Gastkommentar: Wohn-Nebenkosten explodieren – aber Bremen schafft die nächste Kostenstelle
Heute eine Premiere. Ingmar Vergau (Foto), Geschäftsführer des Eigentümerverbandes Haus+Grund schreibt bei bremensogesehen den ersten Gastkommentar. Sein Thema birgt Sprengstoff: Die Wohn-Nebenkosten steigen unaufhörlich. Und jetzt will Bremen zusätzlich eine Niederschlags-Wassergebühr einführen. Außerdem hat die Koalition von SPD, Grünen und Linken gerade die Einrichtung einer „Mietwucherstelle“ beschlossen. Mehr statt weniger Bürokratie. Vergau (57) ist Geschäftsführer von H&G – und blickt natürlich durch die Eigentümer- und Vermieterbrille. Allerdings: Alle Mieter sind – via Hauskosten-Umlage – ebenfalls betroffen.

Ingmar Vergau:
„Wer in Bremen über „bezahlbares Wohnen“ spricht, meint meist die Nettokaltmiete. Doch für viele Eigentümer und Mieter liegt das eigentliche Problem längst woanders: bei den Wohn-Nebenkosten! Abwasser, Müll, Grundsteuer – die staatlich und kommunal verursachten Kosten steigen seit Jahren kontinuierlich. Nun kommt mit der getrennten Niederschlagswassergebühr die nächste Belastung hinzu.
Hansewasser verschickt derzeit Erhebungsbögen an mehr als 100.000 Grundstückseigentümer. Dachflächen, Zufahrten, Terrassen, Stellplätze – alles soll erfasst, bestätigt oder korrigiert werden. Die getrennte Erhebung von Schmutz- und Niederschlagswassergebühren ist rechtlich zulässig. Entscheidend ist jedoch, wie sie umgesetzt wird. Und genau hier beginnt das Problem!
In zahlreichen Fällen beruhen die angesetzten Flächen nicht ausschließlich auf konkreten Vermessungen, sondern teilweise auf statistischen Durchschnittswerten. Doch Grundstücke sind keine Durchschnittswerte. Sie sind individuell zugeschnitten, unterschiedlich befestigt und entwässerungstechnisch keineswegs vergleichbar.
Gebührenpflichtig sind nur solche Flächen, von denen Niederschlagswasser tatsächlich in die öffentliche Kanalisation eingeleitet wird. Eine Terrasse, von der das Wasser in den Garten versickert, ist regelmäßig nicht gebührenpflichtig. Bei Zufahrten oder Stellplätzen können Mischsituationen vorliegen. Diese Differenzierung ist technisch anspruchsvoll – und wird nun faktisch auf die Eigentümer verlagert.
Bei Haus & Grund Bremen ist die Zahl der Beratungsanfragen seit Versand der Bögen deutlich gestiegen. Viele Eigentümer fragen sich: Was genau ist gebührenpflichtig? Muss ich selbst vermessen? Was passiert, wenn ich eine statistische Annahme bestätige, die sich später als falsch herausstellt?
Hier entsteht ein grundlegendes Gerechtigkeitsproblem. Eine Gebührenbemessung darf nicht davon abhängen, ob Bürger über die fachlichen Kenntnisse verfügen, entwässerungstechnische Detailfragen zu beurteilen. Wer aus Unsicherheit schlicht unterschreibt, riskiert eine dauerhaft überhöhte Belastung.
Und das alles in einer Stadt, die bei Abwassergebühren, Grundsteuer und Müllgebühren ohnehin im oberen Bereich der 100 größten Städte rangiert.
Statt hier spürbar zu entlasten, hat die Regierungskoalition jüngst auch noch die Einrichtung einer sogenannten Mietwucherstelle beschlossen – angeregt von den Linken. Auch hier lohnt sich ein nüchterner Blick auf die Zahlen.
Frankfurt am Main gilt als eine der aktivsten Kommunen bei der Verfolgung von Mietpreisüberhöhungen. Laut Magistratsbericht vom 16.12.2024 gingen dort in den Jahren 2020 bis 2024 jährlich rund 200 Hinweise ein. Doch die Zahl der tatsächlich verhängten Bußgelder ist auffallend gering: 2020 waren es drei, 2021 dreizehn, 2023 nur fünf. Die große Mehrheit der Verfahren wurde mangels Tatverdacht eingestellt. Gleichzeitig verfügt die zuständige Abteilung über 22 Vollzeitstellen, davon 13 im operativen Bereich. Der personelle Aufwand ist erheblich – das finanzielle Ergebnis dagegen überschaubar. In einem dokumentierten Fall summierten sich Bußgelder und Rückerstattungen auf rund 20.000 Euro.
