ZDF zeigt Sozialbetrug anhand von Bremer Fakten / Für hiesige Medien nicht interessant genug?
„Im Jobcenter ist es ein offenes Geheimnis, dass 30 bis 40 Prozent der Kunden keine wahren Angaben machen“. Und weiter: „Aus einem schönen System wird ein total ungerechtes System.“ Wer das sagt? Fred Göken, beschäftigt im Bremer Jobcenter und einer der Kronzeugen einer ZDF-Reportage. Die Geldzahlungen für Kunden, die nicht kooperativ sind, oder mehrfach nicht erscheinen, darf Göken aber nicht einstellen. Der Bremer Experte: „Wir bringen uns um, mit unserem Recht.“ Der Mann arbeitet seit 2005 im Jobcenter der Hansestadt. Seine gnadenlose Offenbarung konnte man vergangenen Donnerstag im ZDF sehen – von bremischen Medien offenbar unbemerkt. Schade.
Die Hauptkritikpunkte des Experten: Die Jobcenter haben aus seiner Sicht zu große Budgets. Statt die Menschen einfach in Arbeit zu vermitteln, würden diese über Jahre betreut: Hier ein Schweißer-Schein, dort ein Führerschein. Doch zu viele Dauerarbeitslose blieben viel zu lange im Hilfesystem.
SPD-Politiker behaupten steif und fest, lediglich ein Prozent der Bürgergeld-Empfänger (jetzt: Grundversorgung) seien Totalverweiger.
Die Praktiker, die in der ZDF-Reportage „Am Puls – mit Sarah Tacke – System Bürgergeld: Leben ohne Leistung“ zu Wort kommen, schätzen den Anteil der Verweigerer – also Leistungsbezieher ohne jede Mitarbeit – auf 30 Prozent, wenn nicht sogar 40 Prozent.
In dem ZDF-Film kommt ein Arbeitsloser aus Bremen vor, der seit 40 Jahren von allen denkbaren Sozialleistungen lebt und vor der Kamera sein Ziel formuliert: Demnächst werde er in Altersrente gehen – und Geld erhalten, ohne dafür in die Rentenkasse eingezahlt zu haben. Der Mann berichtet – anonymisiert, „will ja keinen Ärger kriegen“ – sein Vater sei mit ihm sehr unzufrieden: „Das hast eine kaufmännische Ausbildung, sprichst mehrere Sprachen, warum arbeitest du nicht?“ „Papa“ habe zwar recht, aber er wolle an seinem Weg festhalten – für den der Sozialstaat Monat für Monat bezahlt.
Liebe Leserinnen und Leser, ich will mit diesem Stück und dem Hinweis auf den ZDF-Film keine radikalen Kräfte stärken. Das tut die reale Situation selbst, die im Film beschrieben wird! Wohlgemerkt: Das ZDF bringt viele O-Töne aus der Betreuer-Szene. Keine Gerüchte. Die Reporterin Sarah Tacke lässt übrigens auch einen Landrat (mit SPD-Parteibuch) zu Wort kommen, der nicht mehr beim Ausnutzen des Sozialstaates zuschauen will. Er beordert Bürgergeld-Empfänger morgens um 7 zur gemeinnützigen Arbeit. Wer nicht erscheint (über die Hälfte!) denen kürzt er den Unterhalt. Und: Er lässt die zu Hause Gebliebenen von einem Ordnungsdienst besuchen. Solange, bis der eine oder andere doch mal zur Arbeit erscheint.
Es kommen auch Jobcenter-Mitarbeiter (m/w) aus Berlin und aus dem Ruhrgebiet zu Wort, die an der Arbeits-Widerwilligkeit ihrer Kundschaft schier verzweifeln. Übrigens, was offiziell auch meist geleugnet wird: Fast die Hälfte der Bezieher von Sozialleistungen sind eingewandert.
Nach dieser Reportage fragt man sich, wie Bundesarbeitsministerin Bärbel Bas jemals auf den völlig weltfremden Ausspruch kommen konnte: „Es gibt keine Zuwanderung in den Sozialstaat.“
Ein Ergebnis dieser Realitätsverweigerung: Insa hat am Wochenende für BILD die „Sonntags-Frage“ gestellt. Die Zahlen passen zur Politik der Berliner Koalition, welche die Wirklichkeit nicht erkennen wollen: AfD: 29 Prozent; CDU: 22%; Grüne: 14%; SPD: 12%; Linke: 10%; FDP: 3%; BSW: 3%.
Trotz alledem: Insbesondere Sozialdemokraten ziehen – so höre ich – aus Sarah Tackes Bericht einen verwirrenden Schluss: „Wir müssen den Sozialstaat verteidigen, nicht abbauen. Das sind wir unseren Wählern schuldig.“ OMG, lass‘ Erkenntnis auf diese Sozis niedergehen. Ansonsten wird die gute alte Tante SPD bald auf dem Friedhof der Geschichte landen.
Nachfolgend der Link zur ZDF-Sendung – wenn’s nicht klappt: ZDF-Mediathek, „Am Puls“.
Trotzdem: Munter bleiben!
Herzlichst
Ihr Axel Schuller
P.S.: Schnell noch ein Hinweis: Der Petitionsausschuss der Bremischen Bürgerschaft macht sich am Dienstag, 19.5., um 12 Uhr, ein eigenes Bild vom Platanenwald (136 Bäume) am Weserdeich bei Beck’s. Die Umweltbehörde will alle Bäume weghauen, um eine Deichverstärkung zu bauen. Eine Bürgerinitiative (für Erhalt der Bäume, mit Alternativkonzept) hält dagegen. Treffpunkt am Dienstag: Brautbrücke am Weserwehr.
Seit Jahren setzen wir uns für Menschen ein, die Transferleistungen bekommen.
In meiner Wohnanlage leben vorwiegend Alleinerziehende mit ihren Kindern.
