Schlimmer geht’s nimmer: SPD löst inzwischen Gefühle von Mitleid aus
Liebe Rest-SPD, heute tut’s vermutlich etwas weh. Ja, Menschen können nicht ausschließlich Höchstleistungen abliefern; wär‘ auch „übermenschlich“. Das gilt übrigens auch für Parteien. Schließlich werden die von Menschen getragen. Die SPD ist aktuell leider weit entfernt vom Status einer Hochleistungspartei. Im Gegenteil: Sie ist auf dem Weg in einen katastrophalen „Aggregat-Zustand“. Die Partei löst mittlerweile schon Mitleids-Gefühle aus. Schlimmer geht’s nimmer.
Willy Brandt, Helmut Schmidt und – ja sogar – Gerhard Schröder. Sie allesamt waren Sozialdemokraten, denen man mit fliegenden Fahnen folgen, oder die man aus tiefstem Herzen ablehnen konnte.
Das hatte einen Grund: Alle Genannten waren Menschen, ja Typen, die für bestimmte Inhalte standen. Zudem waren es Männer, die über ein „inneres Gerüst“ verfügt haben, an dem sie sich inhaltlich orientierten und an dem sich notfalls selbst aufrichten konnten. (Der viel geschmähte Christdemokrat Helmut Kohl gehörte übrigens auch zu dieser Politiker-Gattung).
Ich will nicht in der Vergangenheit schwelgen, auch nicht Brandt & Co verklären.
Aber, wer sich mit dem Heute und Morgen beschäftigt, sollte die Vergangenheit nicht aus dem Blick verlieren.
Für die SPD gilt dies in besonderer Weise. Denn ihr Weg von der Partei mit dem Schwerpunkt „Aufstiegsversprechen“ (Jeder, der sich anstrengt, kann etwas werden) hin zur Akademiker-Partei ist bestürzend, selbstzerstörerisch und unterm Strich nicht gut für unseren Staat.
Kurzer Exkurs: Da, wo die Alt-SPD Lücken hinterlässt, stoßen teils spinnerte LINKE und Fundi-Grüne hinein. Noch heftiger: Die SPD verliert ihre frühere Rolle teilweise an die AfD.
Warum auch immer: Seit der Akademisierung der SPD wird dort der Begriff „Leistung“ mit einem unguten Unterton ausgesprochen. Das war früher anders.
Da hieß es: Streng dich an, dann kannst du es schaffen. Wenn nötig, mit Unterstützung. Heute packt der „Sozialstaat“ Menschen teilweise in Watte – obwohl ein nicht unbeachtlicher Teil für sich selbst sorgen könnte.
Schröders Motto „Fordern und Fördern“ war richtig. Dumm für ihn, dass er seinerzeit dank Selbstüberschätzung die von ihm herbeigeführte Neuwahl verlor. So konnte schließlich Angela Merkel die Früchte der Agenda 2010, den Wirtschaftsaufschwung, ernten.
Aktuell befindet sich die Bundes-SPD erneut auf Talfahrt. Ihre Vorsitzenden Lars Klingbeil und Bärbel Bas zeichnen sich durch Ignoranz, Weltfremdheit und blindes Verteidigen des bald unbezahlbaren Sozialstaates inkl. seiner unguten Wucherungen aus.
Statt zu schauen, wer benötigt wirklich Unterstützung – wie bspw. die wachsende Schar von Altenheim-Bewohnern, deren Renten die Heimkosten manchmal nicht zu einem Drittel decken – will die Parteispitze ohne Wenn und Aber das Vorhandene bewahren. Aus Sicht des Lateiners: Die SPD in dem Fall als Konservative (konservare = bewahren).
Viele Ex-SPD-Wähler in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz meinten/fühlten/sahen, dass sich „ihre“ SPD anscheinend lieber ums Wohl von Bürgergeld-Empfängern als um das von Durchschnittsverdienern kümmerte. Die Folge: Viele Wähler unterer Schichten wechselten in den beiden Ländern zur AfD.
