Kauft sich der Senat Ruhe bei der GeNo – mindestens bis zur Bürgerschaftswahl?
Der hohe Senat zu Bremen, hat sich am Dienstag als Wundertüte erwiesen. Die Gesundheit Nord (GeNo) wird nicht nur not-beatmet, nein sie darf geradezu in einem Jungbrunnen baden. In den vergangenen Tagen hieß es, eine Insolvenz der GeNo ließe sich nur mit rund 60 Millionen Euro abwenden. Gestern beschloss der Senat, der GeNo einen weiteren Betriebsmittelkredit in Höhe von sage und schreibe 293 Millionen Euro zur Verfügung zu stellen – zusätzlich zu den in der Vergangenheit bereitgestellten 233 Millionen Euro. GeNo-Geschäftsführerin Dr. Dorothea Dreizehnter wird ein „Sanierungs-Geschäftsführer“ m/w zur Seite gestellt…
Der Senat verschafft sich damit auch selbst Luft bis zur Bürgerschaftswahl am 30.5.2027. Also, er „schmeißt“ der GeNo soviel Geld vor die Füße, damit diese bis Ende Mai garantiert nicht mehr herumquengeln wird: „Entweder wir kriegen Geld, oder es droht die Insolvenz.“
Wirklich beachtlich ist, dass das Gutachten der Firma WMC, auf dem das Sanierungskonzept, sprich der Kahlschlag im Klinikum Bremen Ost fußt oder fußen soll, weiterhin der Öffentlichkeit vorenthalten wird.
Und nicht nur uns. Auch nahezu alle KBO-Chefärzte kritisieren in einem Brief, dass sie das Konzept zum Eindampfen ihrer Klinik nicht zu Gesicht bekommen haben.
Das Gutachten soll – wie ich höre – rund 280 Seiten umfassen.
Es erscheint als extrem unwahrscheinlich, dass außer Gesundheitssenatorin Claudia Bernhard (Linke) auch nur ein weiteres Senatsmitglied den Inhalt kennt.
Laut Senatsbeschluss wird der GeNo ein weiter Betriebskostenkredit über 293 Millionen gewährt. Allerdings nur unter drei Voraussetzungen:
- Ein „unabhängiger Sanierungsgutachter“ muss die Tragfähigkeit des Konzeptes testieren.
- Der parlamentarische Haushalts- und Finanzausschuss muss zustimmen.
- Die Gesundheitsdeputation der Bremischen Bürgerschaft muss dafür sein.
- Der Mega-Kredit – deutlich höher als der bislang gewährte Betriebsmittelkredit – wird bis zum Jahr 2031 gewährt. Spätestens ab 2032 muss die GeNo die 293 Millionen innerhalb von zehn Jahren zurückzahlen.
Liebe Leserschaft, Sie kennen mein Faible für Dokumentationen. Im Anschluss gewähre ich Ihnen einen Blick in ein kritisches Papier zum geplanten Kahlschlag – es „flog“ mir quellenlos zu, strotzt aber vor fachlichem Wissen. Ich stufe es daher als authentisch ein. Zugegebenermaßen liest es sich nicht so, als sei es auf einem Rechner in der Geschäftsführung geschrieben worden… 🙂
Kommen wir aber dennoch kurz zur GeNo-Geschäftsführung. Frau Dr. Dorothea Dreizehnter (Jahresgehalt: über 300.000 Euro plus 40.000 Euro Bonus) traut man im Senat offenbar nicht mehr zu, die Herkules-Aufgabe „Total-Sanierung der GeNo inklusive Reduzierung der Standorte und Kündigungen von über 500 Mitarbeitern“ alleine zu wuppen.
Deshalb hat die Regierung beschlossen, Dreizehnter solle ein Sanierungs-Geschäftsführer zur Seite gestellt werden.
By the way: Dies scheint das neue Bremer Modell zu sein. Flughafen-Chef Dr. Marc Cézanne hat bereits einen Sanierungschef an seine Seite bekommen, um den von einer Insolvenz bedrohten Flughafen zu retten.
