Gastkommentar: Kinder oder Betongold? Was Elternschaft kostet – und was Vermögensaufbau stattdessen bringt
Liebe Leserschaft, na, nach dieser Überschrift schon tief Luft geholt? Meiner heutiger Gastkommentator stellt zwei Alternativen gegenüber, wie man sein Geld „anlegen“ kann: In Kinder oder Eigentum. Hört sich brutal an, ist aber eine legitime Frage. Was bei dieser Rechnung häufig vergessen wird: Kinder bereiten (im besten Fall) viel Freude. Und: Ohne Kinder hat unsere Gesellschaft keine Zukunft. Hartmut Paul (übrigens selbst Vater von 2 Kindern) hat dennoch einmal die für unsere Gesellschaft wichtige Rechnung angestellt. Bitte bedenken: Es ist eine Modellrechnung mit immer gleichen Größen (Kosten für Kinder, Zins, Steuersätze etc.) Liebe Leserschaft, lassen Sie sich vom Rechenergebnis überraschen. Paul (70) ist Diplom-Psychologe, war als freiberuflicher Berater für Planung und Organisation in Profit- und Non-Profit-Organisationen tätig.

Hartmut Paul schreibt:
„Die gesetzliche Rente ist unter Druck. Mit Mühe hat sich die Koalition darauf verständigen können, das aktuelle Rentenniveau über die nächsten Jahre stabil zu halten. Als zukünftiger Königsweg für ein sorgenfreies Alter gilt die Ergänzung der umlagefinanzierten Rente durch private Kapitalbildung. Das klingt vernünftig. Es ändert allerdings nichts an der Hauptursache der Rentenproblematik: Einer schrumpfenden Zahl von Beitragszahlern stehen immer mehr Beitragsverzehrer gegenüber.
Deutschland wieder steigende Geburtenraten zu bescheren, ist eine gesellschaftspolitische Aufgabe, die aus dem Blickfeld geraten scheint. Dabei ist dies in der jüngeren Vergangenheit schon einmal gelungen. 2006 lag die Geburtenziffer bei 1,33. Nach Einführung des Elterngeldes stieg sie kontinuierlich bis 2016 auf 1,56.
Die Wirkung des Elterngeldes zeigt, wie wichtig ökonomische Faktoren für die Entscheidung für oder gegen Kinder sind. Seit 2022 ging die Geburtenziffer wieder zurück auf das Niveau von 2006. Corona, der Krieg in der Ukraine, der Krieg im Nahen Osten, Inflation, steigende Wohnkosten, unsichere Zukunftserwartungen: All das hat die wirtschaftliche Lage und das Sicherheitsgefühl vieler junger Menschen drastisch verschlechtert.
Nur wenige werden vor der Entscheidung für Kinder wirklich nachrechnen, welche finanziellen Folgen diese Entscheidung für ihr Leben hat. Als Gesellschaft kann man sagen: Was für ein Glück!
Täten junge Paare das und würden sich fragen, ob es nicht besser wäre, statt in Kinder in den privaten Vermögensaufbau zu investieren, würde die Geburtenrate in der gesellschaftlichen Mitte vermutlich noch weiter gegen Null tendieren.
Denn genau darum geht es: Was kostet es, Kinder zu haben? Was bringt dies für die eigene Altersversorgung? Und was käme heraus, wenn man dieselbe Summe stattdessen konsequent in Vermögensbildung steckt?
Zwei Paare, ein Einkommen, zwei Lebenswege
Ein modellhafter Vergleich macht das Problem sichtbar.
Zwei junge Ehepaare im Jahr 2024. Beide sind 30 Jahre alt. Beide haben dasselbe Einkommen. Beide verfügen über 80.000 Euro zu versteuerndes Einkommen im Jahr.
Das eine Paar entscheidet sich für zwei Kinder, Zwillinge, die es bis zur Vollendung des 18. Lebensjahres großzieht.
Das andere Paar bleibt kinderlos. Es leiht genau die Summe, die das Elternpaar über 18 Lebensjahre für seine Kinder ausgibt, und verwendet sie für den Kauf einer vermieteten Wohnung.
Beide Paare beziehen über 18 Jahre konstant dasselbe Einkommen. Das Paar mit Kindern erhält konstant dasselbe Kindergeld. Die Kinderkosten werden über 18 Jahre gleich angesetzt. Das Paar mit der vermieteten Wohnung kalkuliert mit gleichbleibender Nettomiete, gleichbleibendem Wohnungswert, gleichbleibenden Bankzinsen und gleichbleibendem Steuerrecht.
Kinder kosten Geld, und zwar Monat für Monat.
Das Elternpaar bekommt Zwillinge. Sie verlassen mit 18 Jahren das elterliche Nest.
Nach Abzug des Kindergeldes kostet ein Kind rund 678 Euro im Monat. Bei zwei Kindern sind das 1.356 Euro monatlich. Über 18 Jahre, also über 216 Monate, summiert sich das auf 292.896 Euro. Gerundet: 293.000 Euro.