Und auf welch oberschlauen Lösungsansatz verfiel Deutschlands älteste, einst so stolze, Partei? Sie fordert einfach ein Verbot der AfD.
Schauen wir nach Bremen.
Auch hier nimmt die Zustimmung zur jahrzehntelangen Regierungspartei ab. Die Verwaltung genießt – sehr freundlich formuliert – nicht den besten Ruf. Einige SPD-Senatsmitglieder straucheln irgendwie durchs Leben. Beispiel: Sozial- und Arbeitssenatorin Dr. Claudia Schilling. Sozialbetrug wird nicht ausreichend geahndet, der Ausbildungsfonds hakt vorne und hinten.
Der Staatsräte-Untersuchungsausschuss fördert wenig schmeichelhafte Ergebnisse zu Tage. Welch ein Glück für Sascha Aulepp, dass Bürgermeister Dr. Bo. sie bereits gegen Mark Rackles ausgetauscht hat… Wobei Rackles sich allem Anschein redlich Mühe gibt, in Sozialen Netzwerken als linker „Radau-Bruder“ rüberzukommen. Leider.
Noch so ein SPD-Ding: Früher galt ein Teil der SPD (dank Ulrich Mäurer) selbst unter Bürgerlichen als anerkannter Verteidiger der inneren Sicherheit. Nunmehr gibt sich die SPD bei den neuen „Sicherheitsgesetzen“ endgültig ihren Koalitionären Linken und Grünen hin – Polizei und Verfassungsschutz können ihren Job demnächst noch schlechter machen. Und die SPD schaut nicht etwa betreten drein, sondern applaudiert zu den Einschränkungen. Man könnte auch sagen: Die SPD verschattet sich selbst. Sonnenbrillen, Schals und Covid-Masken im Hochsommer gelten nicht mehr als Vermummung, sondern als Ausdruck der jeweils individuellen Desig-Note der Demonstranten. Das ist einfach nur noch – super-schräg. Polizisten, bzw. deren Gewerkschaften: Wehrt euch!
Positive News finden nicht immer den Weg in die Bremer Medien. Die Folge: Der Bürgermeister schreibt sich regelrecht die Finger wund, um auf LinkedIn und Facebook Loblieder auf unsere Stadt zu singen. Der Nachteil: Unternehmer (LinkedIn) halten ihm zunehmend vor, er schmücke sich mit fremden (Firmen-)Federn. Ja, und dann tummelt sich Bremens Regierungschef neuerdings auf tiktok, dem sozialen Netzwerk des chinesischen Konzerns ByteDance. Soll modern sein, wirkt aber wie gefilmte Parteitags-Auftritte. Gestik, Sprechweise etc. passen überall hin, aber nicht zur Alterszielgruppe von tiktok (14-27).
Dass Bovenschulte, Senat und die SPD-Fraktion ausgerechnet jetzt den Mitteilungskanal X verlassen, zeugt nicht von strategischem Denken, sondern wirkt eher wie Bestätigungs-Bettelei in der linken Bubble. Auf jeden Fall gleicht der Verzicht auf X dem klassischen Schuss ins eigene Knie. Zumal die Sozialdemokraten noch keinen adäquaten Ersatz für Musks Plattform gefunden haben.
Die Hinweise der SPD-Politiker, X von Elon Musk fördere den Rechtsextremismus, versteht übrigens kein normaler Mensch, der sich auf X (früher twitter) umschaut.
Denn: Wer bei X nicht fortwährend auf der AfD rumdrischt statt sich mit der Partei inhaltlich auseinander zu setzen, bleibt offensichtlich von den „rechten“ Algorithmen des Amerikaners verschont. Mir und meinem Blog geht es jedenfalls so.
Bovenschulte & Co. verzichten – bislang ersatzlos – auf einen riesigen Resonanzraum. Besonders witzig: Der Bundesrat, dem unser Bürgermeister aktuell vorsteht, ist weiter auf X aktiv. So konnte man sich dort jüngst über die Reise des Bundesratspräsidenten Bo. durch Japan schlau machen. Skurril, oder?
