Der Hamburger Senat hat’s einfach drauf – armes Bremen
Bürgermeister Dr. Andreas Bovenschulte (SPD) lädt alljährlich Personal- und Betriebsräte ins Rathaus ein. Anlass: Jahrestag der Verabschiedung des Bremischen Personalvertretungsgesetzes. Da wirft sich der Regierungschef jedes Mal den „Kolleginnen und Kollegen“ an den Hals. Die Führungskräfte, die mit den „allzuständigen“ Personalräten in Verwaltungen und öffentlichen Betrieben zusammenarbeiten müssen, hat Dr. Bo bis heute nicht empfangen. In Hamburg ist der Senat schlauer. Der lädt einmal jährlich seine über 100 Führungskräfte ein; zum Austausch zwischen Senat und Leitungen öffentlicher Betriebe.

Ein kurzer Blick in die Nachbarstadt: In Hamburg regiert die SPD fast solange wie die Bremer Sozis. Allerdings mit Unterbrechungen: 1953 kam der konservativ-liberale „Hamburg-Block“ ans Ruder. Von 1957 bis 2001 war die SPD unangefochten vorne. Dann aber folgte 2001 der Schlag ins Kontor: CDU und FDP koalierten mit der Schill-Partei, warfen die Sozialdemokraten gemeinsam aus dem Rathaus. 2008 für eine Legislatur die erste schwarz-grüne Koalition. Seitdem halten sich die Sozialdemokraten auf der Kapitänsbrücke.
Diese bewegte Regierungsgeschichte hat offenbar die Demut der Hamburger Sozialdemokraten gefördert. Sie haben verstanden, dass die Hamburger m/w nicht bereit sind, jeden Sozi-Unfug per Kreuz auf dem Wahlzettel zu billigen.
In Bremen stellt die SPD seit 1946 ununterbrochen den Bürgermeister.
Da kommt möglicherweise so etwas wie ein Allmachts-Denken auf. Ignoranz anders Denkenden gegenüber. Auch ist die Bremer Bevölkerung offenbar hasenfüßiger als die von Hamburg.
Dabei lohnt nicht nur ein Blick nach Hamburg. Die Genossen und Genossinnen an der Elbe haben’s einfach drauf.
Obwohl wie Bremen Stadtstaat, ist die „Freie und Hansestadt Hamburg im Länderfinanzausgleich noch knapp Geberland. Hamburg hat es durch frühen und konsequente Deutschunterricht in ersten Kindergartenjahren geschafft, sich bei den PISA-Tests von hinten auf Platz 5 vorzuarbeiten. Hamburg gilt als größter Industriestandort. Und vieles andere mehr.
Hamburg hat – anders als Bremen – kein derart Personalrat-hofierendes Mitbestimmungsgesetz. Und in Hamburg sind die Sozis deutlich weniger verblendet als die Bremer Genossen m/w. Die Elb-Genossen wissen, dass zu städtischen Firmen eben nicht nur das Personal, sondern auch Geschäftsführungen gehören.
Und weil der Mensch nicht vom Brot und teils saftigen Gehältern allein lebt, sondern auch vom Gefühl der Wertschätzung, lädt Hamburgs Finanzsenator Dr. Andreas Dressel (SPD) jährlich an die 100 Chefs m/w der städtischen Betriebe zum Gedankenaustausch ein.
Nicht in einen muffigen Seminarraum, sondern stets an Vorzeigeorten der hamburgischen öffentlichen Unternehmungen.
Vorige Woche baten er und Umweltsenatorin Katharina Fegebank (Grüne) in ein neues Wasserstoff-Werk in HH-Moorburg ein. Dressel schrieb in der schick gestalteten Einladung (Foto):
Sehr geehrte Damen und Herren,
liebe Kolleginnen und Kollegen,
ich lade Sie herzlich ein zum Jahrestreffen der Finanzbehörde mit den Geschäftsleitungen der hamburgischen öffentlichen Unternehmen (…) in den Energie Hub Moorburg GmbH ein.