Ich schreibe „leider“ regelmäßig für diese Mieter Beschwerden, Mahnungen und Ähnliches.
Es gab dazu auch diverse Berichte in der lokalen Presse (WR,WK,BuBi).
Unterstützung haben wir vo n z.B. Ailton oder der Abgeordneten der Bremer Bürgerschaft Meltem Sagrioglu bekommen, die sich bedingungslos auf die Seite der sozial Schwachen stellen.
Leider hat sich nicht nur bei mir, sondern auch in vielen anderen geführten Gesprächen mit Betroffenen und Entscheidern der Eindruck verfestigt, daß es nur noch um die Verwaltung der Zustände in den sozialen Resorts geht!
Merkel in 2015 und in Bremen die ‚Grüne Stahmann und ihr Pressesprecher Dr. Schneider“ haben der Zuwanderung in unsere Sozialsysteme Tür und Tor geöffnet.
Fast jede Kritik oder Anregung wurde mit dem Verweis auf Bundesrecht abgeblockt.
Jetzt, wo der Staat an seine finanziellen Grenzen stößt, kommt das zurück wie ein Bumerang!
Wenn z.B. in Kürze die Abrechnungen der Energie Lieferanten (Wasser/Strom/Heizung)
vorgelegt werden, ahne ich Böses.
Wegen der fehlenden Sachbearbeiter wird es wieder soweit kommen, dass die Hilfeempfänger in Vorleistung gehen müssen.
Und das von ihrer Hilfe zum Lebensunterhalt!
Guten Morgen.
Aufgewacht, Blog gelesen und schlagartig schlecht gelaunt. Der Beitrag ist leider nicht ganz fair. Wie Josef Treupe schon geschrieben hat, gibt es in unserem Land sehr viele Menschen, die berechtigterweise Unterstützung vom Staat bekommen. Diese Menschen sind ehrlich und versuchen irgendwie durch das Leben zu kommen, immer im Wunsch, wieder von der eigenen Leistung leben zu können. Das ist die Mehrheit der Empfänger. Aber es darf nicht verschwiegen werden, dass es leider sehr viele Menschen gibt, die eigentlich nichts mehr in unserem Land zu suchen haben und schon längst wieder in ihrer Heimat sein müssten. Die das System systematisch und sehr trickreich ausbeuten. Sie leben auf Kosten der Allgemeinheit und das gar nicht schlecht, da sie mit ihren Betrügereien ja nicht vor den Sozialämtern Halt machen sondern auch in vielen anderen Fällen betrügen. Nicht umsonst ist die Rate der Ladendiebstähle, der Überfälle, der Online-Betrügereien so nach oben gegangen. Aber statt hier endlich für Ordnung zu sorgen, sorgen sich Die Linke und die SPD zum diese unbereichtigt hier lebenden Menschen und decken sie auch noch. Weiß die Partei von Herrn Klingbeil – der übrigens auch nie gearbeitet hat – eigentlich noch, von wem sie gewählt wurde und wen sie vertreten sollte? Wissen die Genossen eigentlich, dass die Menschen, die sie so sehr verteidigen und schützen, sie niemals wählen würden und werden sondern nur Hohn und Spott für sie haben? Wissen die Genossen, wen sie mit der aktuellen Politik täglich vors Schienbein treten und damit die extremen Ränder der Politik nur noch fördern und die Wähler in deren Arme treiben? Zur CDU sage ich lieber gar nichts – Herr Merz und seine Freunde haben sich durch die aktuelle Politik disqualifiziert. Wen sollten wir denn noch wählen? Und nein – die Alternative ist KEINE Alternative. Als Liberal denkender Deutscher mit Migrationshintergrund bleibt eigentlich nur noch, dem Drang nach Flucht nachzugeben.
@David Jacob Huber: Ich finde meinen Beitrag nicht unfair, weil ich nicht sage, dass alle Hilfeempfänger so seien. Ich wollte lediglich einen Hinweis auf die bemerkenswerte ZDF-Sendung geben, in der übrigens sehr fair darauf hingewiesen wird, dass unser Staat auch durch Steuerhinterzieher massiv geschädigt wird. Aber: Ich wollte nicht den gesamten Beitrag rezitieren, sondern darauf hinweisen. Deshalb auch der Link zur Sendung.
Ich habe vor einigen Wochen mal im WK eine kleine Notiz gelesen, die eine Untersuchung der TU Dresden wiedergegeben hat, daß nämlich von allen deutschen Redaktionen 58 % grün wählen, 20,5 % SPD und der kleine Rest sich auf CDU, BSW und Linkspartei verteilt. – Die Problembereiche Bürgergeld und Migration werden daher entsprechend behandelt. Wen wundert es?
Nirgendwo wird mehr gelogen und geheuchelt als bei Steuern für Multi-Einkommens-Millionäre und Geld für Sozialhilfeempfänger.
Vor jeder massiven Streichung von Sozialleistungen läuft eine Propagandakampagne durchs Land, die dafür sorgt, dass arbeitende Bürger auf nicht arbeitende neidisch gemacht werden. Das ist genauso wie die Propaganda für jeden Krieg oder neuartige Pharmaprodukte. Und zurzeit trifft beides zusammen: Man braucht Geld für den direkten Kriegseintritt gegen Russland oder vielleicht gegen den Iran, und der Sozialhaushalt mit seinen 170 Milliarden ist der einzige Bereich, in dem man überhaupt das Potenzial hat, die dafür notwendigen Kürzungen vorzunehmen.
Ich kenne keinen Unternehmer, der auch nur einen der 5,5 Millionen Bürgergeldbezieher (sind auch sehr viele Aufstocker dabei) einstellen würde – nicht einmal für einen Euro pro Stunde. Und das hat einen ganz einfachen Grund: Wir leben in einer durchrationalisierten Industriegesellschaft, die 90 % aller niedrigen Jobs ins Ausland verlagert oder automatisiert hat. Es gibt für die einfach keine bezahlte Arbeit.