Ein wichtiger Wortführer der Bremer SPD auf dem Feld der deutschen Aufrüstung, Arno Gottschalk, nutzt X übrigens weiter. So verbreitete er auch seinen Gastkommentar zu den Gefahren neuer Waffensysteme für bremensogesehen zusätzlich auf seinem X-Account. Mit großem Reichweiten-Erfolg.
Dies erinnert mich an Gerhard Schröder. Dessen Motto für seinen Kontakt zur Bevölkerung lautete: „Zum Regieren brauche ich Bild, BamS und Glotze.“
In Bremen dreht sich die Welt aber bekanntlich anders. Hier kasteien sich Spitzenpolitiker selbst, versagen sich der Kommunikation via X – weil dies als schlechtes Medium gilt.
Zuweilen sind hier linke Politiker sogar regelrecht „vernagelt“. Da höre ich von Menschen, die auf bremensogesehen selbst schreiben (oder auch nur zitiert werden!) sie müssten sich teilweise linken Gralshütern gegenüber dafür rechtfertigen, dass sie sich auf dem (angeblich) „rechts-konservativen“ Blog geäußert und diesen somit „aufwertet“ hätten. So die abstruse Denke in Kreisen ewig-gestriger Linker und teilweise auch verblendeter Sozis.
Zur Erinnerung ein alter Lehrsatz der Kommunikationsbranche: Willst du etwas erreichen, verbreite deine Sicht über alle verfügbaren Kanäle.
Wie schon erwähnt: Schröder war schlauer – Bild, BamS und Glotze. Einer dieses Schlages – Politiker aus einfachsten Verhältnissen mit entsprechender Erdung – scheint der SPD sowohl auf Bundes- als auch auf Bremer Landesebene zu fehlen.
Munter bleiben!
Herzlichst
Ihr Axel Schuller
P.S.: Liebe treue Leserschaft, wie empfinden Sie bremensogesehen? Als „rechts-konservativ“, oder eher als: kritisch, vernünftig, meinungsstark und Debatten-fördernd (so die Eigensicht meines Handelns). 🙂 Schreiben Sie Ihre Sicht gerne als Kommentar. Ich freue mich drauf. Selbst wenn Ihr Urteil über mich/mein Tun nicht so freundlich wie erhofft ausfallen sollte. Meine Berufs-Devise lautet seit rund 50 Jahren: Wer austeilt, muss auch einstecken. Dazu stehe ich.
Ich empfinde bremensogesehen nicht als rechtskonservativ. Ja, die Beiträge sind oft kritisch, manchmal auch eher unvernünftig, aber immer meinungsstark und auf jeden Fall debattenfördernd. Gerade darin liegt für mich der Wert dieser Plattform. Sie trägt zur Demokratisierung der Medienlandschaft bei, weil sie eben kein Kanal ist, der nur in eine Richtung sendet, sondern ein Ort des Austauschs. Hier kann man diskutieren, streiten und sich mit anderen Themen und Sichtweisen auseinandersetzen. Journalismus im Wandel der Zeit. Manchmal merkt man den Beiträgen auch an, dass hier 50 Jahre Berufserfahrung eine Rolle spielen. Das macht bremensogesehen ein Stück weit zu einer Plattform des alten Westens und genau das hat seinen eigenen Reiz. In diesem Sinne: Machen Sie genauso weiter. Bremen hat auf ein solches Angebot gewartet, und wir sollten es einfach alle für uns nutzen.
Die Sicht der sogenannten LINKEN, und alles was sich dafür hält, ist schlicht. Wer nicht in die „Babbel“ gehört ist RECHTS.
Oder ganz schlicht: „Willst du nicht mein Bruder sein, hau‘ ich dir die Augen ein“!
@Heiko Strohmann: „Unvernünftig“?
Kritisch sein, versuchen sachorientiert zu debattieren, vernünftig und ohne Denkverbote – all das steht eben diametral zur linken cancel culture und gilt damit heutzutage als rechts.
Nicht ohne Grund heißt es: „right is right and left is wrong“.