Zur Rechnung: Das Statistische Bundesamt bezifferte die durchschnittlichen Konsumausgaben für ein Kind 2018 auf 763 Euro im Monat. Bis 2024 hat die Inflation mit 21,6 Prozent zugeschlagen. Daraus werden 928 Euro pro Kind. Davon gehen 250 Euro Kindergeld ab. Verbleiben 678 Euro pro Kind und Monat. Bei zwei Kindern sind das 1.356 Euro. Multipliziert mit 216 Monaten ergibt das 292.896 Euro.
Man kann über jede einzelne Annahme streiten. Zur Veranschaulichung von Größenordnungen reichen die hier getroffenen statischen Annahmen aus.
Das Gegenmodell: Statt Kinderkosten eine Wohnung vermieten
Das kinderlose Paar nimmt dieselbe Summe, also 293.000 Euro, bei der Bank als Kredit auf und kauft eine Wohnung, die es vermietet.
Der Zinssatz für das Annuitätendarlehen mit vollständiger Tilgung beträgt 3,63 Prozent, die Laufzeit 18 Jahre.
Miete und Steuern verändern die Rechnung
Das kinderlose Paar zahlt für Kredit und Tilgung monatlich 1.848 Euro. Das ist zunächst mehr als die 1.356 Euro, die das Elternpaar für seine beiden Kinder aufwendet.
Bei einer Bruttorendite von 3 Prozent erzielt die Wohnung jährlich 8.790 Euro Miete, also rund 732 Euro im Monat. Dadurch sinkt die tatsächliche Belastung bereits auf 1.116 Euro monatlich.
Ab jetzt liegt das kinderlose Paar unter den laufenden Kosten des Elternpaars.
Die Schuldzinsen und die Abschreibung auf die Wohnung setzt das Paar von den Einkünften ab. Dies führt zu einer Steuerersparnis von 322 Euro im Monat.
Die monatliche Belastung sinkt dadurch von 1.116 Euro auf 794 Euro.
Damit stehen am Ende 1.356 Euro Kinderkosten einer Immobilienbelastung von 794 Euro gegenüber. Das kinderlose Paar hat Monat für Monat rund 560 Euro mehr zur Verfügung.
Kinderlos baut Vermögen auf
Nach 18 Jahren: Das kinderlose Paar besitzt eine schuldenfreie Wohnung im Wert von 293.000 Euro. Hinzu kommt ein potenzieller Ansparbetrag von 120.960 Euro (560 € x 12 Monaten x 18 Jahren). Zusammen knapp 414.000 Euro Vermögensvorsprung für das kinderlose Paar.
Das Elternpaar bekommt etwas mehr Rente
Auch das Elternpaar geht nicht leer aus. Pro Kind werden in der gesetzlichen Rente drei Entgeltpunkte für Kindererziehung angerechnet. Ein Entgeltpunkt hatte 2024 einen Wert von rund 40 Euro. Je Kind werden also rund 120 Euro zusätzliche Monatsrente fällig. Bei zwei Kindern sind das 240 Euro im Monat.
Über 20 Jahre Ruhestand, also bis zu einem gemeinsamen Lebensalter von 87 Jahren, ergibt das 57.600 Euro.
413.960 Euro Vermögensvorsprung bis zum Alter von 48 Jahren auf der einen Seite, 57.600 Euro zusätzliche Rentenleistung ab einem Alter von 67 Jahren auf der anderen Seite. Man muss kein Finanzmathematiker sein, um zu sehen, was das bedeutet.
Nicht die Rechnung ist zynisch. Die Regeln sind es.
Was für das einzelne Paar ökonomisch rational ist, ist für die Gesellschaft verheerend. Wenn alle dem Modell „Betongold statt Kinder“ folgen, fehlt im Anschluss die Generation, von deren lebendiger Arbeit als Rentner alle leben wollen.
So richtige Freude haben unsere Immobilienbesitzer nur an ihrem Vermögen, wenn sie möglichst wenige Nachahmer finden. Sie brauchen genügend Romantiker in ihrer Generation, die den Nachwuchs großziehen, dessen volkswirtschaftliche Leistung sie später mit ihrem Vermögensvorteil genießen wollen.
Das ist der unausgesprochene Generationenvertrag der privaten Vermögensbildung: Ich spare für mich. Andere bekommen die Kinder, die meine Ersparnisse später werthaltig machen.
Das eigentliche Problem: Der Sozialstaat braucht Kinder.
Den jungen Leuten vorzumachen, ihr Altersvorsorgeproblem lasse sich dadurch lösen, dass man ihre Rentenbeiträge niedrig hält und ihre private Kapitalbildung fördert, ist eine zynische Irreführung.
Private Vorsorge kann individuell sinnvoll sein. Gesellschaftlich ersetzt sie keine Kinder. Sie verschiebt nur Ansprüche in die Zukunft. Ob diese Ansprüche dann noch eingelöst werden können, hängt nicht von ETF-Sparplänen oder Immobilienkrediten ab. Es hängt davon ab, ob es in Zukunft genügend Menschen gibt, die arbeiten und Wert schaffen.
