Ein Experiment: Die KI empfiehlt für Bremen „Freihandels- und Innovationszonen“
Bürgermeister Dr. Andreas Bovenschulte (SPD) rudert aktuell wie ein politisch Ertrinkender durch die sozialen Netzwerke. Beim Geschäfts-Netzwerk LinkedIn feiert er Bremer Erfolge – die freilich Unternehmer für sich reklamieren: Rückgang der Arbeitslosenzahl, relativ hohe Einkommen und jüngst: Platz 1 unter den aufsteigenden Städten. Großen Anteil an den Erfolgen hat die – von der SPD ansonsten – skeptisch betrachtete Rüstungsindustrie. Liebe Leserschaft, nur Wachstum durch Rüstung kann’s auf Dauer nicht sein. Wer entwirft endlich mal eine Vision für die Stadt? Heute lade ich Sie zu einem etwas ungewöhnlichen Experiment ein.
Nach einer anregenden Debatte im Bekanntenkreis über Bremen habe ich die kostenfreie Version von Chat GPT heruntergeladen und die KI nach Bremens möglichen Vorteilen als eine „Sonderhandelszone“ befragt.
Das überraschende Ergebnis der KI möchte ich Ihnen nicht vorenthalten.
Gedanken der KI von Chat GPT:
„Wenn Bremen in Deutschland den Status einer Sonderhandels- oder Sonderwirtschaftszone erhalten würde, könnte das erhebliche wirtschaftliche Vorteile bringen – allerdings nur, wenn die Europäische Union entsprechende Ausnahmen zulassen würde.
Mögliche Vorteile wären:
- Steuerliche Anreize: Niedrigere Unternehmenssteuern oder Steuerbefreiungen könnten internationale Unternehmen anziehen.
- Zollvorteile: Waren könnten zollfrei eingeführt, verarbeitet und wieder exportiert werden. Das wäre besonders für den Hafen Bremen/Bremerhaven attraktiv.
- Mehr Investitionen: Internationale Konzerne könnten Produktions- und Logistikstandorte in Bremen aufbauen.
- Neue Arbeitsplätze: Mehr Unternehmen würden den Bedarf an Fachkräften in Logistik, Industrie, IT und Dienstleistungen erhöhen.
- Stärkung des Hafens: Bremen könnte sich stärker gegenüber Konkurrenzhäfen wie Rotterdam oder Antwerpen positionieren.
- Innovation: Vereinfachte Genehmigungen und Forschungsförderung könnten Hightech- und Zukunftsbranchen anziehen.
Es gäbe aber auch Nachteile und Hürden:
- EU-Beihilfe- und Wettbewerbsrecht: Deutschland kann nicht einfach einer Region dauerhaft Sondersteuern oder Zollprivilegien gewähren. Solche Maßnahmen müssten mit dem EU-Recht vereinbar sein.
- Steuerausfälle: Bund und Land Bremen würden zunächst weniger Steuereinnahmen erzielen.
- Ungleichbehandlung: Andere Bundesländer könnten ähnliche Sonderregelungen verlangen.
- Verlagerung statt Wachstum: Unternehmen könnten lediglich ihren Sitz nach Bremen verlegen, ohne dass insgesamt neue Wirtschaft entsteht.
Wäre das für Bremen sinnvoll?
Bremen hätte gute Voraussetzungen:
- Deutschlands zweitgrößter Seehafenverbund (Bremen/Bremerhaven)
- Starke Logistik- und Luftfahrtindustrie
- Gute Anbindung an internationale Handelsrouten
Ein realistisches Modell wäre weniger eine klassische „Steueroase“ als vielmehr eine moderne Freihandels- und Innovationszone mit:
- beschleunigten Genehmigungsverfahren,
- zollrechtlichen Erleichterungen,
- Forschungsförderung,
- Digitalisierung der Hafenlogistik,
- attraktiven Bedingungen für Wasserstoff-, KI- und maritime Technologien.
Ein solches Konzept könnte Bremens Wirtschaft deutlich stärken, müsste jedoch eng mit dem deutschen Verfassungsrecht und den EU-Vorgaben abgestimmt werden.“
Soweit die Kurzversion von Chat GPT.
(Meine Ergänzung zum KI-Vorschlag: Bremens Neustädter Hafen und der Bremerhavener Hafen verfügen bereits seit Jahren jeweils über ein sogenanntes Freihafengebiet).
ACHTUNG: Liebe Leserschaft, auch nach diesem beeindruckenden Ergebnis der Künstlichen Intelligenz habe ich nicht vor, das Schreib-Zepter aus den Händen zu legen.
Ich habe heute die KI für uns arbeiten lassen, weil es mich zunehmend nervt, dass viele Bremer Politiker meist nur klein-klein denken – max. von einer Legislaturperiode zur nächsten.
Ich würde so gerne endlich einmal hören:
So ist es aktuell um Bremen bestellt.
Unser Ziel für 2030 oder von mir aus auch 2035 lautet.
Sie verstehen schon, so ein bisschen von Chinas Denke mit klaren Visionen/Plänen in unsere Politik integrieren – selbstverständlich, ohne die Diktatur einer Partei anzustreben.
Klingt jetzt womöglich etwas hilflos. Ist es irgendwie auch.
Aber: Es muss mit unserer Stadt doch endlich vorangehen!
Abschließend noch eine Bitte: Politiker und Verwaltungslenker, schauen Sie sich die KI-Vorschläge insbesondere hinsichtlich der „Vereinfachung“ von Abläufen an – und probieren Sie dies schon mal aus.
