Sarah Ryglewski wechselt zu „Engagement Global“ – wussten Sie, was das ist?

15.07.2026 11 Von Axel Schuller

Als gutgläubiger Staatsbürger meint man, der Staat gehe sorgsam mit dem ihm anvertrauten Steuergeld um. Doch manchmal kommen leise Zweifel auf. Man weiß ja, dass es ein „Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung“ gibt. Auch die Existenz der „Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit“ (GIZ) ist geläufig. Aber was macht die „gemeinnützige Gesellschaft für Engagement Global“, zu der jetzt Bremens aus dem Amt geschiedene Parlamentarische Staatssekretärin Finanzen und Staatsministerin im Kanzleramt, Sarah Ryglewski (43), als Geschäftsführerin aufsteigt?

Dank des Weser-Kurier und seiner empfindsamen Berichterstattung über Ryglewskis Wechsel nehmen manche von uns überhaupt erstmals diese vermutlich bedeutende gGmbH mit Sitz in Bonn wahr.

„Engagement global“. Google merkt zu dem Wort „Engagement“ an: „Es beschreibt die freiwillige Bereitschaft, sich aktiv für eine bestimmte Sache, ein Ziel oder für andere Menschen stark zu machen – meist ohne Bezahlung, sondern aus persönlicher Überzeugung.“

Na ja, die von uns allen finanzierte Gesellschaft weist im Netz immerhin 815 Beschäftigte aus („ohne studentische Hilfskräfte, Praktikanten und Personen in Elternzeit)“, für die wir – Steuerzahler – 2024 rund 54  Millionen Euro allein an Personalkosten aufgewendet haben.

Liebe Leserschaft, der neue Job ist für Frau Ryglewski bestimmt sinn- und gehaltsfüllend (monatliches Salär laut WK: 12.000 Euro). Aber ein Blick auf die Website der Gesellschaft fördert nicht so knallige Ergebnisse zu Tage, so dass ich spontan denken würde: Hej, ohne diese GmbH wären Deutschland und die Welt „ärmer“.

Auf der Website der „Engagement Global“ ist zu lesen:

„Hier finden Sie eine Übersicht unserer Programme und Angebote, die Ihr globales Engagement fördern und nachhaltige Entwicklung unterstützen. Ob Einzelpersonen, Schulen, Organisationen oder Kommunen – wir unterstützen alle, die sich für eine gerechte und nachhaltige Welt einsetzen möchten.“

Das Überziel dieser Bundes-Gesellschaft lautet: Wir wollen eine bessere Welt erreichen, indem die 17 Nachhaltigkeitsziele der UN  weltweit bis 2030 umgesetzt werden – dafür bleiben noch vier Jahre.

Für den Fall, dass Sie die 17 gerade nicht parat haben, hier die Überschriften (Nachlesen lohnt sich) In der Reihenfolge von 1  bis 17:

Keine Armut

Kein Hunger

Gesundheit und Wohlergehen

Hochwertige Bildung

Geschlechtergleichstellung

Sauberes Wasser und Sanitärversorgung

Bezahlbare und saubere Energie

Menschenwürdige Arbeit und Wirtschaftswachstum

Industrie, Innovation und Infrastruktur

Weniger Ungleichheiten

Nachhaltige Städte und Gemeinden

Verantwortungsvolle Konsum- und Produktionsmuster

Maßnahmen zum Klimaschutz

Leben unter Wasser

Leben an Land

Frieden, Gerechtigkeit und starke Institutionen

Partnerschaften zur Erreichung der Ziele

Um die „Agenda 2030“ weiter aufzuschlüsseln, sind die 17 Ziele in insgesamt 169 Unterziele (Indikatoren) aufgeteilt.

Zur Erfassung der kompletten Arbeit von „Engagement Global“, empfehle ich einen eigenen Blick auf die Homepage der gGmbH. Einer vom Bund finanzierten Gesellschaft, die jährlich „Fördermittel“ von nahezu 490 Millionen Euro raushaut.

By the Way: Gegen – Achtung Altsprech – „Entwicklungshilfe“, die auch Deutschland nutzt, kann niemand etwas einwenden. Aber, ich habe den Eindruck, dass sich um das Thema – Neusprech – Entwicklungszusammenarbeit ein eigenes Biotop mit ungeheuer großen (staatlichen) Finanzmitteln entwickelt hat.

So lohnt übrigens auch ein Blick auf die Website der „Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit“ (GIZ) – an deren Spitze ein hessischer Sozialdemokrat als Vorstandschef wirkt, der 2018 bei der Landtagswahl gescheitert war: Thorsten Schäfer-Gümbel.

Die GIZ dreht ein ganz großes Rad: Weltweit 24.000 Mitarbeiter m/w, Budget von 4 Milliarden Euro

Sarah Ryglewski – so darf man dem WK entnehmen – fühlt sich für den neuen Job gut gewappnet. Nicht nur wegen ihrer Tätigkeit als parlamentarische Staatssekretärin für den damaligen Finanzminister Olaf Scholz und danach als als „Staatsministerin im Kanzleramt“ für die Zusammenarbeit zwischen Bund und Ländern. Nein, ihre Ursprünge gehen eigenen Angaben zufolge zurück auf den Job als „Quartiersmanagerin“ für das Programm „Wohnen in Nachbarschaften“. Für den neuen Job muss sie von Bremen nach Bonn übersiedeln. „Dennoch“ – so das Heimatblatt –  wird ihre Beziehung zu Bremen nicht nur aus familiären Gründen eng bleiben.“

Klar: Ryglewskis Ehemann Tim Cordßen-Ryglewski (52) war Staatsrat des damaligen Senatsressorts für Wissenschaft und Häfen. Nach der Bürgerschaftswahl 2023 wurde er in den einstweiligen Ruhestand versetzt und lebt offenbar weiter in der Hansestadt.

Die künftige Co-Geschäftsführerin der „Engagement Global“ war eigentlich eher durch Zufall in den Bundestag gekommen. Bremens Bürgermeister Jens Böhrnsen war nach dem schlechten Wahlergebnis der SPD von 2015 (minus 5,8 % auf 32,8 Prozent) zurückgetreten. Nachfolger wurde Dr. Carsten Sieling, der deshalb sein Bundestagsmandat aufgeben musste. Dafür rutschte die „Nachrückerin“ auf der SPD-Liste Ryglewski in den Bundestag nach und machte rasch Karriere.

Sieling hielt sich als Bürgermeister nur bis zur Wahl 2019 (SPD: 24,9 %) im Amt, wurde von Dr. Andreas Bovenschulte abgelöst. Seitdem dient Sieling seinem früheren Arbeitgeber, der Arbeitnehmerkammer Bremen als „Beauftragter der Geschäftsführung“.

Liebe Leserschaft, ich hoffe, dass diese Zeilen ein wenig bei der Einordnung von Ryglewskis neuem Job geholfen haben.

Munter bleiben!

Herzlichst

Ihr Axel Schuller

P.S.: Fürs Wochenende darf ich Ihnen einen Gastkommentar ankündigen, an dem sich vermutlich die Geister scheiden werden.