Bessere Bedingungen, auch soziale Privilegierungen, für Paare mit Kindern sind deshalb das Gebot der Stunde.
Ach, was sage ich: Sie waren schon das ungehörte Gebot der vergangenen Jahrzehnte.
(Zur sozialpolitischen Einordnung empfehle ich unter anderem Jürgen Borchert, Sozialstaatsdämmerung, München 2014, sowie Veröffentlichungen des Deutschen Familienverbandes und von Familienarbeit heute.)“
Soweit der Text von Hartmut Paul.
Liebe Leserschaft, nach dem vorigen hoch-emotionalen Gastkommentar (ein Toter schreibt…) heute etwas mathematisch Sachliches. Ist es das wirklich? Kinder kriegen und Kinder haben ist zum Glück auch etwas wunderbar Emotionales. Manchmal anstrengend, aber das eigene Leben ungemein bereichernd.
Munter bleiben!
Herzlichst
Ihr Axel Schuller
P.S.: Fast hätte ich ich es vergessen: Schauen Sie sich die Leserkommentare zum vorigen Verkehrsstück an. Sensationell. Ich würde sagen: Das wirkt teilweise fast schon wie Material für einen Parlamentarischen Untersuchungsausschuss (PUA).
Ich bin geschockt.
Wie kann man Kinder gegen Rentabilität aufrechnen?
Wer jemals als „Mann“ seiner hochschwangeren Frau im 8ten Monat oder danach gegenüber gestanden hat, kennt das Gefühl von Vater werden und darauf unheimlich stolz sein!
Das Gefühl ist unbeschreiblich.
Da gibt es nur eines – nachmachen….
Solche Modellrechnungen sind nicht neu. Sie kommen mathematisch fast immer zum gleichen Ergebnis: weniger ausgeben, mehr Vermögen aufbauen. Das mag auf dem Papier stimmen. Aber das Leben ist keine Excel-Tabelle.Was wäre gewesen, wenn ich nach meiner ersten Scheidung nicht noch einmal ganz von vorne hätte anfangen müssen? Was wäre die Erfahrung wert gewesen, mit Anfang 30 nach zehn Jahren Ehe sein Leben komplett neu aufzubauen? Was kostet die Erziehung von Kindern und was ist sie wert? Und was nützt mir das größte Vermögen am Ende meines Lebens, wenn ich unterwegs das Leben verpasst habe? Oder wenn fünf Mietnomaden die mühsam aufgebaute Kapitalanlage ruinieren? Deshalb bin ich ganz froh, dass niemand die nächsten 30 Jahre seines Lebens mathematisch vorausberechnen kann. Das Leben besteht nicht nur aus Rendite. Es besteht aus Erfahrungen, Niederlagen, Neuanfängen und Menschen. Und genau das macht seinen eigentlichen Wert aus.Trotzdem vielen Dank für diesen Blog. Er hat mich dazu gebracht, über Dinge nachzudenken, über die man im Alltag viel zu selten nachdenkt. Wie viel Glück wir eigentlich hatten. Was wir aus unserem Leben gemacht haben. Dass wir in einem freien, wohlhabenden Land leben dürfen. Und dass viele der Sorgen, über die wir uns Tag für Tag aufregen, im Rückblick oft erstaunlich klein sind. Vielleicht ist genau das die wichtigste Erkenntnis: Nicht alles, was sich berechnen lässt, ist wirklich wertvoll und nicht alles, was wertvoll ist, lässt sich berechnen.Ich wünsche allen eine schönen Sonntag.
Ich muss bei solchen „Modellrechnungen“ immer schmunzeln, weil ich das aufklärerische Moment zwar erkennen kann und es mathematisch richtig genug ist, aber in fast allen anderen Dimensionen falsch ist.
Vermögensaufbau nützt potenziell nur der nächsten Generation, nicht einem selbst. Die Kinder oder Enkel können die Immobilie dann verticken und haben ein nettes Grundkapital um leistungsloses Einkommen zu erziehlen, wenn die Altvorderen dann endlich tot sind. Dann hat es auch keine Rolle gespielt, dass ihre „3-%-Rendite“-Immobilie nie rentabel war. 90 % aller Käufer von Eigentumswohnungen zahlen zu viel für das Objekt. Wer die 20- oder 30-fache Jahreskaltmiete bezahlt, spekuliert auf zukünftige Mieterhöhungen, die oberhalb der allgemeinen Teuerung liegen. Das hat in den letzten 10 Jahren aufgrund politischer Fehlentscheidungen wie Massenmigration und Verweigerung von sozialem Wohnungsbau funktioniert, führt aber langfristig in eine dysfunktionale Gesellschaft. Der Ökonom Michael Hudson hat das so zusammengefasst. Kein Unternehmen kann es sich leisten, in einem Land zu produzieren, in dem seine Mitarbeiter 60 % ihres Nettoeinkommens für Miete und Krankenversicherung zahlen müssen. Siehe den Verlust von 500.000 Arbeitsplätzen in den letzten 5 Jahren.