Ob und wie sich auf die Schnelle für Dreizehnter ein Co-Pilot finden lässt, konnte mir gestern niemand beantworten. Ihr Vertrag läuft noch bis 2030.
Soweit meine kurze Einschätzung des Senatsbeschlusses vom Dienstag, 27. Oktober.
DOKUMENTATION:
Nachfolgend das bereits angekündigte Papier aus dem „Inneren der GeNo“ mit Bedenken zum KBO-Kahlschlag:
Verlagerung der somatischen Medizin aus dem Klinikum Bremen-Ost
Sachliche Zusammenfassung der Kernpunkte
Ausgangslage
- Geplant ist, die somatische Medizin am Klinikum Bremen-Ost aufzugeben und nach Bremen-Mitte und Bremen-Nord zu verlagern.
- Die wirtschaftliche Lage des Verbunds ist ernst; Veränderungsbereitschaft ist gegeben.
• Die vorgelegten Pläne gefährden die Versorgung im Bremer Osten, ohne die Ursachen der finanziellen Schieflage zu beheben.
- Leistungsfähigkeit und Versorgungsqualität des Standorts
- Rund 1.200 stationäre Fälle pro Monat, über 14.000 pro Jahr in den somatischen Kliniken.
- Notaufnahme ist zentrale Anlaufstelle für Osterholz, Hemelingen, Vahr und Oberneuland sowie das angrenzende Umland.
- In Stadtteilen mit wenigen niedergelassenen Fachärzten häufig erster und einziger Zugang zu fachärztlicher Versorgung.
- Niedrige Beanstandungs– und Prüfquote durch Medizinischen Dienst und Kostenträger.
- Geringer und zuletzt deutlich verringerter Beitrag des Standorts zum Verbunddefizit.
2. Transparenz
- Die Pläne stützen sich auf das Gutachten einer externen Unternehmensberatung. (WMC; Anm. d. Red.)
- Das Gutachten liegt den Mitarbeitenden nicht vor; die Annahmen sind für Betroffene nicht überprüfbar.
- Die Entscheidung ist faktisch kaum rückgängig zu machen.
3. Sanierungsstrategie
- Erwartetes Verbunddefizit: rund 20 Mio. € im laufenden Jahr, möglicherweise 40 Mio. € im Folgejahr.
- Ursachen: strukturelle Probleme des Gesamtverbunds und veränderte bundespolitische Rahmenbedingungen – nicht die somatischen Kliniken des KBO.
- Die Aufgabe des Standorts bringt allenfalls kurzfristige Entlastung; strukturelle Defizite und Erlösprobleme an anderer Stelle bleiben.
- Die Verlagerung verursacht zunächst erhebliche Kosten für Umbau, Flächen und Übergang.
- Kosten für Gebäude, Infrastruktur und Dienste der verbleibenden Psychiatrie entfallen nicht.
- Eine Sanierungsrechnung ohne vollständigen Kostenausweis überschätzt die Einsparung.
4. Folgen für die Versorgungssicherheit
• Zeitplan: Bremen-Mitte muss bis 2028 bereits die stationären Bereiche des Klinikums Links der Weser inkl. Herzzentrum aufnehmen. Eine zusätzliche Verlagerung von über 14.000
Fällen pro Jahr in ein bis zwei Jahren ist räumlich und personell nicht abgesichert.
• Abhängige Strukturen: Notaufnahme, Chirurgie, Innere Medizin, Intensivstation und Anästhesie bedingen einander (lt. Gemeinsamer Bundesausschuss-Vorgaben, Leistungsgruppen der Krankenhausreform). Ein schrittweiser Rückbau ist nur bei gesicherten Kapazitäten an den Zielstandorten möglich.
- Fachpersonal: Erfahrene Ärztinnen, Ärzte und Pflegekräfte orientieren sich bei unsicherer Standortzukunft neu und verlassen teils den Verbund. Ungeplante Ausfälle vor Schaffung von Ersatz sind möglich.
- Psychiatrie und Forensik: Verbleibende psychiatrische und forensische Patientinnen und Patienten verlieren die internistische, chirurgische und notfallmedizinische Mitversorgung vor Ort.
