Mr. WK – leidet Qualität des Blattes unter zu viel Engagement? / Überraschendes P.P.S. !!!
Was ist im Weser-Kurier los? Der neue Chefredakteur Benjamin Piel (42) äußert sich in einem eindimensionalen Meinungsartikel zur Atomkraft-Energie. In seinem Newsletter am vorigen Wochenende sinnierte er anlässlich des Ausschlusses des „Goldenen Shop“ vom Deutschen Buchhandlungspreis über den Begriff Extremismus – ohne auch nur ein Wort über die brutale Bremer Linksextremisten-Szene zu verlieren. Piel druckt 21 Tage(!) nach einem Linken-Parteitag einen kritischen „Gastkommentar“ von Lothar Probst, den der WK – sinngleich – bereits zwei Wochen zuvor als Leserbrief veröffentlicht hatte. Jeweilige Überschrift: „Unwürdiges Schauspiel“. Besser kann man’s kaum formulieren. Ist das jetzt die neue Form Qualitätsjournalismus?
ACHTUNG, Tipp: Aktuelles im P.P.S. beachten.
Am Tag des Gastkommentars von Volker Redder auf bremensogesehen mit der provozierenden Überschrift „Deutschlands Energie-Blindflug“ fühlte sich Piel offenbar genötigt, eigene Gedanken hinzuzufügen. Aufhänger, wie bei Redder, war die Kehrtwende der EU-Chefin Ursula von der Leyen beim Thema Atomkraft. Kann man selbstverständlich machen. Aber, so engstirnig, ja mit deutschen Scheuklappen versehen, bitte nicht, Herr Piel.
Der WK-Chefredakteur schaffte es auf 118 Zeilen, jeden Hinweis auf Atom-Meiler zu vermeiden, die unser Land umgeben. Nach dem Motto: Wenn Deutschland weiterhin auf Atomkraft verzichtet, ist die Welt in Ordnung. Was bitte, Herr Piel, ist denn mit den Meilern unserer Nachbarländern?
Zur Erinnerung: Atomkraftwerke erzeugen Strom in: Frankreich, Schweden, Spanien, Belgien, Tschechien, Slowakei, Finnland, Ungarn, Rumänien, Slowenien, UK, Ukraine, Armenien, Weißrussland.
Und: Was sagt der Chef der Regionalzeitung von der Weser dazu, dass weltweit viele neue Kraftwerke gebaut werden? Nichts. Sind Entscheider dieser Länder allesamt fürchterlich verantwortungslos? Oder nur noch nicht vom Wissen des Kollegen Piel durchdrungen?
Klar,das Thema Nutzung der Atomenergie polarisiert in höchstem Maß. Aber, sollte ein Leitartikler ein Thema nicht etwas tiefer ausleuchten, bevor er zu einer eindeutigen Schlussfolgerung kommt?
Wenden wir uns dem „doppelten Probst“ zu. Wirklich ein Kabinettstückchen des deutschen Zeitungsjournalismus’.
Der emeritierte Politik-Professor hatte dem WK direkt nach dem Linken Parteitag (23.2.26) einen Text mit kritischen Anmerkungen zu den Linken geschickt, wonach die Grünen es doch bitte sehr nicht zulassen sollten, mit den Linken in einer Koalition zu bleiben – obwohl die darauf bestünden, weiterhin ein Mitglied der Interventionitischen Linken als Mitarbeiter zu beschäftigen. Das Besondere am Gastkommentar vom 16.3.:
Probst ist Mitglied der Grünen, war 1983 sogar deren Bremer Landesvorsitzender und später für die Grüne Bundestagsfraktion tätig. Dies vergaß die „Qualitätszeitung“ seltsamerweise bei der Kurzvorstellung ihres Gastkommentators.
Aufmerksamen Lesern kam Probsts GaKo übrigens seltsam bekannt vor: Fast der gleiche Text war im WK bereits am 3.3. als Leserbrief erschienen.
So viel zum doppelten Probst.
Am Ende etwas zu Piels Bemühen um mehr Toleranz. Dazu ein: Lautes, beherztes Ja.
Aber sein Newsletter vom vorigen Wochenende hat auf mich eher haarsträubend gewirkt. Er beschrieb die Tatsache, dass Menschen, die auf der „rechten“ Seite der Gesellschaft aktiv sind, überschnell als Nazis beschimpft würden. Wer sich hingegen am gegenüberliegenden Pol des Meinungs-Spektrums einsortiere, gelte rasch als Links-Extremist.
So weit, so richtig. Anlass seiner Kolumne war die Nicht-Berücksichtigung der Bremer Buchhandlung „Golden Shop“ bei der Vergabe von Bundesmitteln. Nur wegen ihres Spruches „Deutschland verrecke bitte“ auf der Fassade dürfe man sie nicht sofort unter linksextremistisch einsortieren, warb Mister WK für mehr Toleranz.