Und die langfristigen Instandhaltungskosten werden dramatisch unterschätzt, was die Bilanz zusätzlich verhagelt.
Aber auch über die Kinderfraktion sollte man sich nicht zu früh freuen – die gestiegene Geburtenrate liegt an den Migranten. Nun hängt der Bildungserfolg in Deutschland jedoch stärker von der Bildung der Eltern ab als in jedem anderen OECD-Land. Ich kann noch nicht erkennen, dass aus den Kindern von Ziegenhirten und Wanderarbeitern in Deutschland massenhaft Ingenieure werden.
Ich halte die kapitalbasierten Altersversorgungsversprechen für einen Scam. Bei diesen Riester-Produkten war das jedem mit Hausverstand sofort klar. Bei den aktuellen Versprechen von BlackRock muss man sich die langfristigen Kurs-Gewinn-Verhältnisse ansehen – und die aktuellen. Oder die „Theorien“, dass es 100-mal mehr Marktkapitalisierung gibt als Sachwerte. Für wenige Leute mit Vorwissen gibt es da immer Wege, Geld zu machen, aber die Masse wird ausgeraubt.
Eingriffe der Politik in den Markt sind die Ursache dafür, dass Kinder später oder gar nicht geboren werden. 1950 war die Mutter bei der Geburt 25 Jahre, heute 31, sechs Jahre später. Nur 46,4% der Haushalte haben mehr als 2 Personen, wahrscheinlich Kinder. Wohnungen dafür fehlen. Fehlbelegung ist die Regel. Grosse Wohnungen sind zu teuer, kleine zu wenig. Politik kuriert Symptome mit Mieterschutz statt jungen Familien unterbelegte Wohnungen frei zu machen, den Weg zum eigenen Kind zu öffnen und den Wohnflächenverbrauch sozial zu gestalten. Marktpreise sinken bei mehr Angebot. Verknappung treibt den Preis. Über 53% 1-und 2-Personen Haushalte bergen Potential für Bevölkerungswachstum, das die Zukunft der Sozialsysteme sichert. Solange Politik versucht, Marktwirtschaft zu ersetzen, werden Probleme der Bevölkerungsstruktur nur in die Zukunft verschoben, nicht gelöst.
Herr Teupe, als ich Ihren Satz „Ich bin geschockt“ gelesen habe, wollte ich mich schon selbstzufrieden zurücklehnen, denn genau diesen Effekt hatte ich erzielen wollen. Bis ich dann lesen musste, dass Sie nicht über das Ergebnis meiner Rechnung schockiert waren, sondern über die Rechnung an sich. Ich hatte Ihre moralische Empörung vorweggenommen und in meinem Beitrag die Zwischenüberschrift verwendet „Nicht die Rechnung ist zynisch. Die Regeln sind es.“ Vielleicht mögen Sie über die fehlsteuernden Regeln unseres Steuern- und Sozialabgabensystems noch einmal genauer nachdenken. Für mich war die Lektüre des Buches von Jürgen Borchers ein wahrer Augenöffner und Ihnen deshalb wärmstens zur Lektüre empfohlen.
Der Nachteil des von Ihnen sicher zu Recht erwähnten väterlichen Stolzes über den frisch geborenen Nachwuchs als Anreiz für junge Leute, Kinder zu bekommen, ist der, dass man das von Ihnen formulierte Gefühl sprachlich kaum übermitteln kann. Man muss sich schon für Kinder entschieden und sie bekommen haben, um es nachempfinden zu können, Da ist der Gedanke an die größere Bleibe, die man mit Kindern braucht, und deren Kosten schon sehr viel plastischer vorstellbar.
Herr Strohmann, mag sein, dass meine Modellrechnung nicht neu ist. Wenn es denn aber andere gibt, sind sie offenkundig in Ihrer Partei, der CDU, nicht bekannt oder nicht gelesen worden. Das würde mich auch nicht wundern, denn auch ein Kurt Biedenkopf, der nach meiner Erinnerung den demographischen Wandel schon in den 1980er Jahren nachdrücklich und wortmächtig thematisiert hatte, blieb in Ihrer Partei unerhört.
