Entlarvend: Ex-SPD-General kritisiert im „Fall Bas“ die Journalistenschar / Böhmermann…

14.10.2026 16 Von Axel Schuller

Was ist mit meinem Berufsstand bloß los? Immer mehr Journalisten wirken wie verkappte Politiker. Statt zu schreiben, was ist, versuchen Kollegen manchmal mit ihrer Schreibe, selbst Politik zu machen. Der Rücktritt von Bärbel Bas (58, SPD) hat nicht nur Polit-Profis wie Bürgermeister Dr. Andreas Bovenschulte Maß und Mitte verlieren lassen – auch Journalisten waren rudelweise daran beteiligt. Kevin Kühnert, Ex-SPD-General, hat verdienstvoll auf die zweifelhafte Rolle von Journalisten im Fall Bas hingewiesen. Heute geht es hier außerdem um das unsägliche Wirken des Bremers Jan Böhmermann.

Bleiben wir zunächst bei Bärbel Bas (58).

Diese schwarz-rote Koalition im Bund ist inzwischen so weit runtergerockt, dass eine scheidende Bundesministerin nicht einfach gehen kann (bevor sie vermutlich gehen musste). Nein sie schlägt in ihrer Trauer um die 51jährige Stieftochter und Freundin noch einmal mit der Moral-Keule in Richtung Koalitionspartner CDU.

Lars Klingbeil, Manuela Schwesig, aber auch „unser“ Andreas Bovenschulte nutzten dies auf sehr fragwürdige Weise, um die „Schwarzen“ als unmoralische Gesellen dastehen zu lassen. Meist gebrauchte Adjektive in diesem Zusammenhang: „unmenschlich“ und „rücksichtslos“.       

Die Genannten und viele andere Politiker, aber auch unzählige Journalisten – wie der Berliner WK-Korrespondent – stimmten in den Chor der Krokodilstränen-Vergießer ein. 

Tenor: Kanzler Friedrich Merz und andere Christdemokraten hätten Bärbel Bas derart zugesetzt, dass sie in der ohnehin schweren Trauerzeit nun alle Kraft verloren habe.

Als wacher Geist fragt man sich: Wann und wo haben CDU-Politiker Bas öffentlich auf so niederträchtige Weise attackiert?

Und siehe da: Es gibt für diese Vorwürfe keinen Beleg aus den vergangenen vier Wochen.

Und nun kommt Kevin Kühnert ins „Spiel“. Der Ex-Generalsekretär der SPD hat jüngst das Augenmerk auf die Journalisten und deren Tun gelenkt.

In wenigen Worten: Politiker wie Merz & Co (aber auch Landes- und Kommunalpolitiker) sprechen in sogenannten Hintergrundgesprächen mit Journalisten wirklich offen und ungeschützt, um Zusammenhänge besser verständlich zu machen. Laut Pressekodex gilt: Über den Inhalt dieser Hintergrundgespräche wird nicht gesprochen und erst recht niemals daraus zitiert. 

Genau das haben aber Journalisten offenbar getan, haben kritische Äußerungen von CDUlern über Bas – tuschel, tuschel – an andere weitergetratscht; an Sozis, an Kollegen etc.

(Einen Link zu Kühnerts in sozialen Medien veröffentlichten Text finden Sie unten; ebenfalls die Original-Erklärung von Andreas Bovenschulte zum Rücktritt. 

Bärbel Bas wird es aktuell schlecht gehen. Trotzdem darf, nein, muss man auch daran erinnern, wie die Frau früher selbst ausgeteilt hat – ohne Rücksicht auf Verluste. Vor Jusos schimpfte sie über Arbeitgeber – sie wisse, gegen wen man kämpfen müsse / gegen die Herren in ihren bequemen Sesseln und teilweise in Maßanzügen. Und die Mahnung des Bundeskanzlers, der Sozialstaat sei in der jetzigen Form nicht zu halten, bezeichnete sie gar als „Bullshit“.

Es ist schon seltsam. Während unser Heimatblatt Bas’ Rücktritt am Dienstag mit Berichten, Kommentar und Äußerung von Bovenschulte als unmoralisch und schäbig gebrandmarkt hatte, fanden sich in der Mittwochs-Ausgabe keine erhellenden Hintergründe. Etwa, dass es keine öffentlich zugänglichen Belege für etwaige niederträchtige CDU-Attacken auf Bas gibt.

