von mir harsch kritisierten „Meinungslosigkeit“ zum Bovenschultschen Vorschlag (Steuerausfälle per Kredit zu finanzieren) einen Tag später einen kritischen Leitartikel veröffentlicht. Danke! Radio Bremen hat offenbar keine Meinung dazu. Schade.