Ich finde diesen Blog sehr meinungspluralistisch. Es sind ja auch einige linke Beiträge oder liberale Beiträge vertreten. Diesen Meinungspluralismus finde ich nur noch auf den Leserbriefseiten des Weser Kuriers.
( In Bremen )
Er ist sehr unkritisch geworden, nur über das Jobcenter („Möbel für den Pausenraum“) berichtet er jetzt sehr kritisch, was mich freudig überrascht.
Naja, zu Gerhard Schröder äußere ich mich lieber nicht im Detail ( Hartz IV, Putin Freund ), zu ihm ist eigentlich auch alles gesagt, aber das Problem der SPD ist nur sichtbarer, eigentlich hat es auch längst die CDU, dort sind keine Politiker mehr mit Visionen, und konkreten Plänen, wie man Ziele erreichen will, ja die Ziele werden abseits von Phrasen gar nicht mehr klar, ausgenommen vielleicht die Verteidigungspolitik, die mir zwar nicht gefällt, aber die doch klarer strukturiert ist.
Es fehlt auch ein guter Moderator und Vermittler zwischen SPD und CDU, wie es Kiesinger mal war ( trotz seiner Vergangenheit, für mich ein völlig unterschätzter Kanzler. ).
Gustav Heinemann, Weizsäcker, Ludwig Erhard, Blüm, Geissler, weit und breit niemand, der ihnen in der CDU das Wasser reichen könnte. Und selbst Kohl hat sehr langfristig gedacht, siehe EU(RO), auch wenn mir davon nur wenig gefallen hat.
Nun sind die Zeiten andere, aber mein Verdacht ist, daß es solche Persönlichkeiten noch gibt, aber daß sie gar nicht mehr weit in einer Partei aufsteigen können. Und schon damals hat die CDU Ludwig Erhard als Kanzler übel mitgespielt und abgesägt. Und Gustav Heinemann ist ja auch aus der CDU ausgetreten, er war – im positiven Sinne – ein liberaler Querdenker, der Urvater der liberalen Strafrechtsreform.
Mich wundert eher, daß die CDU noch so gute Wahlergebnisse hat, aber vermutlich wird sie in einigen Jahren auch prozentual da stehen wo die SPD heute ist.
Axel Schuller ist mit bremensogesehen der Finger, der in offene Wunden dreht.
Ein interessanter Artikel. Als erstes möchte ich meine Einschätzung zum Blog und zu Ihnen, lieber Axel Schuller, abgeben. Ich finde den Blog als sehr relevant für Bremen, weil er immer wieder die Finger in die (offenen) Wunden legt. Er ist weder links noch rechts sondern einfach immer gerade aus, meistens aus dem Herzen der Bürger sprechend. Er zeigt die Ohnmacht der Bürger, die den regierenden schlichtweg am Allerwertesten vorbei gehen. Die meisten Bremer Politiker haben vergessen, wem sie dienen sollten und das zeigt der Blog leider immer wieder auf eine herrlich direkte Art,
Je mehr journalistische Angebote bestehen, desto besser. Ganz einfach. Viel Feind viel Ehr…..Weiter so Herr Schuller!
Blog gelesen – und uns fast weggeworfen!
Die Bundes SPD hat fertig!
So einfach ist das!
Zum Bremer Teil:
Dr. Schilling war eh immer nur 2te Wahl wegen Bremerhaven und Frauenquote!
Sie ist m.W. über einen Frauenverband nominiert worden.
Dass Dr. Högl Senatorin wurde, ist nur dem Umstand geschuldet, dass Dr. Bovenschulte kein Bundesjustizminister geworden ist!
Damit hatte er ja geliebäugelt und Dr.Högl sollte ihn beerben.
Dass Axel Schuller in seinem Blog unbequeme Wahrheiten anspricht, ist gut so.
Dass aber die SPD intern verfügt hat, den Blog nicht zu kommentieren, ist ein Armutszeugnis!
Demokratie lebt vom Widerspruch.
Und so sollte es auch bleiben.