Für die verbleibenden Jobs gibt es eine Mindestanforderung, und die lautet: „Ich will hinter meinem Mitarbeiter keinen Aufpasser herschicken müssen, der permanent Leistung und Qualität prüft.“ Es wird allgemein gemutmaßt, dass diese Anforderung nicht erreicht wird.
Die Hälfte der Bürgergeldbezieher sind Ausländer. Die Tatsache, dass man den Sparhebel nicht dort ansetzt und remigriert, sondern einfach allen etwas wegnimmt, gibt einen Hinweis darauf, dass man innerhalb der Bevölkerung einen künstlichen Konflikt schüren will – und/oder verblendet ist.
Außerdem muss man zur Kenntnis nehmen, dass die Hälfte der Ausgaben für Verwaltung und die sinnlose Ertüchtigungsindustrie verdampft. Mehr und zusätzlicher Druck auf Empfänger bedeutet auch mehr Verwaltungskosten. Ach ja, die Umstellung auf ein bedingungsloses Grundeinkommen würde auch Geldsparen aber die Anzahl der Unvermittelbaren wahrscheinlich verdoppeln.
Der Fachausdruck ist „Wicked Problem“ – egal was man jetzt macht, man kommt unweigerlich in ethische, moralische oder faktische Probleme. Zerschellen die Lebenslügen der BRD jetzt an der Wand?
Dieses Thema ist, wie inzwischen sehr viele, stark tabuisiert. Wer sich Gedanken macht und diese sogar anspricht, ist „rechts“, gönnt den „Armen“ nix und ist auch sonst ein ziemlich mieser Typ. Wir sehen das an einigen Kommentatoren.
Ach ja, da wird natürlich auch und sofort mit den „Steuerbetrügern“ argumentiert. Gerade so als wenn der eine Mord den nächsten Mord rechtfertigt. Wo ist diese Gesellschaft nur gelandet?
Sehr geehrter Herr Büchse, mit Kusshand würden diverse mittelständische Unternehmer Bürgergeldbezieher einstellen und auf die entsprechenden Jobs ausbilden. In der Realität scheitert es bereits am Vorstellungstag daran, das Niemand pünktlich erscheint und sich mental auf einen möglichen “ Testtag“ vorbereitet hat. Zitat: Ach so, echt jetzt, ich soll hier auf Probe arbeiten? Zitat-Ende. Meist verschwinden die Bewerber bereits in der ersten Kaffeepause…
Dieses Verhalten ist zu kritisieren und muss , wenn wir es denn ernst meinen, zu Konsequenzen beim den Sozialleistungen führen. Wenn wir den daraus sich entwickelnden Ärger und Unmut nicht aushalten und gegensteuern, haben wir diese Bewerber auf immer verloren. Die Automatisierung wird zwangsläufig fortschreiten oder einfach nur der Gedanke der Firmeninhaber wird sich festsetzen, ob es nicht andere Länder gibt, wo es einfacher geht.
Ich habe mehrfach für Firmen sowohl im Kunden- als auch Familienkreis versucht, mit positivem Ansporn neue Mitarbeiter aus der Arbeitslosigkeit für neue Aufgaben zu gewinnen. Bis auf ganz wenige Ausnahmen bin ich gescheitert.
Wenn 30-40% der Empfänger von Transferleistungen das System mehr oder weniger schamlos ausnutzen, heißt das ja zuerst einmal, dass 60-70% das NICHT tun. Über die müssen wir hier also nicht sprechen. Aber wir müssen sehr wohl über diese 30-40% anderen sprechen, die den Sozialstaat ausnutzen und damit alle aufrechten Steuerzahler. Allein diesen redlichen Steuerzahlern schuldet der Staat einen sorgsamen Umgang mit ihrem Geld. Warum muss das überhaupt gesondert erwähnt werden und ist keine Selbstverständlichkeit?
Weil wir zu unser aller Leidwesen keinen starken Staat mehr haben, sondern einen, den man offensichtlich recht problemlos ausnehmen kann. Warum ist unser Staat eigentlich so schwach geworden und warum wird so wenig dafür gemacht, ihn wieder stark zu machen? Weil die von den Gewerkschaften und der SPD so gefeierten sozialen Errungenschaften uns immer als Maßnahmen verkauft werden, die mit sozialer Gerechtigkeit und Solidarität verwechselt werden. Beides gibt es aber nicht als Einbahnstraße, zumindest nicht, wenn es gerecht zugehen soll. Würde es um Gerechtigkeit gehen, also um das Geben UND Nehmen, dann wären beide Seiten zuständig, die Gesellschaft als Ganzes UND alle Empfänger von Transferleistungen. In dem Beitrag des ZDF „Am Puls“ von Sarah Tacke werden ganz einfache Beispiele genannt, wie das Fördern UND Fordern wieder gewährleistet werden kann: in Dänemark müssen sich Leistungsberechtigte selbst um Termine z.B. beim Jobcenter kümmern. Wer sich um keinen Termin kümmert, bekommt keine Leistung! Ganz einfach – wenn der Staat es nur wollte. Da läuft der Staat nicht hinter den Anspruchsberechtigten her!
Oder in Nordhausen in Thüringen gibt es ein Projekt für junge Arbeitslose unter 25 Jahren, die morgens um 7.00 Uhr antreten müssen, um gemeinnützige Arbeiten auszuführen. Kommen sie, haben sie Chancen auf einen Ausbildungsplatz. Es kommen aber nicht mal 50%, weil es finanziell keine Folgen hat.
Frau Tacke schlägt vor, dass Mitarbeitende der Jobcenter rausgehen sollten, um ihre Klienten aufzusuchen. Das ist aber wohl nur zum Teil umsetzbar, realistisch betrachtet.