„Wir machen Hamburg“ – unter diesem Motto stand der Monat der Stadtwirtschaft im letzten Jahr. Aber wie machen wir Hamburg künftig noch besser – z.B. klimaneutral wie es die Hamburgerinnen und Hamburger im Zukunftsentscheid nochmals betont haben? Wie schaffen wir die Transformation in der aktuellen, deutlich schwierigeren Wirtschafts- und Haushaltslage? In besonderem Fokus stehen dabei die Hamburger Energiewerke, u.a. auch mit dem Energie Hub Moorburg. (…)
Lassen Sie uns im Anschluss ins Gespräch kommen, welche Projekte und Ansätze uns voranbringen und wo und wie wir uns innerhalb der Stadtwirtschaft unterstützen und voneinander lernen und – unter Nutzung von Synergien – möglichst effizient und effektiv gemeinsam die Zukunft gestalten können.“
Im Anschluss gibt es bei Snacks und Getränken Gelegenheit für weiteren Austausch.
Ich freue mich auf Ihr Kommen!„
Das ist Hamburg.
Liebe Leserschaft, können Sie sich solch eine Veranstaltung in Bremen vorstellen?
Bürgermeister Bovenschulte hatte zwar seinen guten Willen angedeutet. Auf seinen Wunsch hin wurde 2023 in den Koalitionsvertrag aufgenommen, er wolle sich künftig einmal jährlich mit den Spitzen der öffentlichen Unternehmen zum Gedankenaustausch treffen.
Das ist jetzt drei Jahre her.
Nichts ist seitdem geschehen. Jedenfalls auf dem Feld einer Beteiligung der Lenker städtischer Unternehmen und Einrichtungen – zu denen ja durchaus auch Schwergewichte wie BLG, Gewoba, BSAG, Brebau, Stadtreinigung, bremenports etc, gehören.
Man muss leider feststellen: Bovenschulte lädt weiterhin nur seine Betriebs- und Personalräte des öffentlichen Dienstes ein und tritt wie jüngst bei einem IG Metall-Treffen für neu gewählte Betriebsräte auf.
Doch für „seine“ Firmenchefs hat er entweder
keine Zeit,
keinen Bock auf sie oder
keine Kraft.
Vielleicht fehlt es ihm ja auch an Durchsetzungskraft seinem Finanzsenator Björn Fecker (Grüne) gegenüber, der laut Geschäftsverteilung offiziell fürs Personal zuständig ist. Aber auch der nutzt – anders als sein Hamburger Kollege Dressel – die Chance ebenfalls nicht.
Wär ich Hamburger, würde ich etwas nasal, arrogant nuscheln: Och Bremen, das wirkt jetzt schon etwas armselig.
Wie bereits kürzlich hier im Blog ausgeführt: Bremer Sozialdemokraten wechseln allmählich ins Lager der Mitleids-Empfänger.
Eigentlich ein perfekter Zeitpunkt, endlich einmal Demut zu entwickeln. Insbesondere Demut vor den Wählerinnen und Wählern – bevor die es sich – siehe Hamburg – doch mal anders überlegen.
Munter bleiben!
Herzlichst
Ihr Axel Schuller
P.S.: Wie sehr manche Mitglieder des bremischen öffentlichen Dienstes mittlerweile an gedanklicher Verengung leiden, konnte man am Wochenende in Bremerhaven studieren. Da hörte Jan Timke, verfassungstreuer Bundespolizist und Chef der Bürgerschaftsfraktion von Bündnis Deutschland, dass eine Schulklasse mangels Geld den Schwimmunterricht streichen musste. Umgehend überwies er die fehlenden 150 Euro als Spende. Und –––––– erhielt das Geld zurück. Die Schulleiterin erläuterte dies laut „WELT“ so: „Die Werte, die Sie/Ihre Partei vertritt, passt nicht zu unserer Idee von Gesellschaft.“ Erfreulicherweise, so die Schulleiterin, habe sich in der Zwischenzeit ein anderer Spender gefunden. Und um rechtlich in besseren Schuhen dazustehen, erklärte sie im Nachhinein, sie habe Timke dies nicht als Amtsperson, sondern für den Schulelternverein erklärt… Klaro, sonst hätte sie die Zurückweisung ja auch bestimmt in einwandfreiem Deutsch formuliert.
Soweit sind wir im Bremer Öffentlichen Dienst inzwischen gekommen. Nicht die Bedürfnisse der Kinder, sondern die Gesinnung der Spender zählt.
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Ich liebe diesen Blog.
Da steht in einem einzigen Beitrag mehr an Informationen drin als in 33tausend Seiten (symbolisch) von Weser Kurier, Nordseezeitung, Kreiszeitung und vielen anderen!
Bovenschulte, kannste vergessen….
Erschüttert hat mich der Umgang mit Herrn Timke.