Im Jahr 2004 hat sich eine im Auftrag der Robert-Bosch-Siftung tätige Kommission „Familie und demographischer Wandel“ unter seinem Vorsitz folgendermaßen geäußert:
„Das deutsche Steuer- und Sozialsystem bewirkt so eine laufende Umverteilung von jungen und
zukünftigen Generationen zur mittleren und älteren Generation. Es führt innerhalb jeder Generation zugleich zu einer Umverteilung von Familien durchschnittlicher
und überdurchschnittlicher Größe zu Kinderarmen und Kinderlosen.“
Und weiter:
„Im Kern besteht das Problem darin, daß das Steuer- und Sozialsystem,
insbesondere die gesetzliche Rentenversicherung, mögliche Erträge des Aufziehens
der Kinder in großem Umfang sozialisiert und ohne die Berücksichtigung der
individuellen Übernahme von Kinderkosten an alle Angehörigen der jeweiligen
Elterngeneration weiterleitet. Eltern verlieren daher bei ihren Entscheidungen
über ihre Kinderzahl den Effekt eines zusätzlichen Kindes für ihre Altersversor-
gung aus den Augen und wählen eine geringere Kinderzahl. Die Sozialisierung des
»Kindernutzens« erzeugt im Ergebnis die Illusion, das eigene Alter sei dank der
kollektiven Sicherungssysteme auch ohne eigene Kinder gesichert. Diese Illusion
ist inzwischen zum allgemeinen politischen Besitzstand geworden. Dies erklärt
nicht nur den Widerstand, der gegen jede Veränderung des bestehenden Systems
geleistet wird. Es erklärt auch das wachsende Gefühl der Ausbeutung derjenigen,
die einen Teilabschnitt ihres Arbeitslebens der Erziehung ihrer Kinder widmen, zu
diesem Zweck auf eine Vollzeittätigkeit verzichten, statt dessen unbezahlte
Familienarbeit leisten und aus diesen Gründen vom geltenden Rentensystem auf
eine Altersrente verwiesen werden, die in mittlerer bis fernerer Zukunft regel-
mäßig unter dem gegenwärtigen Niveau der Sozialhilfe liegen wird. Die Aussicht,
auf diese Weise für eine Arbeit »bestraft« zu werden, die zwar nicht besonders
angesehen, für die Zukunft des Landes und seine soziale Ordnung aber unverzicht-
bar ist, wird die ohnehin vorhandene Neigung zusätzlich verstärken, auf Kinder
weitgehend zu verzichten.“
(https://www.bosch-stiftung.de/sites/default/files/publications/pdf_import/BuG_Familie_Studie_Kommissionsbericht_Bericht.pdf / S.14-15)
Sie werden feststellen, Herr Strohmann, dass an keiner Stelle in dem Kommissionsbericht suggeriert wird, man könne mithilfe von Kapitaldeckung besser mit einem riesigen Überhang an Senioren in einer Gesellschaft als vermittels der Umlage fertig werden. Ganz im Gegensatz zu den aktuellen rentenpolitischen Glaubenssätzen Ihrer Partei, die leider eine ganze aktive Generation in die Irre führen. Ganz dem Vorbild des rentenpolitischen Rattenfängers Rürup folgend, der auch der Illusion anhing, deutsche Rentner könnten sich im Alter von internationalen Kapitalmärkten ernähren lassen.
Lieber Herr Paul,
sonst sind es Sie immer, der in diesem Blog durch Provokation,
gepaart mit einem Schuss Ironie, Aufmerksamkeit erregt!
Viele wunderbare Kommentare sind von Ihnen.
Heute wollte ich das mal machen und mit meinen paar Zeilen dazu auffordern,
Kinder aus Liebe zu zeugen.
Das Ganze, was es dazu braucht, ist der Wille, die innere Einstellung und 2 Partner.
Die meisten Kinder sind eh dem Zufall geschuldet.
Die alten Griechen haben den Begriff Liebe in 3 Bereiche aufgeteilt;
Sex, Eros und Agape
(Liebe von Eltern für ihre Kinder)
Das ist es, was ich meine.
Kein Mensch rechnet, geschweige denkt darüber nach,
wenn er verliebt ist, was ihn das zukünftig alles kosten könnte.
Die Gedankenfolge scheint logisch. Die Rechnung ist stimmig. Aber stimmt die Prämisse? Und ist dann die Schlussfolgerung richtig?
Es gibt nämlich auch eine andere These:
„Zu wenige Geburten, weil zu wenige Paare zueinander finden“.
In vielen Ländern gehen die Geburten zurück, obwohl dort finanziell spürbar unterstützt wird.
Ich habe fünf Kinder. Eines ist verheiratet. Vor vier Wochen ist Emma Marie geboren 🙂
Die vier anderen, alle über 30 Jahre alt, sind Single.
Alle hatten oder hätten gerne einen Partner:in.
Das hat womöglich etwas mit Generation und Gesellschaft zu tun, weniger mit Geld.
Aber das Rechenbeispiel belegt, dass wir junge Menschen auch finanziell anders stellen müssen, wenn sie denn eine Familie gründen – keine Frage!
Lieber Herr Teupe, meinen ausdrücklichen Dank, bar jeder Ironie, für Ihr Kompliment.
Denke ich Ihren Gedanken konsequent weiter, komme ich zu dem Schluss, dass es um die Liebe in all ihren Dimensionen nicht mehr so gut bestellt ist in der Welt. Herr Jopp gibt ein anschauliches Beispiel dafür, dass das Zueinanderfinden ein immer schwieriges Unterfangen geworden ist. Das deckt sich mit meinen Beobachtungen in der jüngeren Generation.
Um Missverständnissen vorzubeugen: Ich bin weit davon entfernt zu glauben, dass die ökonomische Benachteiligung von Familien der einzige Grund für unsere demographischen Kalamitäten ist. Aber eben doch ein nicht zu unterschätzender.
