Schlimmer geht’s nimmer: SPD löst inzwischen Gefühle von Mitleid aus

16.06.2026 24 Von Axel Schuller

Liebe Rest-SPD, heute tut’s vermutlich etwas weh. Ja, Menschen können nicht ausschließlich Höchstleistungen abliefern;  wär‘ auch „übermenschlich“. Das gilt übrigens auch für Parteien. Schließlich werden die von Menschen getragen. Die SPD ist aktuell leider weit entfernt vom Status einer Hochleistungspartei. Im Gegenteil: Sie ist auf dem Weg in einen katastrophalen „Aggregat-Zustand“. Die Partei löst mittlerweile schon Mitleids-Gefühle aus. Schlimmer geht’s nimmer.

Willy Brandt, Helmut Schmidt und – ja sogar – Gerhard Schröder. Sie allesamt waren Sozialdemokraten, denen man mit fliegenden Fahnen folgen, oder die man aus tiefstem Herzen ablehnen konnte.

Das hatte einen Grund: Alle Genannten waren Menschen, ja Typen, die für bestimmte Inhalte standen. Zudem waren es Männer, die über ein „inneres Gerüst“ verfügt haben, an dem sie sich inhaltlich orientierten und an dem sich notfalls selbst aufrichten konnten. (Der viel geschmähte Christdemokrat Helmut Kohl gehörte übrigens auch zu dieser Politiker-Gattung).

Ich will nicht in der Vergangenheit schwelgen, auch nicht Brandt & Co verklären.

Aber, wer sich mit dem Heute und Morgen beschäftigt, sollte die Vergangenheit nicht aus dem Blick verlieren.

Für die SPD gilt dies in besonderer Weise. Denn ihr Weg von der Partei mit dem Schwerpunkt „Aufstiegsversprechen“ (Jeder, der sich anstrengt, kann etwas werden) hin zur Akademiker-Partei ist bestürzend, selbstzerstörerisch und unterm Strich nicht gut für unseren Staat.

Kurzer Exkurs: Da, wo die Alt-SPD Lücken hinterlässt, stoßen teils spinnerte LINKE und Fundi-Grüne hinein. Noch heftiger: Die SPD verliert ihre frühere Rolle teilweise an die AfD.

Warum auch immer: Seit der Akademisierung der SPD wird dort der Begriff „Leistung“ mit einem unguten Unterton ausgesprochen. Das war früher anders. 

Da hieß es: Streng dich an, dann kannst du es schaffen. Wenn nötig, mit Unterstützung. Heute packt der „Sozialstaat“ Menschen teilweise in Watte – obwohl ein nicht unbeachtlicher Teil für sich selbst sorgen könnte.

Schröders Motto „Fordern und Fördern“ war richtig. Dumm für ihn, dass er seinerzeit dank Selbstüberschätzung die von ihm herbeigeführte Neuwahl verlor. So konnte schließlich Angela Merkel die Früchte der Agenda 2010, den Wirtschaftsaufschwung, ernten.

Aktuell befindet sich die Bundes-SPD erneut auf Talfahrt. Ihre Vorsitzenden Lars Klingbeil und Bärbel Bas zeichnen sich durch Ignoranz, Weltfremdheit und blindes Verteidigen des bald unbezahlbaren Sozialstaates inkl. seiner unguten Wucherungen aus.

Statt zu schauen, wer benötigt wirklich Unterstützung – wie bspw. die wachsende Schar von Altenheim-Bewohnern, deren Renten die Heimkosten manchmal nicht zu einem Drittel decken – will die Parteispitze ohne Wenn und Aber das Vorhandene bewahren. Aus Sicht des Lateiners: Die SPD in dem Fall als Konservative (konservare = bewahren).

Viele Ex-SPD-Wähler in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz meinten/fühlten/sahen, dass sich „ihre“ SPD anscheinend lieber ums Wohl von Bürgergeld-Empfängern als um das von Durchschnittsverdienern kümmerte. Die Folge: Viele Wähler unterer Schichten wechselten in den beiden Ländern zur AfD.

Und auf welch oberschlauen Lösungsansatz verfiel Deutschlands älteste, einst so stolze, Partei? Sie fordert einfach ein Verbot der AfD.

Schauen wir nach Bremen.

Auch hier nimmt die Zustimmung zur jahrzehntelangen Regierungspartei ab. Die Verwaltung genießt – sehr freundlich formuliert – nicht den besten Ruf. Einige SPD-Senatsmitglieder straucheln irgendwie durchs Leben. Beispiel: Sozial- und Arbeitssenatorin Dr. Claudia Schilling. Sozialbetrug wird nicht ausreichend geahndet, der Ausbildungsfonds hakt vorne und hinten.

Der Staatsräte-Untersuchungsausschuss fördert wenig schmeichelhafte Ergebnisse zu Tage. Welch ein Glück für Sascha Aulepp, dass Bürgermeister Dr. Bo. sie bereits gegen Mark Rackles ausgetauscht hat… Wobei Rackles sich allem Anschein redlich Mühe gibt, in Sozialen Netzwerken als linker „Radau-Bruder“ rüberzukommen. Leider.