Dies mag jetzt jeder für sich selbst bewerten.
Aber, Piel blendet bei seinen Ausführungen zum Begriff Linksextremisten eines komplett aus: In Bremen leben wahrhaftige Linksextremisten, die Immobilien (OHB), Polizeireviere, Autos von vermeintlich „Rechten“ anzünden und Kneipiers massiv bedrohen, „Rechten“ ja keinen Raum zu vermieten. Und: Nicht mal ein Schnitzel dürfe man „Rechten auftischen. Farbanschläge auf die BLG-Konzernzentrale und aufs Privathaus des Bremer Verfassungsschutz-Chefs gehören übrigens ebenfalls zum Repertoire der Links-Chaoten.
Hat Piel diese Fakten nach seinem ersten Bremer Jahr noch nicht drauf, oder ist er in seiner Kolumne einfach nur Opfer seiner Plauderkunst geworden?
Womöglich gibt es eine einfache Erklärung. Der Mann ist seit 1.3.2026 presserechtlich allein für den Inhalt des WK verantwortlich. Piel, Familienvater mit drei Kindern, „turnt“ (wie es sich für einen engagierten Chefredakteur gehört) auf vielen „Hochzeiten“ – also bremischen Gesellschaftsereignissen – herum. Er muss eine Redaktion auf Vordermann bringen, die in der Vergangenheit nicht immer durch Glanz aufgefallen ist. Er hat, wie jeder gute CHR, den Ehrgeiz, im eigenen Blatt sichtbar zu sein. Ferner moderiert er häufig Events des Verlages.
Da kann man schon mal arg unter Druck geraten, zumal wenn man sich zu Beginn der „Amtszeit“ selbst eine Rute vor den Allerwertesten gebunden hat: Jeden Samstag auch noch eine zum Nachdenken anregende Kolumne („Piels Position“) in die Email-Postfächer der Abonnenten zu schicken.
Munter bleiben!
Herzlichst
Ihr Axel Schuller
P.S.: bremensogesehen hatte Sie, liebe Leserschaft am Wochenende über News zur Ausbildungs-Zwangsabgabe informiert. Die Arbeitsbehörde wird die Bescheide aller klagenden Unternehmen nach Fingerzeig des Verwaltungsgerichtes zurückziehen und neue versenden. Am Donnerstag findet dazu ab 11:20 Uhr im Landtag eine von der CDU beantragte Aktuelle Stunde statt.
P.P.S.: Jetzt ist die „Katze aus dem Sack“: Dr. Wiebke Winter, promovierte Juristin, Fraktionschefin der CDU-Bürgerschaftsfraktion und Präsidiumsmitglied der CDU Deutschland, wird bei der nächsten Bürgerschaftswahl (voraussichtlich Mai 2027) als Spitzenkandidatin der Union antreten. Winter sagte während eines kleinen CDU-Empfanges anlässlich ihres 30. Geburtstages: „Ich will Präsidentin des Senats werden.“
Ich gestehe ganz ehrlich, dass ich den WESER KURIER nur noch lese, wenn ich ihn geschenkt bekomme.
Die einzige Seite, die ich gerne lese sind die Leserbriefe, da findet man dann doch noch kritische Kommentare, die aus dem Lebensalltag mit Behörden berichten, während Senatoren nur Schönfärberei anbieten und angeblich alles in 3-6-12 Monaten besser wird, weil man ja daran „arbeitet“.
Den Kommentar des Chefredakteurs fand ich aus anderen Gründen seltsam, er ging gar nicht auf das Verfahren ein, den Atommüll wiederzuverwerten, bzw. deren Radioaktivität zu „dimmen“. ( Transmutationsverfahren )
Seine Meinung und völlige Ablehnung der Atomkraft kann er ja kundtun.
Der Beitrag ist kurz und schon aus Platzgründen kann er da nicht auf viele Punkte eingehen, aber die fast schrottreifen Meiler in Belgien würden sicher nicht für Atomkraft sprechen.
Ich bin ein kritischer Atomenergiebefürworter, blende deshalb die Risiken und Nachteile nicht aus, die Atomenergie hätte sicher einen anderen Stand in D gehabt, wenn die Atomenergielobby selbstkritischer gewesen wäre.,
Was mich am Duktus des Beitrags dann doch stört ist die Tonart, so nach dem Motto: “ Wer noch dafür ist, der ist von gestern und nicht richtig informiert“.
( Wenn er sich nur aus dem WK informiert tatsächlich nicht….)
Übrigens zieht sich dieser Ton schon seit Jahren durch viele Zeitungen und den öffentlich-rechtlichen Rundfunk, der mit der Umstellung auf die Zwangswohnungsabgabe qualitativ stark abgebaut hat.