- Rettungsdienst und Notaufnahmen: Längere Transportwege binden Rettungsmittel; die Notaufnahmen in Bremen-Mitte und Bremen-Nord müssen zusätzliche Patienten aufnehmen.
Forderungen
- Keine Entscheidung über die Verlagerung, bevor die Versorgung im Bremer Osten nachweislich gesichert ist.
- Offenlegung des vollständigen Gutachtens einschließlich aller Daten, Berechnungsmethoden und Modellrechnungen.
- Nachweis vor jeder Verlagerung, dass die Zielstandorte Betten, Flächen, Personal und Notfallkapazitäten tatsächlich bereitstellen können.
- Vorlage eines Sanierungskonzepts, das die strukturellen Ursachen im gesamten Verbund angeht und eine vollständige Kostenrechnung enthält.
- Beteiligung der leitenden Ärztinnen und Ärzte sowie der Beschäftigten des Standorts an der Lösungserarbeitung.“
ENDE des Papiers
Munter bleiben!
Herzlichst
Ihr Axel Schuller
P.S.: Fürs Wochenende kündige ich schon mal einen Gastkommentar an, in dem es heftig gegen einen – vermeintlich unfehlbaren – Berufsstand zur Sache gehen wird. Bleiben Sie dran!
Ich habe in diesem Blog schon häufiger meine Einschätzung zur GeNo kundgetan.
Mittlerweile verfestigt sich bei mir der Eindruck, auch nach Lesen des obigen Blogs, dass bei „Allem“,was die GeNo und ihre Probleme betrifft, der „kaufmännisch logische Verstand“ ausgeblendet wird.
Entscheidungen sind „nur“ noch politisch motiviert.
Patienten und Mitarbeiter gehen den Politikern längst am „verlängerten Rücken“ vorbei!
Es wird schlechtem Management gutes Geld hinterher geworfen.
Und dann diese Summen.
293 Mio. sind für das notorisch klamme Bremen kein Pappenstiel.
Dazu kommt dann die ständige Schuldzuweisung in Richtung Bund und Beitragsstabilisierungsgesetz.
Wann fängt die Bremer Politik in Sachen GeNo endlich an, wirtschaftlich, kaufmännisch logisch und rational zu denken und nicht nur ihre eigene Versorgungsstruktur im Kopf zu haben?
Ich kann nur hoffen, dass die Rückzahlung nicht erst in 2032 beginnt.
Politiker können übrigens irgendwann mal auch zu Patienten werden.
Dafür bleibt dann ja das KBO…..
Lieber Axel Schuller, danke für die wieder einmal sehr detaillierten Information. Bin gespannt, was ich davon in den anderen Bremer Medien erfahre.
Zur Sache: Es ist müßig, hier einzelne Verantwortliche zu benennen. Dieses gilt für die GENO wie den Airport. Ich spreche es einmal ganz direkt aus: Die „Klungelei“ zwischen Senat und Behörden auf der einen Seite und den (extrem parteinahen) Personalräten ist das Grundproblem. Hier können noch so angesehene „Sanierungsexperten“ zu weiteren horrenden Honoraren tätig werden. Es wird sich nichts ändern. Alle oben genannten Beteiligten werden sich einer dringend notwendigen Sanierung entgegenstellen. Und können das aufgrund hiesiger Gesetzgebung auch noch ausleben. Das ist das bremische System- / Versagen.
Beide o. g. Institutionen sind mit Sicherheit nicht die letzten, die davon betroffen sind. Die Koalition aus SPD / Grünen / Linken hat sich in allen verantortlichen Bereichen längst fest etabliert. Kritiker haben keine Chance, in dieses System einzudringen. Auch die Oppositionsparteien nicht.
Für geradlinige Menschen in Bremen bleibt nur zu hoffen, dass sich andere Bundesländer über den Bundesfinanzausgleich zu Gesetzesänderungen entschließen. Vielleicht lernt dann auch ein Bremer Senat einmal, keine Gelder zu verschwenden, die er gar nicht hat.