Das wirft die Frage nach der Verhältnismäßigkeit auf. Auch der viel diskutierte „Mietenmonitor“ zeigt strukturelle Grenzen. Zwar wurden 2.679 Inserate in Frankfurt als auffällig identifiziert. Doch der Magistrat stellt selbst klar: „Der Mietenmonitor ist kein geeignetes Instrument, um rechtsichere Aussagen darüber zu treffen, ob eine tatsächlich vereinbarte Miete überhöht ist“. Angebotsmieten sind eben nicht gleich Vertragsmieten. Verdacht ist nicht Verstoß!
Das alles bedeutet nicht, dass es keine schwarzen Schafe gibt. Natürlich gibt es einzelne Fälle unzulässiger Überhöhungen. Aber die Daten zeigen ebenso deutlich: Es handelt sich um Einzelfälle – nicht um ein strukturelles Massenphänomen. Die überwältigende Mehrheit der Vermieter hält sich an Recht und Gesetz.
Wenn Bremen nun zusätzlich zur steigenden Gebührenbelastungsflut neue Kontrollstellen schafft, entsteht ein fatales Signal: Privates Eigentum wird zunehmend als Problem behandelt – nicht als Teil der Lösung.
Dabei liegt die eigentliche Herausforderung woanders. Die Wohn-Nebenkosten steigen vor allem durch staatliche und kommunale Abgaben. Die Modernisierungsanforderungen im Gebäudebestand nehmen zu. Bau- und Handwerkerpreise sind hoch. Investitionen werden riskanter. Wer hier immer neue Belastungen und Kontrollmechanismen aufbaut, schwächt die Investitionsbereitschaft weiter.
Bezahlbares Wohnen entsteht nicht durch statistische Flächenannahmen und zusätzliche Verwaltungsapparate. Es entsteht durch Kostendisziplin bei kommunalen Gebühren, durch Planungssicherheit und durch ein politisches Klima, das private Investitionen nicht unter Generalverdacht stellt.
Die Einführung der Niederschlagswassergebühr und der Beschluss, eine Mietwucherstelle einzurichten, zeigen ein Grundproblem: Statt die staatlich verursachten Kosten zu begrenzen, wird reguliert und kontrolliert. Statt zu entlasten, wird differenziert, überprüft und nachjustiert.
Wer es ernst meint mit bezahlbarem Wohnen in Bremen, muss die Wohn-Nebenkosten in den Mittelpunkt stellen – und nicht immer neue bürokratische Instrumente schaffen, deren Aufwand am Ende größer ist als ihr Nutzen.
————————————————————————–
Liebe Leserschaft, soweit H&G-Geschäftsführer Ingmar Vergau. Nun sind Sie dran. Wie beurteilen Sie die Wohn-Nebenkosten, Mietwucherstelle etc.? Dafür gibt’s – wie sonst auch – Ihre Kommentar-Rubrik.
Munter bleiben!
Herzlichst
Ihr Axel Schuller
P.S.: Dank und Anerkennung gehen an die Adresse von Radio Bremen und Weser-Kurier. Sie haben das vorige bremensogesehen (bsg) Thema „Probleme mit den neuen Straßenbahnen“ nicht nur aufgegriffen, sondern bsg auch als Quelle genannt. Danke für den journalistisch fairen Umgang!
Auch ich habe einen Erhebungsbogen bekommen. Es wird ein Auszug aus einer Karte mitgeschickt, aus der man rein gar nichts erkennen kann. Sollte es sich hier um eine Gemeinschaftsfläche handeln, z. B. einen Garagenhof, ist nicht sichtbar, ob nur ein Anteil des jeweiligen Miteigentümers berechnet werden soll. Was ist mit den Randflächen, die z. B. von Miteigentümern in Pflege genommen wurden? Möchte man auf der Seite angeben, dass die Erhebung falsch ist, besteht die Möglichkeit nicht, man kann nur zustimmen.