Lieber Herr Paul
Vorschlag zur Güte:
Ich bin der Augenblick und Sie,
die Ratio – und Frauen die Zukunft!
„Werd ich zum Augenblicke sagen,
verweile doch, du bist so schön,
dann magst Du mich in Fesseln schlagen,
dann will ich gern zu Grunde gehen!
( Goethe Faust 1)…
Die Zukunft ist das Ende von Faust 2:
(Chorus mysticus)
alles Vergangene wird zum Gleichnis,
das Unzulängliche,
hier ist’s Ereignis
das Unbegreifliche,
hier wird’s getan,
das ewig Weibliche zieht uns hinan!
es geht nur mit Liebe,
so oder so,
auch Zukunft und ihre Berechenbarkeit.
Hmm,
sind meine Frau und ich die einzigen Menschen, die diesen Kinder-Fetisch absurd finden? Es gibt doch schon jetzt viel zu viele Menschen auf diesem geschundenen Planeten, und es ist aus unserer Sicht unverantwortlich, noch weitere in die Welt zu setzen. Oder als Regierung gar irgendwelche Anreize dafür zu schaffen!
Es wär ein Segen, wenn die Bevölkerung endlich mal schrumpfen würde – weltweit, und ja, auch in Europa und in Deutschland! Deutsche Menschen sind nicht mehr wert als andere!
Und kommt mir bitte nicht mit irgendwelchen Renten- oder Zukunftsargumenten – darum geht es nicht, denn niemand bekommt Kinder aus anderen als rein egoistischen Motiven. Warum sollten wir Steuerzahler diese Selbstverwirklichung fördern? Wir fördern doch auch nicht Golf, reiten oder andere Hobbies!
Wer Kinder haben möchte, kann das auf eigene Kosten machen – aber nicht auf Kosten der Allgemeinheit. Die hat auch ohne zusätzliche Menschen Probleme genug (insbesondere in Bremen, wo gar nichts funktioniert).
Sehr geehrter Herr Appel,
ich hoffe sehr, dass Sie und Ihre Frau mit dieser Auffassung eine Minderheit darstellen.
Deutschland hat rund 83,6 Millionen Einwohner und stellt damit lediglich etwa 1 % der Weltbevölkerung. Selbst wenn in Deutschland niemand mehr Kinder bekäme, hätte das auf die weltweite Bevölkerungsentwicklung oder den Klimawandel kaum messbare Auswirkungen.
Ihren Satz, wer Kinder haben möchte, solle dies auf eigene Kosten tun, unterschreibe ich sofort – allerdings nur unter einer Bedingung: Dann müsste im Gegenzug auch der Generationenvertrag vollständig abgeschafft werden. Denn unser Renten-, Kranken- und Pflegesystem funktioniert nach dem Umlageprinzip. Die Renten der heutigen Ruheständler werden nicht aus ihrem eigenen angesparten Vermögen gezahlt, sondern aus den Beiträgen der aktuell Erwerbstätigen. Gleiches gilt für viele Bereiche unseres Sozialstaates.
Wenn also jeder Mensch sämtliche Kosten seines Lebens – insbesondere im Alter – bereits während seines Erwerbslebens vollständig selbst erwirtschaften und zurücklegen müsste, würden viele schnell an ihre finanziellen Grenzen stoßen. Ich erinnere nur an die Diskussionen darüber, Kinderlose stärker an den Kosten des Sozialstaats zu beteiligen, weil Eltern mit der Erziehung der nächsten Generation bereits einen erheblichen Beitrag für dessen Fortbestand leisten.
Ein wesentlicher Punkt bleibt in Ihrer Argumentation jedoch unberücksichtigt: Kinder sind keine Freizeitbeschäftigung wie Golf oder Reiten. Sie sind die Menschen, die künftig unsere Krankenhäuser, Pflegeheime, Schulen, Feuerwehren, Polizei, Unternehmen und Verwaltungen am Laufen halten. Sie finanzieren als Steuer- und Beitragszahler die Renten, die Gesundheitsversorgung und einen erheblichen Teil unserer öffentlichen Infrastruktur. Von all dem profitieren später auch Menschen ohne Kinder.
Unabhängig davon entgeht Ihnen aus meiner Sicht ein wesentlicher Teil des Lebens. Kinder bedeuten Verantwortung – 365 Tage im Jahr, rund um die Uhr. Sie fordern einen heraus, lassen einen persönlich wachsen und schenken gleichzeitig unzählige unbezahlbare Momente: ein selbstgemaltes Bild, eine gepflückte Blume oder eine spontane, von Herzen kommende Umarmung. Das lässt sich weder in Geld noch in Statistiken messen.
Außerdem sollte man nicht vergessen: Nicht jeder kinderlose Mensch ist freiwillig kinderlos. Viele wünschen sich Kinder und können aus den unterschiedlichsten Gründen keine bekommen. Deshalb sollte man mit pauschalen Aussagen vorsichtig sein.
