Bovenschulte will Steuerausfälle über Kredit ausgleichen – und der WK kaut es nur wieder

07.06.2026 17 Von Axel Schuller

Da sitzt du entspannt beim Kaffee trinken, denkst an nix Böses und dann tritt der eigene Bürgermeister bei Spiegel online auf: Dr. Andreas Bovenschulte (SPD). Dank der einer  Zufallsfunktion ist der Mann gerade Bundesratspräsident und fühlt sich berufen, der Bundesregierung Ratschläge zu geben. Ausgerechnet der Chef des höchst verschuldeten Bundeslandes fühlt sich berufen, Tipps zu geben. Vorschlag 1: Die Steuerreform mit Entlastungen für breite Schichten müsse umgehend angepackt werden. Okay. Zur Finanzierung greift er auf altes Sozi-Handwerkszeug zurück. Vorschlag 2:  Steuerausfälle müssten vorübergehend mit mit Krediten bezahlt werden. Ernsthaft, Herr Bürgermeister?

Auf dem Feld „Geld bei Banken pumpen“ kennen sich die Bremer Sozis bestens aus: Aktuell sitzt das kleinste Bundesland vor einem ()wachsenden) Schuldenberg von 23,4 Milliarden Euro. Jeder Bremer (m/w/d), vom Baby bis zum Greis, ist aktuell mit 33.500 Euro verschuldet. Wer soweit gesunken ist, dem graut vor gar nix mehr. Auch nicht, Steuerentlastungen auf Pump zu finanzieren.

Was mich gestern bald noch mehr als Bovernschultes Griff in die Sozi-Werkzeugkiste empört hat, war der Umgang unserer Lokalzeitung mit dem Thema. Ein Bericht zwar auf der heutigen Titelseite – aber von der Deutschen Presseagentur. Der eigene  Korrespondent  für Bundesthemen hatte wohl freies Wochenende o.ä.. Und von einer eigenen Politikredaktion  kann man im WK nicht mehr ausgehen.

Also lässt sich Dr. Bo bei Spiegel online aus, und die Zeitung vor Ort kaut einen dpa-Nachricht nach. Kommentar: Fehlanzeige.

Wie weit, ehemals lieber WK, willst du eigentlich noch sinken?

Gibt es in diesem Blatt wirklich niemanden mehr, der an einem Wochenende in der Lage ist, die Bovenschultschen Wirrungen einzuordnen? Echt nicht?

Dabei würde es ja schon reichen, wenn die „Zeitung“ – bald werde ich sie nur noch „Blatt“ nennen – einen Volontär beauftragen würde, nur mal das Echo auf den „eigenen“ dpa-Artikel auf Facebook auswerten zu lassen. 

Spott und Hohn gießt dort die Lesergemeinde über Dr. Bo aus. Seine Forderung an die Bundesregierung von CDU (UND NOCH) SPD, nicht alle notwendigen Reformen bis zur Sommerpause durchzuknüppeln, sondern lieber erst einmal die Steuerreform anzupacken und: Wenn’s Geld für die Steuerreform nicht reiche, dafür notfalls neue Schulden aufzunehmen, lösten beim WK-eigenen Auftritt bei Facebook umgehend vernichtende Kommentare aus.

Ich zitiere: 

„Bevor ich auf andere schimpfe, schaue ich meine eigene schlechte Leistung an.“

„Sagt der, der selber nichts zustande bringt.“

„Lieber Herr Bovenschulte, lassen Sie uns an den Erfolgen bzw. erfolgreichen Reformplänen des Bundeslandes Bremen teilhaben. Was kann der Bund von uns lernen? Was sollten andere Bundesländer übernehmen?“

„Als Bremer Landesregierung andere zu kritisieren, ist schon eine Lächerlichkeit an sich. Da sollte man lieber schön leise sein.“

„Selber nichts geregelt bekommen, aber andere kritisieren.“

„Aber selbst nichts auf die Reihe bekommen.“

„Weil Bremen ja so super erfolgreich ist, kann er es sich ja leisten.“

„Der kriegt nicht mal Bremen mit seiner Schrott-Koalition auf die Kette! Schaff erst mal selber was, bevor du den Mund aufmachst! Und nein, ich bin mit der Bundesregierung nicht zufrieden.“

Ende der Kommentare zu dem WK-Post auf Facebook.

Liebe Leserschaft, ich will Sie nicht in die Tiefen einer Gemeinschafts-Depression hinunterziehen. 

Aber: Das Echo auf Dr. Bo’s Top-Einfall, die Steuerreform teilweise über neue Schulden, statt über brutales Sparen am Staat selbst zu finanzieren, müsste zumindest den Bürgermeister tief im Boden versinken lassen.

Und der Weser-Kurier müsste es merken, aufzeigen und kommentieren.

Aber was will man noch von einer Zeitung erwarten, die – beispielsweise – Meldungen zur Lufthansa-Strecken-Streichung BRE-FRA mit einem Jumbojet bebildert? (Für Nicht-Flieger: Der Jumbo kann in Bremen nur leer und fast ohne Kerosin in den Tanks starten/landen)

Okay, kleinlich der Schuller, werfen Sie mir jetzt vllt entgegen. Falsch.

Was soll man von einer LOKAL-Zeitung halten, die das jüngste Brücken-Beschleunigungsprogramm des Senats ausgerechnet mit einem Foto der A1-Autobahnbrücke illustriert? Für diese Brücke ist der BUND, nicht das LAND Bremen verantwortlich.

Wer rettet diese Zeitung vor sich selbst?

Liebe Leserschaft, Sie haben es bereits bemerkt: Dieser Text ist ein klein wenig in Rage entstanden. Musste einfach raus. 

Aktualität geht auch im Blog vor. Deshalb veröffentliche ich das am Sonntag angekündigte Interview mit mir 🙂 zu einem späteren Zeitpunkt.

Munter bleiben!

Herzlichst

Ihr Axel Schuller

P.S.: Für alle Nachzügler: Unbedingt den sonntäglichen Gastkommentar von Prof. Dr. Heinz-Otto Peitgen nachlesen.