Bremer Elend: Einnässende Kinder, Behörden planen bis zur Eiszeit, Diätenerhöhung

04.04.2024 5 Von Axel Schuller

„Das Glück der Erde, so sagt man, liegt auf dem Rücken der Pferde. Ein Großteil des Bremer Elends kann man mit einem Blick in unsere Tagesmedien erfassen. Sie glauben mir nicht? Dann lassen Sie uns mal gemeinsam auf Weser-Kurier und Radio Bremen vom 4. April schauen. Die Stichwörter lauten: Erstklässler können überwiegend kein Deutsch / Bau der Eisenbahnwerkstatt sorgt für Zug-Verspätungen / Hitzeaktionsplan dauert noch / Elektroschocker soll nicht wehtun / Diätenerhöhung für Abgeordnete.

Schulalltag in einer Kattenturmer Brennpunktschule. 2 von 21 Erstklässlern sprechen zu Hause Deutsch – mehr nicht. Die Schulleiterin berichtet: „Viele Kinder haben Probleme, die Schuhe alleine an- und auszuziehen, den Stift zu halten, alleine zur Toilette zu gehen.“

Nicht im zweiten, dritten Kita-Jahr, nein in der ersten Klasse einer Grundschule!

Weiter. Viele Kinder haben Förderbedarf. Darauf weisen Lehrer in der ersten Klasse hin, das entsprechende Fachgutachten liegt meist erst in der DRITTEN Klasse vor. 

Weiterer Elends-Bedarf? Viele Eltern bringen ihre Erstklässler nicht vor 8.15h, Schulbeginn ist um 8.00h

Die Schulleiterin berichtet im WK ferner, einige Eltern gäben ihren einnässenden Kindern keine Wechselwäsche mit. Folge: Einige sitzen bis 15h in vollgepinkelter Kleidung. Das ist für die Kinder grässlich und erniedrigend. Für die „trockenen“ Jungs und Mädchen übrigens auch. Urin stinkt nach einiger Zeit  bekanntlich.

Diese präzise und betont sachliche WK-Beschreibung, liebe Leserschaft, trifft auf viele Bremer Grundschulen zu. Und unsere alles andere als großartige rot-grün-rote  Regierungskoalition? Sie weigert sich konstant, Vorschulklassen einzurichten. Dort würde man den Kindern Basics wie Deutsch, Toilettenbesuch, Schuhe an- und ausziehen beibringen.

Das RGR-„Argument“ gegen Vorschulen: Man wolle die betroffenen Kinder – um Gottes Willen – bloß nicht ausgrenzen.

Man kann es nicht fassen. Dieses „Argument“ ist an Zynismus – ich finde auch an Ignoranz der Lebenswirklichkeit – nicht zu übertreffen.

Nächstes Thema: Diese Koalition redet unentwegt von den Gefahren des Klimawandels. Bremen ist demnach schier in seinen Manifesten erschüttert. Aber, die Bruch-Verwaltung dieses Landes kriegt es nicht gebacken, einen „Hitzeaktionsplan“ innerhalb von über zehn Monaten auf die Beine zu stellen. „Begründung“: Es müssten schließen sehr, sehr viele Experten und Behörden unterschiedlicher Senatsressorts an der Entstehung des „Hitzeaktionsplans“ beteiligt werden. 

Da sitzt du nur noch fassungslos vor der Zeitungsmeldung und denkst: Zum Glück wird’s die nächste Eiszeit schon regeln.

Ach ja, in diesem Plan geht es übrigens nicht um: Das Aufspannen von Sonnensegeln im Weltraum, damit die Sonne weniger auf Bremen niederbrennt oder um Einsatz-Pläne für die Zwangs-Verlegung Gefährdeter an Hitzetagen in ad-hoc-freizuräumende Freibäder oder ähnliches. Nein, die Umweltbehörde plant den Bau öffentlicher Trinkwasserbrunnen und denkt sich Flugblätter aus, die – im Fall der Fälle – eindringlich vor den Folgen drohender Hitze warnen sollen.

Ich befürchte: In China fragen sie sich angesichts solcher Zeitungsmeldungen, natürlich zwischen mehreren Lachanfällen: What the fuck is Germany, what the fuck is Bremen?

Nächstes Thema: Der Senat plant und plant – das kann er vermutlich noch am besten. So spielt unsere Regierung seit Jahren mit dem Gedanken, in Oslebshausen eine Eisenbahn-Werkstatt zu bauen. Erst kamen bei Grabungen Gebeine russischer Zwangsarbeiter zu Tage. Die wurden – natürlich – ausgegraben und würdevoll bestattet. Nun kommt aus Reihen WissenderLokführer, DB-Betriebsräten – der zarte Hinweis, die Entfernung zwischen Hauptbahnhof und künftiger Werkstatt ziehe mannigfache Leerfahrten nach sich, die deutlich mehr Zeit kosteten als Leerfahrten zu einer denkbar näheren Werkstatt in der „Oldenburger Kurve“ (wenn sie mit dem Zug nach Delmenhorst fahren. 

Folge: Große Ratlosigkeit.

Ist es denkbar, dass sich das Oslebshauser Grundstück in Bremer Besitz befindet und die Hansestadt somit auf einen Millionen-Betrag hofft, wenn die Bahn die Großfläche für die Werkstatt kauft? 

Weiteres Thema (bei Radio Bremen): LINKE, Grüne und SPD (ja, die älteste deutsche Partei gehört der Koalition tatsächlich noch an) einigen sich darauf, neben dem SEK auch die „Unterstützungs- und Eingreiftruppen“ (UEG) für den Ernstfall mit Elektro-Schockern auszustatten. Diese besonders geschulten Polizisten m/w dürfen den Taser aber nur einsetzen, wenn sie dies in Ton und Bild dokumentieren. 

Bin gespannt, ob die Datenschützer noch kraftvoll Widerspruch einlegen werden…

Die Daten-Liebhaber hatten in der Vergangenheit ja auch verhindert, dass anonyme 110-Anrufe vom Handy rückverfolgt werden. (Anders als bei 112-Anrufen). Es gibt Sachen in unserem Staat, die kann sich selbst ein böswilliger Kabarettist nicht ausdenken.

Noch mal zu den gestrengen Rahmenbedingungen des TaserEinsatzes: Muss eigentlich ein Schuss mit der Polizei-Dienstpistole auch in Ton und Bild dokumentiert werden?

Damit Sie, liebe Leserschaft, die Regelungsfreunde „Ihrer“ Koalitionäre voll auskosten können, dokumentiere ich die Presseerklärung der Grünen zum Thema Taser-Einsatz in einem Extra-Stück.

Vorerst letztes Thema (von Radio Bremen): Die Diäten der 87 Bürgerschaftsabgeordneten (dem Saarland reichen 51 Landtagsabgeordnete) steigen von Juli an um über 500 auf fast 6.200 Euro (für Halbtagsabgeordnete!). Radio Bremen liefert dazu fast schon mitfühlend eine Begründung: Die Abgeordneten könnten nichts dagegen unternehmen. Denn das Abgeordnetengesetz koppelt die jährliche Anpassung der Diäten an die durchschnittliche Lohn- und Preissteigerungen.

Och, die Armen aber auch.

Davon träumt ein Großteil der Bevölkerung – dieses Millionen-Volk nennt man Rentner (nicht zu verwechseln mit teilweise wohlhabenden Pensionären des Staates und öffentlich-rechtlicher Anstalten).  

Munter bleiben!

Herzlichst

Ihr Axel Schuller