Irre – noch im März hielt die GeNo-Leitung die Schlaganfall-Station im KBO für „dauerhaft“ notwendig
Die GeNo überrascht – zumindest Außenstehende – immer wieder aufs Neue. Ich vermute, Mitarbeiter m/w des Klinik-Konzerns ebenso. bremensogesehen liegt ein Schreiben vom 19. März 2026 vor, das dem Leiter der „Klinik für Neurologie im Klinikum Bremen Ost“ zusichert, dass die KBO-Schlaganfallstation (Stoke Unit) eine „positive Zukunftsperspektive“ habe. Und jetzt – soll die Stroke Unit plötzlich weg. Wie kann man seine Meinung so rasch ändern, ohne an Glaubwürdigkeit zu verlieren? Eine Frage, die der Stadtteilbeirat Osterholz in seiner heutigen Sitzung mit Nachdruck stellen könnte.
Am heutigen Montag, 2. November, 18.30 Uhr tagt der Stadtteilbeirat. Und zwar Im KBO, im Haus im Park, Züricherstraße 40.
Gäste des Beirates werden sein: GeNo-Chefin Dr. Dorothea Dreizehnter und Markus Rohdenburg, Betriebsratsvorsitzender im vom Kahlschlag bedrohten KBO. Rothenburg hatte kürzlich in einem Interview des Weser-Kuriers beklagt: „Die Verwaltung (der GeNo) ist irrwitzig aufgebläht.“
Liebe Leserschaft, ich will Sie nicht ständig mit dem GeNo-Thema heimsuchen. Obwohl: Die vier Kliniken des städtischen Konzerns spielen bei der (manchmal notwendigen) Behandlung von uns Bremern und Umländern häufig eine wichtige Rolle.
Heute nur ein kurzer Hinweis, der mir beim Lesen schier „die Schuhe ausgezogen“ hat.
Der Einfachheit halber zitiere ich hier den kompletten oben genannten Brief der „Krankenhausdirektion des Klinikum Bremen-Ost“:
ZITAT ANFANG
An Herrn Prof. Duning
Klinik für Neurologie
im Hause
Bremen, den 19.03.2026
Positive Zukunftsperspektive zur Schlaganfallversorgung im Klinikum-Ost
Sehr geehrter Herr Prof. Duning,
wie am heutigen Tag persönlich besprochen haben wir bei der Geschäftsführung der Gesundheit Nord folgende Rückmeldung zur Schlaganfallversorgung im Klinikum Bremen-Ost erhalten.
Die bestehende Struktur der Stroke Unit bleibt dauerhaft erhalten. Die Senatorin für Gesundheit unterstützt den Verbleib am Klinikum Bremen-Ost.
Die Geschäftsführung der Gesundheit Nord geht also somit unbedingt davon aus, dass der Zuweisung der Leistungsgruppe Stroke Unit am Klinikum Bremen-Ost nichts entgegensteht.
In der Leistungsgruppenprüfung des Medizinischen Dienstes konnte keine Abweichung festgestellt werden.
Das Verfahren zur Zertifizierung als regionale Strome Unit wird in Abstimmung mit der Geschäftsführung unmittelbar eingeleitet. Der Geschäftsbereich Qualitätsmanagement ist bereits informiert.
Für weitere Rückfragen stehen wir Ihnen selbstverständlich zur Verfügung.
Mit freundlichen Grüßen
Jörn Sandtvos
Geschäftsführender Krankenhausdirektor
Dr. Matthias Müller
Ärztlicher Direktor
ENDES des ZITATS
Nur ein halbes Jahr später will die oberste GeNo-Leitung unter Dr. Dreizehnter das KBO bis auf Psychiatrie und Forensik (psychisch kranke Straftäter in geschlossenen Abteilungen) abräumen. Offiziell sollen alle anderen Kliniken/Abteilungen (Somatik) auf das Klinikum Mitte und das Klinikum Nord verteilt werden.
Nur ein kurzer Hinweis eines befreundeten Arztes, der mir im Zusammenhang mit Schlaganfällen einmal den einprägsamen Satz sagte:
„Time is brain“
Sprich: Wer einen Schlaganfall erleidet, muss so schnell wie möglich in eine Stroke Unit transportiert werden. Eine Strike Unit ist eine neurologische Abteilung, die auf Schlaganfälle spezialisiert ist.
