Was macht denn ein ehemaliger Bürgermeister in der „KEF“?

11.08.2026 12 Von Axel Schuller

Liebe Leserschaft, manchmal gibt es Zufälle, die eine Recherche auslösen – und die endet zuweilen mit einem überraschenden Ergebnis. An einer möchte ich Sie heute teilhaben lassen. Frage: Wissen Sie, wer das Land Bremen in der KEF vertritt? Die „KEF“ ist für den Öffentlich Rechtlichen Rundfunk ein ultra-wichtiges Gremium. Vorab die Lösung: Ex-Bürgermeister Dr. Carsten Sieling (SPD).

Wie gesagt, einer Recherche liegt manchmal ein Zufall zugrunde. Bei mir war es der Blick auf eine Meldung von „epd Medien“, die mir ein (selbst überraschter) Leser aus der Medienbranche zugeschickt hatte. epd bedeutet: Evangelischen Pressedienst.

Darin wurden die Nachbesetzungen in der KEF thematisiert. „Vier Bundesländer berufen neue Mitglieder für die KEF“.

Dazu gleich mehr.

Zunächst: 

KEF – was ist das denn, fragen sich vllt einige von Ihnen.

Also, die Kommission zur Ermittlung des Finanzbedarfes des Öffentlichen Rechtlichen Rundfunks (ÖRR) kontrolliert, ob ARD, ZDF und Deutschlandradio mit den annähernd 10 Milliarden Euro an Gebührengeldern „sparsam und wirtschaftlich umgehen“. Außerdem begutachtet die KEF alle zwei Jahre die finanzielle Lage der Sender und empfiehlt den Landtagen alle vier Jahre eine neue Höhe des Rundfunkbeitrages.

Bei Lesen besagter epd-Meldung fiel mir ein Satz besonders auf: „In die KEF erneut berufen wurden: (…) und Carsten Sieling (Bremen).

Dr. Carsten Sieling (67), Bremens Ex-Bürgermeister, zuvor Bürgerschafts- und Bundestagsabgeordneter der SPD gehört also der 16-köpfigen KEF an. Aha. 

Aktuell, seit seinem Ausscheiden aus der Bürgerschaft im Jahr 2023 gibt er als Beruf an: „Beauftragter der Geschäftsführung der Arbeitnehmerkammer“. Von dort aus hatte er 1995 seine politische Karriere gestartet.

Weshalb mich seine Mitarbeit in der KEF überrascht hat:

Bis dato hatte ich angenommen, dass Ex-Staatsrat Hubert Schulte, ehemals Chef der Bremer Senatskanzlei (2005-2011), Bremen weiterhin in der KEF vertrete. 

Von einer Weitergabe des Staffelstabes an Dr. Carsten Sieling, hatte ich nichts wahrgenommen. Zumal in Bremer Medienarchiven dazu ebenfalls nix zu finden ist. 

Außerdem: Die KEF weist ausdrücklich auf ihre „Unabhängigkeit“ hin.

Im Netz heißt es: „Die KEF besteht aus 16 unparteiischen Fachleuten, damit die Politik die Sender nicht einfach kurzfristig unter Druck setzen kann.“ 

Gilt Sieling als unparteiisch?

Der Ex-Politiker und Mitarbeiter der Arbeitnehmerkammer klärte mich im Gespräch auf: Die KEF habe ihn bereits 2024 als studierten Diplom-Ökonomen in ihre Reihen aufgenommen. Das Vorschlagsrecht, wer ein Bundesland in dem Gremium vertritt, liegt beim jeweiligen Ministerpräsidenten, hier also bei Bürgermeister Dr. Andreas Bovenschulte.

So ist Sieling – fern einer breiten öffentlichen Wahrnehmung in der Hansestadt – in die KEF eingezogen.

Und was hat es mit seinem Job als Beauftragtem der Geschäftsführung der Arbeitnehmerkammer auf sich?

Die Kammer-Pressestelle der Kammer teilte auf Anfrage von bsg mit:

„Carsten Sieling unterstützt die Geschäftsführung insbesondere bei der Vertretung der Interessen unserer Mitglieder bei bundespolitischen Themen und bei länderübergreifenden Angelegenheiten. Dazu gehört zum Beispiel die enge Zusammenarbeit mit der Schwesterkammer im Saarland bei bundespolitischen Themen – etwa bei der Rentenpolitik, Arbeitsförderung, Gesundheits- und Pflegepolitik etc. (…).“

Während seiner letzten Bürgerschafts-Periode (bis 2023) war der Ex-Bürgermeister übrigens in der Kammer-Abteilung „Politikberatung“ tätig.

Zu dieser Abteilung heißt es im Geschäftsbericht der Einrichtung:

„Die Interessen unserer Mitglieder gegenüber der Politik zu vertreten – das ist die Aufgabe der Politikberatung. Wir nehmen Stellung zu Gesetzesvorhaben, Verordnungen und Programmen, analysieren wirtschaftliche, soziale, ökologische sowie bildungsbedingte Herausforderungen und setzen uns nachdrücklich für die Gleichstellung der Geschlechter, die Antidiskriminierung von Arbeitnehmenden sowie die Integration von Menschen mit Migrationsgeschichte im Land Bremen ein.“

So, das wäre nun auch geklärt. 

Dr. Carsten Sieling selbst teilte auf Anfrage mit, er habe seine Tätigkeit bei der Kammer von 25 auf nunmehr 18 Wochenstunden reduziert, um die notwendige Zeit für die Beratungen und Sitzungen der KEF zu haben.

Zu guter Letzt: Die Kommission zur Ermittlung des Finanzbedarfs der Öffentlich-Rechtlichen Rundfunkanstalten erstattet ihren 16 Mitgliedern monatlich eine Aufwandsentschädigung von 2.300 Euro plus Mehrwertsteuer. Vorsitzender und Stellvertreter erhalten Zuschläge.

Liebe Leserschaft, soweit der Exkurs in eine – für die meisten – vermutlich fremde Welt. Schreiben Sie mir gerne, ob Sie solche gelegentliche Blicke hinter die Kulissen mögen, oder ob Sie ausschließlich auf aktueller Politik-„Begleitung“ stehen. 

Munter bleiben!

Herzlichst

Ihr Axel Schuller

P.S.: Vorsorglich schon heute: Kommendes Wochenende gibt’s erneut einen Gastkommentar. Ich bin mir sicher, dass dieser erneut – wie jener am vorigen Sonntag von Simon Zeimke – den Blick auf ein wichtiges Thema weiten wird. Ich vermute, dass viele aus meiner Leserschaft direkt betroffen sein werden.