Ich glaube, an dieser Stelle müsste man mal etwas tiefer bohren, um zu erkennen, was das Problem mit den Parteien – insbesondere den Altparteien und der SPD im Speziellen – ist.
Parteien sind das Vehikel von „Eliten“, um eine Demokratiefassade aufrechtzuerhalten. Sie bieten Karrieremöglichkeiten für Leute, die sonst kaum vermittelbar wären. Es zieht den Typ Mensch an, der in früheren Zeiten seinen Verwandten und Freunden Kapitallebensversicherungen und Riester-Renten vertickt hätte. Darum handeln Parteien praktisch immer gegen die Interessen ihrer Wähler.
In diesen Kreisen hat sich der Glaube durchgesetzt, dass man jedes gefährliche, überteuerte Schrottprodukt mittels guter Werbung verkaufen kann. Wahrheit ist keine gültige Kategorie mehr. Franz Müntefering (SPD) hat die Gedankenwelt der erfolgreichen Politmarionette einmal auf den Punkt gebracht: „Es ist ungerecht, Politiker an Wahlkampfaussagen zu messen.“ Doch die Wahrheit versandet im Meer der Lügen.
Solange man die Deutungshoheit über die Wirklichkeit mit seinen eigenen Medien durchsetzen kann, funktioniert das auch. Die SPD war früher ja tatsächlich ein Zeitungsimperium. Und damit man sie nicht mit einer kriminellen Organisation verwechseln kann, haben sie in das Strafgesetzbuch (§ 129 StGB – Bildung krimineller Vereinigungen) den Absatz 3 eingefügt: „… ist nicht anzuwenden, wenn die Vereinigung eine politische Partei ist, die das Bundesverfassungsgericht nicht für verfassungswidrig erklärt hat.“ Dieser Absatz wurde am 2. März 1974 (BGBl. I S. 469) eingeführt und trat zum 1. Januar 1975 in Kraft – also unter der Regierung von Willy Brandt und seinen parlamentarischen Komplizen.
Das Oligopol über die Deutungshoheit ist durch die „neuen Medien“ zum Glück erst mal gebrochen, und die Zahl der Schlafschafe wird immer kleiner. Spätestens wenn die Semi-Aufgewachten durch die AfD betrogen worden sind, ist Game Over.
Ich finde „bremensogesehen“ zwar etwas rechtslastig, aber immer noch weitgehend mittig. Das hängt wohl vom Chefredakteur und seiner Vergangenheit ab! Jedenfalls ist das Bemühen darum deutlich zu erkennen ! Im Gegensatz zur (berechtigten)Kritik am derzeitigen Bremer Senat, kommt die CDU , generell wie speziell, relativ unbeschadet davon. Was mir gefällt ist, dass auch gegensätzliche Meinungen in diesem Medium zu Worte kommen und die Bezieher die Möglichkeit haben, hemmungslos zu kommentieren und zu diskutieren. . Zur P r i v a t -Fehde Schuller/Weser-Kurier äußere ich mich lieber nicht !
Als Exil-Bremer in Berlin freue ich mich immer über „bremensogesehen“ ! Wenn es diesen stets gut informierten Blog nicht gäbe, müsste man ihn erfinden! Weiter so, lieber Herr Schuller!
Wenn der Blog als politisch einseitig erscheint, dann nur, weil die „Gegenseite“ ihren Standpunkt nicht in Kommentaren vertritt oder sachlich Zahlen bzw. Gegenargumente liefert. Schliesslich ist der Blog nur die Summe seiner Kommentare und Herr Schuller einfach der neutrale Katalysator.
Die einen sagen, Axel Schuller gebe den Linken eine Plattform, die anderen den Konservativen. Solange ich aus beiden Lagern höre, Axel Schuller sei dies oder jenes, ist für mich klar: Er ist weder noch. Er ist einfach ein guter Journalist. Er bietet ein plurales Forum. Er legt Missstände offen und den Finger in die Wunde. Er klärt über Sachverhalte auf und erläutert Zusammenhänge, die in unserer monostrukturellen Bremer Medien-Blase aus Weser-Kurier und Buten un Binnen weder angeprangert noch offengelegt werden.
