Fähnchen-“Skandal” – unglaublich viel Zeitungs-Platz für Denunziantin

06.12.2023 8 Von Axel Schuller

„Der größte Lump im ganzen Land, das ist und bleibt der Denunziant“, wusste schon Hoffmann von Fallersleben (1798-1874). Im Weser-Kurier scheint diese Sicht jedoch nicht immer präsent zu sein: Jüngst half das Blatt mit einer völlig überzogenen Berichterstattung, einen Bremer als vermeintlich rechts-extrem an den Pranger zu stellen. Eine Leserin, die zu feige war, ihren Namen „in der Zeitung zu lesen“, durfte einen Nachbarn denunzieren, weil der ein nicht mal „DIN-A-4-großes“ (erlaubtes) Preußen-Fähnchen auf dem Balkon flattern ließ. Wird man seiner Wunschrolle als seriöse Zeitung wirklich gerecht, wenn man einer Frau (mit Blockwart-Gen?) soviel Platz einräumt?

Liebe Leserinnen und Leser, nach dem Erscheinen des unsäglichen Artikels in der Montagsausgabe hatte ich mir vorgenommen: Ne, ich schreibe nicht über jeden Unfug, den diese selbsternannte „Qualitäts-Zeitung“ verzapft. Nun hat der WK heute jedoch zum zweiten Mal über das Fähnchen geschrieben. Der betroffene Gewoba-Mieter hat sich nämlich in der Redaktion gemeldet und beteuert, er sei gar kein Rechter, sondern finde die „Flagge“ lediglich hübsch – hätte man vermutlich auch vorher herausfinden können…

Unterm Strich: Ein Fall für die Korrektur-Rubrik des Blattes, unten auf Seite 2. Fertig, aus die Maus.

Mal abgesehen davon, dass ich mich – wie viele Kommentatoren auf der WK-Website – frage, ob die Denunziantin nix Sinnvolleres zu tun hat und ob dem WK lesernahe Themen ausgegangen sind, greife ich den Fall aufgrund der zweiten WK-Artikels nun doch auf.

Er berührt nämlich den mittlerweile weichen Kern dieser Zeitung: Wer, um Gottes Willen, achtet in diesem Blatt auf Qualität, Sinnhaftigkeit der Berichterstattung, innere Konsistenz von  Kommentaren?

Zuständig ist im vorliegenden Fall die Ressortleitung Lokales. Laut Impressum: Maren Beneke und Mathias Sonnenberg (Ex-BILD). Sowie presserechtlich ganz oben auf der Leiter: Chefredakteurin Silke Hellwig.

Würden die drei genannten Verantwortlichen die OnlineLeserzuschriften auf weser-kurier.de zu den beiden Fähnchen-Machwerken lesen, dann könnten sie bloß eines tun: Vor Scham im Boden versinken.

Ich betrachte den teils leserfernen, teils mühsam zusammengestoppelt wirkenden, oft uninspirierten und ambitionslosen Lokalteil mit traurigem Blick. Ohne die Autoren Jürgen Theiner und Joerg-Helge Wagner wäre es um das Blatt geradezu verheerend bestellt. Man könnte die Mannschaft dann glatt „Club der toten Dichter“ nennen – was noch zu positiv wäre. 

Der aktuelle, bedauernswerte Zustand des Weser-Kurier ist – sorry für die Deutlichkeit – nur zu lösen, indem Chefredakteurin und Ressortleiterin Lokales rasch ausgewechselt werden. Silke Hellwig hat als Schreiberin noch immer einen guten Ruf. Lokalchefin Maren Beneke galt früher als passable Redakteurin des Wirtschaftsressorts. Aber in ihren aktuellen Führungsrollen möchte man den beiden kein Arbeitszeugnis ausstellen müssen.

Munter bleiben!

Herzlichst

Ihr Axel Schuller