Ich bedauere diese Entwicklung in Bremen sehr. Sie wirft uns Bürger in sehr vielen Bereichen massiv zurück (Justiz, Polizei, Bildungswesen, zwingend notwendige „Bürger“-Behörden etc.).
Unabhängig davon ist zum Thema weiterer Betriebsmittelkredit für die GENO juristisch sicher noch nicht das letzte Urteil gefallen.
Ich bin schockiert! Wenn keiner das Sanierungskonzept kennt, wie können die 293 Millionen Euro tatsächlich zum Überleben der Klinik beitragen? Vielmehr scheint es tatsächlich die anstehende Bürgerschaftswahl zu sein, die mit dieser Finanzspritze positiv beeinflusst werden soll. Ich hoffe, dass sich weder die Klinikangehörigen noch potentielle Wähler von dieser fragwürdigen Vorgehensweise beeindrucken lassen. Langfristig wurde gar nichts gelöst und mittelfristig müssen die Millionen wieder zurück gezahlt werden. Wie? Das weiß nur die Gesundheitssenatorin. Mein Opa hat immer gesagt, ein Stein, den man nicht heben kann, lässt man liegen. Bremen ist pleite. Dennoch werden hier ohne Einbeziehung der Betroffenen Geldgeschenke gemacht, die niemanden – außer der Linken – langfristig helfen soll: Nicht dem Klinikpersonal und nicht dem Patienten. Ich finde, es ist an der Zeit, dass in Bremen jeder Senator einen Experten an die Seite gestellt bekommt, dessen Aufgabe darin bestehen sollte, die Gewährung weiterer finanziellen Hilfen ohne entsprechende Handlungskonzepte zu verhindern.
Dieser Senat „rettet“ sich bis zur Bürgerschaftswahl, und das um jeden Preis. Schick ist, dafür eine/n zusätzlich GeschäftsführerIn einzustellen, wie am Flughafen so auch in der GeNO. Wo da die erforderliche Einsparung liegt, erschliesst sich niemanden.
Dazu passt, dass der Finanzsenator es „bedauert“, im kommenden Jahr ca. 43 Millionen weniger „Steuereinnahmen“ zu haben. ‚Die Sanierung geht voran und darum bekommen wir weniger aus den Bundesfinanzhaushalt.‘ Da stimmen weder die Begriffe noch die Haltung!
Das Geno-System muss scheitern, wenn gewählte Geschichts- und Politikwissenschaftler – also anerkannte Nichtfachleute im Krankenhausmanagement – im Aufsichtsrat sitzen und Verwaltungsbeamte über Wohl und Wehe eines Klinikverbunds entscheiden. Wo bleibt die Verantwortung echter Branchenprofis?
All das wäre schon schlimm genug, wenn dabei nicht auch noch Steuergeld in dreistelliger Millionenhöhe versenkt würde – Geld, das an anderer Stelle zur Erfüllung hoheitlicher Aufgaben fehlt.
Kommt denn niemand auf die Idee, den ganzen Laden endlich an echte Profis abzugeben? Ja, abzugeben! Bis vor vier Jahren hätte ich noch von „verkaufen“ gesprochen. Inzwischen steckt die Karre so tief im Moor, dass es vor allem darum gehen muss, das Steuersäckel vor weiteren unkalkulierbaren Belastungen zu schützen.
Wie viel Steuergeld muss noch verbrannt werden, bis endlich jemand die Reißleine zieht?
Frau Dr. Dorothea Dreizehnter ist von der Gesundheitssenatorin Bernhard zum 01.09.2020 als Geschäftsführerin eingestellt worden, um die GeNo wirtschaftlich zu sanieren. Dies ist bislang nicht gelungen. Die GeNo ist nach wie vor ein Fass ohne Boden. Erstaunlich ist, dass der Aufsichtsrat der GeNo nicht viel früher reagiert hat oder er wurde durch die Geschäftsführung nicht oder unzureichend informiert oder es wurden falsche Zahlen vorgelegt. Dass die Aufsichtsratsvorsitzende gleichzeitig Gesundheitssenatorin ist, lässt Raum für reichliche Spekulationen!
