Viel Lob für Ordensträger Ralf Fücks / Ich sehe das anders: Fücks hat Bremen nicht gutgetan
Na endlich: Jetzt gibt es in Deutschland ein Ehepaar, das zum Ausgehen notfalls immer ein Bundesverdienstkreuz zur Hand hat: Nach seiner Frau Marieluise Beck (73) – die schon zwei besitzt – hat nun auch Ralf Fücks (74) den begehrten Bundes-Orden erhalten. Das Schönste: Die Bremer Grünen sind so stolz darauf, dass sie mal eben ganz lässig über einen inneren Widerspruch hinwegsehen: Einerseits Grüner Jubel für den kompromisslosen Bewaffnungsbefürworter der Ukraine Fücks, andererseits die Grünen als Kämpfer für Erhalt der „Zivilklausel“ an der Bremer Uni: keine Forschung mit militärischem Hintergrund. Bigotterie in Reinkultur.
Warum hat der Bundespräsident den Bremer Ex-Senator Fücks eine der höchsten Auszeichnungen unseres Staates verliehen?
Lassen wir Bremens (2.) Bürgermeister und Finanzsenator Björn Fecker (Grüne) , bzw. dessen Pressestelle zu Wort kommen:
„Für sein herausragendes Wirken für Freiheit und Demokratie ist der ehemalige Bremer Umweltsenator und Bürgermeister Ralf Fücks von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier mit dem Bundesverdienstkreuz erster Klasse ausgezeichnet worden. Bürgermeister Björn Fecker gratuliert Ralf Fücks zu dieser Auszeichnung: „Ralf Fücks hat sich in besonderer Weise der Verteidigung der liberalen Demokratie in Europa gegen autoritäre Einflussnahme verschrieben und macht sich für den Aufbruch in die ökologische Moderne stark. Er tritt für eine Gesellschaft ein, die von Toleranz und Vielfalt geprägt ist. Dieses langjährige persönliche Engagement verdient hohe Wertschätzung. Für sein weiteres Wirken wünsche ich Ralf Fücks viel Energie und Erfolg.“
Feckers Pressestelle ergänzte für Später-Geborene:
„Ralf Fücks war von 1991 bis 1995 Bremer Senator für Stadtentwicklung und Umweltschutz, von 1993 bis 1995 auch Bürgermeister. Von 1997 bis 2017 prägte er als langjähriger Vorstand der Heinrich-Böll-Stiftung die politische Bildungsarbeit. Nach dem Rückzug von der Spitze der Stiftung gründete er mit seiner Frau Marieluise Beck das „Zentrum Liberale Moderne“, das sich der Verteidigung der offenen Gesellschaft gegen autoritäre Entwicklungen und antiliberale Kräfte widmet.“
„Für Freiheit und Demokratie…“ – war das immer so? „Langjähriges persönliches Engagement“ für die „Verteidigung der offnen Gesellschaft“ – war das immer so?
Zu Fücks‘ Lebensgeschichte gehört nämlich auch, dass er in den 70er Jahren Mitglied des maoistischen Kommunistischen Bund Westdeutschland (KBW) war. Der KBW vertrat seinerzeit den orthodoxen Marxismus-Leninismus und orientierte sich stark an den Theorien des Chinesen Mao Zedong. Der KBW warf ihn, der zeitweise sogar dem Führungszirkel angehört hatte, aus der Partei raus, weil Fücks Kritik am Stalinismus geäußert hatte.
Seine neue Heimat fand er wie andere KBWler bei den Grünen. Erinnert sei an den Bremer Hermann Kuhn, Staatsrat Dieter Mützelburg, Klaus Möhle oder Baden-Württembergs Ex-Regierungschef Wilfried Kretschmann. Letztgenannter hat Fücks übrigens dem Bundespräsidenten für den Orden vorgeschlagen. Zur Abrundung: Kretschmann war in den 70ern ebenfalls in einer Hochschulgruppe des KBW aktiv.
Um das klar zu sagen: Jeder darf seinen politischen Weg – auch mehrfach – ändern (wie auch ich, jedoch stets ohne Partei-Bindung). Aber: Fücks sei immer für die „Verteidigung der offenen Gesellschaft“ eingetreten – das passt auf viele Parteien, nicht aber zu den einst verbissenen Klassenkämpfern des KBW, die in den 70ern als militanteste linke Partei galt (aber, ohne die RAF zu unterstützen).
