12-Uhr-Regel bringt Autofahrer UND Tankstellenpächter in Not / Unbedingt P.S. beachten

17.08.2026 5 Von Axel Schuller

Geht es noch verrückter? Die seit April geltende Regelung, dass Tankstellen nur um Punkt 12 Uhr die Benzinpreise erhöhen dürfen – und dann 24 Stunden lang nicht – belastet nicht nur die Verbraucher – sondern ganz massiv auch Tankstellenpächter. Heute sage ich bloß: lesen und staunen!

Die Pächter m/w sind zurzeit die Prügelknaben und -mädchen der Nation.

Viele preisbewusste Autofahrer steuern die Tanke am liebsten ein paar Minuten vor Highnoon an. Dann ist der Preis für die nächsten 24 Stunden mutmaßlich am niedrigsten. 

Wandert der Uhrzeiger über die magische Grenze hinweg, zack, gehen die Preise für Benzin und Diesel meist sprungartig nach oben.

Ende voriger Woche bedeutete dies: 244,9 für Diesel und 2.33,9 für E 10-Sprit.

Im Laufe des Tages sinken die Tarife langsam, abends – als früher viele auf dem Heimweg – an der Zapfsäule einen Stopp eingelegt haben, wandert der Preis zwar etwas nach unten, erreicht aber keineswegs den „niedrigsten“ Stand, wie er am nächsten Mittag erwartet wird.

Die Folgen:

Es vergeht kein Tag, an dem Autofahrer Tankwarte m/w nicht beschimpfen. Doch: Die Pächter haben von den hohen Preisen nichts. Davon profitieren die Sprit-Hersteller, denen auch die meisten Tankstellen gehören. Ach ja, und wir, der Staat, sacken massiv über den Umweg hoher Steuern ein.

Tankwarte geraten durch den konzentrierten mittäglichen Run auf die Zapfsäulen teilweise in eine wirtschaftlich gefährliche Lage.

Das Personal muss während der gesamten Öffnungszeit – meist von sehr früh am Tag bis spät abends – bezahlt werden. Auch, wenn über weite Strecken des Tages und des Abends kaum Umsatz gemacht wird.

Autofahrer, die sich auf den kurz-vor-12-Termin fokussieren, wollen nur eins: den Tank möglichst günstig füllen. Für mehr – in der Tanke düt un dat nebenbei einzukaufen – bleibt weder Zeit noch Muße.

Mehrere von mir angesprochene Tankwarte berichteten von einem regelrechten Einbruch der Umsätze außerhalb der Spritkäufe. Dabei haben sich größere Tankstellen in der Vergangenheit ja zu kleinen Supermärkten entwickelt. Nur ohne Laufkundschaft…

Der 12-Uhr-Termin führt zu einer riesigen Ungerechtigkeit. Welcher Arbeitnehmer, der nicht zur home-office-Kaste gehört (Handwerker, Bandarbeiter, Verkaufspersonal), kann mal eben um 12h ins Auto jumpen und zur nächsten Tanke kurven. Der 12-Uhr-Termin ist im höchsten Maße unsozial.

Frage: Hat darüber auch nur ein Minister oder Bundestagsabgeordneter nachgedacht? Kanzler, Minister und Bundestagsabgeordnete nutzen in der Regel Dienstwagen mit Chauffeur oder die Fahrbereitschaft des Bundestages.

Diese Leute müssen sich null-Komma-nix mit so profanen Themen wie günstiges Tanken beschäftigen.

Erste Tankstellen-Pächter denken inzwischen darüber nach, ihre Station an den jeweiligen Mineralölkonzern zurückzugeben. Einige schreiben nach eigenen Angaben trotz der brutal hohen Spritpreise aktuell Verluste. Ihre Verträge mit den Konzernen enthalten, wie ich lernen musste, Klauseln, die für die Pächter wie ein Maulkorb wirken. Deshalb kann ich Ihnen, liebe Leserschaft, hier und heute auch keine Namen von den betreffenden Tankstellen und erst recht nicht von deren Pächtern nennen.

Nun höre ich bereits gedanklich die Entgegnung von Politikern, welche die 12-Uhr-Regel durchgesetzt haben: „Wir machen doch bloß das, was in Österreich seit langem gilt.“ 

Mag sein, aber auch dort regt sich Widerstand – gegen die neueste Vorschrift, dass der Spritpreis dort nur noch drei Mal pro Woche (Mo., Mi., Fr.) steigen darf. 

Wichtiger Unterschied zwischen Deutschland und Österreich: Der Ösi-Staat langt bei den Steuern anders etwas weniger zu als unser Land. In D kassiert der Staat rund 64% des Literpreises. In A sind es 58%. 

Kleiner Neidmacher am Rande: Für Benzin zahlt man in der Alpen-Republik um die 1.80 Euro, für Diesel um die 2.01 Euro.

Zum Schluss: Wer glaubt, hohe Spritpreise führten in Deutschland zu einem geringeren Absatz von Benzin, irrt. Mehrere Tankstellenpächter erklärten auf Anfrage: Die verkaufte Menge „ist etwa genauso groß wie sonst auch.“

Fazit: Viele Dienstwagen-Fahrer treten weiterhin aufs Gaspedal. Einige „Selbstzahler“ – aber bei weitem nicht die Mehrheit – fährt etwas verhaltener. Aber nur etwas.

Und: Die Aggressivität auf den Straßen nimmt zu (siehe auch die aktuelle Untersuchung).

Munter bleiben

Herzlichst

Ihr Axel Schuller

P.S.: Es gibt ehemals leitende und Top-Beamte wie Staatsräte in Bremens öffentlichem Dienst, die Nachzahlungen auf die ohnehin sehr auskömmlichen Pensionen rückwirkend zum 1.1.2024 für himmelschreiend ungerecht halten. 

Bekanntlich sollen auch Pensionäre (die bis zu 71 Prozent ihres letzten Gehaltes als Pension erhalten) wie aktive Bedienstete monatlich 2,5 Prozent mehr Geld (in Beamtendeutsch: Alimentation) erhalten. Einige – mir bekannte – Ex-Leitende wollen die durch Gerichts- und Regierungsentscheid zusätzlichen Einkünfte spenden. Details werden geklärt, sobald die ersten Abrechnungen vorliegen.

P.P.S.: Der Gastkommentar des BDZV-Vorsitzenden Matthias Ditzen-Blanke vom Wochenende (und die Kommentare dazu) ist auf eine bundesweite Resonanz gestoßen.