Wie soll ich jetzt beweisen, dass die vorermittelte Fläche m. E. falsch ist?
Wer glaubt, dass es Frau Leonidaki ernsthaft um den Kampf gegen Mietwucher geht, der glaubt auch an den Weihnachtsmann. Natürlich gibt es Fälle von Mietwucher und selbstverständlich müssen diese konsequent verfolgt werden. Aber dafür fehlen uns keine Instrumente. Das Mietrecht bietet bereits heute Möglichkeiten, gegen überhöhte Mieten und gegen das Ausnutzen von Menschen in Schrottimmobilien vorzugehen. Dass man diese auch anwenden kann, zeigt beispielsweise Bremerhaven, wo der zuständige Baustadtrat genau das tut.
Frau Leonidaki und der Linken geht es jedoch offenkundig um etwas anderes. Sie inszenieren ständig neue Problemlagen – Mietwucher, soziale Ungerechtigkeit, Arbeitskämpfe – und nutzen diese, um ihre eigenen Netzwerke auszubauen. Dahinter steht ein wachsender Komplex aus Initiativen, NGOs und politischen Vorfeldorganisationen, der immer stärker aus öffentlichen Mitteln finanziert wird.
Dabei liegt eine der wirksamsten Antworten auf steigende Mieten auf der Hand: bauen. Mehr Wohnraum bedeutet Entlastung auf dem Markt. Wer wirklich etwas gegen überhöhte Mieten tun will, muss dafür sorgen, dass mehr Wohnungen entstehen. Doch genau hier hat der Senat in Bremen in den vergangenen Jahren auf ganzer Linie versagt.
Statt entschlossen für mehr Wohnungsbau zu sorgen, wurden teure und ineffiziente Strukturen aufgebaut. Der millionenschwere Rückkauf der Brebau wird bis heute als wohnungspolitischer Erfolg verkauft, tatsächlich zeigt sich jedoch, dass damit der dringend benötigte Bau von Sozialwohnungen keineswegs in dem Maß vorangebracht wurde, wie es notwendig wäre. Am Ende wurde viel Geld bewegt, ohne dass ausreichend neuer Wohnraum entstanden ist.
Das eigentliche Problem unserer Stadt ist daher nicht ein angeblicher Mangel an Instrumenten gegen Mietwucher. Das Problem ist, dass der Senat es seit Jahren nicht schafft, ausreichend Wohnraum zu schaffen, insbesondere bezahlbaren Wohnraum für Menschen, die jeden Morgen zur Arbeit gehen und mit ihrer Leistung unsere Stadt am Laufen halten.
Gleichzeitig fehlt es an einer klaren wirtschaftspolitischen Perspektive. Statt die Voraussetzungen für neue Arbeitsplätze zu schaffen, Industriearbeitsplätze zu sichern und auszubauen und damit die wirtschaftliche Basis der Stadt zu stärken, konzentriert sich die Politik zu häufig auf Umverteilung und Konsum staatlicher Mittel. Geld wird verteilt, statt die Bedingungen zu verbessern, unter denen es überhaupt erst erwirtschaftet werden kann.
Eine verantwortungsvolle Politik würde anders aussehen: mehr bauen, Genehmigungsverfahren beschleunigen, Investitionen ermöglichen, wirtschaftliche Entwicklung stärken und damit die Grundlage für Wohlstand und sozialen Ausgleich schaffen. Bremen braucht weniger Symbolpolitik und mehr konkrete Ergebnisse.
P.S. Herzlichen Glückwunsch zur Quellenerwähnung im WK und BuBi
Die SPD Bremen reagiert auf gestiegene Mieten (Q1 2026: Ø 9,98 €/m²) mit einer Verschärfung des Mietrechts. Sie drängt auf eine Miet-Meldestelle, strengere Regeln für Möblierungszuschläge, die Verlängerung der Mietpreisbremse bis 2029 und den Ausbau des sozialen Wohnungsbaus, um Mieter vor Verdrängung zu schützen. Letzteres übrigens nahezu erfolglos: Der Geldtopf für die wenigen Sozialwohnungen, die entstehen sollten, ist bereits leer. https://www.findorff-gleich-nebenan.de/der-stadist/folge-8-ich-sehe-nichts-was-du-nicht-siehst/ und https://www.weser-kurier.de/bremen/bremen-foerdertopf-fuer-sozialwohnungen-ist-leer-doc84tv8eefja91arb03191 Danke für diese Gastkommentar, der zeigt, was in Bremen Wohnen wirklich teuer macht und wie man bürokratisch, aber erfolglos in dieser Stadt darauf reagiert. Gern von FINDORFF GLEICH NEBENAN über facebook geteilt.
