Am Bremer CO2 stirbt die Welt – ernsthaft? Lkw müssen Hansestadt umfahren – ernsthaft?

08.08.2026 24 Von Axel Schuller

Liebe Leserschaft, heute „quäle“ ich Sie spontan mit ein paar Gedanken und Zahlen. China stößt jährlich 12,3 Milliarden Tonnen CO2 aus (1/3 der weltweiten Menge). Das Land will 2060 klimaneutral werden. Deutschland (649 Millionen Tonnen) peilt 2045 als Sero-Zeitpunkt an. Niedersachsen (51,5 Millionen Tonnen) möchte eigentlich 2040 bei Null landen, wobei Ministerpräsident Olaf Lies (SPD) jüngst erklärte: Das deutsche Klimaziel (2045) müsse notfalls auf 2048 geschoben werden, um Arbeitsplätze zu retten. Bremen aber – und jetzt sollen wir vermutlich vor Stolz bersten – Bremen (10 Millionen Tonnen) bleibt als einziges Land standhaft: 2038 geht’s dem CO2 komplett an den Kragen.

Oh wie gut, dass wir im standhaften Klein-Bonum leben. Unser Anteil am deutschland-weit emittierten CO2 beträgt zwar nur rund 1,5 Prozent. Aber: Bei uns wird das Weltklima gerettet. Na ja, wenn die Rechnung der Grünen Umweltsenatorin Dr. Henrike Müller denn tatsächlich aufgeht. Immerhin steuert das Stahlwerk an der Weser 50 Prozent unseres CO2 bei. Und Herr Mittal beabsichtigt aktuell bekanntlich nicht, auf CO2-ärmeren Grünen Stahl umzustellen. Die rd. 5 Millionen CO2 bei der Stahlproduktion verschwinden jetzt doch nicht, worauf die Bremer Klima-Kalkulation wesentlich basiert hatte.

Der Deutschen Umwelthilfe ist das aber wurscht. Die ist schlicht und einfach für bessere Luft – und Radau? Der teilweise mit Staatsknete gepäppelte Verein packt den Stier namens Bremen bei den Hörner und verklagt das kleinste Bundesland, sich gefälligst mehr ums bessere Klima zu kümmern. 

Die Grünen befinden sich seitdem auf der politischen Intensivstation: mit akuten Schnappatmungs-Symptomen. Ihr Notruf: Wenn der Senat – dem sie bekanntlich angehören – nicht bis kommende Woche ein Klima-Notprogramm aufstellt – werden die Hitzeperioden schlimmer, die Wasserarmut größer etc.

Frei nach Berlins berühmtem Regierenden Bürgermeister Ernst Reuter:

„Völker der Welt, schaut auf Bremen: Hier, und nur hier, geht es um das Wohl und Wehe des blauen Planeten…

Auch wenn ich es schon einmal geschrieben habe: Es gibt einen ganz simplen Ausweg, um der Deutschen Umwelthilfe  den Klagezahn zu ziehen: Die Bremische Bürgerschaft – sie ist Gesetzgeber und nicht die DUH! – ändert das Bremer Klimagesetz. Die Abgeordneten können die CO2-Null-Grenze um ein paar wenige Jahre schieben – wie wäre es mit dem Bundesziel 2045? 

Davon geht weder Bremen noch die Welt zugrunde. Es wäre aber ein Beleg für Realismus in der Politik. Ohne die Umstellung des Stahlwerkes ist der bisherige CO2-Plan nämlich Makulatur.

Die Bürger m/w würden es zum größten Teil verstehen.

Das bedeutet ja nicht, dass unser Bremchen seine Klimabemühungen aufgeben würde. Wir können ja weiterhin das vorhandene Radwegenetz (endlich!) auf Vordermann bringen. Zusätzliche Elektrobusse bestellen – auch es dafür kein Personal gäbe. Ja, wir können weiter Bäume pflanzen (statt sie abzusägen); Auffangbecken für Wasserfluten nach Starkregen anlegen. Wir können auch appellieren, nackten Industriehallen doch bitte  Fassadengrün zu gönnen. Und viele Dinge mehr pro Umwelt tun.

Dagegen hat kein denkender Mensch etwas. Aber das starre Festhalten an unrealistischen Zielen, liebe Leserschaft, versetzt die (steuerzahlenden) Menschen in Rage.

By the way: Bremen relativ neue Umweltsenatorin Müller hatte zu Beginn ihrer Amtszeit einen ziemlich klaren Blick aufs Klima bewiesen. Nach der Arcelor-Entscheidung gegen Grünen Stahl hatte sie – halt eine ehrliche Haut – Zweifel am Erreichen der Bremer Klima-Ziele geäußert. Ihre Partei-Funktionäre m/w haben sie dann aber gaanz schnell auf Kurs gebracht.

Da ich gerade bei den denkenden Menschen war: Kann mir bitte mal jemand erklären, weshalb NRW und Niedersachsen das Lkw-Fahrverbot an Sonn- und Feiertagen aussetzen (um so die Lieferketten trotz Rhein-Niedrigwassers aufrechtzuerhalten), Bremen aber nicht?

Sollen die Lastwagen unser Ländchen weiträumig umfahren (natürlich, ohne dabei zusätzliches CO2 auszustoßen)? 

Bremen, meine Damen und Herren in Parlament, Senat und Verwaltung, ist einer DER deutschen Logistikstandorte! 

Was ist mit Hamburg, mit Deutschlands größtem Hafen? Was mit Schleswig-Holstein, dem Scharnier nach Skandinavien?

Kurzum: Wie durcheinander sind wir in Deutschland mittlerweile, dass eine Notmaßnahme zur Aufrechterhaltung der Güter-Versorgung in die Regelungs-Hoheit jedes einzelnen der 16 Bundesländer liegt?

Sind wir wirklich so „plemplem“?

Völlig anderes Thema, aber gleiches Bild: Bei der Bekämpfung von Kampfdrohnen will jedes Land seine eigene Abwehr organisieren. Wofür, bitte sehr, haben wir eine Bundespolizei, wenn nicht für solche Einsätze?

Die Verteidigung unseres Landes liegt doch auch in zentraler Hand, Bundeswehr genannt.

Ganz ehrlich: Ich kann es manchmal nicht glauben, wie sehr wir uns mit dem 16er-Föderalismus selbst „eunuchisieren“. Im Ausland muss man uns für ballaballa halten.

Manchmal fürchte ich: Wir sind es inzwischen auch.

Liebe Leserschaft, Sie finden heute im Blog natürlich auch den sonntäglichen Gastkommentar

Wenn Sie dieses spontane Stück über CO2 und föderales Gerangel „geschafft“ haben, geben Sie bitte in Handy, Pad oder Rechner ein:

bremensogesehen.com/blog

Dann sehen Sie die Überschriften dieses Stücks und darunter die Zeile „Gastkommentar: Zu langes Warten…“ Bitte anklicken und lesen. Es lohnt sich!

Munter bleiben!

Herzlichst

Ihr Axel Schuller 

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