Zurück in die Gegenwart:
Bremens Grüner Fraktionschef der Grünen, Emanuel Herold, schrieb jetzt zur Auszeichnung des Bremer Ex-Senators:
„Ralf Fücks‘ politisches Leben gilt der Stärkung unserer freiheitlichen Gesellschaft und seiner demokratischen Institutionen sowie dem Übergang zu einem nachhaltigen Wirtschaftsmodell, dass die ökologischen Bedingungen unserer Welt respektiert. Er hat die bremische Stadtentwicklung von der Erhaltung der Bremer Naturschutzgebiete bis zur Entwicklung der Überseestadt als Bürgerschaftsabgeordneter und Senator maßgeblich und gegen teils erhebliche Widerstände geprägt. Sein und unser politisches Zielbild hat Fücks stets in einem europäischen Rahmen gezeichnet. In den letzten Jahren ist er insbesondere als hörbarer und überzeugender Unterstützer der angegriffenen Ukraine hervorgetreten und hat in der deutschen Öffentlichkeit die gesamteuropäische Bedeutung des ukrainischen Kampfs für Freiheit und Selbstbestimmung immer wieder unterstrichen.“
Soweit Herold.
Die Älteren unter uns erinnern sich bestimmt, dass Fücks die erste Bremer Ampel-Regierung 1995 zum Bersten brachte, indem er die für Gewerbeansiedlung vorgesehene Hemelinger Marsch bei der EU als Naturschutzgebiet anmeldet hatte („Piepmatz-Affäre“) – ohne Rücksprache in Senat oder Bürgerschaft.
Aber so genau will man das aktuell bei den Grünen wohl nicht wissen. Dafür ist die Feierlaune zu groß.
Während Fecker und Herold des Lobes für Fücks voll sind, bin ich anderer Meinung: Fücks hat Bremen nicht gut getan.
Heute führt der Lobgepriesene eine als gemeinnützig anerkannte GmbH namens „Zentrum Liberale Moderne“. Diese bezeichnet sich selbst als politischen „Think tank“. Fücks ist „geschäftsführender Gesellschafter“, seine Gattin Marieluise Beck nennt sich Direktorin.
Das Zentrum kürzt sich LIBMOD ab. Fücks und seine Frau haben sich sehr früh für eine umfassende Bewaffnung der Ukraine eingesetzt, um Putin zu stoppen.
Das LIBMOD finanziert sich – laut eigenen Aussagen – „vorrangig aus Projektmitteln eines breiten Spektrums staatlicher Institutionen, privater Stiftungen, der Wirtschaft sowie aus Spenden. Darüber hinaus erhalten wir – wie andere Think Tanks und Einrichtungen der politischen Bildung – eine institutionelle Förderung aus dem Bundeshaushalt. (…)
Unsere Kooperationspartner und Zuwendungsgeber (2017 – 2025):
Alliance for Open Society International, Auswärtiges Amt, Baden-Württemberg-Stiftung, Bertelsmann-Stiftung, Bundesamt für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben, Bundesamt für Migration und Flüchtlinge, Bundesverband der Deutschen Luftverkehrswirtschaft, Bundesverband der Deutschen Luft- und Raumfahrtindustrie, Bundeszentrale für politische Bildung, Chemie Wirtschaftsförderungs-GmbH, Contestations of the Liberal Script – SCRIPTS, Deutsche Bahn Stiftung, Deutsche Bundesstiftung Umwelt, Engagement Global (BMZ), European Climate Foundation, Forum 2000, Friede Springer Stiftung, Gemeinnützige Hertie Stiftung, Konrad Adenauer Stiftung, Kultura Liberalna, National Philantrophic Trust, Prague Civil Society Centre, Presse- und Informationsamt der Bundesregierung, Robert Bosch Stiftung, Staatskanzlei des Landes Nordrhein-Westfalen, Stiftung für deutsch-polnische Zusammenarbeit, Stiftung Mercator, The Khodorkovsky Foundation, Verband der Chemischen Industrie, Zeit Stiftung Bucerius, Zukunft Gas.“
Liebe Leserschaft,
Ralf Fücks und seine Frau, die das Bundesverdienstkreuz 1996 und 2022 gleich zweimal verliehen bekam, mögen mit ihren Auszeichnungen glücklich werden; vllt. werden sie an langen Abend ja auch mal „Trio“ damit spielen.
Munter bleiben!
