Zukunft-Festivals – Weser-Kurier nimmt Kampf mit Großverlag (Teil-Eigentümer: SPD) auf
Wow, in Bremen bahnt sich ein Duell der (Medien-)Giganten an: Der Weser-Kurier tritt 2027 gegen die Oldenburger NordWestZeitung an. Und zwar auf dem Terrain als Festival-Veranstalter. Sowohl die NWZ als auch der WK buhlen jeweils für ihre Events um „Speaker“, Aussteller, Aufmerksamkeit der Jugend und – letztlich – um Geld. Nach der „GrowMorrow“ (NWZ) hat der WK jetzt die „Fast Forward“ auf die Beine gestellt. Erstaunlich: Ab sofort bieten beide konkurrierenden Verlage Eintrittskarten für ihre jeweiligen Events in 2027 an! Während die NWZ neuerdings den wirtschaftlich-potenten Madsack-Verlag als Eigentümer an der Seite hat, hofft der WK offenbar wieder auf Staatsgelder.
Die Bremer GrowMorrow im April 2026 war ein großer Erfolg. Top-Speaker wie Richard David Precht und Julia Ruhs zogen mehrere hundert Interessenten an. Gleichzeitig stellten sich Firmen mit Zukunftspotential wie Polaris, BSAG und swb innerhalb einer Messe dem Publikum vor. Radio Bremen war auch dabei.
Der WK zog jüngst mit „Bremen fast forward“ nach. Und zwar mit deftiger Unterstützung bremischer Behörden. Das Wissenschaftsressort, das Wirtschaftsressort und selbst das Finanzressort steuerten zusammen 150.000 Euro bei.
Die Veranstaltung zog etwa 800 Zuschauer an und lockte am zweiten Tag rund 1.000 Schüler, Auszubildende und Studenten in die ehemalige Ernergie-Leitzentrale im Hafengebiet.
Am Abschlussabend äußerte Bürgermeister Dr. Andreas Bovenschulte die Hoffnung, dass das WK-Festival 2027 in eine zweite Runde gehe. Senatssprecher Christian Dohle stellte auf Anfrage klar: „Er hat keine Zusage zur Finanzierung gegeben.“
Die anderen „Geber“-Ressorts für Wissenschaft, Wirtschaft und für Finanzen erklärten jetzt auf Anfrage von bremensogesehen nahezu gleichlautend:
„Eine Entscheidung über eine mögliche weitere Zusammenarbeit steht noch aus und wird voraussichtlich noch einige Zeit in Anspruch nehmen. Zunächst muss die diesjährige Kooperation ausgewertet werden.“
Klingt nicht gerade wie eine grundsätzliche Ablehnung.
Die Senatsressorts hatten 2026 die 150.000 „Kooperarations“-Euro (zuvor war stets von „Förderung“ die Rede) offiziell mit der Begründung gewährt, man wolle helfen, im Rahmen der großen internationalen KI-Messe IJCAI eine lokale Veranstaltung auf die Beine zu stellen.
Die Macher der Bremer GrowMorrow aus Oldenburg haben übrigens auf bsg-Nachfrage mitgeteilt:
„GROWMORROW Bremen findet wie angekündigt am 22. April 2027 statt.“
Zum Hintergrund: Der Veranstalter NordWestZeitung gehört mittlerweile dem hannoverschen Großverlag „Madsack“ mit dem häufig im Radio erwähnten RedaktionsNetzwerkDeutschland – RND.
Nochmals BTW: Die Medienholding der SPD (Deutsche Druck- und Verlagsgesellschaft) hält mit 23,1 Prozent den größten Einzelanteil an Madsack.
Clou am Rande: Die in der Frage der Vorstandsbesetzung (David Koopmann) zerstrittenen WK-Eigentümerfamilien Güssow und Hackmack hatten sich vergeblich (gemeinsam) um den Kauf der NWZ bemüht.
Zurück zu den Zukunfts-Festival Fast Forward und GrowMorrow. Witzigerweise wandern „Speaker“ (früher: Redner) von einer zur anderen Veranstaltung. Beispiel Silke Müller, „Bildungsexpertin, Digitalbotschafterin und ehemalige Schulleiterin“. Sie war bereits bei der jetzigen Fast-Forward aufgetreten – und ist bereits für 22.4.27 bei der GrowMorrow Bremen angekündigt.
Bremer haben vom Auftritt dieser wirklich interessanten Sprecherin aus dem WK leider wenig erfahren können.