Das Wirken von Axel Schuller ist umso wichtiger, weil diese Medien offenbar exzellent von Christian Dohle, dem Senatssprecher von Bürgermeister Bovenschulte, orchestriert und eingehegt werden. Dohle kennt beide Häuser von innen und ist bestens verdrahtet: Er schrieb für den Weser-Kurier und wechselte 2007 zu buten un binnen, ehe er 2019 ins Rathaus ging. So wurde Buten un Binnen unter der SPD-290TEUR-Intendantin Yvette Gerner zu einem seichten Boulevard-Magazin mit gerade noch einem Mindestmaß an politischer Kritikfähigkeit „weiterentwickelt“. Auch pflegte Dohle über Jahre einen kurzen Draht zu seiner Ex-Kollegin und langjährigen WK-Chefredakteurin Silke Hellwig. Diese Regentschaft Hellwigs ist nun zum Glück endlich beendet. Wie sehr vermisse ich Christian Berg und Michael Geyer, die bei Buten un Binnen wirklich investigativ gearbeitet haben und die vierte Gewalt, das Korrektiv verkörperten.
Solcher politischen Einflussnahme entzogen, ist der Blog bei unseren Bremer Politikern Pflichtlektüre. Die maßgeblichen Akteure werden nervös, wenn „Schuller wieder schreibt“. Auch erschließt er mit der Einladung zu Gastkommentaren neue Themen und aufschlussreiche Sichtweisen. So werden mir teils sehr interessante Aspekte bekannt, die ich zuvor nicht kannte.
Was Axel Schuller als One-Man-Show mit viel persönlichem Engagement leistet, ohne jede Vergütung, unter erheblicher politischer Anfeindung und, wie ich höre, teils mit bösen Briefen von Anwälten unserer Volksvertreter in Exekutive und Legislative, ist mehr als bemerkenswert. Das ist ein unverzichtbarer Beitrag zur politischen Kultur und zur offenen Debatte. Der Blog bremensogesehen (BSG) ist ein nicht zu unterschätzender Gewinn für Bremen. Hätten wir mehr Journalisten vom Kaliber eines Axel Schuller, ginge es Bremen sehr viel besser. An dieser Stelle ein dickes Dankeschön.
Bevor sich Axel Schuller nach all diesen freundlichen Leserkommentaren zufrieden zurücklehnt, muss hier auch mal eine kritische Stimme zu Wort kommen: Natürlich ist dieser Blog mindestens rechtskonservativ. AS teilt ständig gegen Rote, Grüne und Klimaschützer aus, ist aber blind gegenüber dem viel gefährlicheren Rechtspopulismus und -extremismus. Unwidersprochen veröffentlicht er ständig Leserkommentare von Verschwörungsgläubigen. Ein vermutlich parteiloser Mitarbeiter aus dem Politikbetrieb, der bisher nicht durch politisches Engagement aufgefallen ist, hat seine Sicht auf den Blog mal so formuliert: „Alter weißer Mann versteht die Welt nicht mehr und arbeitet sich am Weser-Kurier ab“. Und weiter: „Ich hatte keine Ahnung, wie viel Energie die Abneigung gegen Gendern, Fahrräder, Vegetarier, Flüchtlinge und Politiker links von der AfD freisetzen kann.“ Trotzdem: Für manche Exklusivgeschichte verdient AS großes Lob.