Was Wohnen zur Miete in Bremen wirklich teuer macht. Lesenswert: https://bremensogesehen.com/20260308-gastkommentar-vergau-mietnebenkosten
Bürokratie frisst sich wie ein Krebs mit ihren Metastasen durch die Effizienz des Marktes und endet in der zum Misserfolg verdammten Planwirtschaft. Aber sie schafft krisensichere Arbeitsplätze für politische Mitläufer.
Es handelt sich doch nicht um Profitgier, wenn eine Wohnung kreditfinanziert erworben und dann vermietet wird, damit Mieter die Gelegenheit bekommen den Kredit samt Zinsen und Mietnebenkosten indirekt abzahlen zu können. Sofern das nicht komplett funktioniert, wenn nicht alle Kosten durch die Mieteinnahmen gedeckt werden, darf der Eigentümer zeitweise einen kleinen Eigenbeitrag leisten, denn am Ende besitzt der Eigentümer eine weitgehend von Mietern entschuldete Wohnung – die Mieter besitzen am Ende nichts, durften jedoch zum Vermögensaufbau des Wohnungseigentümers entweder komplett oder überwiegend beitragen. Das sind die nicht mitgeteilten Fakten jenseits des Vermieter-Jammertals. Es gilt stets die Rendite nicht nur monatlich oder jährlich zu betrachten, sondern ehrlicherweise auch das Endergebnis beim späteren Verkauf der Wohnung zu bewerten! Alles andere dient der interessengeleiteten Ablenkung vom Gesamtbild.
„Bezahlbares Wohnen entsteht …“ – Da musste ich doch ein wenig schmunzeln. Dass ein Lobbyist nicht umhinkommt, seine Kritik am Krebsgeschwür Verwaltung mit abenteuerlichen gedanklichen Konstruktionen auszuschmücken, ist schon fast lustig. Wenn man sich nicht an den Kopf fassen müsste. Natürlich im Interesse seiner Kunden, die ja die überhöhten Kaufpreise durch hohe Mieten und wenig Investition wieder reinholen müssen.
„Bezahlbares Wohnen entsteht …“, wenn ein Überangebot geschaffen wird – sonst hilft nichts. Das liegt natürlich nicht im Interesse der Vermieter, also verleugnen sie diese simple Marktlogik und schieben das Problem auf einen Nebenkriegsschauplatz. Darum scheitert unsere Gesellschaft gerade in unserer Lebensspanne. Die lokale Optimierung ist König, und niemand setzt dem einen Riegel vor, um das Große und Ganze zu schützen.
„Bezahlbares Wohnen entsteht …“, wenn es ein staatliches Wohnungsbauprogramm geben würde. Denn es werden Wohnungen für Singles mit schlechtem Einkommen gebraucht, mit einer Zielkaltmiete von monatlich 7, vielleicht 8 Euro pro Quadratmeter. Das ist unter „marktwirtschaftlichen“ Bedingungen aus vielerlei Gründen nicht machbar. Außerdem sind das häufig an sich unattraktive Mieter: häufige Wohnungswechsel, Mietausfälle und Geschiss wegen eines repressiven Sozialhilferegimes.
Und die Aktivisten in den sogenannten „linken“ Parteien sind eine besondere Enttäuschung. Denn man sollte ja meinen, dass sie auf diese Einsichten durch einen schlichten Blick in ihren gedanklichen Werkzeugkasten zurückgreifen könnten. Aber sie tun es nicht – vielleicht wissen sie nichts mit diesem Werkzeugkasten anzufangen oder kennen den gar nicht. Stattdessen stellen sie sich mit Ukulele vor einen AfD-Stand und singen infantile Lieder, und am nächsten Tag schicken sie den Mietern ihrer drei Eigentumswohnungen eine Mieterhöhung.
Lieber Klaus Kellner,
wenn es doch so einfach wäre mit dem Reichwerden durch Mietwohnungen, wäre es schön und die Leute würden sich um Kauf oder Bau von Mietwohungen reißen.