Wenn eine Schulleitung nicht einmal mehr in der Lage ist, einwandfreies „Deutsch“ zu schreiben, dann mag ich gar nicht daran denken, was und wie Schüler an dieser Schule unterrichtet werden!
Ich denke, die „Dummheit“ der 68iger ist inzwischen in den Institutionen angekommen!
Frei nach dem von Rudi Dutschke vorgegeben Motto:.
Geht den Weg durch die Institution….
Jetzt ist mir klar, weshalb die Verwaltung nicht auf Fachleute hört, sondern lieber den „Bremer Weg“ geht.
Dieses erkennbar runtergewirtschaftete Bundesland braucht nach vielen Jahrzehnten einer einseitigen Rathaus-Beherrschung bei der nächsten Wahl zwingend einen >> Regime Change << ! Egal, wo man bisher politisch stand: Es gilt, alle gesellschaftlichen Kräfte zu überzeugen, diesem spürbaren Stillstand bzw. zunehmenden Rückschritt eine Ende zu bereiten und politisch wie wirtschaftlich einen neuen Aufschwung zu initiieren; so kann das einst stolze Bremen nicht zukunftsfähig werden. Die dazu notwendige Wechselstimmung bahnt sich ja langsam ihren Weg . . .
Schon seit langem bin ich dafür, dass sich die SPD in Bremen in Schlendrian Partei Deutschlands umbenennt. Eine solche Umbenennung würde auch die Eigenständigkeit des Bremer Wegs unterstreichen.
Sehr geehrter Herr Schuller,
herzlichen Dank für Ihren heutigen Blogbeitrag. Eigentlich müsste ein solcher Vergleich jede Woche erscheinen, damit die Menschen in Bremen und Bremerhaven endlich erkennen, dass andere Städte viele Herausforderungen deutlich besser bewältigen.
Es liegt eben nicht daran, dass Bremen eine Großstadt mit komplexen Problemen ist. Hamburg ist ebenfalls eine Großstadt und kennt ähnliche Herausforderungen. Vielleicht nicht immer in derselben Größenordnung, aber die Probleme sind vergleichbar. Der entscheidende Unterschied ist: Hamburg geht sie an!
Nach dem PISA-Desaster Anfang der 2000er Jahre hat Hamburg seine Bildungspolitik grundlegend reformiert – mit Erfolg. Die Stadt hat die Wohnungskrise aktiv bekämpft und gebaut, gebaut, gebaut. Mit pragmatischen Standards wurde dafür gesorgt, dass Menschen bezahlbaren Wohnraum finden. Hamburg investiert seit Jahren konsequent in den öffentlichen Nahverkehr und hat früh begonnen, diesen ökologisch weiterzuentwickeln, beispielsweise durch den Einsatz von Wasserstofftechnologie.
Hamburg hat Veränderungen nicht verwaltet, sondern gestaltet. Genau deshalb sind die Erklärungen von Bürgermeister Bovenschulte am Ende oft nichts weiter als Ausreden.
Natürlich wird jetzt der eine oder andere fragen: „Was würde die CDU denn anders machen?“ Die Antwort ist einfach: Wir würden Probleme angehen und strukturiert lösen.
Es ist eine falsche Ausrede zu behaupten, alles liege am Geld. Viele Probleme sind keine Geldfrage, sondern eine Frage der Prioritäten. Wofür werden Mittel eingesetzt? Braucht es einen Kreativraum für eine Million Euro oder eine bessere Ausstattung der Polizei? Warum wird die Digitalisierung nicht konsequent als Mittel zur Effizienzsteigerung und Kostensenkung genutzt?
Auch im Sozialbereich wird häufig viel Geld ausgegeben, ohne dass die gewünschten Ergebnisse erreicht werden. Gleichzeitig steigen die Arbeitslosenzahlen. Wer wirklich helfen will, muss den Mut haben, bestehende Strukturen zu hinterfragen und wirksame Maßnahmen umzusetzen.
Und auch in der Bildung ist nicht alles eine Frage zusätzlicher Mittel. Wenn Schulen in Bremen ein Vielfaches dessen kosten, was vergleichbare Projekte im niedersächsischen Umland kosten, darf man sich nicht wundern, wenn am Ende Geld für Unterrichtsmaterialien, Schulbücher oder die Ausstattung der Schulen fehlt. Das ist keine Frage fehlender Finanzmittel, sondern eine Frage politischer Prioritäten und organisatorischer Kompetenz.