Fakt ist; die GeNo hat m. E. in dieser Form keine Zukunft, Die Somatische Versorgung muss am KBO verbleiben. Die Infrastruktur am Krankenhaus Mitte ist jetzt schon katastrophal.
Für ein geplantes Parkhaus ist noch nicht einmal der erste Spatenstich erfolgt…
Gesundheit Nord: Ein Betriebsmittelkredit ist noch keine Sanierung
Der Betriebsmittelkredit für die Gesundheit Nord schafft zunächst einmal eine gewisse Stabilität. Das ist wichtig für die Beschäftigten und für die medizinische Versorgung der Menschen in Bremen. Aber er birgt auch eine erhebliche Gefahr: dass sich die politisch Verantwortlichen Bovenschulte und Bernhard damit erst einmal wieder über die nächsten Wahlen retten, ohne die eigentlichen strukturellen Probleme anzugehen.
Denn eines muss doch mittlerweile jedem klar sein: Wir können nicht immer wieder neues Steuergeld in ein Unternehmen geben, ohne endlich zu klären, wo die massiven wirtschaftlichen Probleme tatsächlich liegen. Die GeNo darf kein finanzielles schwarzes Loch bleiben, in dem immer neue Millionen verschwinden, ohne dass eine nachhaltige Verbesserung erkennbar wird.
Besonders interessiert mich dabei die Holding. Nach den vorliegenden Kennzahlen sind dort 1.106 Vollkräfte beschäftigt, immerhin 18,5 Prozent des gesamten Personalbestands. Was machen diese Menschen eigentlich konkret? Wie viele davon arbeiten in notwendigen Dienstleistungen, wie viele in der Verwaltung und wie viele in Führungs- und Managementstrukturen? Wie sieht das im Vergleich mit anderen Krankenhausverbünden aus?
Diese Fragen müssen endlich beantwortet werden. Denn bevor wir darüber diskutieren, Pflegekräfte und Ärzte abzubauen oder medizinische Angebote einzuschränken, müssen wir wissen, ob wir uns einen überdimensionierten Verwaltungsapparat leisten, der möglicherweise längst zu einem kostspieligen Wasserkopf geworden ist.
Dabei geht es ausdrücklich nicht darum, die Beschäftigten in der Verwaltung pauschal infrage zu stellen. Es geht um die Strukturen, um Doppelzuständigkeiten, um Managementebenen und um die Frage, ob dieser Konzern überhaupt wirtschaftlich vernünftig organisiert ist.
Wenn wir jetzt zum Jahresende wieder erhebliche finanzielle Mittel in unveränderte Strukturen geben, ohne diese Fragen zu beantworten, werden wir womöglich im Sommer nächsten Jahres über eine Milliarde Euro an öffentlichen Zuschüssen und Finanzhilfen diskutieren, ohne einen wirklichen Sanierungserfolg vorweisen zu können. Das ist ein politisches und wirtschaftliches Armutszeugnis.
Wir müssen deshalb endlich weg von einer Krankenhauspolitik, bei der politische und ideologische Vorstellungen wichtiger erscheinen als medizinische und wirtschaftliche Vernunft. Krankenhäuser sind keine politischen Experimentierfelder. Sie müssen professionell geführt werden, medizinisch leistungsfähig und wirtschaftlich tragfähig sein.
Und dazu gehört auch, die Zusammenarbeit mit anderen Krankenhausträgern, neue Organisationsformen und eine grundlegende Veränderung der bisherigen Konzernstruktur ernsthaft zu prüfen.
Nicht die Pflegekräfte und Ärzte dürfen am Ende die Rechnung für jahrelange strukturelle Fehlentscheidungen bezahlen.
Der Maßstab muss eine fachlich vernünftige, ideologiefreie Krankenhauspolitik sein – im Interesse der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, vor allem aber im Interesse der Patientinnen und Patienten in Bremen und Bremerhaven.
