12-Uhr-Regel bringt Autofahrer UND Tankstellenpächter in Not / Unbedingt P.S. beachten
Geht es noch verrückter? Die seit April geltende Regelung, dass Tankstellen nur um Punkt 12 Uhr die Benzinpreise erhöhen dürfen – und dann 24 Stunden lang nicht – belastet nicht nur die Verbraucher – sondern ganz massiv auch Tankstellenpächter. Heute sage ich bloß: lesen und staunen!
Die Pächter m/w sind zurzeit die Prügelknaben und -mädchen der Nation.
Viele preisbewusste Autofahrer steuern die Tanke am liebsten ein paar Minuten vor Highnoon an. Dann ist der Preis für die nächsten 24 Stunden mutmaßlich am niedrigsten.
Wandert der Uhrzeiger über die magische Grenze hinweg, zack, gehen die Preise für Benzin und Diesel meist sprungartig nach oben.
Ende voriger Woche bedeutete dies: 244,9 für Diesel und 2.33,9 für E 10-Sprit.
Im Laufe des Tages sinken die Tarife langsam, abends – als früher viele auf dem Heimweg – an der Zapfsäule einen Stopp eingelegt haben, wandert der Preis zwar etwas nach unten, erreicht aber keineswegs den „niedrigsten“ Stand, wie er am nächsten Mittag erwartet wird.
Die Folgen:
Es vergeht kein Tag, an dem Autofahrer Tankwarte m/w nicht beschimpfen. Doch: Die Pächter haben von den hohen Preisen nichts. Davon profitieren die Sprit-Hersteller, denen auch die meisten Tankstellen gehören. Ach ja, und wir, der Staat, sacken massiv über den Umweg hoher Steuern ein.
Tankwarte geraten durch den konzentrierten mittäglichen Run auf die Zapfsäulen teilweise in eine wirtschaftlich gefährliche Lage.
Das Personal muss während der gesamten Öffnungszeit – meist von sehr früh am Tag bis spät abends – bezahlt werden. Auch, wenn über weite Strecken des Tages und des Abends kaum Umsatz gemacht wird.
Autofahrer, die sich auf den kurz-vor-12-Termin fokussieren, wollen nur eins: den Tank möglichst günstig füllen. Für mehr – in der Tanke düt un dat nebenbei einzukaufen – bleibt weder Zeit noch Muße.
Mehrere von mir angesprochene Tankwarte berichteten von einem regelrechten Einbruch der Umsätze außerhalb der Spritkäufe. Dabei haben sich größere Tankstellen in der Vergangenheit ja zu kleinen Supermärkten entwickelt. Nur ohne Laufkundschaft…
Der 12-Uhr-Termin führt zu einer riesigen Ungerechtigkeit. Welcher Arbeitnehmer, der nicht zur home-office-Kaste gehört (Handwerker, Bandarbeiter, Verkaufspersonal), kann mal eben um 12h ins Auto jumpen und zur nächsten Tanke kurven. Der 12-Uhr-Termin ist im höchsten Maße unsozial.
Frage: Hat darüber auch nur ein Minister oder Bundestagsabgeordneter nachgedacht? Kanzler, Minister und Bundestagsabgeordnete nutzen in der Regel Dienstwagen mit Chauffeur oder die Fahrbereitschaft des Bundestages.
Diese Leute müssen sich null-Komma-nix mit so profanen Themen wie günstiges Tanken beschäftigen.
Erste Tankstellen-Pächter denken inzwischen darüber nach, ihre Station an den jeweiligen Mineralölkonzern zurückzugeben. Einige schreiben nach eigenen Angaben trotz der brutal hohen Spritpreise aktuell Verluste. Ihre Verträge mit den Konzernen enthalten, wie ich lernen musste, Klauseln, die für die Pächter wie ein Maulkorb wirken. Deshalb kann ich Ihnen, liebe Leserschaft, hier und heute auch keine Namen von den betreffenden Tankstellen und erst recht nicht von deren Pächtern nennen.
Nun höre ich bereits gedanklich die Entgegnung von Politikern, welche die 12-Uhr-Regel durchgesetzt haben: „Wir machen doch bloß das, was in Österreich seit langem gilt.“
Mag sein, aber auch dort regt sich Widerstand – gegen die neueste Vorschrift, dass der Spritpreis dort nur noch drei Mal pro Woche (Mo., Mi., Fr.) steigen darf.
