Mr. WK – leidet Qualität des Blattes unter zu viel Engagement? / Überraschendes P.P.S. !!!

17.03.2026 5 Von Axel Schuller

Was ist im Weser-Kurier los? Der neue Chefredakteur Benjamin Piel (42) äußert sich in einem eindimensionalen Meinungsartikel zur Atomkraft-Energie. In seinem Newsletter am vorigen Wochenende sinnierte er anlässlich des Ausschlusses des „Goldenen Shop“ vom Deutschen Buchhandlungspreis über den Begriff Extremismus – ohne auch nur ein Wort über die brutale Bremer Linksextremisten-Szene zu verlieren. Piel druckt 21 Tage(!) nach einem Linken-Parteitag einen kritischen „Gastkommentar“ von Lothar Probst, den der WK – sinngleich – bereits zwei Wochen zuvor als Leserbrief veröffentlicht hatte. Jeweilige Überschrift: „Unwürdiges Schauspiel“. Besser kann man’s kaum formulieren. Ist das jetzt die neue Form Qualitätsjournalismus?

ACHTUNG, Tipp: Aktuelles im P.P.S. beachten.

Am Tag des Gastkommentars von Volker Redder auf bremensogesehen mit der provozierenden Überschrift „Deutschlands Energie-Blindflug“ fühlte sich Piel offenbar genötigt, eigene Gedanken hinzuzufügen. Aufhänger, wie bei Redder, war die Kehrtwende der EU-Chefin Ursula von der Leyen beim Thema Atomkraft. Kann man selbstverständlich machen. Aber, so engstirnig, ja mit deutschen Scheuklappen versehen, bitte nicht, Herr Piel. 

Der WK-Chefredakteur schaffte es auf 118 Zeilen, jeden Hinweis auf Atom-Meiler zu vermeiden, die unser Land umgeben. Nach dem Motto: Wenn Deutschland weiterhin auf Atomkraft verzichtet, ist die Welt in Ordnung. Was bitte, Herr Piel, ist denn mit den Meilern unserer Nachbarländern? 

Zur Erinnerung: Atomkraftwerke erzeugen Strom in: Frankreich, Schweden, Spanien, Belgien, Tschechien, Slowakei, Finnland, Ungarn, Rumänien, Slowenien, UK, Ukraine, Armenien, Weißrussland.

Und: Was sagt der Chef der Regionalzeitung von der Weser dazu, dass weltweit viele neue Kraftwerke gebaut werden? Nichts. Sind Entscheider dieser Länder allesamt fürchterlich verantwortungslos? Oder nur noch nicht vom Wissen des Kollegen Piel durchdrungen? 

Klar,das Thema Nutzung der Atomenergie polarisiert in höchstem Maß. Aber, sollte ein Leitartikler ein Thema nicht etwas tiefer ausleuchten, bevor er zu einer eindeutigen Schlussfolgerung kommt?

Wenden wir uns dem „doppelten Probst“ zu. Wirklich ein Kabinettstückchen des deutschen Zeitungsjournalismus’.

Der emeritierte Politik-Professor hatte dem WK direkt nach dem Linken Parteitag (23.2.26) einen Text mit kritischen Anmerkungen zu den Linken geschickt, wonach die Grünen es doch bitte sehr nicht zulassen sollten, mit den Linken in einer Koalition zu bleiben – obwohl die darauf bestünden, weiterhin ein Mitglied der Interventionitischen Linken als Mitarbeiter zu beschäftigen. Das Besondere am Gastkommentar vom 16.3.: 

Probst ist Mitglied der Grünen, war 1983 sogar deren Bremer Landesvorsitzender und später für die Grüne Bundestagsfraktion tätig. Dies vergaß die „Qualitätszeitung“ seltsamerweise bei der Kurzvorstellung ihres Gastkommentators. 

Aufmerksamen Lesern kam Probsts GaKo übrigens seltsam bekannt vor: Fast der gleiche Text war im WK bereits am 3.3. als Leserbrief erschienen. 

