Gastkommentar: Elisabeth Motschmann bittet um Unterstützung der „Glocke“

01.08.2026 14 Von Axel Schuller

Die „Glocke“-Erweiterung und Modernisierung könnte am Geld scheitern. Die ehemalige Bremer Bundestagsabgeordnete Elisabeth Motschmann hatte es zum Ende ihrer Mandatszeit geschafft, dem Haushaltsausschuss 40 Millionen Euro für die Glocke „aus den Rippen zu leiern“. Bedingung: Bremen muss 40 Millionen dazupacken. Das schafft das klamme Bremen nicht. 20 Millionen – dann verließen „sie“ ihn. Die Glocke-Fans setzen nun auf spendierwillige Bremerinnen und Bremer. Motschmann nutzt die Chance, im heutigen Gastkommentar um reichhaltige Unterstützung zu bitten.  

Elisabeth Motschmann schreibt:

„Die Glocke wird nicht konkurrieren können mit der Elbphilharmonie in Hamburg, aber sie könnte eine – wenn auch bescheidenere – „Weserphilharmonie“ werden. Es ist ein exponiertes Projekt: die notwendige Sanierung der Glocke und der Bau eines dritten Konzertsaals. Aber es ist ein lohnendes Projekt. 40 Millionen Euro hat der Haushaltsausschuss des Bundes dafür bereitgestellt. Das war mühsam erkämpft und keine Selbstverständlichkeit.

Die Glocke ist eines der bedeutendsten Konzerthäuser Deutschlands mit einer viel gelobten Akustik. Weltstars wie z.B. Mezzosopranistin Cecilia Bartoli schätzen diesen Konzertsaal und lassen sich gerne für einen Konzertabend engagieren. Die Glocke ist das Stammhaus – man könnte auch sagen die Heimat – des Philharmonischen Staatsorchesters und längst auch für die Deutsche Kammerphilharmonie. Die Bremerinnen und Bremer lieben die besondere Atmosphäre der Glocke. Sie ist die „Herzkammer“ des musikalischen Erlebnisses.

Soweit so gut. Aber eine Einschränkung gibt es doch: Die junge Generation ist bei den Veranstaltungen zu schwach vertreten. Das liegt nicht nur am Programm. Die Nutzungsmöglichkeiten für das Haus sind begrenzt. Ein Generationswechsel ist das Gebot der Stunde. Die Glocke muss fit gemacht werden für Zukunft. 

Das kann sich durch einen dritten, modernen vielseitig nutzbaren Konzertsaal ändern.

Ein breiteres Publikum kann angesprochen werden durch ein erweitertes Programm. Die Glocke wird nicht konkurrieren können mit der Elbphilharmonie in Hamburg, aber sie könnte eine – wenn auch bescheidenere – „Weserphilharmonie“ werden, eine Veranstaltungsstätte für jung und alt, ein kultureller Leuchtturm im Zentrum von Bremen, ein Anziehungspunkt „buten un binnen“. 

Das hat der Senat zum Glück erkannt und setzt sich für das Projekt Sanierung und Ausbau der Glocke ein. Die zuständige Wirtschaftssenatorin Kristina Vogt hat in einem Schreiben auf ihrer Website um Spenden für die Glocke gebeten: „Die Glocke ist weit mehr als ein Konzertsaal, sie ist ein Ort der Begegnung der kulturellen Vielfalt und gemeinsamer musikalischer Erlebnisse im Herzen Bremens.“

Die Innenstadt wäre neben dem Welterbe Rathaus und dem Bremer Dom um eine Attraktion reicher. Das wäre von großem Nutzen, denn die Innenstadt hat in den vergangenen Jahrzehnten gelitten. Das Umfeld der Glocke mit einem trostlosen, gepflasterten Platz mit den verschiedenen Straßenbahnschienen ist dafür das beste Beispiel. Am Abend ist die Stadt schon lange nicht mehr belebt. Es fehlt an Aufenthaltsqualität, sehr zum Leidwesen der Bürger, der Hotellerie und der Gastronomie. Allein schon „Eine große Nachtmusik“ am alljährlichen Eröffnungsabend des Musikfestes zeigt, was Kultur möglich machen kann. 