Ist leider eine Milchmädchenrechnung, die Sie da anstellen. Es geht schon damit los, dass die Bank immer 20-30% Eigenkapital verlangt bevor sie überhaupt darüber nachdenkt, Ihnen was zu finanzieren. Den Aufwand können Sie bei allen Verrenkungen nicht auf die geehrte Mieterschaft umlegen. Die sind schon mal weg. Den Kredit gibt es z.Zt. mit rund 4 % Zinsen und dann noch mal Tilgung von rund 2 %. Wenn Sie jetzt z.B. eine 3-Zimmerwohnung in halbwegs guter Lage kaufen, kostet die rund 350.000 Euro. Mit Makler, Notar, Grundsteuer, Gerichtsgebühren und übliche erste kleine Veränderungs/Verschönerungsarbeiten sind Sie dann bei rund 400.000 Euro Aufwand. Verzinst mit 4 % für die Bank und ihr Eigenkapital macht das allein 16.000,- im Jahr aus oder 1.333,-Euro monatlich. Wenn Sie dann auf den Mietspiegel schauen, werden Sie sehen, dss Sie das nicht an Miete bekommen ohne bei einer der „Meldestellen“ aufzuschlagen. Die 2% Tilgung haben Sie zusätzlich jeden Monat am Bein plus Verwalterkosten, Instandhaltungsrücklage, Grundsteuer und Versicherungen. Dazu freut sich das Finanzamt über Ihre Mieteinkünfte . Bis Ihr Kredit abbezahlt ist, dauert es Jahrzehnte, falls Sie die Laufzeit überleben. Ansonsten hinterlassen Sie Ihren Erben Mieterstress und Schulden. Und wenn die SPD sich in zukünftiger Rot-Grün-Roter Berliner Regierungskoalition durchsetzt, sollen Sie dann auch noch die Inflation versteuern für einen inflationsbedingten möglichen Wertzuwachs Ihrer Hütte, wenn Sie keine Lust mehr haben, den Hausmeister für Ihr Mietklientel zu spielen und Ihr Fehlinvestment entnervt verkaufen wollen.
Wegen dieser rosigen Perspektiven, wie sich Herr Kellner die Welt vorstellt, macht jeder halbwegs Vernunftbegabte einen riesigen Bogen um Mietwohnungen. Allenfalls für die eigene Nutzung kann man sich eine die Mobilität einschränkende Immobilie antun.
Wohnraum zu schaffen durch eine Privatperson zur Vermietung stellt eine echte finanzielle Herausforderung dar, da kann ich Herrn Koch nur Recht geben. Wenn politisch der private Vermieter immer mehr noch als böser Bube dargestellt wird, der per Definition schon nichts anderes im Sinn hat als seine Mieter bis zum äußersten auszubeuten, der braucht sich nicht darüber zu wundern, wenn dann die private Investitionstätigkeit im Wohnungsbau stark nachlassen wird. Für Bremen wäre das mehr als schade, denn wir brauchen dringend ein größeres Mietangebot. Es wäre aus meiner Sicht für alle relevanten Entscheidungsträger in Bremen dringend angeraten, auf Sachebene zu diskutieren und Lösungen zu finden, als einen Keil zwischen Vermieter und Mieter zu treiben. Steckt die Gelder für eine überflüssige kommunale Mietwucherstelle besser in den Wohnungsbau oder unterstützt damit den Mieterverein, der auch aus Haus und Grund Sicht für einen fairen und wertschätzenden Ausgleich zwischen den Mietparteien in Bremen steht..Echte Mietwucherfälle können auch heute schon rechtlich sanktioniert werden, und das ist auch absolut richtig so!
Herrn Vergau ist für seinen interessanten, sachlichen und zutreffenden Gastkommentar ausdrücklich zu danken. Unser nimmersatter Staat ist leider erkennbar einer der Haupttreiber für ständig steigende Mietnebenkosten sowie bautechnische und ausufernde bürokratische Zusatzbelastungen. Diese in Summe sowie unsinnige Mietpreisbremsen werden keinen einzigen zusätzlichen Quadratmeter bezahlbaren Wohnraum schaffen! Man müsste als privater Anleger doch geradezu bekloppt sein, wenn man derzeit in neue Vermietobjekte investieren würde. Man würde sich doch erfahrungsgemäß nichts als echten Ärger und unverdiente Beschimpfungen einhandeln . . .
