Gastkommentar: Bremens herausragende Rolle in Europa als „City of Space“

05.09.2026 3 Von Axel Schuller

Siegfried Monser, offizieller Raumfahrt-Koordinator des Landes Bremen, ist zutiefst von den Zukunftschancen der Hansestadt überzeugt. Sein Credo lautet: „Bremen verfügt über Unternehmen mit internationaler Bedeutung, eine leistungsfähige Forschungslandschaft, gut ausgebildete Fachkräfte und ein dichtes Netzwerk aus Wirtschaft und Wissenschaft.“ Lesen Sie hier seinen Gastkommentar für bremensogesehen.

Siegfried Monser schreibt:

  • April 2026: Die Artemis-2-Mission der NASA kehrt mit vier Astronauten sicher von einer Mondumrundung zur Erde zurück.
  • Juni 2026: Eine Ariane 64 bringt auf einen Schlag 36 Satelliten für Amazon Leo ins Weltall.
  • August 2026: OHB erhält einen Auftrag von knapp einer Milliarde Euro zum Bau von 18 Satellitenplattformen für das neue Satellitenkommunikationssystem der EU, IRIS².

Drei aktuelle, global viel beachtete Ereignisse der Raumfahrt, die eines gemeinsam haben: Bremen, die „City of Space, war an allen maßgeblich beteiligt. 

Das europäische Servicemodul für Artemis 2 wurde bei Airbus in Bremen gebaut, die Ariane-Oberstufe kommt von ArianeGroup aus der Hansestadt und OHB in Bremen baut einen wichtigen Teil der neuen europäischen Satelliteninfrastruktur. 

Das ist kein Zufall. 

Wenn es um Raumfahrt in Europa geht, fällt der Blick unweigerlich auf Bremen. Hier trifft eine starke Industrie auf Forschung, Wissenschaft und Ausbildung. Mehr als 140 Unternehmen und rund 20 wissenschaftliche Institute sind am Standort aktiv. 

Neben den großen Unternehmen wie OHB, Airbus oder ArianeGroup gehören dazu zahlreiche Zulieferer, spezialisierte Mittelständler und junge Raumfahrtunternehmen. Unternehmen wie DSI Aerospace oder ZARM Technik zeigen, wie breit das Spektrum reicht. 

Junge Start-ups wie Marble Imaging oder Polaris lassen die Branche aufhorchen Dazu kommen die Universität Bremen, die Hochschule Bremen, das Zentrum für angewandte Raumfahrttechnologie und Mikrogravitation (ZARM) und das ESA Business Incubation Centre für Start-ups. 

Forschungsinstitute, wie das DLR-Institut für Raumfahrtsysteme oder das Deutsche Forschungszentrum für künstliche Intelligenz (DFKI) belegen die hohe Forschungskompetenz des Standortes.

Dieses effiziente Bremer Ökosystem ist gerade jetzt ein großer Vorteil. Denn Raumfahrt gewinnt weltweit an Bedeutung. Das gilt für die Wissenschaft, aber zunehmend auch für Sicherheit und strategische Unabhängigkeit. 

Satelliten liefern Kommunikation, Navigation, Erdbeobachtung und wichtige Daten. Moderne Verteidigung ist ohne weltraumgestützte Systeme nicht  denkbar. Der Krieg in der Ukraine hat zudem deutlich gemacht, welche Bedeutung sichere und verlässliche Satellitenkommunikation hat. 

Genau hier setzen etwa die Programme  SatcomBw4 der Bundeswehr wie auch das europäische IRIS²-Programm an. Beide werden mit wesentlichen Bremer Know-how umgesetzt.

Aber Raumfahrt ist mehr als Sicherheit und Infrastruktur. Auch die wissenschaftliche Raumfahrt bietet Bremen große Chancen. Mit Artemis geht es zurück zum Mond. Bei europäischen Wissenschaftsmissionen wie HERA und LISA sind Bremer Kompetenzen gefragt. Und mit der ESA-Mission RAMSES entsteht bereits das nächste anspruchsvolle Projekt: Die Sonde soll den Asteroiden Apophis untersuchen, wenn er 2029 vergleichsweise nah an der Erde vorbeifliegt. 

Die Ariane Trägerrakete garantiert zudem den unabhängigen europäischen Zugang zum All. 

Hinzu kommen die vielen Anwendungen, die im Alltag oft selbstverständlich geworden sind: Wettersatelliten, Erdbeobachtung, Navigation und Kommunikation. Auch bei Galileo, dem europäischen Satellitennavigationssystem, hat Bremen zentrale Beiträge geleistet. 

Dass die Bedeutung des Standorts auch politisch gesehen wird, zeigt sich ebenfalls. Für Bremen ist dabei wichtig, dass Politik, Wirtschaft und Wissenschaft mit einer gemeinsamen Stimme auftreten. 

Der Bremer Senat hat die Raumfahrt deshalb seit Jahren zu einem Schwerpunkt gemacht – und dabei immer wieder den Schulterschluss mit anderen starken Raumfahrtstandorten in Deutschland gesucht. Gemeinsam werden der Bund, die EU oder die ESA angesprochen.

Die Voraussetzungen für die Zukunft sind damit gut. 

Bremen verfügt über Unternehmen mit internationaler Bedeutung, eine leistungsfähige Forschungslandschaft, gut ausgebildete Fachkräfte und ein dichtes Netzwerk aus Wirtschaft und Wissenschaft. 

Entscheidend wird sein, diese Stärke weiterzuentwickeln und auch neue Unternehmen und Technologien an den Standort zu holen.

Die Bremer sind bekanntlich eher hanseatisch zurückhaltend, wenn es um die eigenen Erfolge geht. In der Raumfahrt gibt es dafür eigentlich keinen Anlass. Die vergangenen Monate haben gezeigt, welche Rolle Bremen heute schon spielt.

Und wenn es nach den vielen Projekten und Ideen am Standort geht, kann das auch in Zukunft nur eines bedeuten:

Per Bremen ad Astra

Soweit der  Gastkommentar von Siegfried Monser.

Liebe Leserschaft, Bremer neigen nicht dazu, eigene Erfolge in die Welt hinaus zu posaunen. Deshalb habe ich Siegfried Monser (68) gebeten, Bremens Stand als „City of Space“ einmal aus seiner Sicht zusammenzufassen. Der Autor war zuletzt 25 Jahre in der Raumfahrt-Sparte von Airbus im Bereich Kommunikation tätig.

Munter bleiben!

Herzlichst

Ihr Axel Schuller 

P.S.: Volker Redders Verriss der Bremer KI-Strategie und die Dokumentation von Jens Eckhoffs Brachial-Kritik an Bremens neuer Doppig-Software im Blog haben hohe Wellen geschlagen. Leider überwiegend hinter vorgehaltener Hand – via persönlichen Nachrichten an mich. Mal schauen, ob und wie ich dies noch aufbereiten kann.