Ich bin überzeugt: Wer mutig handelt und Probleme konsequent anpackt, kann etwas verändern. Wir werden es anders machen. Wir haben einen Plan.
@Heiko Strohmann, werden Sie das bremische Personalvertretungsgesetz auf ein bundesweites Level absenken?
Das Ps. Ist entlarvend. Das Verhalten der Schulleitung hat aus meiner Sicht nichts mit gelebter Demokratie zu tun.
@Her Grabbe: Wenn Sie mit der Erwähnung des „Bremer Weges“ auf die neuen Regeln für den Wohnbau anspielen: Bitte lesen Sie nach, was hier passiert und was er wirklich bedeutet. Der Bremer Weg ist ein guter Weg auch wenn er noch nicht ausreicht und erst der Anfang ist.
Ich halt an dieser Stelle ausdrücklich fest: die bisher beste Tat für Bremen hat Herr Bovenschulte mit der Wahl der Bausenatorin Özlem Ünsal getan – ansonsten gibt es nichts für das man ihn loben könnte.
Das Verhalten von „Dr. Bo“ erinnert mich höllisch an das, was in Nürnberg/Fürth und Erlangen passierte: (Nürnberg und Fürth sind zusammen genommen ja vergleichbar sowohl in Grösse als auch Wirtschaftsproblemen usw. mit Bremen, Erlangen könnte man als „Schwachhausen“ dieser Metropolregion bezeichnen.
OB in Nürnberg bis 2020: U. Maly (SPD), sehr ähnlich zu „Dr. Bo“: null Interesse an Wirtschaft, dafür auf jeder irgendwie Kulturveranstaltung präsent und sehr viel „unterwegs sonstwo“ – nach langer SPD-Herrschaft 2020 Übernahme durch Marcus König (CSU)…
OB in Erlangen bis 2026: Jannik (SPD), teilweise sehr „merkwürdige“ Entscheidungen, abgelöst durch CSU (wobei Erlangen ja „Pseudo-Beamten“-Stadt (Siemens…) und Universitäts-Stadt und Fahrrad-Hochburg ist…
OB in Fürth: Thomas Jung (SPD) – seit 2002 und unangefochten! Der Unterschied: Th. Jung kümmert sich um „seine“ Stadt und die Wirtschaft, liegt aber sehr oft mit der Bundes-SPD „über Kreuz“ (eine „Landes-SPD“ ist ja praktisch nicht existent in Bayern).
Was Maly und Bovenschulte auch eint (aber für die Amtsführung zweit- oder drittrangig ist): im direkten Umgang sehr sympathisch, freundlich
@Axel Schuller, den rechtswidrigen Teil ja.
Mein Eindruck, bei Bremer „Firmenchefs“ aus öffentlichen Betrieben handelt es sich um handverlesene senatshörige Bücklinge, die allein schon durch ihre extrem hohe Bezahlung auf den SPD-Weg fixiert sind. Und sollten sie mal gehen müssen, winken horrende Abfindungen bei üblicherweise langen Vertragslaufzeiten.
Man kann Bremen auch niemals mit Hamburg vergleichen.
In Hamburg gibt es in der Regel politische Professionalität und Ideologieferne. In Bremen wohnen ein paar nette Leute.
Der Hamburger Senat – so hat man den Eindruck – arbeitet für die Bürger und die Wirtschaft der Stadt.
@Herr Strohmann: Was meinen Sie mit dem „rechtswidrigen Teil“?
@Achim Schäfer Ich bin mir ziemlich sicher, dass der Wechsel von einer Kartellpartei zu einer anderen in einer Koalitionsregierung nichts verändert. Schauen Sie sich an, wie Heiko Strohmann hier bei einer einfachen Frage, die man mit Ja oder Nein beantworten sollte, herumeiert.
Der deutsche Politikdarsteller denkt ausschließlich auf der kurzfristigen taktischen Ebene. Wer das gut kann, bekommt Posten. Strategisches Denken ist denen völlig fremd – das wird von den Parteien wegselektiert. Das Konstrukt einer Partei selbst ist ein großes Übel im Staat. Während die Oligarchen ihre Ziele langfristig verfolgen, sieht man an den Epstein-Files, wie lange an dem Geschäft mit der „Plandemie“ gearbeitet wurde.