Nichts. Thema erst emotional hochgegeigt, und dann: Schluss. 

FAZ, ja sogar die Frankfurter Rundschau und andere waren da aufklärender unterwegs. Wie Presse eben im besten Fall agiert. In anderen als den heimischen Medien konnte man sogar vom Verdacht erfahren, dass Bas beim Abgang kräftig gegen den Koalitionspartner ausgeteilt hatte, um womöglich die SPD in Richtung rot-rot-grünes Bündnis zu schieben. Manuela Schwesigs heftige Wortwahl gegen die Union verstärkte den Verdacht.

Merkwürdig: Zugleich sitzen in der WK-Redaktion Kollegen, die mit heimischen Politikern von Rot, Dunkelrot und Grün – sagen wir mal – nachsichtiger umgehen.

Beispiele:

Als Wirtschaftssenatorin Kristina Vogt (Linke) vor dem Parlamentarischen Untersuchungsausschuss mit vollem Ernst behauptete, sie wisse nicht, wie viele persönliche Referenten ihr zuarbeiten, berichtete das Heimatblatt brav und sachlich. Was die Kollegen von einem gepfefferten Kommentar abhielt, ist bis heute ihr gut gehütetes Geheimnis. Zur Erinnerung: Persönliche Referenten haben im öffentlichen Dienst ein ganz besondere „Vertrauens-Rolle“ – ihre Stellen müssen nicht einmal öffentlich ausgeschrieben werden.

Vogt blieb angeblich auch im Amt, um die Einheitsfeierlichkeiten von Bundesratspräsident Bovenschulte nicht zu stören. Aber, selbst nach dem 3. Oktober, keine bohrenden Fragen, ob Vogt jetzt vllt doch mal Konsequenzen ziehen wolle. Nix.

Ähnlich freundlich gingen Kollegen mit Wissenschaftssenatorin Dr. Henrike Müller (Grüne) um.

Die schlug der Bremischen Bürgerschaft vor, die für bremische Hochschulen geltende Zivilklausel abzuschaffen. 

Grüne, SPD und Linke ließen die „eigene“ Senatorin jedoch brutal abblitzen. Folgen: KEINE. 

Der WK konnte sich nicht mal zu einem einordnenden Kommentärchen aufraffen.

Vorerst letztes Bremer Trauerspiel:

Der Bremer ZDF-„Kabarettist“ Jan Böhmermann, spielte in seinem „ZDF Magazin Royal“ vom 2. Oktober einen Film ein:

Er auf einer blauen „Schwalbe“, verkleidet als AfD-Wahlsieger von Sachsen-Anhalt, Ulrich Siegmund. Böhmermann knattert „als Siegmund“ über die Landstraße, wird plötzlich von einem Lkw überrollt. Lacher im Publikum. 

Das reichte den Film-Verantwortlichen aber noch nicht. Der Lkw setzt – über das „Unfallopfer“ hoppelnd – zurück, um erneut drüber zu fahren. Wieder Lacher.

Darauf: Kein Wort der Empörung von irgend einem Politiker in Bremen. Immerhin kokettiert Böhmermann mit seiner Herkunft aus Vegesack. Und immerhin durfte dieser Unterhaltungs-Mensch in Bremen Nord schon die Haltestellen in BSAG-Bussen ansagen.

Aber: Keinerlei Reaktion in der Hansestadt.

Was wäre wohl gewesen, wenn ein „rechter“ TV-Clown die Linken-Galionsfigur Heidi Reichinnek o.a. (per KI-Technik)  überfahren hätte?

Die Antwort, liebe Leserschaft, mögen Sie sich selbst geben.

So, hier der Link zu Kevin Kühnert und Bovenschulte. Lohnt sich in echt.

https://bremensogesehen.com/20261014-doku-kuehnert-bovenschulte-bas/

Munter bleiben!

Herzlichst

Ihr Axel Schuller

P.S.: Zum Wochenende ein „Demokratie-theoretischer“ Gastkommentar – jedoch mit sehr praktischen Auswirkungen.