Wohneigentumsquoten in Europa: Rumänien 94%, Slowakei 93%, und so weiter……Minimum Deutschland 47%. Was hindert Mieter in. D. daran selbst zu bauen? Verteuerung durch Bürokratie!
@Karl Grabbe Bei den Wohneigentumsquoten in Osteuropa bringt uns das „Der Markt löst alles, der Michel ist nur zu blöd“-Glaubenssystem keinen Zentimeter näher an die Wahrheit. Mit dem Zusammenbruch der „stalinistischen“ Regime sind die Wohnungen einfach in das Eigentum der Bewohner übergegangen.
In Deutschland hat man es vorgezogen, das Volkseigentum der DDR-Bürger durch den neuen Staat zu annektieren und dann an befreundete private Spekulanten zu verscherbeln. Das waren CDU, SPD, Grüne und FDP – das sollte man nie vergessen.
Und in Westeuropa kann man sehen, dass Länder mit hoher Steuer- und Abgabenungerechtigkeit eine niedrige Eigentumsquote haben. Österreich, Deutschland und die Schweiz sind mit einigem Abstand die Schlusslichter. Das Netto-Median-Einkommen reicht leider nicht zur Eigentumsbildung.
@T.Büchse: Wohneigentum ohne ehemaligen Ostblock: Griechenland 75%, Belgien 70%, Holland 69%, Durchschnitt EU 69%. Rote Laterne: Deutschland 47%. Ist das Versagen des staatlich gelenkten „gemeinnützigen“ Wohnungsbaus schon vergessen? Bürokratische Hürden und Zeitverschwendung verteuern Wohnungsbau nachweisbar ca. 30%,. Markt ist nicht gerecht, aber effizient wenn er von der Last der wuchernden Bürokratur befreit wird. Vor 60 Jahren war ein Bauantrag ein paar Blatt Papier. Heute ein dickes Buch von dem sich immer mehr Bürokratie ernährt. Da muss Klassenkampf ansetzen!
Bremen verweigert sich ganz verhement günstigem Wohnen, insbesondere bei 1-Zimmer-Apartments. Darum soll auch das 8-geschossige Bettenhaus auf dem Gelände des Klinikum-Mitte vernichtet werden, und ein Parkhaus soll dort entstehen.
Mit diesem Bettenhaus könnten ohne große baulichen Probleme ein paar hundert kleine Apartments entstehen, die natürlich den Wucher-Mietspiegel deutlich senken würden. Darum wird der Senat alles tun, damit kein Wohnraum in diesem Ausmaß geschaffen werden kann.
@Karl Grabbe Gegen Bürokratie hilft wohl nur die Kettensäge und entschlossene Radikalität – mit all ihren schlimmen Nebenwirkungen.
Sie schreiben: „… Ist das Versagen des staatlich gelenkten‚ gemeinnützigen‘ Wohnungsbaus.“
Wie meinen Sie das – die geringe Eigentumsquote? Es würde mich ehrlich interessieren, wie Sie das herleiten.
Sie zielen da scheinbar nicht auf die Privatisierung der Sozialwohnungen ab, oder? Denn das war ja nie Eigentum der Bewohner.
Was hat man in Griechenland (75 %), Belgien (70 %) und Holland (69 %) anders (besser) gemacht? Sind das vielleicht Altbestände? In welchem Zeitraum ist dieses Eigentum entstanden? Musste zu der Zeit ein Handwerker ebenfalls 5–7 Stunden arbeiten, um sich eine seiner eigenen Arbeitsstunden kaufen zu können? Das kann man ja kaum der Bürokratie zuschreiben, sondern eher einer gezielte Ausbeutung durch die Staatsmacht zugunsten einer sehr kleinen Gruppe (gut 300 Familien) von überreichen Begünstigten.
Mir leuchtet das, was @Lutz Weiser sagt, deutlich mehr ein. Soweit ich mich richtig erinnere, wollte dort eine Bürgerinitiative eine Wohnungsbaugenossenschaft gründen. Das ist von pseudo-linken Technokraten sabotiert worden.