Wichtiger Unterschied zwischen Deutschland und Österreich: Der Ösi-Staat langt bei den Steuern anders etwas weniger zu als unser Land. In D kassiert der Staat rund 64% des Literpreises. In A sind es 58%.
Kleiner Neidmacher am Rande: Für Benzin zahlt man in der Alpen-Republik um die 1.80 Euro, für Diesel um die 2.01 Euro.
Zum Schluss: Wer glaubt, hohe Spritpreise führten in Deutschland zu einem geringeren Absatz von Benzin, irrt. Mehrere Tankstellenpächter erklärten auf Anfrage: Die verkaufte Menge „ist etwa genauso groß wie sonst auch.“
Fazit: Viele Dienstwagen-Fahrer treten weiterhin aufs Gaspedal. Einige „Selbstzahler“ – aber bei weitem nicht die Mehrheit – fährt etwas verhaltener. Aber nur etwas.
Und: Die Aggressivität auf den Straßen nimmt zu (siehe auch die aktuelle Untersuchung).
Munter bleiben
Herzlichst
Ihr Axel Schuller
P.S.: Es gibt ehemals leitende und Top-Beamte wie Staatsräte in Bremens öffentlichem Dienst, die Nachzahlungen auf die ohnehin sehr auskömmlichen Pensionen rückwirkend zum 1.1.2024 für himmelschreiend ungerecht halten.
Bekanntlich sollen auch Pensionäre (die bis zu 71 Prozent ihres letzten Gehaltes als Pension erhalten) wie aktive Bedienstete monatlich 2,5 Prozent mehr Geld (in Beamtendeutsch: Alimentation) erhalten. Einige – mir bekannte – Ex-Leitende wollen die durch Gerichts- und Regierungsentscheid zusätzlichen Einkünfte spenden. Details werden geklärt, sobald die ersten Abrechnungen vorliegen.
P.P.S.: Der Gastkommentar des BDZV-Vorsitzenden Matthias Ditzen-Blanke vom Wochenende (und die Kommentare dazu) ist auf eine bundesweite Resonanz gestoßen.
Diese „12-Uhr-Regel“ wurde offensichtlich von Ölindustrie-Lobbyisten geschrieben, wie fast alle Gesetze Lobbyistenwerk sind. Eine einmal tägliche Preiserhöhung führt zu höheren Durchschnittspreisen zugunsten der Ölindustrie als die gegenteilige Lösung, nur einmal am Tag die Preise senken zu dürfen – das würde zu niedrigeren Preisen führen. Weil wir Bürger an der Stelle sehr preissensibel sind, würde die morgendliche Preiswürfelei zum Totalverlust für der gierigeren Konzerne führen. Den Konzernen sind die Tankstellenpächter egal; das sind eigentlich nur Scheinselbstständige, auf die man Risiken abwälzen kann.
Wer das für verrückt hält, dem empfehle ich den Spieltheoretiker Prof. Christian Rieck, der das erschöpfend erklärt:
https://www.youtube.com/watch?v=4m51TaSRb9M
Die Leute, die den Spruch von „unserer Demokratie“ glauben, sollten mal einen genauen Blick auf die Dynamik zwischen angeblichen Volksvertretern, Lobbyisten und Ministerien werfen. Fakt ist, dass die Lobbyisten nur mit den Beauftragten der jeweiligen Fraktionen sprechen und die Beauftragten ihre Position eifersüchtig gegen Fraktionskollegen verteidigen. Durch den illegalen, aber akzeptierten Fraktionszwang degradieren sich alle anderen Abgeordneten in dieser Konstellation selbst zum „Stimmvieh“ – dieser Begriff muss sein.
Die hohe Anzahl der jährlichen Gesetzesänderungen erhält diesen Zustand, weil da offensichtlich keine Zeit und keine Lust zum Nachdenken bleibt. Wir als Volk können diesem korrupten Treiben nur hilflos zusehen.
Das System ist von vornherein zum Scheitern verurteilt; der wirtschaftliche Erfolg konnte das über Jahrzehnte verdecken, weil wir als Volk die Fehlleistungen der Obrigkeit durch Fleiß und Wendigkeit kompensieren konnten. Aber ich sehe da das Ende der Fahnenstange. Wie sagt Albrecht Müller der Mitgründer der NachDenkSeiten: „Die Revolution ist fällig …“
Natürlich hat Thomas Mayer recht mit den Kompensationen in vergangenen, besseren Zeiten.
Aber aktuell nehmen Verteilungskämpfe und Schuldzuweisungen zu.
