Warum kassieren nur Beamte, nicht aber Angestellte des Öffentlichen Dienstes?

31.08.2026 9 Von Axel Schuller

Finanzsenator Björn Fecker (Grüne) und dem gesamten Bremer Senat stehen schwere Zeiten bevor. „Tarifangestellte“ des Öffentlichen Dienstes fragen (bislang nur in Leserbriefen im Weser-Kurier:) „Warum erhalten Beamte und Pensionäre nachträglich mehr Geld, während wir leer ausgehen?“ Das ist ein Thema mit Tiefgang. Im Normalfall handelt die „Öffentliche Hand“ mit Verdi Gehaltssteigerungen für Angestellte und Arbeiter des ÖD aus, die in der Regel auf die Beamtenschaft plus Pensionäre übertragen werden. Jetzt aber sollen nur die Beamten profitieren.

Als Normalo kann man es kaum nachvollziehen. Das Bundesverfassungsgericht ist zu der Auffassung gelangt, dass die beiden untersten Beamten-Besoldungsgruppen A 3 und A 4 im Verhältnis zu Stütze-Empfängern zu schlecht bezahlt seien. Die Richter entschieden: Es müsse ein angemessener Mindestabstand zwischen der Grundsicherung und Empfängern der untersten Besoldungsgruppen eingehalten werden. Der Clou: In Bremen wird meines Wissens kein Beamter mehr nach A 3 oder A 4, sondern wenigstens nach A 5 entlohnt…

Dank einer saftigen Bürgergeld-Erhöhung um 12 % am 1.1.2024 forderte das Gericht: Die Beamten-Gehälter im ÖD (Alimentation genannt) müssen heraufgesetzt werden.

Der Gedanke: Beamte werden nicht bezahlt, sondern „alimentiert“, um lebenslang ein auskömmliches Leben – auch im Alter – führen zu können.

Die Richter verfügten außerdem, dass der Gesetzgeber bei der Erhöhung der untersten Besoldungsgruppen den Abstand zu den nächst höheren und allen weiteren Besoldungsgruppen zu wahren hätten. Außerdem müssten die Unterschiede bei Leistung und Verantwortung erhalten bleiben. 

Diese Sicht löst einen regelrechten Fahrstuhleffekt für alle Beamten aus. Bis hoch zu den Bundesverfassungsrichtern und selbst bis zu den Ex-Beamten, Pensionäre genannt. Alle genannten erhalten rückwirkend zum 1.1.2024 einen Nachschlag von 2,5 Prozent.

Hört sich wenig an, kostet aber allein Bremen 120 Millionen Euro an Nachzahlungen. Welch ein Irrsinn.

Völlig unlogisch ist jedoch, dass die „Tarifangestellten“ des ÖD dabei leer ausgehen sollen. Denn: Arbeiter und Angestellten werden vom Staat nicht „alimentiert“, sondern nur ganz profan entlohnt.

Und dies, obwohl Angestellte und Arbeiter des ÖD ja stets weniger Netto vom Brutto haben. „Tarifangestellte“ des ÖD müssen nämlich wie normale Arbeitnehmer Beiträge in die Arbeitslosenversicherung (1,3 %) und in die Rentenkasse (9,3 %) einzahlen. 

Vergleicht man beispielsweise die Gehälter von angestellten und beamteten Lehrern, (Studienrat nach A 13 ), sind die Beamten monatlich mit 500 bis 600 Euro im Vorteil. Netto! 

Bremen und andere Länder scheuen bei den geplanten Nachzahlungen an Beamte und Pensionäre bislang eine Gleichstellung mit Angestellten, Arbeitern und Rentnern des ÖD. Dürfen sie auch, weil Beamte wie gesagt alimentiert, Angestellte aber entlohnt werden.

Diese ungleiche Behandlung müsste die ohnehin Netto-benachteiligten Angestellten und Arbeiter an sich  auf die Barrikaden treiben.

Schauen wir mal.

Echt misslich für Finanzsenator Björn Fecker: In Wahrheit hat er  bereits für die Nachschläge der Beamten und Pensionäre kein Geld in der Kasse; muss für einen Teil der Summe die Bremische Bürgerschaft sogar um einen Nachtragshaushalt anbetteln.

Würde er jetzt auch noch „seinen“ Angestellten und Arbeitern etwas drauflegen, könnte er das „Haus des Reichs“ vermutlich nur noch abschließen. Fertig.

Worüber übrigens in der Öffentlichkeit überraschend wenig gesprochen wird: Millionen normaler Rentner (versichert bei der Deutschen Rentenversicherung) warten bis heute auf einen Ausgleichsbetrag für die hohen Kostensteigerungen durch die zeitweise extrem hohe Inflation. Beamte sind 2023 mit bis zu 3.000 Euro (steuerfrei) „entschädigt“ worden; Pensionäre mit bis zu 72 Prozent dieser Summe.

Wann entfällt endlich die Unterscheidung zwischen Beamten/Pensionären auf der einen und Arbeitnehmern und Rentnern der Deutschen Rentenversicherung auf der anderen Seite?

Munter bleiben!

Herzlichst

Axel Schuller

P.S.: Laut Finanzressort von Björn Fecker verfügen Stadt und Land Bremen aktuell – umgerechnet – über 12.555 Vollzeitstellen für Beamte m/w (ohne Bremerhaven und Beamte in Ausbildung).  Zu dieser Beamtengruppe kommen noch 7.146 pensionierte Beamte. Die Zahl der Tarifbeschäftigten in Bremens Öffentlichem Dienst beträgt 14.234 Vollzeitäquivalente (ohne Auszubildende).