Herzlichst
Ihr Axel Schuller
P.S.: Das bereits angekündigte Interview bringe ich voraussichtlich 🙂 am Freitag. Und für Sonntag ist ein weiterer Gastkommentar „in der Pipeline“.
P.P.S.: Der Weser-Kurier hat nach der von mir harsch kritisierten „Meinungslosigkeit“ zum Bovenschultschen Vorschlag (Steuerausfälle per Kredit zu finanzieren) einen Tag später einen kritischen Leitartikel veröffentlicht. Danke! Radio Bremen hat offenbar keine Meinung dazu. Schade.
Es ist schön zu lesen, wie sich ein maoistischer Saulus zum staatstragenden Paulus gewandelt hat. Führte er einstmals den Kampf gegen den sowjetischen Sozialimperialismus aus einer marginalisierten Position heraus, kämpft er heute gegen die Gefahr aus dem Osten in dem guten Gefühl, sich mit den Mächtigen der Republik einig zu wissen. Das verhilft ihm zu einer hochnäsigen Bestimmtheit in seinem Ausdruck, die er mit Joschka Fischer teilt, der einen vergleichbaren Lebensweg vom Polizisten verprügelnden Streetfigher zum ex Cathedra dozierenden Staatsmann hingelegt hat.
Lieber Herr Schuller,
ich muss da mal Einiges klarstellen
Es war nicht Fücks, der Mist gebaut hat, sondern sein damaliger Stellvertreter Dr. Uwe Lahl, der die Hemelinger Vogelschutzgebiete nach FFH (Flora,Fauna,Habitat) Richtlinien in Brüssel angemeldet hat. Ohne Fücks einzuweihen.
Ich bin damals auf Fücks angesetzt worden, weil er in Heidelberg wegen Demo 3 Monate im Knast gesessen hat.
Ich habe sogar dem Weser Kurier damals diese Infos durchgesteckt.
Danach kam es zum Ampelbruch und ich habe mich immer gewundert, warum die Bremer“ taz“ ihn und seine Frau so hoch geschrieben hat.
Zumal ich über die Polizei und auch die Feuerwehr Erkenntnisse hatte, dass Fücks seine politische Stellung zum persönlichen Vorteil ausnutzt haben soll.
Jochen Grabler, Klaus Schlösser und vor allem Klaus Wolschner haben ihm den Weg geebnet.
Dass er jetzt den „Bundesorden“ bekommt, ist für mich die „totale Verarschung“ der Bevölkerung durch die Grünen!
Mehr für die ,wie ich denke, Komplett-Entwertung des Bundesverdienstkreuzes braucht es eigentlich nicht. Da tut es auch wenig zur Sache, dass dieser aus meiner Sicht inzw. bestenfalls noch zum „Operettenorden“ auf Phantasieuniformen taugende Preis, ausgerechnet aus der Hand dieses schlechtesten Bundespräsidenten den Deutschland je hatte, verliehen wurde. Im Gegenteil! Es rundet den Gesamtvorfall trefflich ab. Inzw. ist es ja Usus, dass sich die Darsteller der aktuellen politischen Agenda gegenseitig (siehe jüngst auch wieder Merkel) mit Wertlos-Blechplaketten auszeichnend versuchen, noch gegenseitig in ihren Schadhandlungen zu bestätigen und zu legitimieren. Das war auch in der DDR nicht anders. Deshalb geht der Verleih dieser Plakette an Herrn Fücks auch völlig in Ordnung. Passt!
Bremer tragen keine Orden. Auch dafür liebe ich meine Heimatstadt.
Sehr verehrter Herr Schuller,
vielleicht sollten wir alle gelegentlich etwas altersmilder auf die politischen Lebensläufe anderer blicken. Kaum jemand kann von sich behaupten, niemals politische Irrwege beschritten, Fehleinschätzungen getroffen oder Positionen vertreten zu haben, die er später korrigieren musste. Das gilt für Einzelpersonen ebenso wie für ganze Parteien.
Ich habe Ralf Fücks Anfang der 1990er Jahre als Bremer Umweltsenator kennengelernt. Gemeinsam mit den Schaustellerverbänden entwickelte er damals eine Müllvermeidungsverordnung, die weit über Bremen hinaus als Vorbild diente. Was mir dabei in Erinnerung geblieben ist, war nicht allein seine klare politische Überzeugung, sondern seine Fähigkeit, die Interessen und Probleme der anderen Seite ernst zu nehmen. Auf dieser Grundlage entstand ein praxisnahes Projekt, das bundesweit Beachtung fand.