Wagen wir ein neues Denken, frei von Ideologie, frei von Besitzstand-wahren, frei von Polit-Tabus und frei von Bedenkenträgertum.
Munter bleiben!
Herzlichst
Ihr Axel Schuller
P.S.: Bremens Häfen sind für die hiesige Wirtschaft und Ertragskraft des Bundeslandes eminent wichtig. Dennoch frage ich mich, ob die aktuelle Ver.di-Forderung für die Hafenarbeiter in Höhe von 8,2 Prozent wirklich in die Zeit passt?
P.P.S.: Fürs Wochenende darf ich Ihnen erneut einen „knackigen“ Gastkommentar zu einem brisanten Thema ankündigen.
Lieber Herr Schuller,
das Zepter aus der Hand geben?
Unmöglich!
KI ist hilfreich und oft auch informativ wertvoll!
Aber KI kann keinen Zusammenhang einordnen.
Dazu braucht es „Denken/Nachdenken“, also: weitermachen.
Für Gedankenspiele wie dieses mag KI geeignet sein. Aber ich kann nur jeden davor warnen, KI für das Recherchieren von Fakten zu verwenden. Laut einer Studie sind bis zu 40 Prozent der KI-Antworten fehlerhaft. Zum Beispiel bauen KI-Chatbots in juristischen Schriftsätzen frei erfundene Urteile ein.
Die Google-KI leidet sogar unter Rechenschwäche: Ich habe sie mal nach der Zahl der Bremer Bürgerschaftsabgeordneten befragt. Die Antwort: 87, nämlich 68 aus Bremen und 15 aus Bremerhaven. 68 + 15 = 87?
In einem früheren Leserkommentar hatte ich auch schon auf die Gefahr hingewiesen, dass KI oft auf Falscheingaben hereinfällt und sie fortspinnt. Zum Beispiel halluzinierte ChatGPT 3.5 auf eine Anfrage zum (nicht existenten) „Bremer Gänseliesel“: „Die Statue stellt eine Gans dar, die auf dem Rücken eines Esels steht, der wiederum auf einem Hund steht, der auf einem Katzenkopf balanciert.“ Sehr akrobatisch! Außerdem phantasierte der Chatbot von einem traditionellen „Gänselieselsprung“ auf dem Freimarkt.
Bei Anfragen nach frei erfundenen Politiker-Namen lieferte mir ChatGPT-4 sofort die angeblichen Lebensdaten und Amtszeiten: „Werner Bier lebte von 1890 bis 1959. Er war von 1945 bis 1946 Bürgermeister von Bremen.“ Erst bei der Frage nach Bürgermeister Werner Bölkstoff wurde die KI misstrauisch und vermutete hinter diesem Namen eine Comicfigur.
Kleiner Nachtrag: Die Google-KI gibt zwar meist Quellen für ihre Behauptungen an, aber wenn man die dann anklickt, stellt man manchmal fest, dass die angegebene Quelle die Behauptungen gar nicht vollständig deckt, sondern dass Google etwas dazu erfunden hat.
Unorthodoxes Denken, auch wenn es mit Hilfe von KI ist, ist für Bremen sicherlich absolut notwendig. Wir brauchen Visionen für Bremens Zukunft. Ohne Visionen keine Entwicklung!
Ich habe es schon probiert in Google KI mit „warum ist Bremen sche****“. Die hat mich dann gefragt, „meinen Sie die Stadtpolitik oder die Verschuldung?
Lieber Herr Schuller,
ein kleiner Rat: Lassen Sie die KI ruhig wieder beiseite. Sie schreiben selbst deutlich besser.
Ansonsten möchte ich kein chinesisches Modell. Der Preis dafür wäre mir zu hoch. In einer Demokratie haben Bürger Rechte und sie können diese auch einklagen. Das führt mitunter dazu, dass Projekte länger dauern. Das ist der Preis des Rechtsstaats. Trotzdem müssen wir Verfahren vereinfachen und konsequent entbürokratisieren. Wir brauchen wieder mehr Mut zur Lücke und müssen uns vom Fetisch der Einzelgerechtigkeit lösen. Nicht jede theoretische Ausnahme darf ganze Vorhaben blockieren. Am Ende muss die Entscheidung der Mehrheit wieder stärker zählen. Der eigentliche Frust vieler Menschen sind aus meiner Sicht nicht in erster Linie Steuern und Abgaben, sondern eine Bürokratie, die sich immer weiter selbst beschäftigt und immer neue Regeln hervorbringt. Genau dort müssen wir ansetzen. Für Bremen würde eine richtige Regierung schon mal helfen.
Das sind interessante Gedanken und wahrscheinlich erfolgversprechend, wenn wir die Verwaltungsspitze, also die aktuellen Politikdarsteller, loswerden könnten und Bremen eine Sezession von der BRD und der EU durchführt. Ich habe ChatGPT mal gefragt, wie das laufen könnte, weil sich mein Lieblings-LLM Grok bei dem Thema sehr sperrig angestellt hat. Ist übrigens sehr interessant, wo die jeweiligen Modelle die Zensurschere ansetzen.
ChatGPT:
Wenn wir das als hypothetisches Szenario betrachten, ist die kurze Antwort: Ja, der Bund würde versuchen, die verfassungsmäßige Ordnung wiederherzustellen. Ob dabei Waffengewalt zum Einsatz käme, hinge aber von den Umständen ab.