@T.Büchse: Haben Sie die Riesenpleite der Neuen Heimat vergessen? Und sonst: 300 Begünstigte essen auch nicht mehr als 1 Steak pro Tag. Der Rest der Liquidität fliesst wieder in die Wirtschaft und schafft Arbeitsplätze mit Einkommen und Anreize es selbst zu machen für Dritte. Leider auch für die wachsende Staatsmacht, die zwar ausgibt, aber sich nicht an Wirtschaftlichkeit orientiert, solange sich Steuern erhöhen lassen. Beispiele: HH-Elbphilharmonie 77 Mio. geplant, über 800 Mio. abgerechnet. Anbau Kanzleramt: 190 Mio. geplant, jetzt erwartet über 1 Md. = über 20.000€ je qm. Vergleich: privater Wohnungsbau ca. 2500€ je QM. Im Sozialismus gab es Shops für Begünstigte. Der Rest wartete über 20 Jahre auf seinen Kleinwagen. Das funktioniert also noch weniger. In Berlin werden 1200 Wohnungen trotz bestehendem Bebauungsplan nicht gebaut, weil jemand schützenswerte Kröten entdeckt hat. Die Wohnungssuchenden können sich ja nicht wehren. Neid ist kein vertretbarer Grund, gegen die Anpassungsprozesse des Marktes zu argumentieren. Krieg ist betriebswirtschaftlich eine sprungproportionale Veränderung. Wenn Politik und Bürokratie marktunabhängige Zwänge ideologisch gegen den Markt durchsetzen. Auch wenn es uns nicht gefällt, der Markt regelt die Erfüllung unserer Wünsche, ob Wohnungen oder Lebensmittel, besser als Politiker und Bürokraten ohne echte persönliche finanzielle Verantwortung. Googeln Sie mal „teurer als geplant“. Das wird auch Sie überzeugen.
@Karl Grabbe Ich gehe von folgenden ökonomischen Annahmen aus: Es gibt Einkommen aus produktivem Kapital und aus unproduktivem Kapital. Zu den unproduktiven zählen Zinsen, Mieten, Pachten, Rüstung und Spekulationsgewinne. Mit dieser Annahme haben uns die Ökonomen des 19. Jahrhunderts von den Theorien des Feudalismus befreit.
Die aktuell vorherrschenden Theorien führen uns jedoch dahin zurück, weil sie Einkommen aus unproduktivem Kapital gegenüber produktivem Kapital und Arbeit stark begünstigen. Die starken Unternehmensgewinne sind eben zum großen Teil nicht reinvestiert worden, sondern haben eine Sektorinflation (oder Blase) am Finanzmarkt, Immobilienmarkt und Luxusgütermarkt ausgelöst. Steigende Mieten sowie steigende Gesundheits- und Pflegekosten sind davon eine Folgeerscheinung.
Die Neue Heimat ist vor allem ein Beispiel für Mismanagement, Korruption und Vollversagen der Justiz. Gerade hier in Bremen gab es in den 70er- und 80er-Jahren offene Korruption in der Baubehörde. Wenn die Staatsmacht mit Kriminellen unter einer Decke steckt, ist guter Rat teuer. Vor allem, weil sehr viele Bürger, die für die Handlungen der Staatsmacht bürgen müssen, vergesslich, naiv, leichtgläubig und obrigkeitshörig sind. Das aktuelle Wahlergebnis von Grünen und CDU in Baden-Württemberger spricht für sich.
Zu „teurer als geplant“: Das ist leicht erklärbar. Es bewerben sich immer mehrere Projekte um dasselbe Geld. Wer am geschicktesten und dreistesten über die wahren Kosten lügt, bekommt den Zuschlag. Das ist in den Konzernen im Prinzip genauso – werfen Sie mal einen Blick auf die hunderten börsennotierten Unternehmen, die praktisch nur Wertvernichter sind. VW, Daimler etc.
Als Mieter könnte einem ja das Ansinnen der Linkspartei erst mal sympathisch sein, aber ich frage mich, wo das Personal für eine weitere Behörde herkommen soll ?