Noch so ein SPD-Ding: Früher galt ein Teil der SPD (dank Ulrich Mäurer) selbst unter Bürgerlichen als anerkannter Verteidiger der inneren Sicherheit. Nunmehr gibt sich die SPD bei den neuen „Sicherheitsgesetzen“ endgültig ihren Koalitionären Linken und Grünen hin – Polizei und Verfassungsschutz können ihren Job demnächst noch schlechter machen. Und die SPD schaut nicht etwa betreten drein, sondern applaudiert zu den Einschränkungen. Man könnte auch sagen: Die SPD verschattet sich selbst. Sonnenbrillen, Schals und Covid-Masken im Hochsommer gelten nicht mehr als Vermummung, sondern als Ausdruck der jeweils individuellen Desig-Note der Demonstranten. Das ist einfach nur noch – super-schräg. Polizisten, bzw. deren Gewerkschaften: Wehrt euch!

Positive News finden nicht immer den Weg in die Bremer Medien. Die Folge: Der Bürgermeister schreibt sich regelrecht die Finger wund, um auf LinkedIn und Facebook Loblieder auf unsere Stadt zu singen. Der Nachteil: Unternehmer (LinkedIn) halten ihm zunehmend vor, er schmücke sich mit fremden (Firmen-)Federn. Ja, und dann tummelt sich Bremens Regierungschef neuerdings auf tiktok, dem sozialen Netzwerk des chinesischen Konzerns ByteDance. Soll modern sein, wirkt aber wie gefilmte Parteitags-Auftritte. Gestik, Sprechweise etc. passen überall hin, aber nicht zur Alterszielgruppe von tiktok (14-27).

Dass Bovenschulte, Senat und die SPD-Fraktion ausgerechnet jetzt den Mitteilungskanal X verlassen, zeugt nicht von strategischem Denken, sondern wirkt eher wie Bestätigungs-Bettelei in der linken Bubble. Auf jeden Fall gleicht der Verzicht auf X dem klassischen Schuss ins eigene Knie. Zumal die Sozialdemokraten noch keinen adäquaten Ersatz für Musks Plattform gefunden haben.

Die Hinweise der SPD-Politiker, X von Elon Musk fördere den Rechtsextremismus, versteht übrigens kein normaler Mensch, der sich auf X (früher twitter) umschaut. 

Denn: Wer bei X nicht fortwährend auf der AfD rumdrischt statt sich mit der Partei inhaltlich auseinander zu setzen, bleibt offensichtlich von den „rechten“ Algorithmen des Amerikaners verschont. Mir und meinem Blog geht es jedenfalls so.

Bovenschulte & Co. verzichten – bislang ersatzlos – auf einen riesigen Resonanzraum. Besonders witzig: Der Bundesrat, dem unser Bürgermeister aktuell vorsteht, ist weiter auf X aktiv. So konnte man sich dort jüngst über die Reise des Bundesratspräsidenten Bo. durch Japan schlau machen. Skurril, oder?

Ein wichtiger Wortführer der Bremer SPD auf dem Feld der deutschen Aufrüstung, Arno Gottschalk, nutzt X übrigens weiter. So verbreitete er auch seinen Gastkommentar zu den Gefahren neuer Waffensysteme für bremensogesehen zusätzlich auf seinem X-Account. Mit großem Reichweiten-Erfolg.

Dies erinnert mich an Gerhard Schröder. Dessen Motto für seinen Kontakt zur Bevölkerung lautete: „Zum Regieren brauche ich Bild, BamS und Glotze.“ 

In Bremen dreht sich die Welt aber bekanntlich anders. Hier kasteien sich Spitzenpolitiker selbst, versagen sich der Kommunikation via X – weil dies als schlechtes Medium gilt.

Zuweilen sind hier linke Politiker sogar regelrecht „vernagelt“. Da höre ich von Menschen, die auf bremensogesehen selbst schreiben (oder auch nur zitiert werden!) sie müssten sich teilweise linken Gralshütern gegenüber dafür rechtfertigen, dass sie sich auf dem (angeblich) „rechts-konservativen“ Blog geäußert und diesen somit „aufwertet“ hätten. So die abstruse Denke in Kreisen ewig-gestriger Linker und teilweise auch verblendeter Sozis.

Zur Erinnerung ein alter Lehrsatz der Kommunikationsbranche: Willst du etwas erreichen, verbreite deine Sicht über alle verfügbaren Kanäle.

Wie schon erwähnt: Schröder war schlauer – Bild, BamS und Glotze. Einer dieses Schlages – Politiker aus einfachsten Verhältnissen mit entsprechender Erdung – scheint der SPD sowohl auf Bundes- als auch auf Bremer Landesebene zu fehlen.

Munter bleiben!

Herzlichst

Ihr Axel Schuller

P.S.: Liebe treue Leserschaft, wie empfinden Sie bremensogesehen? Als „rechts-konservativ“, oder eher als: kritisch, vernünftig, meinungsstark und Debatten-fördernd (so die Eigensicht meines Handelns). 🙂 Schreiben Sie Ihre Sicht gerne als Kommentar. Ich freue mich drauf. Selbst wenn Ihr Urteil über mich/mein Tun nicht so freundlich wie erhofft ausfallen sollte. Meine Berufs-Devise lautet seit rund 50 Jahren: Wer austeilt, muss auch einstecken. Dazu stehe ich.