Wenn ich das mit manchen heutigen regulatorischen Debatten vergleiche, bei denen bis ins Detail die Beschaffenheit oder sogar die Maße einzelner Verpackungsbestandteile geregelt werden sollen, dann erscheint mir der damalige Ansatz deutlich pragmatischer und lebensnäher. Politik braucht Ziele, aber sie braucht ebenso Augenmaß.
Auch die Haltung von Ralf Fücks und seiner Frau Marieluise Beck zur Ukraine ist für mich kein Anlass zur Kritik. Im Gegenteil: Die Entwicklungen der vergangenen Jahre haben gezeigt, dass ihre Warnungen vor den imperialen Ambitionen des Kremls keineswegs aus der Luft gegriffen waren.
Deshalb sollten wir politische Debatten weniger an historischen Etiketten festmachen und stärker danach beurteilen, welche Positionen heute tragfähig sind und welche Antworten den Herausforderungen unserer Zeit gerecht werden.
P.S.: Unabhängig möchte ich die Gelegenheit nutzen, Ihnen ausdrücklich zu danken. Mit Ihrem Blogbeitrag über die Missstände und den Missbrauch in den Jobcentern haben Sie ein Thema aufgegriffen, das viel zu lange unter dem Radar geblieben ist. Die öffentliche Resonanz zeigt, dass Sie damit einen Nerv getroffen und bundesweit eine wichtige Debatte angestoßen haben.
Dass dieses Thema heute so breit diskutiert wird, ist auch Ihr Verdienst. Dafür meinen aufrichtigen Dank und meine Anerkennung.
Lieber Axel Schuller, bei Ihrer Aufzählung zu Sen. Fücks haben Sie vergessen, dass er hier einige Monate in Oslebs zum Tütenkleben eingesessen hat, weil er wegen Anwendung von Gewalt zu Gefängnis verurteilt worden war.
Liebe Leserschaft, Klaus Wedemeier (SPD) war 1991 bis 1995 Bremer Regierungschef der ersten Ampel-Koalition auf Landesebene. Deshalb habe ich ihn gestern auf die Ordensverleihung an „seinen“ damaligen Senatskollegen Ralf Fücks angesprochen. Hier die Wiedergabe des kurzen Telefonats:
„Herr Wedemeier, nach Ihrer ehemaligen grünen Kultursenatorin Helga Trüpel hat nun auch Ihr ehemaliger Umweltsenator Ralf Fücks das Bundesverdienstkreuz erhalten. Was sagen Sie dazu?
Wedemeier: „Es ist seit Jahrhunderten üblich, dass Bremer Senatoren keine Orden annehmen. Man lehnt ihn nicht ab, sondern verzichtet von vornherein darauf. So sollte Hans Koschnick nach seinem Rücktritt der höchste französische Orden verliehen werden. Selbst darauf hat er verzichtet.“
Ich finde nicht, dass man Menschen vorwerfen sollte, welche Überzeugungen sie in jungen Jahren hatten. Interessant ist eigentlich, wie man sich vom Marxisten/Maoisten zum Schergen neofeudaler Oligarchen entwickeln kann. Wie @JosefTeupe instruiert, könnte das etwas mit einer korrupten Persönlichkeitsstruktur zu tun haben – oder mit der Einsicht, dass es im Feudalismus besser war. Das Zweite würde für eine unfassbare intellektuelle Zerrüttung sprechen.
Marie-Luise Beck ist mir vor allem aus dem Film Der Fall Magnitski (Arte-Dokumentarfilm) in Erinnerung. Andrei Nekrasov, ein bekannter Putin-Kritiker, sollte eigentlich eine Räuberpistole über den US-Spekulanten Bill Browder und seinen angeblichen Anwalt Magnitsky verfilmen. „Leider“ – gut für uns – hat der Filmemacher während der Dreharbeiten zu seiner journalistischen Ehre zurückgefunden und stattdessen einen Film darüber gemacht, dass die Geschichte von vorne bis hinten erlogen ist.
Marie-Luise Beck redet sich in einem Interview mit Andrei Nekrasov, das im Film gezeigt wird, um Kopf und Kragen. Daraufhin setzt sie alle Hebel in Bewegung, damit der Film im Giftschrank von Arte verschwindet, wo er bis heute schlummert.