Denn am Ende geht es nicht darum, eine Holding oder eine politische Konstruktion zu retten. Es geht darum, die Gesundheitsversorgung der Menschen dauerhaft zu sichern.
Halten wir mal fest: Unter den Bedingungen des Beitragsstabilisierungsgesetzes fehlen der GENO 40 Mio. im Jahr. Mir ist nicht zu Ohren gekommen, dass der Senat gegen dieses Gesetz vor dem Bundesverfassungsgericht klagen wird.
Eigentlich muss der Senat nur 40 Mio. mehr an Krediten aufnehmen und der GENO das Geld geben. Dann ist das Problem gelöst. Die BSAG bekommt auch 100 Mio. im Jahr, das interessiert auch niemanden. Vielleicht liegt das daran, dass die Bertelsmann Stiftung kein Interesse an einem privaten ÖPNV hat und dem rot-grün-roten Senat Volksgesundheit nicht mal die Hälfte des ÖPNV wert ist. Wahrscheinlich ist es gut für das Klima, wenn Bürger nicht so alt werden, denken die sich wahrscheinlich.
In unserem FIAT-Geldsystem ist es ohnehin unerlässlich, dass sich der Staat ständig höher verschuldet. Sobald die Politiker damit aufhören, z. B. wegen einer ausgedachten Schuldenbremse oder weil die Zinsen nicht mehr bezahlt werden können, bricht der Wirtschaftskreislauf zusammen. Denn ohne neues Geld also neue Schulden fehlt das Geld für die Zinsen des alten Geldes. Das Ganze ist ein Spiel auf Zeit und endet so oder so in einer Währungsreform, bei der man dann alle Schulden streicht und von vorne anfängt.
Ich weiß, das ist extrem ketzerisch, aber Wirklichkeitsverweigerung ist eben tödlich.
Wer sich für wirtschaftliche Zusammenhänge interessiert, dem empfehle ich meinen YouTube-Kanal.
https://www.youtube.com/shorts/-1v_Gijl-9g
Wer sich (ganz laienhaft) von der Intellektuellen Leistungsfähigkeit unserer Verantwortlichen in Sachen GENO überzeugen will, dem empfehle ich einen Blick auf die Parkplätze von KBO und LdW.
Wenn man alleine den Aspekt der verkehrlichen Erreichbarkeit zugrunde legt, wird man unweigerlich zu dem Ergebnis kommen, dass es unter verkehrlichen Gesichtspunkten schlau gewesen wäre, eher die peripheren Kapazitäten auszubauen als die zentralen. Über welche Zufahrtswege die bei KBO und LdW geparkten Autos ins KBM kommen und wo sie dort parken sollen, bleibt mir von der reinen Anschauung her ein Rätsel. Es braucht kein Studium der Städteplanung, um zu sehen, dass weder ein Parkhaus noch reihenweise genehmigtes Parken auf Gehwegen in den umliegenden Straßen Abhilfe schaffen werden bzw. würden (Die Neustadt und Findorff lassen grüßen)..
Und nun mein Induktionsschluss: Wer schon an dieser Stelle sein völliges planerisches Unvermögen unter Beweis gestellt hat, wie sollte der befähigt sein, deutlich komplexere Fragen des KH-Management zu bewältigen? Von der Führung einer ganzen Stadt ganz zu schweigen.
Der Hinweis auf das unveröffentlichte Gutachten trifft den Kern. Der Vergleich mit den 60 Millionen führt allerdings in die Irre: Nach Bovenschulte sind 209 der 293 Millionen für die Ausfälle durch das Beitragsstabilisierungsgesetz bis 2031 vorgesehen, rund 40 Millionen im Jahr. Ein Jungbrunnen ist das nicht, eher ein Tropf, der fünf Jahre läuft und ab 2032 zurückgezahlt werden muss.