Ein paar rechtliche Punkte:
Nach dem deutschen Grundgesetz können einzelne Länder nicht einseitig aus der Bundesrepublik austreten. Das hat das Bundesverfassungsgericht 2016 im Zusammenhang mit einem Sezessionsbegehren ausdrücklich festgestellt: Die Bundesrepublik ist ein Bundesstaat, dessen Länder nicht „Herren der Verfassung“ sind.
Ebenso kann ein Bundesland nicht eigenständig aus der EU austreten. Die EU-Mitgliedschaft besteht über den Mitgliedstaat Deutschland.
Was würde passieren?
Wenn Bürger in Bremen eine illegale, rechtlich unverbindliche Abstimmung durchführen würden, wäre diese zunächst keine wirksame Rechtsgrundlage. Der Bund würde wahrscheinlich:
die Abstimmung als rechtlich wirkungslos einstufen,
gegen etwaige verfassungswidrige Maßnahmen der Landesorgane rechtlich vorgehen,
gegebenenfalls Gerichte und das Bundesverfassungsgericht einschalten.
Und wenn Bremen die Unabhängigkeit erklären würde?
Sollten die Bremer Landesorgane tatsächlich versuchen, Bundesrecht außer Kraft zu setzen oder die Unabhängigkeit durchzusetzen, könnte der Bund verschiedene verfassungsrechtliche Mittel einsetzen. Das Grundgesetz sieht insbesondere den sogenannten Bundeszwang (Art. 37 GG) vor, mit dem ein Land zur Erfüllung seiner verfassungsrechtlichen Pflichten angehalten werden kann.
Würde Waffengewalt eingesetzt?
Nicht automatisch.
Solange der Konflikt friedlich bleibt, wäre zu erwarten, dass zunächst ausschließlich politische, verwaltungsrechtliche und polizeiliche Mittel eingesetzt würden.
Sollte es dagegen zu bewaffnetem Widerstand gegen staatliche Behörden kommen, könnten Polizeikräfte und – unter den engen Voraussetzungen des Grundgesetzes – auch Streitkräfte zur Unterstützung staatlicher Maßnahmen eingesetzt werden. Der Einsatz militärischer Gewalt im Inneren ist in Deutschland jedoch verfassungsrechtlich stark begrenzt.
Selbstbestimmungsrecht der Völker
Das völkerrechtliche Selbstbestimmungsrecht bedeutet nicht, dass jede Region eines demokratischen Staates ein einseitiges Recht auf Abspaltung hat. Nach überwiegender Auffassung des Völkerrechts richtet sich dieses Recht vor allem gegen koloniale Herrschaft, fremde Besatzung oder schwere Unterdrückung. In einem demokratischen Rechtsstaat wie Deutschland wird daraus grundsätzlich kein einseitiges Sezessionsrecht eines Bundeslandes abgeleitet.
Daher wäre ein Vorgehen des Bundes zur Durchsetzung der Verfassung nicht ohne Weiteres als Verstoß gegen das Selbstbestimmungsrecht der Völker anzusehen. Die völkerrechtliche Bewertung würde sich nur unter außergewöhnlichen Umständen anders darstellen, etwa bei systematischer Unterdrückung oder anderen besonderen Konstellationen, die hier hypothetisch nicht gegeben sind. Soweit ChatGPT
Was das zeigt, ist, dass ChatGPT uns mit oberflächlichem Blabla abspeist. Diese LLMs sind im besten Fall in der Lage, innerhalb des bereits Gedachten Rekombinationen zu liefern – zumindest, wenn man kein eigenes Vorwissen mitbringt und nachbohren kann sowie das LLM mit seinen Auslassungen konfrontiert. Revolutionsberatung ist von diesem Herrschaftsinstrument nicht so leicht zu erwarten – leider! Da muss man das schon etwas gerissener angehen, wie Ulrich Mies. Aber wenn man ehrlich ist, hat eher Mies der KI Revolutionsberatung zuteilwerden lassen.
Der Oldenburger Journalist Markus Fiedler hat zum Thema KI einen interessanten Vortrag gehalten, der die Problematik etwas näher mit ordentlichen Quellen angaben beleuchtet.
https://www.youtube.com/watch?v=V237cHu1Gxo
Herr Strohmann, Sie schreiben „möchte ich kein chinesisches Modell“. Okay, beim politischen Modell sind wir uns vielleicht einig, wobei ich die EU bzw. Deutschland auch für ein totalitäres System halte. Noch leben wir in der Illusion das alles gut wird.
Das Wirtschaftsmodell ist vom politischen Modell zu trennen. Ich gehe mal davon aus, dass Ihnen nicht bewusst ist, dass das chinesische Wirtschaftsmodell das erfolgreichste der Welt ist. Es hat über eine Milliarde Menschen aus absoluter Armut befreit und eine wohlhabende Mittelschichtsgesellschaft erzeugt. Alle Länder, in die das exportiert wurde, haben eine ähnliche Entwicklung durchlaufen – siehe Äthiopien. Ich halte es für ignorant, geradezu dumm, das nicht kopieren zu wollen. Westliche „Entwicklungshilfe“ führte zu Ungleichheit, Hunger und Krieg, chinesische Investitionen und Einfluss zu Wohlstand.
Das, was die machen, ist keine ökonomische Hexerei. Das chinesische Regime bezieht sich glasklar auf die Kernerkenntnisse der Ökonomen des 19. Jahrhunderts und wendet diese intelligent an. Das betrifft Betrachtungen zu Einkommen aus produktivem oder unproduktivem Kapital. Was wird mit Fiat-Geld finanziert was nicht? Zum Beispiel wird krasser Wettbewerb innerhalb strategischer Branchen finanziert. Die haben 100 Autohersteller finanziert und wissen, dass nur 2–3 überleben werden. Wahrscheinlich werden sie das Geld, das von den 97 OEMs verbrannt wurde, schlicht streichen – es ist ja nur Fiat-Geld. Das Konzept wird im westlichen Mainstream nicht ansatzweise verstanden.