Besonders unfassbar und ein Schlag ins Gesicht jedes aufrechten Steuerzahlers ist aber, dass unsere Arbeitsministerin Frau Bas, die Arbeitgeber als Gegner tituliert und beim Gewerkschaftstag zum Kampf aufruft, durch ihre aggressiven Parolen nicht nur den Staat weiter schwächt, sondern nicht einmal zu einem Interview zu diesem Thema mit Frau Tacke bereit war.
Wundert sich die realitätsverweigernde SPD eigentlich wirklich nicht darüber, dass ihnen ihre eigenen – ehemaligen – Wähler weglaufen und viele davon zu der Alternative, die keine ist und hoffentlich nie eine sein wird?
Auch eine Partei wie die SPD, die in ihrer früheren Form aus den Zeiten von Willy Brandt und Helmut Schmidt, dringend erforderlich wäre, ist durch Eid dem Wohl des Volkes verpflichtet und nicht (nur) dem Wohl, also dem eigenen Machterhalt verpflichtet. Das hat die SPD von heute leider immer noch nicht begriffen. Das betrifft nicht nur Frau Bas und Herrn Klingbeil in Berlin, um am Kopf anzufangen, sondern ebenso die Herren Bovenschulte und Güngör in Bremen. Vielleicht braucht es noch die ein oder andere verlorene Wahl nicht nur in den östlichen Bundesländern, bis es wirklich in den Köpfen der Verantwortlichen ankommt.
Schade für uns alle, dass die Zeichen der Zeit nicht erkannt werden wollen und entsprechend gehandelt wird!!!
Drei Anmerkungen:
1. Wenn es in dem Beitrag um die Anzahl der sog. Totalverweigerer geht, werden Zahlen gegeneinander ausgespielt, deren Grundlage leider im Vagen bleibt. Sowohl die behaupteten „ein Prozent der Bürgergeld-Empfänger (jetzt: Grundversorgung) seien Totalverweigerer“ scheint mir gegriffen zu sein, als auch die behaupteten bzw. geschätzten „30 Prozent, wenn nicht sogar 40 Prozent“ dürften allenfalls anekdotische Evidenz besitzen. Einschlägige wissenschaftliche Studien zum Thema bestätigen die hohe Zahl in keiner Weise.
2. Wenn von einem Arbeitslosen die Rede ist, der „seit 40 Jahren von allen denkbaren Sozialleistungen lebt“, der in Altersrente gehen werde „und Geld erhalten, ohne dafür in die Rentenkasse eingezahlt zu haben“, scheinen eher Vorurteile im Spiel zu sein als Kenntnis der Sozialsysteme. Der Mensch wird, er hat ja eine Ausbildung, tatsächlich in die Rentenkasse eingezahlt haben, wenngleich sehr wenig, weshalb er aus der Rentenkasse auch nur sehr wenig erhalten wird. Für seinen Lebensunterhalt wird er dann ergänzende Sozialleistungen erhalten, nun jedoch nicht mehr vom Jobcenter (weil er nicht mehr als erwerbsfähig gilt), sondern vom Sozialamt.
3. Es ist eine gewisse Unredlichkeit in der ganzen Debatte vor allem über angeblich faule oder unwillige Menschen, die nicht arbeiten wollten. Ohne in die eigentlich notwendige Tiefe der Debatte einsteigen zu wollen, ziehe ich nur einen Zahlenvergleich heran: So waren im April 2026 in Bremerhaven 8.857 Menschen arbeitslos gemeldet. Dem gegenüber waren ganze 1.287 freie Stellen gemeldet. Für die Landeshauptstadt sieht es nicht besser aus, da standen 34.209 Arbeitslosen 5.480 Stellen gegenüber. Selbst wenn man von der lediglich anekdotisch evidenten Zahl von 30 Prozent „Fauler“ ausginge, gäbe es für diese Menschen gar keine offenen Stellen, sprich bezahlte Arbeit.
Deshalb zum Schluss die Frage zu solcher „Berichterstattung“: Cui bono?
@Volker Heigenmoser:
Lieber Kollege Heigenmoser, bitte bedenken Sie, dass ich mit meinem Beitrag ausdrücklich nicht alle Erkenntnisse der ZDF-Reportage wiedergeben wollte/konnte. Dafür habe ich ja den Link zur Sendung veröffentlicht. Bitte schauen Sie sich den Beitrag an. Dort kommen zuhauf Praktiker zu Wort. Und diese nennen die Prozentsätze an „Faulen“, wie Sie schreiben. Ihre Schlussfrage ist die eines Mannes, der offenbar die Realität nicht im eigenen Kopf zulassen möchte. Weder Frau Tacke vom ZDF noch ich wollen irgend jemandem nutzen. Es geht darum, die Realität so zu beschreiben, wie sie ist und wie sie von Normalbürgern wahrgenommen wird. Ich kenne keinen Journalisten, der die AfD hochschreiben will. Diese Aufgabe erledigen Politiker in Bund und Ländern, indem sie die Probleme schlecht oder gar nicht anpacken. Lieber Kollege Heigenmoser, hat Sie bei Ihrer Schlussbemerkung vllt Ihr ehemaliger Blick als Bremerhavens Ex-Magistratssprecher eingeholt?
Die aktuelle Debatte über Bürgergeld und Schwarzarbeit zeigt vor allem eines: Wie schnell komplexe gesellschaftliche Probleme auf einfache Bilder reduziert werden.
Ja, es gibt Missbrauch von Sozialleistungen. Ja, es gibt Menschen, die sich mit Schwarzarbeit und Bürgergeld arrangieren. Das darf man nicht romantisieren.
Aber ebenso falsch wäre es, daraus ein Bild „des Bürgergeldempfängers“ zu machen. Der überwiegende Teil der Menschen im Leistungsbezug ist tatsächlich hilfebedürftig: Kinder, Alleinerziehende, gesundheitlich eingeschränkte Menschen, Menschen mit fehlender Qualifikation oder Beschäftigte, deren Einkommen trotz Arbeit nicht zum Leben reicht.