Ich weiß aus „gut informierten Kreisen“, dass die AfD in Bremen bereits mehr als 10 sehr intelligente, postengefährliche Leute abgelehnt hat, um die 15–20 Bürgerschaftsmandate für ihre eigene Seilschaft abzusichern. So schützen sie sich trotz Mitgliederparteitagen vor Wettbewerb am Futtertrog.
Wenn man ernsthafte Veränderungen in der BRD will, müssen Parteien überwunden – vielleicht sogar alle verboten – werden. Die Kandidaten müssen für sich selbst stehen.
Herr Mayer, ich behaupte, dass ein Abschaffen der Parteien als Vehikel zur demokratischen Meinungs- und politischen Mehrheitsbildung zu einer Verschlimmbesserung führen würde.
Wer würde sich dem Wahlvolk stattdessen stellen? Einzelkandidaten. Diese bräuchten genauso wie die Parteikandidaten Unterstützer, die für sie Werbung machen, und sie bräuchten viel Geld, um sich öffentliche Aufmerksamkeit und mediales Gehör zu verschaffen. Sie müssten Fundraising betreiben und wären noch stärker von potenten Geldgebern abhängig als die heute von Parteien aufgestellten Kandidaten. Sie würden um sich herum eine Wahlkampforganisation aufbauen, die sie hierarchisch führen würden. Eigentlich so ähnlich wie NGOs in der Art von Greenpeace: Beeindruckende Auftritte, aber intern alles andere als demokratisch organisiert (haben auch gar nicht den Anspruch).
In Frankreich werden schon seit langem mehr Personen gewählt und nicht Parteien. Die deutlichste Zuspitzung: Emmanuel Macron und Eric Zemmour, die genau nur für sich selber standen und zu Wahlkampfzwecken mal eben Scheinparteien (En Marche und Renaissance) aus dem Boden gestampft haben. Denken Sie, dass diese unabhängiger von gesellschaftlichen Strippenziehern sind als Kandidaten, die eine Partei vorher von sich überzeugen mussten?
Durchdachter finde ich da das Konzept des Teams Freiheit von Frauke Petry und anderen, deren Marktradikalität man ja nicht teilen muss, die aber vorsehen, dass Parteimitglieder nicht für Wahlen kandidieren, sondern nur an der Auswahl von externen Kandidaten für die Wahllisten beteiligt werden. Das würde dem von Ihnen m.E. zurecht monierten Fleischtrogantrieb für politische Mitwirkung schon mal einen Riegel vorschieben.
Hamburg scheint mir da kein gutes Beispiel zu sein:
Der Finanzbehörde dort stünde Demut auch gut, noch besser wäre aber eine
lückenlose Aufklärung.
Nur ein paar Stichworte: Warburg Bank, Erinnerungslücken von Scholz, Cum.-Ex,
Ermittlungen werden behindert, ganz viel Bargeld – Herkunft ungeklärt – beim ehemaligen Abgeordneten Kahrs in dessen Schließfach aufgefunden,, usw. usw.
Finanziell könnte Hamburg viel besser dastehen, wenn man nicht von offizieller Seite so oft weggeschaut hätte
( Vieles wäre auch dem Bund zugutegekommen und dann über den Länderfinanzausgleich teilw. auch wieder in Bremen gelandet )
Also die Arbeit der Finanzämter dort ist nun kein Vorbild für Bremen.
Und über die vielen halbfertigen Bauten habe ich noch gar kein Wort verloren, oder absurd hohe Mietverträge die staatliche Stellen abschließen ( naja, dies kennen wir auch aus Bremen )
Trotz allem, bei dieser Hitze einen kühlen Kopf bewahren…..
Ja, ja, unser “Dr. Bo” ist schon ein ganz besonderer Bürgermeister, wenn man ihn mit Herrn Tschentscher aus Hamburg vergleicht. Wäre letzterer doch bloß in Bremen geblieben, aber gut, er tut Hamburg ja gut. Aber tut Dr. Bo auch Bremen gut?
In Hamburg haben die verantwortlichen Akteure des rot grünen Senats verstanden, wie Wohlstand gesichert und zukunftsfähig gemacht werden muss. Deshalb liegt ein Focus auf den Themen Wirtschaft und Häfen und der Kontakt zu den Handelnden Personen wird hanseatisch eng und ohne Aufhebens gepflegt. In Bremen werden Wolkenkuckucksheime z.B. über die Transformation zu grünem Stahl gebaut, obwohl schon bei Einsatz der Grundrechenarten klar ist, dass sich eine solche Transformation nicht rechnen kann, also nach Lage der Dinge völlig unwirtschaftlich wäre. Aber was soll’s, “Dr. Bo” zieht trotzdem mit den Beschäftigten vors Werkstor.