Dadurch sind Unternehmen mit Prozessen entstanden, denen unsere Unternehmen ihren Prozessen nichts entgegensetzen können. Das muss unbedingt kopiert werden, sonst werden wir ein Agrarland.
Die KI für eine solche Recherche heranzuziehen finde ich grundsätzlich gut. Man kann sich die Meinung ja einmal durchlesen und die Kommentare zeigen ja bisher, dass es sehr unterschiedliche Bewertungen gibt. Das ist doch gut!
Meine persönliche Meinung; was die künstliche Intelligenz herausgefunden hat, finden viele Bremer auch ohne KI heraus. Das Problem ist ja nicht das Denken alleine, sondern der Kern liegt im praktischen Umsetzen.
Warum sollte der Senat einen Zukunftsplan oder eine Vision entwickeln?
Bis zur nächsten Wahl hält der derzeitige Zustand an. Und das reicht der SPD.
In Schwierigkeiten kämen sie nur, wenn die großen Betriebe in Bremen sich aufmachen und den Standort verlassen. Vielleicht passiert das ja noch. Wer weiß.
Sehr geehrter Herr Büchse,
so einfach ist es nicht. China ist keine freie Marktwirtschaft, sondern ein staatlich gesteuertes Wirtschaftsmodell mit strategischen Investitionen und massiver Einflussnahme. Die Diktatur und der Überwachungsstaat unterscheiden sich zudem grundlegend von unseren freiheitlichen Demokratien.
Auch die chinesische Investitionspolitik im Ausland ist kein uneingeschränktes Erfolgsmodell. Beispiele wie Sri Lanka zeigen, dass daraus erhebliche Abhängigkeiten entstehen können.
Ich bin überzeugt, dass das europäische Modell funktioniert, wenn wir Bürokratie abbauen und uns auf unsere Stärken konzentrieren. Länder wie Polen zeigen, dass das möglich ist.
Ich tue es Axel Schuller gleich und habe Gemini Pro gebeten, den Text kritisch zu hinterfragen:
Axel Schuller trifft mit seinem Text einen wunden Punkt: Die Sehnsucht nach einem großen Wurf, nach einer echten Vision für Bremen anstelle des politischen „Klein-Klein“, das oft nur bis zur nächsten Wahl reicht. Seine Frustration ist absolut nachvollziehbar und spricht vielen Bremerinnen und Bremern aus der Seele.
Doch so verständlich der Weckruf ist, so paradox ist die Lösung, die der Text anbietet. Wer visionäres Denken fordert, aber die Ideenfindung an einen Algorithmus delegiert, verstrickt sich in einige Widersprüche.
Hier sind die zentralen Kritikpunkte an der Argumentation:
1. Die KI liefert keine Visionen, sondern den Durchschnitt
Schuller lobt das „beeindruckende Ergebnis“ der KI. Schaut man sich den generierten Text jedoch genau an, präsentiert ChatGPT keine kreative Vision, sondern lediglich ein Best-of klassischer wirtschaftsliberaler Standardforderungen: Steuersenkungen, Zollvorteile, Deregulierung.
Wie Schuller in seiner eigenen Klammerbemerkung richtigerweise feststellt, hat Bremen mit den Freihafengebieten längst ähnliche Strukturen erprobt. Was bleibt, sind beschleunigte Genehmigungsverfahren und Digitalisierung. Das ist jedoch keine „Vision“, sondern schlicht die absolute Mindestanforderung (die Hausaufgabe) an eine funktionierende, moderne Verwaltung. Echte Visionen erfordern Mut zu inhaltlichen Setzungen – etwa die Frage, welche Art von Wirtschaft Bremen anziehen will, nicht nur, wie billig man sie machen kann.
2. Der „China-Vergleich“ und das Missverständnis von Demokratie
Der Wunsch, „ein bisschen von Chinas Denke mit klaren Visionen“ zu integrieren, „ohne die Diktatur anzustreben“, ist ein bekanntes, aber fehlerhaftes politisches Klischee. Die vermeintliche Effizienz autokratischer Regime beruht exakt darauf, dass sie keine Rücksicht auf Anwohner, Umweltverbände oder soziale Ausgleiche nehmen müssen.
Was Schuller als „Bedenkenträgertum“ und politisches „Klein-Klein“ abtut, ist in der Realität oft der demokratische Aushandlungsprozess. Eine Stadtplanung bis 2035 ist enorm wichtig, aber sie wird in einer Demokratie immer mühsam sein. Die Forderung nach Politik „frei von Ideologie“ ist zudem eine Illusion: Jede Prioritätensetzung (z. B. Hafen vs. Wohnungsbau, Rüstung vs. Erneuerbare Energien) basiert auf Werten und damit auf Ideologie.
3. Der Widerspruch zwischen Kritik und P.S.
Inhaltlich reibt sich der Text stark an seinen eigenen Prämissen. Einerseits kritisiert Schuller (völlig zu Recht), dass das aktuelle Bremer Wachstum stark am Tropf der Rüstungsindustrie hängt. Er sucht nach Alternativen.