Solange unser Sozialstaat auf dem Generationenvertrag beruht und jede Generation die vorhergehende finanziert, ist es nur folgerichtig, dass der Staat Familien unterstützt. Das ist keine Gefälligkeit, sondern eine Investition in die Zukunft unseres Landes.
Zum Schluss noch ein Denkanstoß: Wer arbeitet künftig in unseren Pflegeheimen, Krankenhäusern, Schulen, Handwerksbetrieben, Unternehmen oder bei Polizei und Feuerwehr, wenn immer weniger Kinder geboren werden? Wer erwirtschaftet künftig die Steuern und Sozialabgaben, aus denen Renten, Pflege, Straßen, Schulen und Krankenhäuser finanziert werden? Sicherlich nicht diejenigen, die gar nicht erst geboren wurden.
Ich teile Ihre Auffassung daher ausdrücklich nicht. Kinder sind keine gesellschaftliche Belastung. Sie kosten Geld, Zeit und manchmal auch Nerven – aber sie sind zugleich das Wertvollste, was eine Gesellschaft für ihre Zukunft hervorbringen kann. Ich persönlich möchte meine beiden Kinder keinen einzigen Tag missen.
Der Vergleich „Kinder oder Eigentumswohnung“ ist aber bewusst zugespitzt. Er macht auf ein reales Problem aufmerksam, vereinfacht die Wirklichkeit aber erheblich.
Kinder sind keine Investitionsrechnung. Familien entscheiden sich in aller Regel nicht ausschließlich nach finanziellen Kriterien. Meine Enkeltochter ist vor 2,5 Jahren geboren, im Freundeskreis meiner Tochter sind weitere Paare mit ein bis zwei Kindern. Ich habe bei keinem Paar gehört, dass sie tatsächlich finanzielle Abwägungen getroffen haben, denn wer sich damit wirklich gedanklich beschäftigt, der stellt fest, dass die Modellrechnung mit vielen konstanten Annahmen (Inflation, Immobilienpreise, Mietentwicklung, Zinsen, Steuerrecht) arbeitet, die sich in der Realität selten so entwickeln.
Auch die tatsächlichen Kosten einer Immobilie (Instandhaltung, Leerstand, Modernisierung, Wertentwicklung) bleiben weitgehend unberücksichtigt.
Ebenso berücksichtigt die Rechnung nicht die vielfältigen staatlichen Leistungen für Familien sowie spätere Unterstützungen durch erwachsene Kinder. Daher … so simpel ist das nicht!
@Sandra Ahrens, Sie haben vollkommen recht: „Der Sozialstaat basiert auf dem Generationenvertrag“, allerdings wurde dieser durch die herrschende Klasse aufgekündigt. Die aktuellen Generationen der Lohnempfänger – und nur diese – müssen die aktuellen Leistungsempfänger bezahlen (durch Sozialabgaben und Konsumsteuern). Dadurch haben sie selbst mit eiserner, lang anhaltender Disziplin nicht genug Nettokaufkraft, um für das Alter vorzusorgen. Gleichzeitig wird ihnen in einer Salami-Taktik offenbart, dass sie auch nichts von der nachfolgenden Generation bekommen werden. Das ist unter ethischem Blickwinkel schlicht Betrug.
Das aktuelle System der Finanzierung durch Lohnempfänger ist aufgrund von Rationalisierung, Offshoring von Produktion und sachfremder Mittelverwendung (Unterschlagung) – wie etwa der Finanzierung der „Deutschen Einheit“ über die Sozialkassen – nicht mehr tragfähig. Das wird von der herrschenden Klasse und ihren Kofferträgern allerdings verschwiegen oder sogar verleugnet.
Wer das wie ich analysiert, anprangert und Lösungen aufzeigt, wird mit Begriffen wie „Neiddebatte“, „Linker“ oder Schlimmerem überzogen. Denn die herrschende Klasse will das nicht lösen, weil das bedeuten würde, dass sie viel mehr Einkommensteuern zahlen müssten, damit man Arme (aber auch z.B. Handwerksbetriebe) von Sozialabgaben und Konsumsteuern entlasten könnte. Stattdessen wird „Neid“ bzw. ein Konflikt zwischen relativ armen Zahlmeistern und wirklich armen Empfängern herbeigeschrieben, indem man behauptet, der Staat werde durch Arme ausgeplündert. Der Staat könne angeblich durch sorgsamere Mittelverwendung signifikant und wirksam „sparen“ – und viele andere Werbelügen, die bei genauerer Betrachtung an der Hand enden. Und gleichzeitig verschärft die herrschende Klasse das Problem absichtlich mittels Massenmigration in die Sozialsysteme. Wer wissen will warum, sollte sich mal mit Margaret Thatchers „Reservearmee der Arbeitslosen“ beschäftigen. Es geht darum Löhne niedrig zuhalten, was übrigens zu geringeren Einnahmen der Sozialversicherungen führt.
Diese Leute wollen lieber, wie die Sowjet-Kommunisten untergehen, als zuzugeben das deren gesamtes ökonomisches Denkgebäude untauglich ist.