Nun gibt es Bremerinnen und Bremer, die das Projekt Glocke kritisch sehen, weil es mit den 40 Millionen vom Bund nicht getan ist. Die gleiche Summe muss Bremen komplementär hinzufügen. Zugegeben das ist viel Geld für die Hansestadt. Aber es kann gelingen, Sponsoren zu finden, die für „ihre“ Stadt Geld bereitstellen.

Das haben sie in der Vergangenheit hinreichend bewiesen. Die Kunsthalle wäre nicht das, was sie heute ist ohne diese spendenfreudigen Bürger. Sie ist die einzige Kunsthalle von der Größe, die sich nach rund 200 Jahren noch immer in privater Trägerschaft befindet. Die verschiedenen Museen profitieren ebenfalls von diesem Bürgersinn. Gleiches gilt auch für das Musikfest und die Kammerphilharmonie. Die engagierten Freundeskreise der unterschiedlichen Kultureinrichtungen akquirieren unermüdlich privates Geld. Dafür kann man gar nicht genug danken, was allzu oft zu kurz kommt.

Im Blick auf die verzagten Kritiker kann man nur folgendes anführen. Es hat in unserer Hansestadt in allen Jahrhunderten Bürger gegeben, die nach der Devise gehandelt haben: „Think big.“ Das taten sie im Blick auf ihre Unternehmen, aber eben auch für ihre Stadt. 

Der Bremer St. Petri Dom wurde über den Fundamenten älterer Vorgängerbauten im 11. Jahrhundert errichtet. Historiker schätzen die Einwohnerzahl Bremens zu dem Zeitpunkt auf wenige tausend Menschen, deutlich unter 10.000. Mut und Visionen gehörten dazu, in einer so kleinen Stadt eine so große Kirche zu bauen. Das sollte ein Denkanstoß für ein „Rom des Nordens“ sein.

Nun kommt es darauf an, dass 20 Millionen durch privates Engagement zusammenkommen. Professor Thomas Albert, der Intendant des Musikfest Bremen, treibt das exponierte Glocke-Vorhaben nicht nur tatkräftig voran, er ist mit ersten vielversprechenden Erfolgen auf der Suche nach Sponsoren. Seine Erfahrung im Spendensammeln und das in ihn gesetzte große Vertrauen der Sponsoren, Unternehmen, Institutionen in Bremen und im gesamten nordwestdeutschen Raum sind die notwendige Basis dafür, dass für ein öffentliches Projekt privates Geld bereitgestellt wird. 

Thomas Albert ist optimistisch, dass die erforderliche Summe zusammenkommt. Dem Senat kann man nur wünschen, dass er diesen Optimismus teilt. Das Musikzentrum Konzerthaus Glocke ist ein Glücksfall für Bremen.

Soweit der Gastkommentar von Elisabeth Motschmann

Ein paar Worte zu Frau Motschmann (73). Sie gehörte der Bremischen Bürgerschaft für die CDU an, war Staatsrätin für Kultur, danach Bundestagsabgeordnete bis 2021.

Liebe Leserschaft, nun liegt es an Ihnen, ob dieser Aufruf zu einem Erfolg wird… 🙂

Munter bleiben!

Herzlichst

Ihr Axel Schuller

P.S.: Aufgrund mehrerer Anfragen nach der Kontonummer für Spenden, hier die Nummer, die auf der offiziellen Website von Wirtschaftssenatorin Kristina Vogt (Linke) www.glocke-im-wandel.de zu finden ist:

„Landeshauptkasse Bremen, Sonderkonto TSVV Glocke im Wandel, IBAN: DE71 2500 0000 0025 2015 24, Spende für Denkmal „Die Glocke“. TSVV bedeutet übrigens: Teilsondervermögen Veranstaltungsflächen.

Wer die Spende beim Finanzamt angeben/absetzen will, benötigt bis 300 Euro nur den Überweisungsbeleg.

Geht es um eine höhere Summe, bitte Spendenquittung mit Angabe des eigenen Namens und Anschrift per Mail anfordern unter

spenbescheinigungung@glocke.de