Zudem wird oft übersehen, dass Schwarzarbeit selten ein Leben in Wohlstand bedeutet. Viele Menschen arbeiten ohne soziale Absicherung, ohne Rentenansprüche, ohne Sicherheit bei Krankheit oder Unfall – oft abhängig von informellen Arbeitgeberstrukturen.
Und genau hier liegt ein blinder Fleck der Debatte: Schwarzarbeit entsteht nicht im luftleeren Raum. In Teilen des Arbeitsmarktes haben sich Strukturen entwickelt, die informelle Beschäftigung faktisch begünstigen – etwa in Gastronomie, Logistik, Reinigung oder Subunternehmerketten. Dort treffen Kostendruck, prekäre Beschäftigung und mangelnde Kontrolldichte aufeinander.
Auffällig ist außerdem das Missverhältnis der öffentlichen Aufmerksamkeit: Über Bürgergeldmissbrauch wird intensiv diskutiert, während Steuerhinterziehung, organisierter Sozialabgabenbetrug oder Finanzdelikte wie Cum-Ex gesellschaftlich oft weit geringere Empörung auslösen – obwohl die finanziellen Schäden um ein Vielfaches höher sind.
Wir brauchen deshalb keine moralische Empörungsdebatte, sondern eine systemische Betrachtung:
* konsequentes Vorgehen gegen Sozialleistungsmissbrauch,
* aber ebenso gegen illegale Beschäftigung und wirtschaftliche Kriminalität,
* bessere Arbeitsbedingungen,
* existenzsichernde Löhne,
* und einen Arbeitsmarkt, der Menschen langfristig Stabilität bietet.
Die eigentliche Frage lautet nicht nur:
„Wer nutzt den Sozialstaat aus?“
Sondern auch:
„Warum haben sich wirtschaftliche Strukturen entwickelt, die auf prekärer und informeller Arbeit beruhen?“
Der zentrale Fehler in Volker Heigenmoosers Argumentation ist, dass er Arbeitslose und offene Stellen als homogene, beliebig austauschbare Masse betrachtet. Arbeitsmarktexperten sprechen hier jedoch von einem massiven strukturellen Mismatch. Es geht bei den Arbeitslosen und den unbesetzten Stellen schlichtweg „nicht um dieselben Menschen“.
Heigenmoosers rein rechnerischer Vergleich lässt sich mit folgenden Fakten entkräften:
1. Der Qualifikations-Mismatch (Das Hauptproblem)
Die Qualifikationen der Arbeitslosen passen oft nicht zu den Anforderungen der Unternehmen. Rund 40 Prozent der registrierten Arbeitslosen haben keinen Berufsabschluss und suchen Tätigkeiten auf dem Helferniveau. Demgegenüber richten sich über 80 Prozent der gemeldeten Stellen an qualifizierte Fachkräfte, Spezialisten oder Experten. Die Folge: Während auf eine offene Helferstelle rechnerisch über zehn Arbeitslose kommen, liegt das Verhältnis bei Fachkräften bei etwa zwei zu eins. Ein ungelernter Arbeitsloser kann schlichtweg nicht von heute auf morgen eine offene Stelle in der Pflege, IT oder im Handwerk besetzen.
2. Die Dunkelziffer der offenen Stellen
Heigenmooser zieht für seine Rechnung nur die bei der Arbeitsagentur gemeldeten offenen Stellen heran. Laut dem Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) wird den Behörden jedoch nur knapp die Hälfte aller tatsächlich offenen Stellen überhaupt gemeldet. Die tatsächliche Zahl der Vakanzen liegt also deutlich höher; so gab es im vierten Quartal 2024 bundesweit rund 1,4 Millionen unbesetzte Stellen.
3. Das regionale Verteilungsproblem
Deutschland leidet unter einem regionalen Mismatch: Die offenen Stellen und die Arbeitslosen befinden sich nicht an denselben Orten. Während im Süden (wie Bayern oder Baden-Württemberg) chronischer Fachkräftemangel bei sehr niedriger Arbeitslosigkeit herrscht, verzeichnen Bundesländer wie Bremen oder Berlin eine hohe strukturelle Arbeitslosigkeit. Da Arbeitsuchende in Deutschland oft wenig mobil sind, etwa wegen Familie, Eigenheim oder Pflegeverpflichtungen, bleiben Stellen unbesetzt, weil die Menschen aus Regionen mit hoher Arbeitslosigkeit nicht dorthin ziehen, wo die Arbeit ist.
4. Das sektorale und berufliche Mismatch
Der Arbeitsmarkt ist gespalten: In der Industrie (wie der Automobilbranche) werden infolge der Transformation massiv Stellen abgebaut. Gleichzeitig suchen Dienstleistungsbereiche wie Pflege, Erziehung, IT und Handwerk händeringend nach Personal. Ein Industriearbeiter, der seinen Job verliert, kann die Lücke in diesen boomenden Sektoren nicht ohne jahrelange Umschulung füllen.
5. Persönliche Vermittlungshemmnisse
Heigenmooser ignoriert, dass ein großer Teil der Arbeitslosen dem Arbeitsmarkt gar nicht uneingeschränkt zur Verfügung steht. Bei den Langzeitarbeitslosen leidet rund ein Drittel an körperlichen oder psychischen Erkrankungen. In einer Umfrage gaben 45 Prozent aller Bürgergeldempfänger an, an chronischen oder psychischen Krankheiten zu leiden. Hinzu kommen Alter (über 55 Jahre), fehlende Sprachkenntnisse oder familiäre Pflege- und Betreuungspflichten, die eine Vermittlung massiv erschweren.
