Dokumentation der GeNo-Mitarbeiter-Info
Aktuelles aus dem Klinikverbund
NEWSLETTER DER GESUNDHEIT NORD, 23. OKTOBER 26
Liebe Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter,
wir haben in diesem Jahr einen deutlichen Rückschlag in der wirtschaftlichen Entwicklung au unserem Sanierungskurs hinnehmen müssen. Bei den letzten Mitarbeiterversammlungen, im
Newsletter und im GeNoMagazin hatten wir Ihnen davon berichtet:
Wir werden unseren Wirtschaftsplan in diesem Jahr voraussichtlich um rund 21 Mio. Euro verfehlen, weil uns Erlöse fehlen und unsere Kosten stark gestiegen sind. Statt des geplanten knapp positiven operativen Ergebnisses rechnen wir jetzt für das laufende Geschäftsjahr mit einem Minus von rund 18 Mio. Euro. Diesen Rückschlag hätten wir aus eigener Kraft noch ausgleichen können – die Lage verschärft sich aber durch das Beitragssatzstabilisierungsgesetz, kurz BStabG, das uns ab
2027 massiv belasten wird, sowie durch weitere Verschärfungen bei der Vergütung von ambulanten Leistungen. Wir müssen davon ausgehen, dass uns durch die Auswirkungen des neuen Gesetzes rund 40 Mio. Euro fehlen werden – und zwar in jedem Jahr. Das können wir ebenso wie viele andere Krankenhäuser in Deutschland nicht ohne Hilfe schaffen. Wenn wir den Kurs nicht ändern, wären wir in absehbarer Zeit zahlungsunfähig.
Wir sind daher dem Auftrag unseres Aufsichtsrates und unseres Gesellschafters gefolgt, Konzepte und Vorschläge zu erarbeiten, die die Zukunft des Unternehmens unter den neuen
gesetzlichen Rahmenbedingungen sichern können. Heute haben wir unserem Aufsichtsrat ein Grobkonzept für eine erweiterte Sanierung vorgestellt. Wenn wir als kommunales Unternehmen überleben wollen, müssen wir uns neu aufstellen – und das bedeutet: Wir müssen unsere Struktur noch konsequenter ändern.
Der Weg, den wir 2023 mit unserem Restrukturierungskonzept eingeschlagen haben, war richtig, aber unter den neuen Ausgangsbedingungen wird er nicht mehr ausreichen, um das Unternehmen solide aufzustellen. Das bedeutet: Wir müssen unsere Bereiche und Angebote konsequenter als bisher zentralisieren und wir müssen weiter Personal abbauen.
Wir haben unserem Aufsichtsrat deshalb ein Konzept vorgelegt, dass eine Reduktion unserer somatischen Medizin auf zwei Standorte vorsieht – auf das Klinikum Bremen-Mitte als Maxi- malversorger und auf das Klinikum Bremen-Nord als Regionalversorger mit eigenen Schwerpunkten.
Das bedeutet: Das Klinikum Bremen-Ost soll Standort des Zentrums für seelische Gesundheit für Kinder und Erwachsene sowie für die Forensik werden. Das Klinikum Links der
Weser wird ein ambulanter Standort, in dem sich die Praxen des MVZ Bremer Süden sowie das ambulante OP-Zentrum der Gesundheit Nord befinden. Damit würde die Gesundheit
Nord an allen vier Standorten vertreten bleiben und ihr medizinisches Leistungsspektrum behalten.
Diese neue Standortstruktur bildet die Grundlage für unsere erweiterte Sanierung – sie wird allein aber nicht ausreichen, um unsere Ergebnislücke zu schließen. Wir werden deshalb auch
die Zahl der Stellen im Klinikverbund anpassen müssen. Zusätzlich zur Strukturveränderung werden wir Im Vergleich zu heute rund 500 Vollzeitstellen abbauen müssen. Die normale Fluktuation wird nicht ausreichen, um diese Zahl in angemessener Zeit zu erreichen. Es wird kein Weg daran vorbeiführen, dass wir diesen Personalabbau zügig umsetzen müssen.
Wie das gelingen kann, müssen wir mit unserem Träger, der Stadt Bremen, und mit den Arbeitnehmervertretungen – unseren Betriebsräten und den Gewerkschaften – jetzt offen dis-
kutieren. Das vorgestellte Konzept ist ein Grobkonzept, das jetzt gemeinsam mit unseren Arbeitnehmervertretungen weiter ausgearbeitet werden muss.
Viele von Ihnen haben heute sicher den Bericht im Weser Kurier gelesen, in dem unsere wirtschaftliche Situation thematisiert wurde.
Auch zu dieser Überschrift möchten wir noch Stel-
lung nehmen: Leider ist es auch heute noch nicht ausgeschlossen, dass wir eine Insolvenz in Eigenregie, ein so genanntes Schutzschirmverfahren, durchführen müssen. Ein solches Ver- fahren hat das Ziel, das Unternehmen neu aufzustellen und zu entschulden, die kommunale Trägerschaft soll dabei erhalten bleiben. Auf die Patientenversorgung hätte ein solches Insol-
venzverfahren keinerlei Einfluss, der Betrieb würde uneingeschränkt weitergehen.
Wir kämpfen darum, ein solches Verfahren zu vermeiden, aber dafür braucht es neben der Einigung auf der betrieblichen Ebene auch die Unterstützung des Gesellschafters für unser Konzept. Am kommenden Dienstag wird sich der Senat damit befassen.
Uns ist bewusst, dass dies alles keine guten Nachrichten sind. Wir wissen, dass wir Ihnen damit erneut viel zumuten. Wir stehen vor den härtesten Einschnitten, die die Gesundheit Nord je erlebt hat. Dass wir Sie erst heute Abend – an einem Freitag – mit diesem Newsletter informieren können, liegt am Zeitpunkt der Aufsichtsratssitzung, die wir abwarten mussten.
Wir wissen, dass das ein denkbar schlechter Zeitpunkt ist. Dafür entschuldigen wir uns. Am kommenden Mittwoch, also direkt am Tag nach der Senatsbefassung, wird es Mitarbeiterversammlungen an unseren Standorten geben, so dass wir ausführlicher mit Ihnen ins Gespräch kommen können und Sie die Möglichkeit haben, Fragen zu stellen. Und natürlich halten wir Sie auch weiterhin über den Newsletter, das GeNoMagazin und unsere Mitarbeiter-App auf
dem Laufenden.
Herzliche Grüße
Dr. Dorothea Dreizehnter
Geschäftsführerin Medizin und Infrastruktur
Vorsitzende der Geschäftsführung
Heike Penon
Kaufmännische Geschäftsführerin