Wir kennen das Ende der Geschichte. Ich könnte mit den Themen Bildung, Sicherheit und Verkehr weitermachen. Das schenke ich mir heute aber.
Mir ist aber aufgefallen, dass es auch im Auftritt zwischen Dr. Bo und Herrn Tschentscher einen erheblichen Unterschied gibt.
“Dr. Bo” postete dieser Tage bei Instergram ein Foto von sich und seiner neuen Frau vom Hurrikane Festival. Er mit Basecap und T-Shirt mit einem brüllenden Löwenkopf. Natürlich kann auch ein Bürgermeister in seiner Freizeit machen, was er möchte und sich auch kleiden wie er möchte, aber ist ein Bürgermeister nicht immer im Amt? Fehlt nur noch der Nasenring, an dem ihn seine Koalitionspartner ja nun schon seit Jahren durch die Manege führen. Sieht so ein seriöser, verantwortungsvoller und kompetenter Regierungschef aus? Ich denke, er dokumentiert auch auf diese Weise sein Amtsverständnis. Herrn Tschentscher kann ich mir so nicht vorstellen. Ein seriöser Auftritt, der zum Wohle des Landes und seiner Bevölkerung agiert, die drängenden Probleme und nicht nur darüber säuselt, sieht anders aus.
Der Hamburger hat verstanden, dass Wohlstand erarbeitet werden muss und stellt die entsprechenden Weichen für gute Rahmenbedingungen. Der Bremer gefällt sich in der Rolle, den Wohlstand, den andere erarbeitet haben, zu verteilen und packt die Probleme eben nicht grundlegend an, stellt eben nicht die Weichen wie in Hamburg und sorgt eben genau nicht für gute Rahmenbedingungen.
Schade für unsere schöne Stadt, unsere Kinder, unsere Sicherheit, unsere Zukunft.
Herr Paul, Ihre Argumente haben etwas für sich. Wie kann man das lösen? Frauke Petry Konzept halte ich für extrem abwegig. Parteimitglieder (womöglich Delegierte) sollen Technokraten auswählen die dann die Geschäfte führen? Das wäre ja noch schlimmer als unsere McDonald-Demokratie. Dann lieber los verfahren!
Parteien sind ein antidemokratischer Fremdkörper in der Republik. Im Prinzip handelt es sich um Mini-Oligarchien, die schon konzeptbedingt nur Partikularinteressen vertreten – und zwar organisierte Partikularinteressen, von denen sich die jeweiligen Vorstände kaufen lassen. Die Parteisoldaten machen dann aus Opportunismus mit. Einige wenige der Opportunisten steigen schließlich zum Parteichef auf und perpetuieren den Sumpf.
Dieses Grundmodell übertragen sie auf die gesamte Gesellschaft. Darum fallen die Ideale der Republik wie Gleichheit vor dem Gesetz, Gewaltenteilung, Redefreiheit oder auch Eigentum hinten runter.
Natürlich trägt am Ende der einzelne Wähler die Schuld, der sich hat einseifen lassen und dort lernresistent sein Kreuz macht. Wenn ein Politikdarsteller sich hinstellt und behauptet, „der Wähler“ habe so entschieden, ist allerdings sogar die Unschuldsvermutung der Republik dahin und archaische Sippenhaft kehrt zurück.
Es sind oft die einfachen Dinge, die eine gute Entwicklung möglich machen oder, wenn es nicht umgesetzt wird, verhindern. Wie viele „konstruktive“ Ideen mit solider Grundlage werden nicht realisiert, weil sie nicht konsequent weiterverfolgt werden. Ich denke unser Bürgermeister weiß sehr wohl, dass es die Notwendigkeit für einen sachlichen Austausch – kein Kaffee-Kränzchen – zwischen den Führungskräften und Personalräten mit dem Rathaus gibt, zumal es auf dem Zettel steht. Nun geht es um Prioritäten und um Mitarbeiter*innen, die den Vorteil solcher Gespräche erkennen und sich um die zeitnahe Umsetzung kümmern. Alles Meckern und Kritisieren sind nur dann wirkungsvoll, wenn danach „endlich“ etwas geschieht, danke für diesen IMPULS. Herr Bürgermeister mach es!