Der Blog von AS ist meines Erachtens aus der schier unerträglichen Einseitigkeit in der Bremer Medienlandschaft entstanden. Sozusagen aus Notwehr. AS konnte es wohl nicht mehr aushalten, dass die Bürgerinnen und Bürger dieses Bundeslandes trotz garantierter Meinungsfreiheit zunehmend rudimentär und unkritisch abgespeist wurden. Meinungspluralismus Fehlanzeige, Hintergrundberichte Mangelware, kritisches Nachfragen unerwünscht, wer sich kritisch zu RGR äußert, wird gleich in die rechte Ecke gestellt. Da kann einem Journalisten mit Haltung schon mal der Draht aus der Mütze fliegen. Aber statt zu meckern hat er es dann lieber selbst in die Hand genommen und liefert, was ansonsten fehlt. Der Meinungsvielfalt ist durch die Kommentarfunktion eine fruchtbare Debattenplattform genüge getan. Desgleichen durch die Gastbeiträge. Dafür ist ihm der Dank vieler Menschen gewiss und allemal berechtigt. Mit seinem Blog füllt AS die Lücke, die es in einer freien Gesellschaft so gar nicht geben sollte.
In welchem Umfang finden im durchaus überschaubaren Bremer Medien-Mainstream „Pluralismus“ und „Diskurs“ authentisch statt?
Die Antwort auf diese Frage könnte erklären, warum der vorzügliche Blog des Herrn Schuller so viel Aufmerksamkeit bekommt.
Es ist doch erfrischend, erhellend und belebend zugleich, wenn wenigstens ein Journalist in Bremen das schreibt und das infrage stellt, was er will und nicht das, was von ihm erwartet wird.
Axel Schuller sei gedankt für seine vielen exklusiven Geschichten. Es ist erstaunlich, wie ein ehrenamtlich arbeitender Einzelkämpfer WK und bubi teilweise am Nasenring durch die Manege zieht. Ich sehe die politische Ausrichtung des Blogs als die der politischen Mitte, wie man es zu Hochzeiten von CDU und SPD einmal nannte. Was muss im Oberstübchen des Kollegen Stengel schiefgelaufen sein, dass er den Blog-Autoren als „mindestens rechtskonservativ“ verunglimpft? Wenn Axel Schuller mit irgendetwas nichts am Hut hat, dann sind es Rechte. Als sein langjähriger Kollege und Freund kann ich das beurteilen.
Schön, daß sich während der Fußball WM doch noch so viele Zeit für einen Kommentar nehmen.
.@ Herr Bremermann:
„Wie sehr vermisse ich Christian Berg und Michael Geyer,“
Da kann ich Ihnen nur zustimmen. Auch wenn manches vielleicht sehr frech und provokativ war, es war immer interessant und die Kritik ging in alle Richtungen.
B+B ist sehr weichgespült und langweilig geworden, selbst wenn mal über Skandale berichtet wird.
Im Gegensatz zu früher ist man hier aber meist zweiter Sieger, berichtet also was andere Medien schon aufgedeckt haben. Und dann die Berichte über den Bürgermeister, nach dem Motto: Es menschelt..
Schön, daß er zur Klampfe greift und singt, aber warum regiert er so schlecht ?
Auch das Thema Armut ( Quote über 25 Prozent in Bremen , bundesdeutscher Rekord ) wird schnell abgehandelt
Dieser Blog ist eine Bereicherung für den Mikrokosmos Bremen, indem er oft Themen aufgreift, die in den üblichen Medien nur kurz oder gar nicht vorkommen.
Ich lese ihn gerne, er hat keine Bezahlschranke, ist gut recherchiert und provokant. Dafür vielen Dank, Herr Schuller!
Das eigentliche Kapital des Blogs sind die vielfältigen Kommentare und Sichtweisen, die mit mal mehr oder mal weniger Kompetenz oder Polemik auffallen und unterhaltsam oder langweilig, weil vorhersehbar und ideologisch bestimmt sind.
Unser völlig heruntergewirtschaftetes Bremen steht manchmal für ein Klein-Klein Denken mit einer Empörungsdiskussion, in der man sich über lächerliche 0.9 Mio Euro bei der Selbstdarstellung der Aufenthaltsqualität für die Mitarbeiter im Jobcenter die Köpfe heissredet, weil scheinbar ja dort jeder Penny zählt, um den Auftrag Arbeitslose in Arbeit zu bringen zu erfüllen. Mitnichten funktioniert dieser Job des Centers angesichts der Arbeitslosenquote und des tatsächlichen Bedarfs und der Anforderungsprofile. Negativer Spitzenplatz in Deutschland, wie fast immer.