Heigenmoosers Argumentation ist falsch, links-populistisch und greift zu kurz. Dass es in Bremen oder Bremerhaven lokal weniger gemeldete Stellen als Arbeitslose gibt, belegt nicht zwangsläufig, dass eine Debatte über Totalverweigerer hinfällig ist. Es beweist lediglich, dass der Arbeitsmarkt hochgradig segmentiert ist und die lokal verfügbaren Arbeitslosen aufgrund fehlender Qualifikationen, falscher Berufe oder mangelnder Mobilität oft gar nicht auf die bundesweit Millionen offenen Stellen passen.
Betrug. Sarah Tacke fragt: Was läuft schief im System Bürgergeld?«
Axel Schuller schreibt dazu: „Im (Anmerkung: Bremer) Jobcenter ist es ein offenes Geheimnis, dass 30 bis 40 Prozent der Kunden keine wahren Angaben machen“. Und weiter: „Aus einem schönen System wird ein total ungerechtes System.“ Wer das sagt? Fred Göken, beschäftigt im Bremer Jobcenter und einer der Kronzeugen einer ZDF-Reportage. Die Geldzahlungen für Kunden, die nicht kooperativ sind, oder mehrfach nicht erscheinen, darf Göken aber nicht einstellen. Der Bremer Experte: „Wir bringen uns um, mit unserem Recht.“ Der Mann arbeitet seit 2005 im Jobcenter der Hansestadt. Seine gnadenlose Offenbarung konnte man vergangenen Donnerstag im ZDF sehen.«
Axel Schuller kritisiert, das diese Erkenntnisse eines Insiders von bremischen Medien offenbar unbemerkt geblieben sind und er findet das »schade«.
Alles richtig. Aber man kann noh mehr sehen:
Besonders irre ist das Beispiel des Bürgergeldempfängers, der mit einer eigenen »Firma« und vier Mitarbeitern zusätzlich zum Bürgergeld monatlich für sich fast 4.000 Euro macht; natürlich unversteuert, weil alle schwarz arbeiten. Die Kunden finden das gut: Weil er arbeite ja engagiert (und es ist günstiger).
Schräge Geschichte in der Geschichte: Als er für seine Tätigkeit einen LKW-Führerschein brauchte, ist er zum Amt gegangen und hat dafür bei seiner Betreuerin, die ganz begeistert über sein Engagement war, dafür eine Förderung gefordert und bekommen. Danach ist er dort wieder jahrelang wieder nicht aufgetaucht.
Sorry, aber die Menschen, die arbeiten und Steuern zahlen haben einen Gerechtigkeitssinn. Wenn der in einer Demokratie nicht erfüllt wird wählt man offensichtlich radikal, weil dort populisisch, aber eigentlich erforderlich LÖSUNGEN gegen »Sozialschmarotzer« suggeriert werden, die dieser Staat momentan nur bedingt liefert oder liefern kann.
Sehenswert: https://www.zdf.de/play/reportagen/am-puls-100/am-puls-mit-sarah-tacke—system-buergergeld-leben-ohne-leistung-100
Sehr geehrter Herr Thomas Meyer-Vierow,
Sie schreiben: „In der Realität scheitert es … neue Mitarbeiter aus der Arbeitslosigkeit für neue Aufgaben zu gewinnen.“
Genau! Ich kann Ihnen auch exakt sagen, warum.
Damit jetzt nicht irgendwelche Leute über mich herfallen, fange ich mal bei mir selbst an. Ich gehöre zweifellos zu einer gewissen Bildungselite, und doch ist das, was ich kann und an Talent mitbringe, eher ein schmales Spektrum im Vergleich zu dem, was meine Profession insgesamt zu bieten hat. Und das, was mir andere – zum Beispiel potenzielle Kunden – professionell zutrauen und wofür sie zu zahlen bereit sind, ist noch viel schmaler. Diese Zuspitzung wird mit einem wachsenden Überangebot an geeigneten Menschen noch schärfer.
Auf der anderen Seite des Bildungsspektrums ist es im Prinzip identisch. Gut 20 % eines Schuljahrgangs haben keinen Abschluss, sind damit praktisch nicht ausbildungsfähig (Ausnahmen gibt es immer) und somit sind die bereits verloren.
Da dieses Problem seit 20–30 Jahren – vielleicht länger – besteht, haben sich diese Menschen beim Bürgergeldamt angesammelt. Hinzu kommen Menschen, die psychisch nicht in der Lage sind, sich in den Verwertungsprozess einzufügen. Diese Leute wird niemand freiwillig einstellen.
Ich halte es auch für unredlich zu sagen, wenn die Menschen sich ändern würden, gäbe es Unternehmer, welche diese dann einstellen würden. Stalin und Mao ist es trotz beispielloser Entschlossenheit nicht gelungen, die Menschen zu ändern. Ich hoffe nicht, dass Merz oder Weidel auf die Idee kommen, das noch einmal zu versuchen. Ich traue denen das allerdings zu!
Ich kann mir auch vorstellen, dass es 10–20 % fähige, aber unwillige Personen dort geben könnte. Offizielle Zahlen sprechen allerdings nur von einigen Tausend. Was Sie eigentlich implizit sagen, ist: „Wir müssen alle unter Druck setzen, um diese 10–20 % zu identifizieren.“ Ich würde das noch einmal überdenken, weil das eine ethisch fragwürdige Ressourcenverschwendung ist.
Interessant wäre noch eine Aufschlüsselung nach Herkunft/Staatsbürgerschaft und Familienstand (wie viele Kinder). Nach meiner Einschätzungen, werden Menschen ohne deutsche Staatsbürgerschaft mit Samthandschuhen angefasst. Denn jede Sanktion, jedes Nein in Bezug auf die Forderung nach Führerschein auf Steuerzahlerkosten oder sonstige Kurse und Umschulungen können schnell in Bremen als ‚ausländerfeindlich‘ gebrandmarkt werden.