Nicht durchdachte Gesetze zu beschließen, deren Auswirkungen von der Bevölkerung nicht mehr bezahlt werden können, das zeigt eine realitätsentrückte Politik gerade an.
Aber konkret zur aktuellen 12 Uhr- Tankregel.
Einen direkten Zusammenhang zwischen der Aggressivität im Straßenverkehr und dem Ärger über die hohen Spritpreise kann ich nicht erkennen. Aber eine Aggressivität und Dauerfrust hervorgerufen durch Baustellen im Straßenverkehr, oder auch ganz ohne, kann ich sehr gut nachvollziehen. Ein Leben ohne tägliche Staus gibt es nicht mehr. Über die Fahrt von der BAB – Abfahrt Freihafen in Richtung Delmenhorst oder umgekehrt möchte ich gar nicht reden.
Schade, dass der Steueranteil am Spritpreis nicht zweckgebunden ausschließlich in die Infrastruktur fließt, die von der Nicht-Instandhaltung direkt davon betroffen ist. Strassen, Brücken usw.
Ich habe überhaupt kein Problem damit zwischen 8 und 11 Uhr zu tanken. Das maximal günstigsten Preis rausholen? Das gelingt nicht immer. Warum sollte ich das tun?
Auch früher habe ich nicht um 22 Uhr getankt.
Ich kaufe ja auch Lebens- und nicht Überlebensmittel.
Moin Eckart Brandtstädter, kennen Sie das Kinderspiel „Reise nach Jerusalem“? – Da scheidet in jeder Runde einer aus, zuerst die Schwächsten, da freuen sich noch alle. – Bis man selbst dran ist, weil nur einer gewinnen kann. Ich befürchte, dass dieses Lehrstück in Kindergärten nicht mehr durchgeführt wird, sodass die Kinder nicht lernen können, dass so etwas richtig böse ist.
Darum will kaum einer wahrhaben, dass die „marktkonforme Demokratie“ aka „neoliberale Wirtschaftsordnung“ der BRD nichts anderes ist als die „Reise nach Jerusalem“. Durch immer neue Konsumsteuern für Arme und immer weniger Steuern für Reiche gibt es eine Umverteilung von Fleißig zu Reich. Gleichzeitig ist die öffentliche Hand, die uns eigentlich dienen sollte, extrem übergriffig bei gleichzeitigem Abbau ihrer eigentlichen Grundaufgaben. Das setzt uns, als nunmehr Untertanen, so unter Druck, dass es ein Ventil braucht oder es gibt eine Revolution. Da wird einfach jede Woche ein neues Ventil durchs Dorf getrieben. Das Ventil ist Verbrauchsmaterial in „deren Demokratie“
Wenn ich die Leute am Ruder nicht für totale Versager halten würde, die das nicht sehen und hören wollen, müsste ich totalitäre Absichten vermuten.
Moin, ich gehe morgens immer so um 9.00h mit meinem Hund Gassi und komme an einer „blauen“ Tankstelle vorbei.
Heute morgen war der Preis für E10 bei 2.01€.
Gegen Mittag um 13.00h die nächste Hunderunde.
E10 bei 2.30€!
Heute Abend, 3.te Gassirunde, gegen 21.00h der Preis bei 2,11€.
Ich bin ehrlich gesagt froh, dass ich unsere Gassirunden zu Fuß mache.
Durch diesen „Benzin Poker“ blickt niemand mehr richtig durch.
Mir tun diejenigen leid, die auf Benzin angewiesen sind, z.B. um zur Arbeit zu fahren.
Oder Spediteure, Logistiker, Transport-Unternehmen usw.
Dass sich der Staat damit so ganz nebenbei die Taschen vollmacht, kennt man ja schon.
„Der Autofahrer ist die Melkkuh der Nation“ titelte schon vor etlichen Jahren der ADAC.
Es hat sich nichts geändert…
Also wenn die Tankstellenpächter das so schlimm finden -warum machen sie dann alle bei dem Spritpreis-Tanz mit? Es ist doch keiner gezwungen, den Preis einer Ware, die sich im Einkauf nicht minutenweise ändert unter diesen Konditionen weiterzugeben. Die Tankstellen machen das zu Profitoptimierung. Es ist absurd, dass ich mit denen Mitleid haben soll! Sie könnten den Preis konstant halten – tun sie aber nicht.
PS: die Lösung ist natürlich Elektromobilität (mache das schon seit 5 Jahren, 25tkm/a, keine Wallbox: kein Problem!)