Aber dieser sehr sehenswerte, mit unseren GEZ-Zwangsgebühren finanzierte Film hat es trotzdem ans Licht einer interessierten Öffentlichkeit geschafft. Hier ist der Link:
https://odysee.com/@swprs:3/Magnitsky-Act-Movie-2016-German:3
Trostpreis für Ralf Fücks. Er wäre beinahe unser erster „First Gentleman“ geworden. Es gab seinerzeit ernsthafte Überlegungen in CDU und bei den Grünen, Frank-Walter Steinmeier nach seiner ersten Amtszeit durch die Grüne Marieluise Beck abzulösen. So hörte man in Berlin. Das wäre ein Coup gewesen. Seine Frau galt zu Zeiten, als CDU und Grüne noch meinten, miteinander zu können, als heiße Kandidatin für das höchste Amt im Staat. Daraus wurde nichts. Die Ironie der Geschichte: Eben jener Steinmeier, den Beck damals ablösen sollte, verleiht nun ihrem Mann das Bundesverdienstkreuz in seiner zweiten Amtszeit.
Der Versuchung, alte Schlachten erneut zu schlagen, werde ich nicht erliegen. Klaus Wedemeier hat sich auch nachvollziehbar diplomatisch geäußert.Zur Bewertung seiner Tätigkeit in Bremen haben Axel Schuller und Josef Teupe Zutreffendes gesagt. Nach meiner Kenntnis hat die Anmeldung sämtlicher Marschflächen in Bremen als Vogelschutzgebiete aber auch die Paraphe des Senators gehabt. Die politische Entwicklung von Ralf Fücks ist so erstaunlich, dass ich nicht weiß, ob ich mich mit ihm überhaupt noch streiten könnte. Dafür ist er aber auch der bremischen Provinz zu weit entrückt.
Anfang der Siebzigerjahre wurde Jörg Huffschmid als Professor für politische Ökonomie vom Gründungsrektor Thomas von der Vring an die Universität Bremen berufen. Jörg Huffschmid wurde in Bremen Mitglied der Deutschen Kommunistischen Partei (DKP) als Nachfolgepartei der zu Adenauers Zeiten verbotenen KPD. Die DKP hatte in den siebziger Jahren in Bremen an die 1000 Mitglieder. Aber Bremen war damals auch eine Hochburg der studentischen Parteigründung Kommunistischer Bund Westdeutschland (KBW). DKP und KBW hatten an der Uni starke Gruppierungen.
Erbitterte Auseinandersetzungen gehörten deshalb zum universitären Alltag. Der KBW hatte eine klare Linie: Die Sowjetunion war der „Hauptfeind der Menschheit“. Alle, die nicht dieser Meinung waren, wurden in Versammlungen, auf Lehrveranstaltungen, in Flugblättern aufs äußerste bekämpft. Jörg Huffschmid und Rudolf Hickel waren Hassfiguren, weil sie nicht für einen „wirklichen, demokratischen Sozialismus“ kämpften. In all diesen universitären Auseinandersetzungen spielte Ralf Fücks eine bedeutende Rolle. Er gehörte damals ohne Zweifel zu den Hardlinern. Meine Frau Angelina kann darüber viel erzählen.
Ich habe Ralf Fücks genauer kennengelernt, als ich Betriebsratsvorsitzender auf der Klöckner-Hütte Bremen war. 1992 waren die Klöckner-Werke AG zahlungsunfähig. Das erklärte Opfer für die Konkurrenz war die Hütte in Bremen mit damals 7000 Beschäftigten. Zu der Zeit hatte Ralf Fücks seine KBW- Vergangenheit weit hinter sich gelassen und war grüner Umweltsenator unter Klaus Wedemeier. Damals hat er mitgeholfen, dass die Hütte „von der Schippe gesprungen ist“. Manchmal im Gegensatz zur Parteibasis, die mehrheitlich der Meinung war, ein Unternehmen ohne Rauch und Feuer ist gut für die Umwelt.
Dass Ralf Fücks danach als Geschäftsführer der Heinrich-Böll-Stiftung und später mit der Gründung des Zentrum Liberale Moderne seinen alten Überzeugungen aus den Kampftagen des KBW treu geblieben ist, wundert mich nicht. Schade um ihn!
Interessant und neu für mich ist die beeindruckende Zahl der Unterstützer der Liberalen Moderne. Sie sagte etwas aus über das gesellschaftliche Klima in unserem Land.