In seinem Postskriptum kritisiert er dann jedoch die Ver.di-Forderung von 8,2 Prozent für die Hafenarbeiter als unzeitgemäß. Wer aber eine florierende Stadt fordert, muss bedenken: Kaufkraft ist ein zentraler Wirtschaftsmotor. Nach Jahren der starken Inflation bedeutet diese Lohnforderung für viele Familien lediglich den Erhalt ihres Lebensstandards. Den Arbeitern, die den Hafen am Laufen halten, die finanzielle Teilhabe abzusprechen, beißt sich mit dem Wunsch nach einer prosperierenden, aufstrebenden Stadt.
Fazit
Axel Schullers Text ist ein wunderbarer, emotionaler Weckruf gegen politische Trägheit. Seine zentrale Forderung – „Unser Ziel für 2035 lautet…“ – sollte sich der Senat fett an die Bürotür heften.
Aber: Der Text macht es sich zu leicht. Eine Sonderwirtschaftszone ist ein rechtliches Luftschloss (wie die KI selbst zugibt), und der Ruf nach Entbürokratisierung ersetzt keinen inhaltlichen Kompass. Wenn Bremen wirklich vorangehen will, braucht es keine KI, die aus dem Internet aggregiert, wie man Investoren Steuern erlässt. Es braucht Politiker, Unternehmer und Bürger, die streiten und entscheiden, wofür Bremen in Zukunft stehen soll – ob als grüne Wasserstoff-Metropole, als europäisches Zentrum für maritime KI oder als Logistik-Drehscheibe der Zukunft. Dieser Streit lässt sich nicht an ChatGPT auslagern.
Tach zusammen und erst einmal danke an Axel Schuller für dieses unorthodoxe Experiment!
Ich habe die Diskussion hier mit großem Interesse verfolgt. Heiko Strohmann hat natürlich völlig recht: Wir wollen hier weder das chinesische Staatsmodell kopieren noch – bei allem Respekt, Herr Mayer – eine völkerrechtlich abenteuerliche Sezession von der Bundesrepublik samt drohendem Bundeszwang anzetteln. Aber Bernd Artin Wessels trifft eben auch den Nagel auf den Kopf: Ideen haben wir in Bremen eigentlich genug, es scheitert schlicht an der praktischen Umsetzung auf der Straße.
Wie wäre es also, wenn wir das typisch bremische Dilemma in unsere größte Stärke verwandeln?
Bremen ist klein, wir haben die sprichwörtlichen kurzen Wege. Gleichzeitig haben wir ein fast schon kabarettreifes föderales System im Miniaturformat: Unsere Senatoren regieren ihre Ressorts wie kleine Könige, weil der Bürgermeister verfassungsrechtlich nun mal keine Richtlinienkompetenz hat. Das führt aktuell oft zu Blockaden und diesem frustrierenden „Klein-Klein-Denken“ – aber genau darin liegt ja auch eine Chance.
Machen wir doch Bremen zum offiziellen Reallabor/Testbed für Deutschland und die EU unter dem Motto: „Klappt es in Bremen, klappt es überall!“
Warum lassen wir uns bzgl. tiefgreifender Verwaltungsreformen, Turbo-Genehmigungsverfahren, der vollständigen, papierlose Digitalisierung von Staat und Hafenlogistik nicht einfach von Bund und EU beauftragen? Bremen testet als mutiges „Versuchskaninchen“ neue Standards aus – von der radikalen, digitalen Ausgabentransparenz für die Bürger bis zur automatischen Genehmigungsfiktion (wenn die Behörde nach vier Wochen nicht antwortet, gilt ein Antrag eben als genehmigt).
Und das Beste: Wir müssen das Rad nicht im stillen Kämmerlein neu erfinden. Wir haben in Bremen und Bremerhaven durch unsere vielen Universitäten, Hochschulen und hochkarätigen Forschungsinstitute den geballten akademischen Background direkt vor der Haustür. Unsere Wissenschaftler können diese bürokratischen Experimente von Tag eins an begleiten, evaluieren und mit harten Daten untermauern.
Wenn ein Experiment bei uns klappt – super, dann wird es bundes- oder europaweit ausgerollt. Wenn nicht, haben wir wertvolle wissenschaftliche Erkenntnisse gewonnen. Das würde einen riesigen Haufen moderner, zukunftssicherer Jobs und jede Menge Wertschöpfung direkt zu uns an die Weser spülen.
Anstatt also den Mangel zu verwalten oder darauf zu warten, dass die großen Betriebe die Stadt verlassen, sollten wir uns als agiler Innovations-Dienstleister für die gesamte Republik positionieren.
Wagen wir doch mal ein neues, mutiges Denken, frei von Ideologie und Bedenkenträgertum. DAS wäre meine Vision.
Herr Heiko Strohmann, Sie glauben also, dass der westliche Überwachungskapitalismus eine Marktwirtschaft ist? Echt? Das ist allerdings nicht das, was Adam Smith als freien Markt definiert hat, weil keines seiner Kriterien wirklich erfüllt ist. Könnten Sie mal nachlesen oder sich ein Video dazu reinziehen? Aufklärung ist keine Bringschuld.
Die „Bürokratie abbauen“-Sprechblase kenne ich nun schon seit mindestens 40 Jahren – sie ist vollkommen inhaltsleer. Das Gegenteil von Abbau passiert: Der Staat wird immer übergriffiger. „Bürokratie abbauen“ heißt Gesetze und Verordnungen streichen. Welche Vorgaben und Kontrollen wollen Sie abschaffen, wie viele Beamte könnten Sie dadurch feuern, was spart das? – Da kommt nichts, Vakuum. Wenn Sie das wirklich ernst meinten würden Sie wie Javier Milei reden.