Dabei hat sie nahezu euphorisch zur „Revolution“ aufgerufen. „Wir müssen endlich den Bildungsförderalismus überwinden. (…) Wir brauchen eine verpflichtende Fortbildung aller Lehrer. (…) Firmen sollten Mitarbeiter zeitweise freistellen, damit diese in den Schulen die digitale Fortbildung voranbringen.“
Leider saß zur anschließenden Diskussion mit ihr und WK-Chefredakteur Benjamin Piel kein ausgemachter Fachmensch auf dem Podium: Wirtschaftssenatorin Kristina Vogt (Linke). Da hätte man sich lieber Bildungssenator Mark Rackles (SPD) als Experten des Senats gewünscht.
Ein Freund 🙂 fragte mich (bösartigerweise), ob der Grund dieser „Fehlbesetzung“ womöglich damit zu erklären sei, dass eben Vogts Ressort, und nicht die Bildungsbehörde, 50.000 Euro zum Entstehen der Fast Forward beigesteuert habe. Piel wies meine Anfrage nach Auswahl der Bühnengäste an Koopmann weiter, der wiederum an einen (freien) Projektverantwortlichen.
Fest steht: Bremen darf sich 2027 gleich auf zwei Zukunfts-Festivals freuen. Eines von der inzwischen finanzstarken NWZ-Gruppe veranstaltet, das andere vom WK, der offenbar noch auf Zuschüsse aus Behördenkassen hofft.
Schaun mer mal.
Offen ist übrigens noch, ob Dr. Andreas Bovenschulte erneut als Bürgermeister am 26. August auf der Fast-Forward-Bühne auftreten wird – schließlich muss er zunächst am 30. Mai 2027 wiedergewählt werden. Und der Vertrag von WK-Verlagschef David Koopmann weist sogar ein offizielles „Ablaufdatum“ auf: Er ist längstens bis 12. März 2027 zum Notvorstand bestellt – es sei denn, Christian Güssow und Dr. Ulrich Hackmack einigen sich vorher auf einen neuen WK-Chef.
Also: Finanzierung offen, Spitzenpersonal ungewiss.
Munter bleiben!
Herzlichst
Ihr Axel Schuller
P.S.: 1. Schauen Sie sich unbedingt alle Kommentare zum vorigen Stück (Dr. Wiebke Winter) an. Die junge Politikerin hat enorm viele Fürsprecher auf den Plan gerufen.
Und:
2. Kann sein, dass es in diesem (ehrenamtlichen) Blog kommende Woche etwas ruhiger zugehen wird. Hab Wichtiges zu tun. Mal sehen. Auf jeden Fall können Sie sich an diesem Wochenende auf einen ungewöhnlichen, aber gleichwohl wichtigen Gastkommentar freuen. Und für 5./6. September hab ich bereits einen weiteren Kommentator „an Land gezogen“.
Wie schon gesagt: Munter bleiben!
Lohnt es sich wirklich 80 Euro Subventionen je Besucher, incl. Schüler, zu zahlen? Früher nahm man Eintrittsgeld.
Hallo Karl Grabbe, 80 Euro Eintritt für Redner zu zahlen, von denen man ja aus YouTube weiß, was sie sagen werden, wäre ziemlich unattraktiv.
Ich gehe davon aus, dass es sich um eine versteckte Subvention für den WK handelt, damit die Berichterstattung die schlimmsten Zustände in Bremen ignoriert. Dass so etwas funktioniert, sieht man an der Bill-Gates-Stiftung, die dem Spiegel (und anderen Medien) jeweils ca. 5 Mio. Euro gezahlt haben, damit diese die Plandemie positiv begleiten. Und Bill Gates Investitionen einen ordentlichen ROI machen. In weniger desaströsen Zeiten würde man das Korruption nennen.
https://www.gatesfoundation.org/about/committed-grants/2023/06/inv-007136
https://www.gatesfoundation.org/about/committed-grants/2021/11/inv032089
Jeder sieht doch, dass „Fast Forward“ 100% von „GrowMorrow“ abgekupfert ist.
Die „Speaker“ sind austauschbar aus dem Speaker Wanderzirkus.
Die Locationwahl Energieleitzentrale ist auch von der NWZ kopiert.
Diese ehemaligen Schulleiterin Silke Müller wird es herzlich egal sein, wo sie auftritt. Hauptsache das Honorar stimmt.
All das zeigt, der WK hat keinen Hauch eigener Ideen.
Es ist schlimm, dass Bremen diesen Mummenschanz mit sehr viel Steuergeldern unterstützt.
Das sind 83,33 Euro Steuergeld PRO Besucher (Schüler inbegriffen). Ein Skandal!
Die Provinzzeitung Weser Kurier als „(Medien-)Giganten“ zu bezeichnen, war sicherlich ironisch gemeint.