Weil alle Experten den Zusammenhang zwischen verstrichener Zeit und Schädigung ganzer Gehirn-Regionen kennen, hat Bremen drei Stroke Units geschaffen: Im KBM, KBO und KBN. Allein im KBO werden jährlich 2.000 Schlaganfall-Patienten behandelt!
Daran könnte der Stadtteilbeirat heute die GeNo-Sanierungstruppe mahnend erinnern!
Übrigens:
Den Einfluss des Stadtbeirates Osterholz sollten die GeNo-Geschäftsführung, Gesundheitssenatorin Claudia Bernhard (Linke) und alle Klinik-Konzern-Sanierer nicht unterschätzen.
Vorsitzender des SPD-Ortsvereins ist Mustafa Güngör, zugleich einflussreicher Chef der SPD-Bürgerschaftsfraktion. Seine Stellvertreterin im Ortsverein und Fraktionssprecherin im Stadtteilbeirat Osterholz ist Annette Kemp. Im Berufsleben leitet sie das Büro von Bildungssenator Mark Rackles. Ferner gehört Kemp dem erlauchten Kreis namens „SPD-Mandatskommission“ (zur Aufstellung der SPD-Bürgerschaftsliste) an.
Transparenzhinweis: Annette Kemp hat mit mir in meiner Zeit als Weser Report-Chefredakteur als „Chefin vom Dienst“ (sehr gut) zusammengearbeitet.
Sorry für dieses erneute GeNo-Blogstück. Aber das unglaubliche Schreiben der KBO-Direktion vom 19.3.26 musste einfach raus in die öffentliche Debatte…
Munter bleiben!
Herzlichst
Ihr Axel Schuller
P.S.: Ich empfehle, den gestrigen Gastkommentar, also die überdeutliche Kritik am Bundesverfassungsgericht, zu beachten.
In dem Schreiben steht ein Satz, der mehr Beachtung verdient: „Die Senatorin für Gesundheit unterstützt den Verbleib am Klinikum Bremen-Ost.“ Die Frage nach der Glaubwürdigkeit geht also auch an die Politik. Welche Leistungsgruppen ein Krankenhaus erhält, entscheidet in der Krankenhausplanung das Land, also die Behörde der Senatorin. Beschlossen hat den Umbau des KBO der Senat. Dass sich Kritik und Rücktrittsforderungen trotzdem fast nur gegen Frau Dreizehnter richten, macht die Geschäftsführung zum Blitzableiter für Entscheidungen, die politisch getroffen werden. Sollte sie am Ende gehen müssen, wäre sie das Bauernopfer für einen Kurs, den andere beschlossen haben.
Sehr verehrter Herr Schuller,
nein, es kann gar nicht oft genug darüber geschrieben werden, was hier gerade in unserer Stadt passiert und wie wir unsere Gesundheitsversorgung aufs Spiel setzen – mit Verantwortlichen, bei denen man sich manchmal ernsthaft fragt: Was machen die eigentlich beruflich?
Ich sage das bewusst so deutlich, denn ja, wir brauchen eine effiziente Krankenhauslandschaft und das gelingt vor allem durch verlässliche Struktur, die in die Zukunft blickt.
Und was gerade am KBO passiert, ist dafür ein erschreckendes Beispiel. Dabei ist es mir, ehrlich gesagt, völlig egal, ob mein hochverehrter Kollege Mustafa Güngör oder die von mir ebenfalls sehr geschätzte Annette Kemp dort wohnen und im Beirat politischen Druck machen. Hier geht es nicht um politische Befindlichkeiten, sondern um fachlich qualifizierte Entscheidungen zur Zukunft unserer Gesundheitsversorgung!
Umso hanebüchener finde ich nicht nur die Fernsehauftritte von Frau Dreizehnter, sondern insbesondere die Reaktion von Bürgermeister Bovenschulte auf den Brief der Chefs der freien Krankenhäuser. „Er verstehe deren Sorgen und wolle nun im Bundesrat initiativ werden“. What? Eine größere politische Bankrotterklärung kann man sich kaum vorstellen!
Der Bund hat mit seiner Krankenhausreform und den milliardenschweren Transformationsmitteln genau die Voraussetzungen geschaffen, um unsere Krankenhauslandschaft strukturell neu aufzustellen, Kooperationen zu ermöglichen und langfristig eine leistungsfähige Versorgung zu sichern. Dazu gehören auch die freien Krankenhäuser.