Schon jetzt sind die Behörden ja völlig unterbesetzt, eine Bekannte wartete 8 Monate auf die erste Wohngeldzahlung – zu wenig Personal. Auf meinen Erbschein habe ich 13 Monate gewartet, obwohl ich Alleinerbe war und ein völlig unkomplizierter Fall. Nach 12 Monaten musste ich rechtliche Schritte androhen, 1 Monat später war der dann auf einmal da. Jobcenter ist ein weiteres Kapitel, da werden Heizkostennachzahlungen erst nach Monaten gezahlt, wenn überhaupt. Mietzahlungen manchmal verspätet gezahlt oder gar nicht, bis der „Jobcenter Kunde“ sich juristisch wehrt. Alles auch auf Kosten der Vermieter, in dieser Richtung habe ich bisher erstaunlich wenig Kritik von „Haus + Grund“ vernommen.
(Kann aber auch nur die öffentlichen Medien verfolgen, die hauseigene Zeitschrift habe ich nicht)
Ich lese dann immer nur, die Kaltmieten in Bremen wären so niedrig, im Vergleich zu Frankfurt oder Stuttgart, nur hinkt ja dieser Vergleich, weil die Durchschnittseinkommen sehr viel niedriger sind, dazu eine rekordverdächtige Armutsquote ! Im Verhältnis zum geringen Einkommen sind die Mieten in Bremen seit 2010 sogar stärker gestiegen als in vielen anderen Städten, eben weil die Anzahl der Geringverdiener hier sehr hoch ist.
Wenn also in einer Stadt dermaßen viel nicht funktioniert, bzw. es extrem lange Wartezeiten gibt, die für alle Betroffenen fatale Folgen haben können, kann man doch nicht ernsthaft eine WEITERE Kosten- und Kontrollstelle schaffen, sondern sollte erst mal alle anderen Behörden auf „Vordermann“ bringen.
Dann würden sich auch viele Probleme lösen, bzw. nachhaltig verbessern, z.B. die deutschlandweit höchste Zahl von Zwangsräumungen.
Mich erinnert diese „Mietwucherüberwachungsstelle“ an die „Ausbildungsplatzabgabe“.
Gut gemeint, schlecht durchdacht, kontraproduktiv..
@Herr Büchse: Das einzige Kapital, mit dem wir geboren werden, ist unsere Lebenszeit. Die, gewichtet mit unserer Intelligenz, ergibt unseren möglichen Beitrag zum Markt. Lt. Murray/Hernstein ist Intelligenz in Form einer Glockenkurve normalverteilt, d. h. die Hälfte der Menschen liegt unter dem Durchschnitt, die andere Hälfte drüber. Das betrifft wahrscheinlich auch den Lebensertrag. Zinsen bemessen die Nutzung freien Kapitals um die entgangene Nutzung während begrenzter Lebenszeit zu kompensieren. Kredite schaffen im Markt die Möglichkeit, eigene Intelligenz einzusetzen um damit Erträge zu erwirtschaften. Akkumuliertes Kapital kann vererbt werden. Das ist eine auf Arbeit basierende Entscheidung über den Ertrag der eigenen Lebenszeit. Das mag uns ungerecht vorkommen, korrigiert sich aber selbst, falls das Ego der Erben größer ist als deren IQ. Viele Lottogewinner sind ein Beispiel. Sonst schafft die Investitionen der Erben in Konsum oder Wirtschaft Arbeitsplätze. Markt funktioniert nach mathematischen Prinzipien. Er ist die wirtschaftlichste Form der Umverteilung, auf Basis von Konsumentenwünschen. Neid dagegen ist ein Marketingbegriff der Ideologien, der auf den Selbsterhaltungstrieb des Menschen setzt. Um Macht auszuüben, braucht es die Akzeptanz der Betroffenen. Vor jeder Wahl können wir beobachten wie Neidreaktionen auf der linken Hälfte der IQ-Verteilung angefüttert werden. Das ist wie Werbung für Toto und Lotto. Die Akzeptanz natürlicher intelligenzbasierter Marktkräfte ist für die negativ Betroffenen natürlich schlecht zu akzeptieren. Da hofft man lieber auf den versprochenen Lottogewinn. Den sacken dann die ein, die das richtige Marketing betreiben. Gleichen Sie zum Beispiel einmal die Versprechen der Grünen bei der Gründung mit der aktuellen Wirklichkeit ab. Es bilden sich immer dieselben parasitären Strukturen. Selbst der nette Herr Özdemir spielt seine Parteibindung herunter. Wahrscheinlich weil er sich schämt.