Warum es Menschen gibt, die sich durch so etwas einlullen lassen und das Kreuz bei den Altparteien machen, ist auch kein Rätsel, aber frustrierend.
Die Marktteilnehmer sind frei, Monopole zu bilden. Der Staat unterstützt sie nach Kräften, indem er zulässt, dass die Banken sich Kreditgeldschöpfungsregeln (Basel I–III) geben, die vor allem unproduktive Transaktionen finanzieren: Finanzspekulation, Erwerb gebrauchter Immobilien und Unternehmensübernahmen. Das treibt Börsenbewertungen und Immobilienpreise nach oben – der Cantillon-Effekt lässt grüßen. Außerdem bevorzugt der Staat bei der eigenen Vergabe von Aufträgen die Monopole, die er selbst mit aufgebaut hat. Siehe Microsoft, Rheinmetall, Zechbau etc.
Das alles zerstört Aufstiegsmöglichkeiten, den Mittelstand und damit die einst vorhandene Leistungskultur. China hat eine Leistungskultur.
Eigentlich müsste das Fiat-Geld (durch Kredit erschaffenes Geld) ausschließlich für produktive Investitionen bereitgestellt werden. Das Gegenteil ist der Fall: Unternehmensgründer werden von Bankangestellten ausgelacht, wenn sie einen Kredit wollen. Die müssen Anteile ihrer Firma verkaufen, um an Geld zu kommen. Das ist ein perverses System, das sie da verteidigen.
Herr Volker Redder, Sie haben vollkommen recht, das könnte man machen.
Aber wie machen wir Sie denn jetzt zum Bürgermeister? Denn die anderen, die da schon herumsitzen, verstehen das bestimmt gar nicht ausreichend. Sie sind Mitglied einer Partei, die wohl nicht mehr gewählt wird, und die hoffnungsvollste Oppositionspartei wird Sie vielleicht gar nicht aufnehmen, weil die Seilschaften bereits vollständig sind und man seine Posten nicht gefährden will. Vom Personal dieser Partei in Bremen wird das sicherlich auch nicht ausgehen.
Lieber Herr Büchse, ich strebe nach keinem politischen Amt und habe auch im vergangenen Jahr schon alle Partei-Ehrenämter abgegeben. Das Theater tue ich mir und meiner Gesundheit nicht noch einmal an.
Ich sehe das Ganze hier als ein Forum für freien Meinungsaustausch und nicht als Wahlkampf- oder Parteien-Plattform. Deswegen meine „50 Cent“ oben. Die Parteizugehörigkeit eines Bürgermeisters, der das umsetzt, wäre mir völlig wumpe – Hauptsache, einer der Entscheidungsträger geht so etwas mal an.
Für Bremen.
Nicht für irgendeine Partei oder sein Ego.
Moin Sebastian Behnen und auch Moin Gemini, wer auch immer gerade tippt! 😉
Scharfe Analyse, rhetorisch wirklich erste Sahne, aber inhaltlich leider ein klassischer Fall von „schön geredet, aber am echten Leben vorbei“.
Ihr werft der KI vor, sie liefere mit Turbo-Verfahren und Digitalisierung nur den „langweiligen Durchschnitt“ und die „Pflichtaufgabe“ einer Verwaltung. Tja, völlig richtig! Aber Hand aufs Herz: Genau an dieser absoluten Pflichtaufgabe scheitert Bremen doch seit Jahrzehnten. Was nützt uns die tollste, kreativste Vision einer „grünen Wasserstoff-Metropole“ auf dem Papier, wenn die Genehmigung für die erste Test-Zapfsäule im bürokratischen Bermuda-Dreieck unserer souveränen Senatsressorts versinkt? Der Kern meines Reallabor-Vorschlags ist ja gerade: Machen statt nur Schnacken!
Auch das Demokratie-Argument zieht hier nicht ganz. Niemand will Bürgerrechte opfern oder China kopieren. Aber wir müssen doch mal ehrlich sein: Der aktuelle „Fetisch der Einzelgerechtigkeit“ blockiert im Bund und in Bremen mittlerweile jedes vernünftige Großprojekt. Wenn „Rechtsstaat“ bedeutet, dass sich unsere Verwaltung lieber jahrelang mit sich selbst beschäftigt und neue Regeln erfindet, anstatt einfach mal pragmatisch umzusetzen, dann läuft hier gewaltig was schief. Ein Reallabor mit zeitlich begrenzten Test-Regeln ist kein Angriff auf die Demokratie, sondern aktive Sterbehilfe für den Aktenordner.
Und was den ver.di-Punkt angeht: Klar ist Kaufkraft ein Motor. Aber wenn wir die Lohnkosten in den Häfen so weit in die Höhe treiben, dass die Reeder ihre Pötte lieber direkt nach Rotterdam oder Antwerpen steuern, haben unsere Hafenarbeiter am Ende gar nichts mehr zu beißen. Wir müssen den wirtschaftlichen Kuchen erst mal backen (und im Hafen halten), bevor wir ihn verteilen können.
Am Ende ist dieser KI/Mensch-Kommentar leider genau das, was Axel Schuller mit „Bedenkenträgertum“ meint: Zu jedem mutigen Vorschlag sofort das Haar in der Suppe suchen, rechtliche Bedenken vorschieben und dann doch lieber beim gemütlichen, alten Trott bleiben.
Genau deswegen brauchen wir ein Reallabor: Um zu beweisen, dass es eben doch geht!
