Gastkommentar: Vorab klären, wie teuer Klimaschutz pro eingesparter Tonne CO2 ist / P.S.: SPD im Sinkflug

04.07.2026 8 Von Axel Schuller

Haben Sie es mitbekommen, liebe Leserschaft? Die Deutsche Umwelthilfe DUH droht dem Bremer Senat, er solle endlich mehr gegen den bremischen CO2-Ausstoß tun. Sonst setzt es ‚was. Die FDP hat – wie ich finde – einen schlauen Vorschlag gemacht: Vor jeder Klima-Investition müsse festgestellt werden, wie viel CO2 dadurch tatsächlich eingespart werde. Und wie viel dies pro Tonne kostet. Mein Gastkommentator Thore Schäck (40) ist Fraktionschef der FDP in der Bremischen Bürgerschaft. Er ist Betriebswirt, hat Wirtschaftspsychologie studiert und ist verheiratet.

Thore Schäck schreibt:

„Die Klimapolitik in Bremen hat ein grundlegendes Problem: Immer neue Maßnahmen werden angekündigt, Millionensummen ausgegeben und immer ehrgeizigere Ziele formuliert. Doch eine entscheidende Frage bleibt meist unbeantwortet: Welche dieser Maßnahmen hilft wirklich?Genau darüber haben wir in der Bremischen Bürgerschaft in der vergangenen Woche debattiert. Auslöser war die Klagedrohung der Deutschen Umwelthilfe gegen den Senat. Eine grüne Lobby-Organisation setzt der Landesregierung per Anwaltsschreiben eine Frist, und plötzlich soll ein millionenschweres Klima-Sofortprogramm auf den Weg gebracht werden. Die Grünen treiben die Debatte jetzt panisch an – obwohl selbst die eigene Umweltsenatorin zwischendurch eingeräumt hat, dass Bremens überambitionierte Klimaziele wohl nicht  erreichbar sind.

Das zeigt ein grundsätzliches Problem der rot-grün-roten Klimapolitik: Statt wissenschaftlich und mit Sachverstand über die Wirksamkeit von Maßnahmen zu sprechen, geht es immer häufiger nur noch darum, möglichst schnell möglichst viel Geld auszugeben. Erfolg wird daran gemessen, ob neue Programme beschlossen werden – nicht daran, ob sie tatsächlich Emissionen senken. Nach dem Motto: ‚Seht her, wir tun irgendwas!‘ Das ist nichts anderes als ideologisch getriebener Aktivismus. Dabei muss Politik Prioritäten setzen. Wer hunderte Millionen Euro für Klimaschutz rausblasen möchte, muss auch erklären können, welchen konkreten Beitrag jede einzelne Maßnahme zum Klimaschutz leistet. Stattdessen erleben wir in Bremen grüne Symbolpolitik in Reinform: Straßen werden für Millionenbeträge mit ein paar Blumenkübeln zu sogenannten „Klimastraßen“ umgebaut und weitere Schulden gefordert – während kaum nachvollziehbar ist, welche CO2-Einsparungen damit überhaupt erzielt werden.

In anderen Politikbereichen wäre ein solches Vorgehen undenkbar. Niemand würde Millionen in den Schulbau investieren, ohne den Bedarf zu kennen. Niemand würde zusätzliche Polizeistellen schaffen, ohne deren Wirkung auf die Sicherheitslage zu überprüfen. Beim Klimaschutz hingegen scheint der Glaube ins Ziel zu tragen.

Wer Klimaschutz ernst nimmt, muss deshalb auch bereit sein,  Maßnahmen ehrlich zu bewerten. Für jede Investition sollte offengelegt werden, wie hoch die Kosten pro eingesparter Tonne CO2 sind. Nach der Umsetzung muss überprüft werden, ob die erwartete Wirkung tatsächlich eingetreten ist. Maßnahmen, die viel kosten und wenig bringen, gehören gestrichen. Maßnahmen mit hoher Wirkung müssen Vorrang haben. Das wäre kein Angriff auf den Klimaschutz – sondern das genaue Gegenteil. Wer ständig neue Programme ankündigt, ohne ihre Wirksamkeit nachzuweisen, verspielt am Ende die Akzeptanz für den Klimaschutz insgesamt.

Die Grünen reagieren auf jede neue Forderung der Deutschen Umwelthilfe mit dem Ruf nach weiteren Millionen. Das ist keine verantwortungsvolle Politik, sondern Alarmismus. Über Investitionen in dreistelliger Millionenhöhe muss das Parlament entscheiden und keine Lobby-Organisation, die versucht, ihre politischen Vorstellungen über den Klageweg durchzusetzen.

Klimaschutz braucht keine Panik, keine Weltuntergangsszenarien, keine utopischen Ziele. Bremen muss und wird das Klima nicht alleine retten und sollte sich demnach am EU-Ziel orientieren, das Klimaneutralität für 2050 statt 2038 anpeilt. Es braucht Ehrlichkeit, Vernunft und nicht zuletzt das Befolgen einer einfachen Regel: Nicht die Höhe der Ausgaben entscheidet über den Erfolg der Klimapolitik, sondern die tatsächliche Wirkung. Am Ende zählt nicht, wie viel Geld ausgegeben wurde, sondern was die Maßnahmen gebracht haben. Und nur daran muss sich gute (Klima-)Politik messen lassen.“

Soweit der Gastkommentar von Thore Schäck.

Der Koalitionsausschuss von SPD, Grüne und Linke konnte sich in dieser Woche noch auf keine Zusatzmaßnahmen zum Klima-Programm einigen. Dies soll im August/September erneut versucht werden.

Munter bleiben!

Herzlichst

Ihr Axel Schuller

P.S.: Die jüngste Momentaufnahme der (stets mit etwas Vorsicht zu genießenden reinen Online-) Umfrage von civey für Bremen haut rein:

AfD: 21,6 %

SPD: 17,6 %

CDU: 23,5 %

Linke: 17 %

Grüne: 12,2 %

FDP: 2,5 %

Wenn man diese Zahlen sieht, versteht man die zunehmende Nervosität der SPD und ihres Frontmannes Dr. Andreas Bovenschulte. Allerdings: Rot-Grün-Rot könnte mit 46,8 Prozent weiter-regieren, manche sagen: weiter-wurschteln.

P.P.S.: Liebe Leserschaft, mit den Sommer-Schulferien geht auch das bremische Parlament in die Sommerpause. Kann also sein, dass es auch im Blog etwas ruhiger wird. Mal schauen. An mir würde es nicht liegen. Ich war bereits im Urlaub – auch wenn Sie das vielleicht nicht gemerkt haben. 🙂