Ähnliches spielt sich auch in Berlin ab. Nur ne Nummer größer.
Dort soll Schloss Bellevue für 600 Mio Euro renoviert werden, ein Interims- Neubau wird für die Übergangszeit für 200 Mio errichtet, so dass bei den üblichen Steigerungen der Baukosten am Ende mal locker mit ner Milliarde Euro zu rechnen sein wird.
Es ist dieses abgehobene politische Selbstverständnis, was Baumaßnahmen für staatliche Institutionen heute kosten dürfen, das zu Verdruss in der Bevölkerung führt. In einer Zeit wo das Verhältnis von Einnahmen und Ausgaben im Staat völlig kaputtgegangen ist.
Da helfen auch Beschimpfungen der Bürger und der Appel zur Mehrarbeit nicht weiter.
Mehr arbeiten für die gut mit Diäten und Pensionen versorgten Politiker, die diese Beschlüsse für maßlose Prestigeobjekte treffen und in ihrer eigenen Blase leben. Na gerne!
Da es beim Abstimmungsverhalten immer zuerst um die Fraktionsdisziplin und weniger um konstruktive, vernünftige Vorschläge geht wird das auch so bleiben.
Das hat mal sinngemäß jemand gesagt, der in Bremen bei der Wahl die meisten Stimmen gesammelt hat und trotzdem nicht Bürgermeister geworden ist.
Harte Zeiten nachdem wir uns inzwischen von der“ Erwartungssicherheit“ an den Staat verabschieden müssen.
Herr Stengel, AS beweist seine liberale Gesinnung alleine dadurch, dass er Ihre nahezu durchweg denunziatorischen Äußerungen immer wieder freischaltet, obschon diese sich durchweg durch völlige Substanzlosigkeit auszeichnen.
Ich lese die Beiträge von Herrn Schuller regelmäßig und empfinde sie weder als rechts noch als links. Für mich stehen Information, kritische Betrachtung und die Anregung zur Diskussion im Vordergrund. Gerade die klare Meinungsäußerung verbunden mit dem Anspruch, Debatten zu fördern, macht die Beiträge lesenswert. Auch wenn man nicht immer jeder Einschätzung zustimmt, liefern sie wertvolle Denkanstöße und bereichern den öffentlichen Austausch.
Gerade das brauchen wir in Bremen.
Lieber Axel Schuller, bitte weiter so.
Sehr gute Beschreibung des Status quo.
Und ich hab keine Hoffnung, dass sich da etwas ändert.
Die Strukturen haben sich sich völlig verfestigt – nach dem lange bekannten Motto in der Bremer Verwaltung: wer unter mir Senator ist, spielt keine Rolle.
Man schaue sich nur das Video der für den entlassenen Herrn Spinn nachgerückten Frau Müller an. Unfassbar. Keinerlei Unrechtsbewusstsein.
Wenn es diesen Blog nicht geben würde, müsste man ihn erfinden. Dass hier einige der Leser Axel Schuller mit einem blinden Fleck auf der rechten Seite framen, und ihm gleichzeitig unterstellen, selber „rechts“ (wobei diejenigen natürlich mit „rechts“ immer auch gleich „rechtsradikal“ meinen) zu sein, ist schon sehr armselig und passt zur linken journalistischen Meinungshoheit in diesem Lande (und damit meine ich nicht nur Bremen). Dieser Blog ist eine Klasse für sich. Axel Schuller ist ein hervorragender investigativer Journalist, der schon diverse Male hier Dinge aufgedeckt hat, über die gerne beim Rest der Journaille der Mantel der Verschwiegenheit gelegt wird. Herr Bremermann schrieb oben, dass er Charaktere wie Geyer und Berg vermisst. Muss er nicht. Axel Schuller ist besser. 🙂
Und ansonsten schließe ich mich hier den wohlfeilen, bürgerlichen Kommentatoren an. Weiter so, Axel Schuller!