Zahnlose Medien schonen die Grünen / Link zum Beifang der Sachsen-Anhalt-Wahl

09.09.2026 6 Von Axel Schuller

Ach die Bremer Medienwelt. Manchmal wünscht man sich glatt, Radio Bremen und Weser-Kurier würden fusionieren. Dann würden eher mal komplette Nachrichten transportiert. Aber, wird natürlich nix. Dafür müsste es nämlich einen starken Gegenpol geben. Wie ich auf den abstrus klingenden Gedanken komme? Aus purer Verzweiflung über die Berichterstattung der beiden Noch-Groß-Medien über eine Mitgliederversammlung der Grünen Regierungspartei. Herzzerreißend in beiden Medien: Die Zahnlosigkeit. ACHTUNG: Am Schluss ein wirklich interessanter Link zur Sachsen-Anhalt-Wahl. Unbedingt reinschauen!

Die Grünen sitzen seit 19 Jahren im Senatssaal am Regierungstisch. Diese Grünen bestimmen als Koalitions-Partner (aktuell mit SPD und Linken) über Bremens Wohl und Wehe mit. 

Doch diese Grünen sind an ihrer Basis schlechter organisiert als

  • die Bremer SPD (3.300 Mitglieder), 
  • die Bremer Linke (2.031 Mitglieder) oder auch 
  • der Landesverband der Gartenfreunde (17.000 Mitglieder). 

Die drei genannten verfügen immerhin über ein Delegiertensystem. Bedeutet: Alle Mitglieder wählen in Orts- und Stadtteilen oder eben in Kleingartenanlagen Delegierte m/w, die in eine Delegiertenversammlung entsandt werden.

Dies schafft eine Verbindlichkeit und misst den Delegierten eine Verantwortung bei. Kurzum. Solch eine Struktur erhöht die Ernsthaftigkeit des eigenen Tuns als Delegierter m/w.

Bei den Grünen (1.745 Mitglieder) fehlt diese Struktur. Die Folge: Bei der Bremer Regierungspartei gilt: JeKaMi – jeder kann mitmachen. 

Also: Nach Lust und Laune kommt man/frau bei einer Mitgliederversammlung; je nach Bock und Gemütslage stimmt man über Anträge ab – egal, ob’s um ne neue Fahrradbrücke, um den Erhalt der Stahlwerke, das Eingehen einer Koalition mit anderen Parteien oder auch die Aufgabe von Bremens Status als Bundesland geht. 

Bei der jüngsten Mitgliederversammlung bettelte der Grünen- Landesvorstand um Marek Helsner und Josephine Assmus darum, künftig das Abstimmungsrecht von der Landesmitgliederversammlung auf eine Landesdelegiertenkonferenz zu übertragen.

Jedoch: Nur 63 statt der erforderlichen 66 Prozent „der  Mitgliederversammlung“ unterstützten den Vorstands-Wunsch. In absoluten Zahlen: 89 Grüne votierten für das Delegiertensystem, 44 waren dagegen und 7 enthielten sich. 

Das muss man mal sacken lassen: nur 140 von 1.745 Mitgliedern haben ihr Stimmrecht ausgeübt. 1.605 Frauen und Männern wären als Mitglieder stimmberechtigt gewesen, haben aber nicht teilgenommen. 

Das muss man sich mal vorstellen: 91,97 Prozent der Grünen in Bremen und Bremerhaven haben ihren Landesvorstand komplett hängen lassen – durch Nicht-Erscheinen.

Und unsere wunderbar unabhängigen Medien WK und RB ergehen sich im freundlichen Rapportieren. Während der WK die Abstimmungszahlen akribisch berichtet (ohne Hinweis auf die Gesamtzahl aller Mitglieder), ist RB zwar die Mitgliederzahl einer Erwähnung wert, aber keine weiteren Zahlen-Details.

Daher der Spontan-Gedanke: Packt beide einfach zusammen.

Ist natürlich Blödsinn. Gemeinsam war beiden Berichten (leider) die Zahnlosigkeit.

Man stelle sich mal vor, bei SPD oder gar CDU erschienen bloß 8 Prozent der stimmberechtigten Mitglieder zu einer vom Landesvorstand als wichtig bezeichneten Versammlung.

Oh weia, da wäre im lichten Bremer Medienwald aber etwas los. Forderungen nach Rücktritten der Landesvorstände wären vermutlich das Mindeste.

Aber bei den Grünen? Da empfinden viele Kollegen in Bremer Medien offenbar eher Mitgefühl als professionelle Distanz.

Zum Schluss noch etwas außer der Reihe.

Über die Wahl in Sachsen-Anhalt am vorigen Sonntag haben Sie, liebe Leserschaft, bereits viel erfahren. 

Dennoch empfehle ich, sich mal das Gespräch von Boris Palmer mit Constantin Schreiber dazu anzuhören. Mal etwas anderes. 

Außerdem: Bremens CDU-Spitzenfrau Dr. Wiebke Winter, hatte sich darauf eingelassen, abends bei WELT-TV als Interviewpartnerin ins Studio zu setzen. 

Das hätte sie, aus meiner Sicht, besser gelassen.

Hier der Link zu beiden Stücken.

https://bremensogesehen.com/20260909-sachsen-anhalt-wahl-beifang-winter-palmer/

Munter bleiben!

Herzlichst

Ihr Axel Schuller 

P.S.: Bitte beachten Sie am Wochenende den nächsten Gastkommentar. Es lohnt sich!