Das Schlimmste aber im Zusammenhang mit Jobcenter der Umgang mit sog. „Ukrainern“. Diese brauchen keine Arbeit anzunehmen, diese haben ein Recht auf eine eigene Wohnung und brauchen keine Vermögensverhältnisse zu offenbaren. Die brauchen nur eine deutsche Kontoverbindung. Die Sonderbehandlung von Ukrainern ist ein riesiger Skandal auf Kosten der Bürger in Deutschland.
Danke für den Hinweis auf die Reportage, Herr Schuller.
Das Fazit von Sarah Tacke: Das System macht Missbrauch einfach.“ Deshalb müsse der Sozialstaat strenger kontrollieren – um nur „für die da zu sein, die ihn wirklich brauchen“ teile ich.
„Klar ist: Die allermeisten beziehen Bürgergeld zu Recht. Aber ein System muss Missbrauch verhindern – sonst verliert der Sozialstaat Akzeptanz. Und die neue Grundsicherung (ab dem 1. Juli 2026 heißt das Bürgergeld offiziell ‚Grundsicherungsgeld‘, d. Red.) bringt zwar härtere Sanktionen, ein echter Systemwechsel ist sie aber nicht“, schreibt Sarah Tacke.“
Quelle: Welt.de v.18.5.26
Diese Debatte um Betrug bei Sozialleistungen in der Gesellschaft ist nur exemplarisch geführt.
Das grundsätzliche Dilemma: Der Staat stellt Regeln auf , für deren Überwachung und Einhaltung er aber zu schwach sowohl technisch ( Beispiel Digitalisierung), personell und finanziell aufgestellt ist.
Ein immer schwächer agierender, demokratischer Staat wird irgendwann nicht mehr funktionieren. Es kommen populistisch, agierendende Parteien in der Wählergunst nach vorn, die niemals den Nachweis erbracht haben, daß sie es besser können, wenn sie den Rechtsstaat in Deutschland und europäisches Recht weiterhin akzeptieren müssen.
Aber vielleicht wollen sie das gar nicht.
Die Zukunft sieht düster aus.
“ Von nun an geht’s bergab.“ sang mit satirischem Unterton Hildegard Knef 1967. Schöne Nostalgie auf der LP.
Die Steuereinnahmen brechen weg, die Produktionskosten in Deutschland sind unbezahlbar, wenn überhaupt hier noch produziert wird.
Die Ausgabenseite des Staates, auch durch Sozialleistungen geboostert, explodiert weiter.
Die Deflation hat uns fest im Griff.
Alles schon mal dagewesen.
Wenn nicht alle demokratischen Parteien das schwebende Damokles- Schwert erkennen und gemeinsam an einem Strang ziehen.
Aber das ist Wunschdenken.
Much Worse To Come.
Das Interessante an solchen durch Propaganda induzierten Debatten ist, dass sie die konsequente Ursachenforschung untergraben und damit auch die adäquate Lösungsfindung erschweren.
Die Frage wird im Prinzip darauf reduziert, warum nicht endlich die Totalüberwachung für den Plebs eingeführt wird oder alternativ dass die Mehrheit gar keine „arbeitsscheuen Sozialschmarotzer“ seien und die Maßnahmen daher übertrieben wären. Welches Problem soll eigentlich mit dem grundgesetzlich „garantierten“ Sozialstaat gelöst werden? Es sind im Wesentlichen zwei Dinge:
1. Die Menschen sollen nicht nur nicht verhungern, sondern auch am kulturellen Leben teilnehmen können.
2. Die Ärmsten sollen nicht kriminell werden müssen, um Ersteres zu erreichen.
Warum wird das Bürgergeld nicht einfach vom Finanzamt als Auszahlung des Steuerfreibetrags gehandhabt? Kleiner Antrag über Elster – und das Geld wird in monatlichen Raten überwiesen. Das würde bedeuten: 3–5 Mitarbeiter für ganz Deutschland statt der heutigen Apparate für Arbeitslosengeld, Bürgergeld, Sozialhilfe und BAföG.
Natürlich nur für Staatsbürger. Das würde die Kosten für die „gute Sache“ um etwa drei Viertel reduzieren. Das will man doch offiziell aber wohl nur nicht wirklich. Natürlich sind die Bürokraten, die vom heutigen Drangsalieren und Ertüchtigen leben, dagegen. Genauso wie die Frösche gegen das Austrocknen der Sümpfe sein müssen. Geschenkt!
Aber dann würde auch jedem klarer, worum es sich ökonomisch eigentlich handelt: nämlich um Kaufkraftzuteilung und Geldumlaufförderung. Wir haben inzwischen eine Geldumlaufgeschwindigkeit von nur noch 0,9 Umläufen eines Euros pro Jahr. Im Jahr 2000 waren es noch 1,4, 1949 sogar 8,3. Man sollte eher über die Struktur der Staatsfinanzierung und Steuersystematik nachdenken, würde mehr bringen.
Das Dumme für die Technokraten wäre, dass sie plötzlich keine verhältnismäßig wehrlose Gruppe mehr hätten, auf die sie die Missstände projizieren könnten. Und damit sind wir ziemlich nahe am Kernproblem.
@Volker Redder: quod erat demonstrandum!
Der Mitarbeiter aus dem Job Center Bremen, der politisch offensichtlich unliebsame Wahrheiten aufdeckte, ist nunmehr bis Ende des Jahres beurlaubt worden.
Darüber und über den Hass vorrangig von »Links« auf die Inhalte ihrer Doku berichtete Journalistin Sarah Tacke gestern auf Nachfrage von Markus Lanz »ob es den Mann im Jobcenter noch gibt« gestern in der Sendung.