So viel zum doppelten Probst.

Am Ende etwas zu Piels Bemühen um mehr Toleranz. Dazu ein: Lautes, beherztes Ja.

Aber sein Newsletter vom vorigen Wochenende hat auf mich eher haarsträubend gewirkt. Er beschrieb die Tatsache, dass Menschen, die auf der „rechten“ Seite der Gesellschaft aktiv sind, überschnell als Nazis beschimpft würden. Wer sich hingegen am gegenüberliegenden Pol des Meinungs-Spektrums einsortiere, gelte rasch als Links-Extremist.

So weit, so richtig. Anlass seiner Kolumne war die Nicht-Berücksichtigung der Bremer Buchhandlung „Golden Shop“ bei der Vergabe von Bundesmitteln. Nur wegen ihres Spruches „Deutschland verrecke bitte“ auf der Fassade dürfe man sie nicht sofort unter linksextremistisch einsortieren, warb Mister WK für mehr Toleranz.

Dies mag jetzt jeder für sich selbst bewerten.

Aber, Piel blendet bei seinen Ausführungen zum Begriff Linksextremisten eines komplett aus: In Bremen leben wahrhaftige Linksextremisten, die Immobilien (OHB), Polizeireviere, Autos von vermeintlich „Rechten“ anzünden und  Kneipiers massiv bedrohen, „Rechten“ ja keinen Raum zu vermieten. Und: Nicht mal ein Schnitzel dürfe man „Rechten auftischen. Farbanschläge auf die BLG-Konzernzentrale und aufs Privathaus des Bremer Verfassungsschutz-Chefs gehören übrigens ebenfalls zum Repertoire der Links-Chaoten.

Hat Piel diese Fakten nach seinem ersten Bremer Jahr noch nicht drauf, oder ist er in seiner Kolumne einfach nur Opfer seiner Plauderkunst geworden?

Womöglich gibt es eine einfache Erklärung. Der Mann ist seit 1.3.2026 presserechtlich allein für den Inhalt des WK verantwortlich. Piel, Familienvater mit drei Kindern, „turnt“ (wie es sich für einen engagierten Chefredakteur gehört) auf vielen „Hochzeiten“ – also bremischen Gesellschaftsereignissen – herum. Er muss eine Redaktion auf Vordermann bringen, die in der Vergangenheit nicht immer durch Glanz aufgefallen ist. Er hat, wie jeder gute CHR, den Ehrgeiz, im eigenen Blatt sichtbar zu sein. Ferner moderiert er häufig Events des Verlages.

Da kann man schon mal arg unter Druck geraten, zumal wenn man sich zu Beginn der „Amtszeit“ selbst eine Rute vor den Allerwertesten gebunden hat: Jeden Samstag auch noch eine zum Nachdenken anregende Kolumne  („Piels Position“) in die Email-Postfächer der Abonnenten zu schicken.

Munter bleiben!

Herzlichst

Ihr Axel Schuller

P.S.: bremensogesehen hatte Sie, liebe Leserschaft am Wochenende über News zur Ausbildungs-Zwangsabgabe informiert. Die Arbeitsbehörde wird die Bescheide aller klagenden Unternehmen nach Fingerzeig des Verwaltungsgerichtes zurückziehen und neue versenden. Am Donnerstag findet dazu ab 11:20 Uhr im Landtag eine von der CDU beantragte Aktuelle Stunde statt. 

P.P.S.: Jetzt ist die „Katze aus dem Sack“: Dr. Wiebke Winter, promovierte Juristin, Fraktionschefin der CDU-Bürgerschaftsfraktion und Präsidiumsmitglied der CDU Deutschland, wird bei der nächsten Bürgerschaftswahl (voraussichtlich Mai 2027) als Spitzenkandidatin der Union antreten. Winter sagte während eines kleinen CDU-Empfanges anlässlich ihres 30. Geburtstages: „Ich will Präsidentin des Senats werden.“