In der Debatte vermisse ich den Hinweis, dass das ökonomische Ungleichgewicht zwischen Kinderlosen und Familien dadurch verschärft wird, dass Care-Arbeit, die in der Regel von Frauen geleistet wird, bis heute trotz Elten- und Kindergeld im Wesentlichen unbezahlt ist. In einem Fachvortrag zum Thema Altersvorsorge von Frauen wurde der daraus folgende riesige finanzielle Unterschied zwischen kinderlosen Frauen und Müttern über die Lebenszeit mit den Begriff „Child Penalty“ belegt, was mich dann doch ziemlich geschockt hat. Auch wenn aus individueller Sicht ökonomische Gründe bei der Familienplanung auf der bewussten Ebene sicher meist eine untergeordnete Rolle spielen – sonst wäre die Geburtenrate noch deutlich niedriger – so zeigt Herr Paul doch sehr deutlich auf, dass hier strukturelle ökonomische Fehlanreize bestehen, die solidarische Sozialsysteme langfristig aushöhlen. Schon Marx hat darauf hingewiesen, dass der Kapitalismus Umwelt- und Reproduktionskosten systematisch externalisiert, um Gewinne zu maximieren..
Die Benachteiligung von Müttern kann meines Erachtens nur aufgehoben werden, indem wir schrittweise dahin kommen sollten, Care-Arbeit zu bezahlen. Dafür müsste man sich anschauen, welche Transferleistungen es für Sorge-Aufgaben (Familien, Pflegende) schon gibt und wie man sie zu einem Gehalt für alle, die erziehen und pflegen, umbauen könnte. Das würde die Wertschätzung der Sorge-Aufgaben, die für das Funktionieren jeder Gesellschaft essentiell sind, deutlich erhöhen, und auch Anreize für Männer erhöhen, mehr Sorge-Aufgaben zu übernehmen. Gleichzeitig wäre das ein großer Schritt in Richtung Gleichberechtigung der Geschlechter. Vielen Dank an Hartmut Paul für das Herausarbeiten von strukturellen Benachteiligungen, die in der Debatte um die Zukunft der Sozialsysteme oft nur wenig berücksichtigt werden.
Frau da Rocha, vielen Dank für Ihre meine Intention bestätigenden Kommentar. In der Tat war der Vater der Adenauerschen Rentenreform, ein Herr Schreiber, mit seinen ursprünglichen Ideen exakt schon dort, wo Sie auch sind – wenn auch sicherlich mit einem seiner Zeit entsprechend konservativeren Familien- und Rollenbild.
Er wollte ursprünglich nicht nur eine umlagefinanzierte Rente für Senioren, sondern ebenso eine umlagefinanzierte Rente für den Nachwuchs, die den Haushalten zugute kommen sollte, die Kinder groß ziehen. Ihm war die Gefahr des „demographischen Trittbrettfahrens“ – er hatte dafür eine noch drastischere, mir leider entfallene Formulierung – sehr bewusst. Adenauer leider nicht. Aus wahltaktischen Gründen hat er den Teil des Schreiber-Plans unter den Tisch fallen lassen und lieber den Senioren eine höhere Rente zukommen lassen. Er setzte bekanntlich darauf, dass die Leute immer Kinder bekämen.
Herr Appel, Ihren Beitrag werte ich mal als mehr oder weniger gut gelungene Satire. Wenn Ihrem satirischen Ansatz alle Leute folgen würden bzw. schon gefolgt wären, dann könnten Sie und Ihre Frau sich im Seniorenheim die Schnabeltasse selber anreichen. Ich würde gerne beobachten, wie Ihnen das so gelingt.
@Betina da Rocha, „… Care-Arbeit zu bezahlen.“ Das ist mal ein richtig spannender Gedanke! Den sollte man unbedingt mal richtig ökonomisch zu Ende denken – mit Popcorn!
Welches Preisschild kleben wir denn da drauf? Ist die Stunde einer promovierten Super-Mutti mehr wert als die einer Mama ohne Schulabschluss? Gibt’s einen Bildungs-Bonus oder einen „Hat-sich-früher-schon-nicht-angestrengt“-Abschlag?
Der Staat hängt ja heute schon fröhlich Preisschilder an Care-Arbeit – vor allem bei der häuslichen Pflege. Da kommt man sich vor wie beim China-Imbiss um die Ecke: weit unter Mindestlohn, dafür mit viel Dankbarkeit und kaputtem Rücken. Ein Traummodell, wirklich.
Und weil die ganze „Alles-kriegt-ein-Preisschild“-Idee sowieso aus der marktradikalen österreichischen Schule kommt, dürfen natürlich die Marktkräfte entscheiden statt der Sparmeister Staat. Und wer bestimmt dann den Preis? Richtig: die riesige Armee von Care-Arbeiter:ininin mit minimaler Bildung. Angebot und Nachfrage. Die Masse macht’s.
Frage: Soll das wirklich das Ziel sein? Oder war das nur so ein kleiner, unschuldiger Gedankenblitz von mir – und Sie meinen eigentlich was ganz anderes?