Aufschlußreich auch Tackes Erklärungen bezogen auf die »Nebelkerze«, es geben nur 1 % TotalverweigerInnen. Sehenswert:
https://www.zdf.de/play/talk/markus-lanz-114/markus-lanz-vom-20-mai-2026-100
Wer das Sozial-System wirklich retten will, muss es funktional halten. Und mit dem Rückhalt der Bevölkerung, nicht gegen sie. Also muss man die Akzeptanz sichern. Das bedeutet im aktuellen Fall, die Hilfe nur noch denjenigen zukommen zu lassen, die sie wirklich benötigen. 47% ausländische BÜRGERgeldempfänger, Zahlen wie die Totalverweigerer klein zu reden und Aussagen wie „es gibt keine Einwanderung in das Sozialsystem“ (Fr. Bas) helfen da nicht weiter. Die Bürger sehen und erleben was passiert, und merken dass es nicht passt zu dem was man von Oben gesagt bekommt. Das ist keine nachhaltige Politik, das ist ein verzweifelter (letzter) Abwehrkampf .
@Axel Schuller: Lieber Kollege Schuller, ich habe bisher immer gedacht, dass für Sie journalistische Standards eine wichtige Rolle spielen. Anscheinend treten die zurück in Ihrem Furor, für die CDU in Bremen Werbung oder Marketing betreiben zu müssen. Verbundenheit mit Ihrem früheren Arbeitgeber? Dass ich mit meiner Anmerkung hinsichtlich der Evidenz der Jobmitarbeiteraussagen nicht ganz falsch liege, zeigt der Kommentar des Kollegen Marc Raschke (https://www.facebook.com/photo?fbid=122259626960155126&set=a.122109651164155126), den Sie sich gerne zu Gemüte führen dürfen.
@Volker Heigenmoser: Ich empfehle Ihnen den Folgebeitrag vom 21.5. im Blog anzuschauen: „Linker Staatsrat stützt Sichtweise des plötzlich „abwesenden“ Jobcenter-Mitarbeiters“.
„Furor“ für die CDU. Wovon, lieber Kollege, Sprechen Sie? In meinem Blog ist Vielfalt Trumpf. Und dann noch der Schlenker zum vorigen Arbeitgeber – OMG.
Die Aussagen im Beitrag von Sarah Tacke treffen einen Nerv, weil sie reale Erfahrungen aus Jobcentern aufgreifen: fehlende Mitwirkung, informelle Arbeit, integrationspolitische Spannungen und überforderte Systeme. Wer dort arbeitet, kennt solche Fälle.
Und dennoch entsteht leicht eine Praxisillusion:
Wer täglich mit besonders schwierigen Fällen arbeitet, sieht irgendwann fast nur noch diese Fälle. Daraus wird dann schnell ein Gesamtbild „des Bürgergeldsystems“ oder „der Zuwanderung“.
Ja: Ein Sozialstaat braucht Verbindlichkeit.
Mitwirkung, Sprachlernen, Arbeitsorientierung und die Bekämpfung informeller Beschäftigung müssen eingefordert werden – gerade auch bei Integration und Zuwanderung. Sonst verliert das System gesellschaftliche Akzeptanz.
Aber die Wahrheit liegt eben nicht nur auf dieser Seite.
In meinem Arbeitsalltag sehe ich vor allem Menschen mit gesundheitlichen Einschränkungen, Suchterkrankungen oder psychischen Belastungen. Dort wird ein strukturelles Problem sichtbar: Das System behandelt Krankheit oft formal, aber nicht ausreichend praktisch und langfristig.
Ein drogenkranker junger Mann, bei dem ich früh deutliche Abbruchmuster sah, bekam formal Leistungen – aber in Jahren viel zu wenig kontinuierliche Unterstützung, um überhaupt wieder Stabilität und Teilhabe entwickeln zu können. Genau dort müsste ein moderner Sozialstaat anders arbeiten: früher, verbindlicher, therapeutischer und nachhaltiger.
Denn eingeschränkte Leistungsfähigkeit bedeutet nicht automatisch Perspektivlosigkeit. Arbeitsmarktpolitik muss auch Chancen zur Teilhabe organisieren – gerade für Menschen, die nicht voll leistungsfähig sind. Nicht nur aus sozialer Verantwortung, sondern auch volkswirtschaftlich: Wenn über Jahre „nichts passiert“, verstärken sich Krankheit, Isolation und langfristige Kosten im Gesundheitswesen, in der Grundsicherung.
Deshalb halte ich eine stärkere Segmentierung im Jobcenter weiterhin für richtig:
* mehr Verbindlichkeit dort, wo sie sinnvoll greifen kann,
* mehr Stabilisierung und Gesundheitsorientierung dort, wo Menschen zunächst wieder handlungsfähig werden müssen.
Allerdings kann Segmentierung nicht bedeuten, dass eine einzelne Integrationsfachkraft „nebenbei“ völlig unterschiedliche Problemlagen gleichzeitig bearbeiten soll. Genau das überfordert derzeit viele Systeme.
Segmentierung muss strukturell gedacht werden:
mit spezialisierten Teams, unterschiedlichen fachlichen Ansätzen und eigenen Subzielen für unterschiedliche Kundengruppen. Die Anforderungen bei gesundheitlichen Einschränkungen, Suchterkrankungen oder multiplen sozialen Problemlagen unterscheiden sich erstmal grundlegend von denen bei arbeitsmarktnahen Kundinnen und Kunden oder integrationsorientierter Vermittlung.
Die Alternative kann weder ein rein verwaltender Sozialstaat noch ein rein sanktionierender sein. Wir brauchen einen Staat, der fördert, fordert und langfristig steuert.
Der völlig falsche und irreführende Aufreißer von Sarah Tacke über Bürgergeld im zdf (Am Puls) wird leider nicht beachtet. Das anonyme Interview mit einem Betrüger zeigt einen Menschen, der 1750 Euro Arbeitslosengeld bezieht und nur kurz Hartz IV, kein Bürgergeld. Da muss er vorher gut verdient haben. Zwar gibt er Missbrauch mit vorgetäuschter Krankheit zu, aber das Alles hat nichts mit dem Thema Bürgergeld zu tun.