Bemerkenswert ist außerdem, dass der Senat die Verlagerung des LdW ausdrücklich zu den Bausteinen der Sanierung zählt, während der Staatsgerichtshof über das Volksbegehren zum Erhalt des Klinikums entscheidet. Vertreten wird dieser Kurs von einer Senatorin der Linkspartei, deren Partei im Bund gegen das Spargesetz gekämpft hat. Dazu mehr hier: https://manfredsteglich.substack.com/p/im-bund-dagegen-in-bremen-dabei
Wofür gibt es einen Bonus wenn die Kennzahlen immer negativer werden?
Leider ist der Senatsbeschluss noch nicht ins Netz gestellt, so dass sich noch nicht klären lässt, ob die fast 300 Mio. Euro für die Geno ein Kredit der Stadt Bremen oder des Landes Bremen sein soll. Wenn es ein Kredit der Stadt Bremen wäre, was sachlich richtig wäre, weil die Geno eine Gesellschaft der Stadt Bremen und nicht des Landes ist, müsste der Finanzsenator als Landesminister nach dem Finanzaufsichtsgesetz prüfen, ob hier nicht eine Überschuldung der Stadt erfolgt, so dass er sich als Kämmerer zur Ordnung rufen und die Genehmigung dafür versagen müsste. Würde der Kredit auf Landeskosten vergeben, könnten morgen alle anderen Kliniken im Land Freie Hansestadt Bremen kommen und Gleiches fordern. Es wird nun darauf ankommen, dass die Gremien, die diesem Vorhaben zustimmen müssen, hier genau hinschauen.
Zum Glück habe ich die Kliniken in Bremen (sowie Delmenhorst und Oldenburg) in meinem inzwischen 8 Jahren im „Norden“ nur als Besucher (wegen meiner Ex-Partnerin) kennen gelernt.
Allerdings als Ingenieur fällt mir aber an der GeNo und diesen Plänen doch so einiges auf:
a) für die „Grundversorgung“, also Notfall-Ambulanz, die üblichen OPs wie Blindarm usw. ist doch anders als jetzt geplant, eine dezentrale Struktur sinnvoll
b) Spezielle Behandlungen/OPs, z.B: schwere Brandverletzungen u.ä. konzentriert man sinnvollerweise auf einzelne Standorte
c) das LdW zu schliessen ist IMHO völliger Unsinn: nach den Berichten wäre es relativ kostengünstig auf einen aktuellen Stand zu bringen UND (siehe Hartmut Pauls Kommentar): anders als das KBM ist es am Rand der Innenstadt, ABER trotzdem sehr gut sowohl mit Tram als auch Bus zu erreichen
d) die Personalkürzungen sollen wohl ausschl. im „produktiven Bereich“ (also dem medizinischen Personal!) stattfinden, über die Verwaltung wird nicht gesprochen (Vermutung: da wurden etliche Parteifreunde „geparkt“)
e) der Kredit wird in Tranchen bis 2031 ausgezahlt, soll aber ab 2032 zurückgezahlt werden. Man geht also davon aus, das 2031 immer noch Unterstützung in beträchtlicher Höhe benötigt wird, aber schon im Jahr darauf soll die GeNo nicht nur ohne diese „Spritze“ auskommen, sondern auch noch anfangen mit der Rückzahlung – dass dies Illusion ist, ist doch klar…
f) auch taucht nirgends eine Info auf, ob Frau Dreizehnter weiter Boni gezahlt werden über ihr „Grundgehalt“ hinaus – ein Bonus sollte ja Belohnung für Mehrleistung sein und hier ist ja eindeutig Minderleistung vorhanden…
Die Zukunft der Gesundheitsversorgung in Bremen und dem Umland ist von zu großer gesellschaftlicher Bedeutung, als dass man die maßgeblichen Entscheidungen darüber einer privaten Unternehmensberatung überlassen dürfte – ohne transparente Rechenschaft.
Es sollte alles darangesetzt werden, den Druck für mehr Transparenz zu erhöhen und die Entscheidungsträger zu einer sachlichen, fachlich fundierten Auseinandersetzung zu verpflichten, anstatt tiefgreifende Umstrukturierungen nach Art einer „Schocktherapie“ als alternativlos darzustellen, ohne deren medizinische, organisatorische und wirtschaftliche Konsequenzen nachvollziehbar offenzulegen.