Und was macht dieser Senat? Er betreibt weiter seine „Politik-auf-Sicht“ was die GeNo angeht und hält die freien Krankenhäuser, die einen wesentlichen Teil unserer Gesundheitsversorgung sicherstellen, weitgehend außen vor und tut anschließend so, als müsse jetzt erst einmal der Bund tätig werden. Das ist an Zynismus kaum noch zu überbieten!
Es ist nicht mehr fünf vor zwölf. Es ist längst fünf nach zwölf!
Wir müssen endlich handeln, denn sonst bekommen wir in zwei oder drei Jahren die Rechnung für diese politische Unfähigkeit präsentiert. Und die werden nicht nur die Beschäftigten in unseren Krankenhäusern bezahlen, sondern vor allem die Bürgerinnen und Bürger in Bremen und Bremerhaven.
Die entscheidende Frage lautet doch: Wie soll unsere Krankenhauslandschaft im Jahr 2032 – 2033 aussehen? Wie sichern wir die Arbeitsplätze? Wie schaffen wir wirtschaftlich tragfähige Strukturen? Und vor allem: Wie gewährleisten wir dauerhaft die medizinische Daseinsvorsorge für die Menschen in Bremen und Bremerhaven?
Auf diese Fragen hat Rot-Grün-Rot bis heute keine überzeugende Antwort gegeben. Stattdessen erleben wir seit Jahren politische Einmischung, fehlende strategische Weitsicht und eine dilettantische Flickschusterei, die uns immer tiefer in die Krise führt.
Krankenhauspolitik ist keine Spielwiese für parteipolitische Eitelkeiten und schon gar kein Instrument zur Befriedigung lokaler Befindlichkeiten. Hier geht es um die Gesundheit der Menschen!
Und deshalb bin ich mittlerweile nicht nur besorgt. Ich bin schlichtweg wütend darüber, mit welcher politischen Ahnungslosigkeit hier die Zukunft unserer Gesundheitsversorgung aufs Spiel gesetzt wird.
Es liegt für alle Beteiligten klar auf der Hand, dass die angekündigten Strukturveränderungen nicht zu Ende gedacht sind. Das gesamte Vorgehen lässt bisher jegliches professionelle Niveau vermissen, und so leichtfertig darf man mit gesellschaftlich wichtigen Themen nicht umgehen.
Moin Herr Strohmann, ich habe den Eindruck, dass wir hier von den neoliberalen Altparteien und der Bertelsmann Stiftung an der Nase herumgeführt werden.
Warum sollen Krankenhäuser „wirtschaftlich tragfähig“ sein? Warum muss die Straßenbahn nicht „wirtschaftlich tragfähig“ sein? Die kostet immerhin 100 Mio. im Jahr. Ist so ein Parlament eigentlich „wirtschaftlich tragfähig“? Ich glaube, Peter Thiel hat da schon eine Antwort geliefert, die für Ihre Klasse, die der Berufspolitiker, nicht so gut ist. Oder leisten wir uns das, weil wir glauben, dass es irgendwie wichtig ist, das Etikett „demokratisch“ dranzuschreiben? Das zweite Etikett heißt übrigens „sozialer Bundesstaat“, zumindest laut Grundgesetz.
Und unter welchen Rahmenbedingungen soll das „wirtschaftlich tragfähig“ sein? Kommen Sie doch mal mit Zahlen, Daten und Fakten. Wie hoch sind die Verwaltungskosten der GeNo, gemessen am Umsatz? Wie hoch ist dieser Wert bei den effizientesten Kliniken in Deutschland? Wo liegt der Mittelwert? Welche Rationalisierungen sind möglich, ohne die Leistung einzuschränken? Wie hoch ist das Potenzial, wann gibt es einen Return on Investment? Wird das ausreichen? Sie beaufsichtigen doch den Senat. Sie müssen das also wissen.
Ist die Art und Weise, wie in Deutschland die Sozialversicherungen finanziert werden, „wirtschaftlich tragfähig“? Die Schere zwischen BIP und Einnahmen der Sozialversicherungen ist ja unübersehbar. Sie tun ja so als würde es das nicht geben, was ist den da ihre Antwort? Was ist denn mit Ihren hochgelobten SPD-Kollegen Mustafa Güngör? Weiß der etwas?
Die Antwort auf das Phänomen ist seit 30 Jahren Leistungskürzung, die Sie wegen der Bertelsmann Stiftung „Reform“ nennen.