Kritische Sendungen wie das „Nachtstudio“ oder „das philosophische Quartett“ wären heute gar nicht mehr möglich. Oder man schaue sich die Talkshows – auch von Radio Bremen – der 70er und 80er Jahre an.
Was war „buten + binnen“ mal für eine kritische Sendung, heute ist sie sehr unkritisch,
Es wird nicht mehr informativ kritisiert, sondern die Interviewpartner werden ständig mit vorgestanzten Sprechblasen unterbrochen.
Dieser Blog hat mehr Meinungspluralität als der WK und Radio Bremen zusammen…
Ist einerseits ein großes Lob für diesen Blog, andererseits auch ein Armutszeugnis für den WK und RB.
Ich weiß nicht, wie es Ihnen hier im Blog so geht, für mich gehört der WK trotz allem auf den Frühstückstisch. Mir würde was fehlen, wenn ich das Blättchen nicht mehr zum Tee rascheln hören würde. Wahrscheinlich auch deshalb, weil ich mich so schön über dies und das aufregen kann, was ich da so lese. Gewohnheit eben. Beim Heimatsport auf dem halbwegs aktuellen Stand der Dinge zu sein…auch wichtig. Mit Werder wird im WK äußerst kritisch umgegangen und ansonsten ungewohnter Klartext geschrieben. Ich gönne ihn mir weiterhin, den guten alten WK und DANKE an den zuverlässigen Zuträger, der meinen vollen Respekt hat.
Auffallend ist, dass der WK sachlich vorgetragene, senatskritische Kommentare innerhalb der Kommentarfunktion offenbar automatisiert löscht. Inwieweit diese Praxis mit der „Alleinherrschaft“ in der Chefetage zusammenhängt, vermag ich nicht zu beurteilen.
Während es früher – je nach politischer Ausrichtung der jeweiligen Online-Redaktion – durchaus vorkam, dass ein Kommentar zunächst zensiert, später aber doch freigeschaltet wurde, scheint es den Mitarbeitern :innen und :außen inzwischen besonders wichtig zu sein, auch in den Reaktionen der Leserschaft ein linksdominierendes Meinungsbild zu erzeugen. So entsteht der Eindruck, die öffentliche Wahrnehmung solle gezielt verzerrt und ein einseitiges Bild vermittelt werden.
Das Ganze riecht zumindest nach politischer Einflussnahme. Wenn der WK – wie man hört – mit erheblichen Problemen zu kämpfen hat, liegt die Vermutung nahe, dass man darauf spekuliert, vom Senat eines Tages „aus der Patsche“ geholfen zu bekommen. Allzu kritische Stimmen – ob aus der Redaktion oder aus der Leserschaft – wirken in diesem Zusammenhang offenbar eher störend.
Nun ja: Wer ein Format wie die „taz“ sucht, ist beim WK offenbar gut aufgehoben. Wir werden unser Abo wohl kündigen – mir ist an einem breiteren Stimmungsbild gelegen und nicht an in einer (linksdominierten) Meinungsmache.
OK , Herr Schuller, sehen wir die Atom-Sache zweidimensional: Atomstromproduktion funktioniert bis zum nächsten Knall und wenn Mensch die Atommüllentsorgung ausblendet. Das wissen auch die Herrschenden und ihre Gefolgsleute in den umliegenden Ländern. Sie kümmern sich nicht weiter darum, weil 1. shit happens und 2. sollen sich doch die nachfolgenden Generationen um den Müll kümmern. Waren das jetzt genug Dimensionen, Herr Schuller?
Er duckt sich nicht weg, er macht sich lieb Kind wie man so schön sagt.
Er biedert sich Stück für Stück der links-grünen Bremer Blase an.
Piel hat auch ein leichtest Spiel. Beim WK „regiert“ der nach meiner Einschätzung schlechteste Vorstand ever immer noch auf Abruf.
Oder arbeitet Herr Piel auch auf einen fett bezahlten Pressesprecherjob im neuen Senat hiun?
Man muss sich nichts vormachen. Der Weser Kurier hat längst seine Relevanz verloren.
Jeden Tag sterben Menschen in Bremen, von denen vor allem Alte treue Abonnenten waren,
Die Hinterbliebenen können den WK dann aber nicht per sofort kündigen, sie müssen einige Wochen Kündigungsfrist einhalten (selber bei Tod) und munter weiter bezahlen.
Große regionale Alternativen zum WK gibt es ja nicht. Dach das Staatsfernsehen ‚buten un binnen‘ ist zumeist handzahm zum Senat. Schließlich gibt es auch dort sicher freie Mitarbeiter, die man mit der Aussicht auf bestens bezahlte Pressesprecherjobs in der Regierung ab Mitte 2027 locken kann.