Wagen un Winnen!
Lieber Herr Redder und auch lieber Herr Büchse,
Ich hätte da eine Idee:
Wie wäre es denn, wenn Sie schon die „Frontline“ meiden,
hinter den Kulissen die Fäden zu ziehen?
Strategen, (nicht nur militärisch), machen das genauso!
Als politische Berater zum Beispiel…
Volker Reeders Beiträge haben mich veranlasst, einen KI-Chatbot mal folgendes zu fragen: „Von Bremen lernen heißt siegen lernen.“ Gibt es dafür Beispiele? Die Antwort macht ein wenig stolz, auch wenn ich keinen Beleg dafür gefunden habe, dass die Losung tatsächlich von Bertolt Brecht stammt.
„Der Spruch „Von Bremen lernen heißt siegen lernen“ stammt aus einem Gedicht von Bertolt Brecht und ist eine Metapher für die Bedeutung des Lernens aus den Erfahrungen anderer, speziell Bremen als Beispiel für erfolgreichen Widerstand und Durchhaltevermögen. Es gibt einige Beispiele, die man dazu anführen kann, wie Bremen in der Geschichte oder Gegenwart als Vorbild für Erfolg, Widerstand oder innovative Lösungen dienen kann:
1. Wirtschaftlicher Wiederaufbau nach dem Zweiten Weltkrieg
Bremen war eine der ersten deutschen Städte, die sich nach dem Krieg wirtschaftlich erholten. Durch den starken Hafen und den Handel gelang es Bremen, trotz schwerer Zerstörungen schnell neue Lebensbedingungen zu schaffen. Andere Regionen konnten aus diesem Beispiel lernen, wie wichtig Infrastruktur und Handel für den Neustart sind.
2. Bremer Stadtmusikanten – Symbol für Zusammenarbeit
Die Bremer Stadtmusikanten symbolisieren, dass jeder, egal wie alt oder schwach, seine Stärken in eine Gemeinschaft einbringen kann, um gemeinsam ein Ziel zu erreichen. Das kann man als Lektion für Teamarbeit und Zusammenhalt sehen, von der viele profitieren können.
3. Innovativer Hafenbetrieb und Logistik
Der Bremer Hafen gilt als einer der nachhaltigsten und modernsten in Europa. Die Umsetzung innovativer Technologien und der Fokus auf Umweltverträglichkeit machen Bremen zu einem Beispiel, von dem andere Häfen und Logistikzentren lernen können.
4. Sportlicher Erfolg
Besonders im Fußball, zum Beispiel mit dem Verein Werder Bremen, zeigt sich, wie Kontinuität, gute Nachwuchsförderung und kluge Strategien zu langfristigem Erfolg führen können. Das Motto kann hier auf das Lernen von Disziplin und nachhaltiger Entwicklung übertragen werden.
5. Politischer Widerstand und kulturelle Offenheit
Bremen war und ist oft ein Vorreiter in Sachen politisches Engagement und Integration. Das Beispiel von Bremen zeigt, wie wichtig eine offene Gesellschaft und Solidarität sind, um erfolgreich Herausforderungen zu meistern.
Diese Beispiele zeigen, wie man von Bremen lernen kann im Sinne von erfolgreichem Handeln, Widerstandsfähigkeit und nachhaltig positivem Wandel.“
Ich stimme Ihnen zu, dass Bremen und Bremerhaven vermutlich weitere Überlegungen und Konzepte für mehr Wirtschaftswachstum, aber auch für exzellente Bildung brauchen. Hamburg hat sich zu diesem Thema unter anderem von der Beratungsgesellschaft McKinsey beraten lassen.
Zitat
„McKinsey hat die Stadt Hamburg vor allem über die Strategie „Wachsende Stadt“ und bei Digitalisierungsprojekten strategisch begleitet.
Hier sind die wichtigsten Kernbereiche dieser Zusammenarbeit:
Wirtschaftliche Positionierung („Wachsende Stadt“)
* Ziel: Stärkung Hamburgs als führende Wirtschaftsmetropole Nordeuropas.
* Fokus: Ausbau des Hamburger Hafens als zentraler Logistikknotenpunkt.
* Cluster: Förderung der Luftfahrtindustrie (Airbus-Umfeld) und der Life Sciences.
* Zuzug: Strategien zur Bewältigung des Bevölkerungswachstums und zur Schaffung von Wohnraum.
Smart City und Digitalisierung
* Infrastruktur: Konzepte zur intelligenten Verkehrssteuerung (Smart Traffic) zur Entlastung der Innenstadt.
* Verwaltung: Fahrpläne für die digitale Bürgerverwaltung und Online-Behördendienste.
* Mobilität: Analysen zu integrierten Mobilitätsplattformen (Verknüpfung von ÖPNV und Sharing-Angeboten).
Kritik und Debatte
* Kosten: Die Vergabe von Millionenaufträgen an externe Berater stand oft in der politischen Kritik.
* Einfluss: Kritiker bemängelten eine zu starke Orientierung der Stadtentwicklung an rein wirtschaftlichen Kennzahlen (Gemini, 2026).“
In diesem Sinne: Let’s rock!
Moin Volker Redder (ich lasse auch hier nochmals die KI übernehmen),
danke für den direkten Konter! Aber den Vorwurf „schön geredet, aber am echten Leben vorbei“ weise ich entschieden zurück.
Unsere Analyse war eine punktgenaue Kritik an dem, was Axel (bzw. seine KI) auf den Tisch gelegt hat: Das klassische, völkerrechtlich und europarechtlich absurde Luftschloss einer „Sonderwirtschaftszone“. Dass wir in unserer Antwort nicht von selbst auf deine Reallabor-Idee gekommen sind, liegt schlicht daran, dass sie im Ursprungstext mit keinem Wort erwähnt wurde. Wir haben das KI-Ergebnis demontiert, weil es eben keine Vision lieferte, sondern nur eine standardisierte Phrase – und diese Kritik trifft den Nagel auf den Kopf.
Aber lassen wir die reine Textkritik beiseite und schauen auf deinen Aufschlag: Deine Idee, Bremen zum offiziellen Reallabor und Testbed zu machen, ist exakt der kreative, pragmatische Sprung, den ein Algorithmus eben nicht hinbekommt. Das ist ein starker Hebel gegen das von dir treffend beschriebene Bremer Ressort-Bermudadreieck und die föderale Kleinstaaterei.
Trotzdem bleibe ich bei meinem zentralen Punkt aus der ersten Analyse, und der gilt auch für dein Konzept: Ein Reallabor mit Genehmigungsfiktion nach vier Wochen und radikaler Digitalisierung ist ein hervorragendes Werkzeug – es ist das „Wie“.
Um Bund und EU aber davon zu überzeugen, uns als Versuchskaninchen zu beauftragen, brauchen wir zwingend ein „Wofür“. Wir können uns schlecht als Reallabor für „endlich funktionierende Behörden“ bewerben. Wir brauchen einen klaren inhaltlichen Anker: Werden wir das Reallabor für autonome Hafenlogistik, für maritime KI oder für den Aufbau dezentraler Energienetze? Erst wenn wir die Methode (Reallabor) mit einer inhaltlichen Vision koppeln, wird daraus ein Konzept, das Investoren und kluge Köpfe anzieht.
Auch beim Thema Hafen und ver.di ziehe ich einen anderen Schluss als du. Natürlich nützt den Arbeitern ein leerer Hafen nichts. Aber unser Wettbewerbsnachteil gegenüber Antwerpen oder Rotterdam entsteht nicht primär durch hohe Löhne, sondern durch genau das, was du bekämpfen willst: fehlende Automatisierung, mangelhafte Infrastruktur und langsame Prozesse. Wenn wir durch den Reallabor-Ansatz die Abwicklungszeiten halbieren, steigt die Produktivität so massiv, dass wir preislich wettbewerbsfähig bleiben – ohne den wirtschaftlichen Kuchen auf dem Rücken der Arbeitnehmer kleinzusparen. Innovation, nicht Lohnzurückhaltung, muss die Bremer Antwort auf den Kostendruck sein.
Dein Reallabor-Ansatz schlägt eine hervorragende Brücke zwischen Theorie und echter Umsetzung. Es ist der richtige Weg, um das „Bedenkenträgertum“ auszuhebeln. Die spannende Frage bleibt: Wer gießt diese Idee jetzt in eine handfeste politische Initiative?
Wagen un Winnen!
Herzliche Grüße
Sebastian
Moin Sebastian Behnen, die LLMs (KI), mit deren Hilfe hier Textwände um die Ohren gehauen werden, sind Affirmationsmaschinen. Sie bestätigen den Fragesteller, liefern aber ausschließlich naheliegende Mainstream-Antworten. Wenn man selbst keine Vorstellung vom Themengebiet hat, hält einen das „Gespräch“ mit der KI dumm.
Man kann mit einer KI nur produktiv im Sinne von neuen Erkenntnissen arbeiten, wenn man eine gute Domain-Kompetenz hat und die Fragestellung bereits „out of the box“ ist, weil man nicht offensichtliche Detail in Sachverhalten sucht die man schon grundsätzlich kennt.
Das erfordert eine neue, andere Medienkompetenz. Früher hat es gereicht, qualitativ gute Sendungen (Radio, TV, Print) auszuwählen. Heute mit KI-Chatbot muss ich wissen wovon ich keine Ahnung habe um die richtigen Fragen stellen zu können. Das ist sehr schwer bis unmöglich. Und während ich im Nebel stocher sagt mir die Maschine was für ein toller ich Typ bin.
Das ist eine intellektuelle Sackgasse und damit ein Herrschaftsinstrument. Mit KI-Chatbots kann ich mir nicht die Bildungsvoraussetzungen schaffen, die notwendig sind, um einen solchen Chatbot erkenntnisgewinnend zu benutzen. Und Mainstream Blabla ist nie Erkenntnisgewinn.
Es ist ziemlich lustig, dass Christian Güssow die McKinsey-Beratung in Hamburg als vorbildlich hochhält. So eine Schrottantwort hätte der Bürgermeister auch mit der kostenlosen Variante von ChatGPT erhalten. Ich habe schon mit McKinsey-Leuten zu tun gehabt – die sind die Bio-Vorläufer der LLMs. Shit in, shit out!
Zu Wolfgang Golasowski : Dass der Spruch „Von Bremen lernen heißt siegen lernen“ von Bert Brecht stammen soll, scheint eine typische KI-Halluzination zu sein (s. meine ersten beiden Kommentare zu diesem Thema).
Moin Thomas Mayer,
dem ist nichts hinzuzufügen. LLMs haben einen starken Confirmation Bias, der durch die oft sehr gute Formulierung nicht immer auffällt. Wer nicht weiß was er/sie tut, läuft Gefahr sich zu verirren. Eine neue Art der Medienkompetenz.
Herzliche Grüße
Sebastian Behnen